Testbericht

Panasonic DMR-BCT720 im Test

Blu-ray-Rekorder schreiben auf Festplatten, Discs und Speicherkarten. Nur waren sie lange Sat-TV-Nutzern vorbehalten. Jetzt kommt der erste Aufnahmekünstler für Kabel-Kunden auf den Markt. Ein Test mit großen Erwartungen.

Panasonic DMR-BCT720

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Panasonic DMR-BCT720

Pro

  • starke Bildqualität
  • Netzwerk-Funktionen
  • Doppel-Tuner
  • Aufnahmen-Auslagerung auf USB HDD

Contra

  • etwas träge Bedienung

Man kann auf CI-Plus schimpfen, wie man will: auf die Aufnahmesperren, Timeshift-Auflagen oder Spulbeschränkungen, die die Schnittstelle zum Entschlüsseln von TV-Programmen erlaubt. Aber es gibt seit ihrer Einführung auch mehr Freiheiten. Denn vorher war der Kabel-Receiver- Markt deutlich dominiert von den Kabelnetzbetreibern und ihren Set-Top-Boxen. Nur mit ihnen war die legale Entschlüsselung von digitalem Kabel-TV möglich. Ein lebendiger Markt fehlte, der DVB-C-Receiver hervorgebracht hätte mit mehr Qualität und Funktionen als die von den Kabelnetzbetreibern bereitgestellten Set-Top-Boxen.

Doch mittlerweile unterstützen alle relevanten deutschen Kabelnetzbetreiber CI-Plus. Das bedeutet: Wer heute einen DVB-C-Receiver mit CI-Plus-Schnittstelle kauft, sollte ihn überall in Deutschland einsetzen können, wenn er CI-Plus-Modul samt Smartcard von seinem Kabelnetzbetreiber erhalten hat. "Dass es erst jetzt eine einheitliche Lösung für die Entschlüsselung von DVB-C-Signalen in Deutschland gibt, ist einer der Gründe, warum wir so lange auf den ersten Blu-ray-Rekorder für digitales Kabel warten mussten", erklärt Michael Wagner, Marketing Manager Home AV bei Panasonic Deutschland. Mit seinen Rekordern für Sat-TV dominiert der japanische Hersteller seit Jahren den deutschen Markt. Für DVB-C war bislang nur der DVD-Rekorder DMREX93C erhältlich, der jedoch nur in der Lage ist, Signale in SD-Qualität zu empfangen.

Panasonic DMR-BCT720: Optik und Funktionen

Die neue Blu-ray-Rekorder-Linie für DVB-C von Panasonic kann selbstverständlich auch High-Definition-Signale entgegennehmen. Und davon zwei gleichzeitig, denn alle Modelle besitzen zwei eingebaute Tuner.

Wir haben uns den DMR-BCT720 angeschaut. Er unterscheidet sich vom BCT721 in Silberoptik allein durch das Äußere, vom 100 Euro teuren BCT820 hauptsächlich in der Größe der eingebauten Festplatte. Während das Spitzenmodell einen 1-TByte-Speicher besitzt, kommt der BCT720 mit 500 GByte aus.

Panasonic DMR-BCT720 Fernbedienung

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Sie gewinnt keinen Designpreis, doch sie besitzt viele hilfreiche Tasten: Last View etwa, um zum vorherigen Sender zurückzukehren, oder Radio/TV, um zwischen Radio- und Fernseh-Programmen zu wechseln.

Unter der Haube des Rekorders steckt noch viel mehr: Denn er ist HDTV-Receiver, Rekorder, 3D-Blu-ray-Spieler, Netzwerk-Media-Player sowie Server in einem Gerät. Er besitzt also all das, was man von einem Wohnzimmer-PC erwartet, aber bislang kaum mit diesem Komfort erhält.

