Testbericht

Office-Pakete: Sternen-Offensive

Ob sich das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" im neuen StarOffice bestätigt, soll ein Test der Beta-Version des Office-Pakets zeigen. Mitte Oktober letzten Jahres hat Sun den Quelltext von StarOffice im Internet freigegeben, Anfang 2002 soll die Final-Version erhältlich sein.
Auf der Basis von OpenOffice entwickelte die Open-Source-Community die Version 6.0, die als lizenzkostenfreie Betaversion schon jetzt unter www.sun. com/staroffice/ heruntergeladen werden kann (ca. 100 MByte).

Office-Pakete: Sternen-Offensive

© Testlabor Printredaktionen

Office-Pakete: Sternen-Offensive

Der Vorteil von freier Software: Wer sich schon immer über Bugs oder fehlende Features im Programm geärgert hat, konnte beim neuen StarOffice - wenn er über entsprechende Programmierkenntnisse verfügt - aktiv am neuen Produkt "mitbasteln". Wir haben die neue Version auf einem Testrechner unter Windows 98 SE und 2000 getestet.

Als Mindestvoraussetzung für das neue Office-Paket nennt Sun einen PC mit Windows 95 und 64 MByte RAM, empfiehlt aber den Einsatz unter Windows 2000 oder XP. Wer mit Linux arbeitet, sollte laut Sun mindestens die Kernel-Version 2.2.13 und eine glibc2 2.1.2 verwenden.

Aufgeräumte Oberfläche

Nach der Installation und dem ersten Start fällt zunächst die Veränderung in der Windows-Startleiste angenehm auf. Der von vielen Anwendern wenig geschätzte integrierte Desktop ist entfernt worden. Stattdessen wählt der User nun direkt auf der Startleiste aus, welchen Dokumententyp er öffnen will. Auf dem Desktop erscheint nur das ausgewählte Modul für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation oder Zeichnung. Die benutzerfreundliche Oberfläche ist in der neuen Version erhalten geblieben.

Sun betont, dass der veränderte Desktop auf vielfachen Wunsch der Anwender zurückzuführen ist. Außerdem soll der Umstieg von einem anderen Office-Paket hin zu StarOffice vereinfacht werden.

Datenaustausch

Vorbildlich ist die Nutzung offener Standards wie HTML, ODBC und Java. Als größte technische Neuerung im Office- Paket dürfte die Einführung von XML als gemeinsames Dokumentformat für alle Programm-Module gelten. Durch die sprachenunabhängige, offene Schnittstelle API lässt sich StarOffice in die vorhandenen IT-Strukturen einbinden. Gleichzeitig hat Sun die Im- und Exportfilter verbessert, um den Datenaustausch zwischen StarOffice und Microsoft Office zu verbessern.

Unsere Tests zeigen, dass auch der Datenaustausch zwischen Microsofts neuem Office-Paket XP und StarOffice reibungslos funktioniert. Aus MS Office eingebettete Objekte können Sie jetzt beispielsweise in StarOffice-Objekte umwandeln und umgekehrt. Neu ist der Umgang mit MS-Office-Diagrammen. StarOffice importiert sowohl 2D- als auch 3D-Diagramme.

Ebenfalls benutzerfreundlich ist der Import von bestehenden Adressdateien. Beim ersten Start von StarOffice erscheint auf dem Bildschirm ein Auto-Pilot, der bei der Übernahme von Adressdaten, etwa aus Mozilla/Netscape 6.x, Outlook oder dem Windows System- Adressbuch, behilflich ist.

Genug ist genug

Wo andere Firmen ihre Programme mit immer neuen, nicht immer sinnvollen Features überfrachten, schlägt Sun die genau entgegengesetzte Richtung ein. Einen E-Mail-, News- oder FTP-Client gibt es in der neuen Version nicht mehr. Sun verteidigt den Wegfall dieser Komponenten damit, dass nur wenige User diese genutzt hätten.

StarOffice enthält alle Programm- Module, wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation, die ein leistungsstarkes Office-Paket auszeichnen. Sehr nützlich ist der integrierte Euro-Konverter, den es bereits in Version 5.2 gab. Was mit dem Terminplaner Schedule geschehen soll, der in der jetzigen Beta nicht mehr vorhanden ist, steht allerdings noch in den Sternen.

Fazit

Zwar läuft die Betaversion manchmal noch etwas langsam, aber dafür macht sie auf unserem Testrechner sowohl unter Windows 98 als auch unter Windows 2000 einen stabilen Eindruck. Überflüssige Komponenten hat Sun entfernt, so dass ein funktionstüchtiges Office-Paket übrig geblieben ist. Ob mit dem etwas bieder wirkenden StarOffice allerdings der große Schlag gegen den Konkurrenten Microsoft gelingt, ist fraglich. Immerhin hat Microsoft in puncto Benutzerfreundlichkeit mit Office XP einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Sowohl Microsofts neue Aufgabenleiste (Task Pane), als auch die SmartTags bieten dem Anwender einen deutlich verbesserten Komfort beim Arbeiten. Es hätte bei der Entwicklung von StarOffice nicht geschadet, einen Blick auf die Konkurrenz zu werfen. Trotzdem darf man auf die endgültige StarOffice- Version gespannt sein. Aus technologischer Sicht ist StarOffice ein echtes Highlight, gerade Unternehmen dürften von Suns plattformübergreifender Software profitieren. Für den Privatanwender hätte Sun das Office-Paket im Bereich Benutzerführung/ Anwenderfreundlichkeit ruhig mit ein paar neuen Features ausstatten können. Ein absoluter Pluspunkt ist der Preis. Der Anwender muss lediglich die anfallenden Download-Kosten zahlen. Sollten die Entwickler keine grundlegenden Veränderungen mehr bis zur Final- Version vornehmen, bekommt der User ein leistungsstarkes Office-Paket geboten, das trotz reduzierter Funktionen eine echte Alternative zum Konkurrenten aus Redmond darstellt.

http://www.sun.com/staroffice

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