Erster Eindruck

Nikon D4s im Hands-on: Spezialist für Speed und Low-Light

Die Nikon D4S ist ein schneller Scharfschütze: Neuer Sensor und Prozessor sowie ein verbesserter AF machen die D4-Nachfolgerin zum Spezialisten für schnelle und dunkle Motive.

Nikon D4s - Hands-on Test

© Nikon

Nikon D4s - Hands-on Test

Wenn Nikon D4s und D4 nebeneinander vor einem stehen, fällt auf den ersten Blick nur das "s" in der Typenbezeichnung als Unterschied auf. Drinnen aber hat Nikon wesentliche Elemente runderneuert. Die Nikon D4s kommt mit verbessertem neuen CMOS-Sensor im sogenannten 24x36 mm "FX"-Vollformat. Seine Auflösung bleibt aber - anders als verschiedentlich im Vorfeld vermutet - mit 16,2 Megapixeln unverändert.

Für die Ausnutzung der gesteigerten Empfindlichkeit und Geschwindigkeit des neuen Sensors der Nikon D4s ist der aktuelle Bildprozessor Expeed 4 zuständig. Hinzu kommen zahlreiche Verbesserungen im Detail, etwa beim Autofokus, der Videofunktion und der Datenübertragung. Mit der D4s bleibt Nikon also beim schon in der D4 bewährten Konzept der Reportage-Kamera und sorgt mit relativ wenigen, dafür aber großen Pixeln (7,3 µm) für hohe Lichtempfindlichkeit, große Dynamik und schnelle Datenverarbeitung.

Nikon D4s - Erster Eindruck

© Horst Gottfried

ColorFoto-Autor Horst Gottfried konnte die Nikon D4s in Augenschein nehmen.

Der neue Nikon-Bildprozessor Expeed 4 mit weiter optimierter Rauschunterdrückung und großem Dynamikumfang beschert der Nikon D4s jetzt einen ISO-Auto-Bereich von ISO 100 bis zum neuen Rekordwert von ISO 409.600, wobei die Obergrenze vorwählbar ist. Mit der Zusatzstufe L1 ist auch ISO 50 möglich. Die Bildqualität in den hohen ISO-Bereichen soll gegenüber der D4 in der D4s zum zirka eine ISO-Stufe besser sein. Ein bei der Kamera-Präsentation von Nikon gezeigtes Foto, aufgenommen mit dem ISO-Höchstwert, machte visuell einen verblüffend guten Eindruck, und deutete an, dass ISO 409.600 bei der Nikon D4s wohl mehr als ein Marketing-Gag ist.

Autofokus sicherer und schneller

Effektiv 10 B/s schaffte schon die Nikon D4 bei Serienaufnahmen sowohl als JPG wie auch RAW. Für die D4s verspricht Nikon maximal 11 B/s, und die jetzt auch mit AF-Nachführung. Ein überarbeiteter Spiegelmechanismus unterstützt die AF-Leistung und sorgt für bessere Sicht durch den Sucher bei langen Serienaufnahmen. Zur Zahl der maximal möglichen Bilder machte Nikon noch keine Angaben. Bei der D4 waren es 56 bzw. 62. Das Auslösegeräusch mit maximaler Bildrate klingt jedenfalls sehr beeindruckend, bleibt aber relativ leise, so dass sich der naheliegende Vergleich mit einem Maschinengewehr verbietet. Dennoch kommt hier unweigerlich der Gedanke auf, wie schön dabei erst eine spiegellos-leise Systemkamera wäre.

Nikon D4s - Erster Eindruck

© Horst Gottfried

Die Nikon D4s kommt mit einem 3,2-Zoll-LCD-Monitor mit 307.000 RGB-Pixeln. Die Monitor-Farbwiedergabe kann bei Bedarf individuell feinangepasst werden.

Basis des AF-Systems der Nikon D4s ist wie schon in der D4 das Phasendetektions-Autofokus-Modul Nikon Multi-CAM 3500FX und die laut Nikon in der D4s in puncto Motiverfassung verbesserte dynamische Messfeldsteuerung mit 51, 21 oder 9 Messfeldern. Das AF-System arbeitet bis LW -2 und Blenden bis f/8.

Für den Fall, dass ein besonders schneller AF gefragt ist, hat der Nikon D4s zusätzlich den neuen AF-Modus "Messfeldgruppensteuerung" mitgegeben. Damit kann der Fotograf die Position einer selektiven AF-Messfeldauswahl, bestehend aus fünf rautenförmig angeordneten Messfeldern, selber vorwählen, mit der er dann auf das ausgewählte Motivdetail, etwa einen schnellen Skifahrer, zielt. Dadurch verliert der AF keine Zeit mit der Bildanalyse und dem automatischen Treffen einer Auswahl. Außerdem werden bei Motivverfolgung per Kameraschwenk Irritationen durch andere Bilddetails verhindert, die plötzlich im Bild auftauchen und den dynamischen AF ablenken könnten.

Von der höheren Sensor-/Prozessorgeschwindigkeit der Nikon D4s profitiert jetzt auch die Full-HD-Videofunktion mit kontinuierlichem AF, die nunmehr Aufnahmen mit maximal 60p erlaubt. Full-HD-Videos sind alternativ mit 30, 25 oder 24p machbar. 4K-Video ist aber bei der D4s leider noch nicht vorgesehen, von Nikon war aber die Andeutung eines möglichen Firmware-Updates zu vernehmen. Das Live-Videosignal kann in Echtzeit über den HDMI-Ausgang ausgegeben werden, sei es zur Bildkontrolle auf einem externen Monitor oder zur Aufzeichnung auf einem Speichermedium. Mikrofonfrequenzen und Windschutzfilter können nach Bedarf gewählt werden. Auch ein externes Stereo-Mikro ist wie schon bei der D4 anschließbar.