Panasonic DMR-BCT720: Einrichtung

Das zeigt sich bereits beim Einrichten. Der Nutzer wird etwa gefragt, wie der BCT720 die Sender sortieren soll: nach der von Panasonic bereitgestellten Senderliste oder nach der vom Kabelnetzbetreiber per LCN (Logical Channel Number) übermittelten Sortierung. Danach führt der Rekorder durch die Netzwerk-Einstellungen, um per Kabel (LAN) oder Funk (WLAN) Verbindung mit dem Heimnetz aufzunehmen.

Panasonic DMR-BCT720 EPG

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Informativ und praktisch: Die elektronische Programmzeitschrift (EPG) erhält ihre detailreichen Programm-Informationen vom Rovi Guide. Während der Auswahl einer Sendung lässt sich das laufende Programm in der linken, oberen Ecke weiter verfolgen.

Wer diesen Schritt überspringt, verzichtet auf viele nützliche Funktionen. Denn der BCT720 zeichnet nicht nur Programme auf, sondern stellt sie auch im Netzwerk bereit. Aktuelle Fernseher, Blu-ray-Spieler oder Media-Player können so die Aufnahmen über das Netzwerk streamen, wenn sie in der Lage sind, die Transport-Streams abzuspielen.

Panasonic DMR-BCT720: Streaming

Bei neuen Panasonic-TVs und -Blu-ray-Playern ist sogar noch mehr möglich. Über einen kleinen Umweg lässt sich auch das laufende TV-Programm streamen, indem man mit dem Rekorder eine Aufnahme startet und sie mit diesen Panasonic-Netzwerk-Clients aufruft. Dieser Umweg ist bei Smartphones oder Tablet-PCs mit Android- oder iOS-Betriebssystem (Apple) nicht nötig, wenn die kostenlose App DIGA Player installiert ist. Sie können selbst einen anderen TV-Sender als der Rekorder empfangen (siehe dazu den Kasten auf Seite 43).

Panasonic DMR-BCT720 Messlabor

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Der DMR-BCT720 skaliert SD-Quellen vorzüglich auf HD, wenngleich er es mit der Schärfe ein wenig übertreibt, was der leicht ansteigende Helligkeitsfrequenzgang (schwarze Linie) zeigt und in minimalen Doppelkonturen resultiert. Die Tuner-Empfindlichkeit ist auf einem sehr guten Niveau, die Programm-Umschaltzeiten könnten dagegen gerne etwas kürzer sein.

Verantwortlich dafür ist der eingangs erwähnte Doppel-Tuner samt zwei CI-Plus-Einschüben für die Entschlüsselung eingehender Signale. Doch um zwei verschiedene Sender gleichzeitig aufzunehmen, müssen nicht beide Steckplätze belegt sein. Befindet sich nur ein CI-Plus-Modul plus Smartcard im Gerät, kann der Rekorder während der Aufnahme ein Programm entschlüsseln, das andere zeichnet er verschlüsselt auf und wandelt es im Anschluss um.

Panasonic DMR-BCT720 : Aufnahme

Um Platz auf der Festplatte zu sparen, kann der Nutzer die Aufnahmequalität in verschiedenen Stufen regeln - eine Eigenschaft, die Set-Top-Boxen oder Fernsehern mit Recording-Funktion abgeht. So lassen sich bis zu 341 Stunden HD-Kost auf der internen Festplatte aufzeichnen, während in Originalqualität nur rund 75 Stunden Platz haben. Ist der interne Speicher voll, können die Aufnahmen auf eine externe USB-Festplatte geschaufelt werden. Oder man brennt Blu-ray Discs oder DVDs, die sich auf nahezu allen aktuellen Blu-ray-Playern abspielen lassen.

Den internen Speicher voll zu bekommen ist nicht schwierig: Über den Scart-Eingang an der Rückseite können Analog-Quellen auf die Festplatte digitalisiert werden. Audio-CDs lassen sich rippen und mit Titel-Informationen von der Online-Datenbank Gracenote als MP3 ablegen. Oder der Nutzer kopiert Fotos von eingelegten SD-Karten. Doch nicht alle Wege stehen offen. So lassen sich etwa Videos von USB-Festplatten nicht übertragen. Außerdem werden USB-Festplatten mit NTFS-Dateisystem nicht erkannt. Auch Musik auf der internen Festplatte lässt sich nicht auslagern.

Welche Übertragungswege gesperrt sind, ist nicht immer ganz durchsichtig. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auf der Panasonic-Website das Handbuch abrufen. Dort findet er eine detaillierte Beschreibung. Hier erfährt er auch, welche Formate von welchem Speichermedium wiedergegeben werden: MKV-Videos etwa von angeschlossenen USB-Festplatten, eingelegten Blu-rays oder DVDs, nicht aber von SD-Karten oder UPnP-Servern im Heimnetz. Hochauflösende Musik im FLAC-Format spielt der Rekorder aus dem Netzwerk und von USB-Speichern ab, aber nicht von Blu-rays oder DVDs.

Panasonic DMR-BCT720: Bildqualität

Dafür versteht er sich vorzüglich auf 3D-Kost. Stereoskope Fotos im MPO-Format und AVCHD-Camcorder-Aufnahmen in 3D Full HD sind für ihn kein Problem. Wenn eine Quelle nur in 2D vorliegt, kann er sie in 3D umrechnen. Denn im BCT720 steckt die Bildintelligenz von Panasonics aktueller Blu-ray-Player-Reihe.

Das bedeutet auch eine klasse Bildqualität. Full-HD-Quellen erscheinen gestochen scharf mit brillanten Farben, sodass ein äußerst plastisches Bild entsteht. Bei SD-Quellen sind nur minimale Doppelkonturen an harten Objektkanten bei ganz genauem Hinsehen wahrnehmbar. Für erfahrene Nutzer stellt Panasonic zudem Regler für die Bildkalibration bereit. Und der Rekorder greift wie die Player auf viele Internet-Angebote zu. Zusätzliche Online-Inhalte gibt es über HbbTV: Der interaktive Videotext führt nicht nur zu Programm begleitenden Informationen, sondern auch zu Mediatheken der TV-Sender.

Fazit

Panasonic hat viel Entwicklungsarbeit mit Blu-ray-Rekordern für Sat-TV geleistet. Das kommt jetzt den ersten Universal- Rekordern für DVB-C zugute. Deshalb kann der DMR-BCT720 die hohen Erwartungen voll erfüllen. Kabel-TV-Nutzer müssen damit in Sachen Komfort und Qualität von nun an nicht mehr leidvoll auf Sat-TV-Empfänger blicken.

Download: Tabelle

Mehr zum Thema

Panasonic DMR-BSt800
Testbericht

Rekorder, TV-Receiver und Player: Panasonic hat seinen neuesten Aufnahme-Künstler in allen Bereichen mit aktueller Spitzentechnik ausgestattet.
TV-Innovationen
TV-Innovationen

Amsterdam war der Schauplatz für das Debüt der neuen Panasonic-Fernseher. UHD steht fürs laufende Jahr genauso auf dem Programm wie High Dynamic…
Blu-Ray-Recorder
IFA Media Briefing 2014

Die beiden Blu-ray-Recorder DMR-BCT und BST 940 von Panasonic bereichern mit Kabel- und Antennenempfang oder Satelliten-TV das Heimkino. Sie bieten…
Panasonic DMP-BDT465
Blu-Ray-Player

Der Panasonic DMP-BDT465 zeigt im Test, dass er ein echter Multimedia-Künstler mit interessanten Netzwerk-Fähigkeiten ist.
Panasonic TX-58AXW804
58-Zoll-TV

Mit dem Panasonic TX-58AXW804 geht ein 4K-TV zum Preis von 2599 Euro ins Rennen. Wir haben den 58-Zöller im Test.