Nikon D4s - Erster Eindruck

© Nikon

Die Bedienelemente der Nikon D4s gleichen der D4.

Schnellere Datenraten

Für die schnellere Bilddatenübertragung, wie sie etwa bei aktuellen Sportereignissen gefragt ist, erlaubt der neue Gigabit-Ethernet-Anschluss der Nikon D4s einen Datendurchsatz von maximal 1.000 Mb/s. Um im gleichen Zeitraum noch mehr Bilder übertragen zu können, bietet die D4s ein RAW-S-Format. "S" steht für "small". Dabei werden die Aufnahmen mit allen RAW-Informationen in reduzierter 4-Megapixel- statt 16-Megapixel-Auflösung und 12 Bit unkomprimiert in rund 50 Prozent kleineren Dateien gespeichert. Dies ermöglicht eine schnelle Workflow-Geschwindigkeit mit Übertragungsraten bis 185 Mb/s in kabelgebundenen Netzwerken. Die RAW-S-Auflösung ist für Veröffentlichungen in aktuellen TV-Sendungen oder in der Tages- und Sportpresse völlig ausreichend.

Mit der Nikon D4s kommt auch ein neuer Lithium-Ionen-Akku. Der um 25 Prozent leistungsstärkere EN-EL18a (10,8 V/2500 mAh) soll mit einer Ladung die knapp 6.000 Serienbilder oder gut 3.000 Einzelbilder gut sein. Er ist kompatibel mit dem bisherigen EN-EL18, so dass er mit den sprechenden Nikon-Modellen (D4, D800/E) ebenso verwendet werden kann wie eventuell vorhandene EN-EL18-Akkus in der neuen D4s.

Bildergalerie

Nikon D4S - Produktbild
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Bewährtes bleibt

Bei den weiteren Funktions- und Ausstattungsdetails setzt die Nikon D4s auf schon bei der Nikon D4 Bewährtes. Das fängt an mit dem 157 mm hohen, 160 mm breiten, 91 mm dicken und 1.350 g schweren, robusten, staub- und spritzwassergeschützten Gehäuse. Mit dem integrierten Hochformat-Handgriff liegt es schwer, aber sicher in der Hand. Die Bedienung erfolgt Nikon-typisch über die vielen Einstellelemente, auch die Menüs erscheinen wie gewohnt, nur in der Schärfe der Abbildung leicht verbessert.

Der übersichtliche 100-Prozent-Prismensucher der Nikon D4s mit 0,7x-Vergrößerung und 18 mm Austrittspupille erlaubt eine komfortable, entspannte Bildkontrolle. Eine Klapp-Möglichkeit für den bekannten 3,2-Zoll-LCD-Monitor mit 307.000 RGB-Pixeln bietet auch die D4s nicht. Die im Wesentlichen unveränderten Anzeigen und Bedienungselemente konzentrieren sich oben und auf der Rückseite. Die gummierte Daumenmulde und die Tastenanordnung wurden leicht verändert, ebenso die Konfigurierbarkeit der Funktionstasten und der kleine 4-Richtungs-Joystick.

Für Belichtungs- und Motivanalyse bleibt in der Nikon D4s der RGB-Sensor mit 91.000 Pixeln zuständig. Neben dem 24x36-mm Format (FX) bietet die D4s zusätzlich das 24 x 16 mm APS-C-Format (DX) sowie die Formate 30 x 20 und 30 x 24 mm (5:4, Faktor 1,2x). Zu den weiteren, von der D4 bekannten Ausstattungsmerkmalen gehören elektronischer Horizont, "Picture Control"-Funktion, HDR-Funktion, RAW- und Video-Bearbeitung in der Kamera und Doppel-Speicherkartenlaufwerk für XQD- und CF-Karten.

Übersicht: Alle Nikon-DSLRs im Test

Mit der Fernbedienungssoftware Camera Control Pro ist die Steuerung der Nikon D4s per Live-View-Bild am PC möglich. WLAN und GPS-Funktionen sind wie bei der D4 nur optional über Zubehöradapter möglich. Mit dem Adapter WT-5 ist die Nikon D4s zwar Wi-Fi-tauglich, eine Fernbedienung über Smartphone oder Tablet ist aber mangels App nicht möglich. Die Fernsteuerung WR-R10 erlaubt die Steuerung einiger Funktionen per Funk.

Die Preisfrage: Lohnt sich das?

Kosten soll das für März angekündigte Nikon-D4s-Gehäuse 6.150 Euro. Angesichts dieses Preises, der Größe und des Gewichts lohnt sich das neue Nikon-Top-Modell nur für Fotografen, die die gebotenen Leistungs- und Ausstattungsmerkmale wirklich im professionellen Einsatz benötigen, also vor allem Schnelligkeit und Reserven bei wenig Licht.

Spannend wird es, demnächst im ColorFoto-Labortest zu sehen, ob die Nikon D4s und der neue Bildprozessor Expeed4 noch etwas mehr Auflösung aus dem neuen 16-Megapixel-Sensor herauskitzeln. Bei der D4 gab es da noch Luft in Richtung Nyquist-Grenze. Wenn es vor allem um Auflösung geht, dürften aber die Nikon D800 und 800E und auch die D610 die Nase vorn behalten.

Die Nikon D4s-Neuerungen auf einen Blick

  • Neuer CMOS-Sensor mit 16,2 Megapixel
  • Neuer Expeed4-Bildprozessor
  • ISO 100-25600; erweiterbar manuell auf Lo1 - Hi4 (ISO 50-409600)
  • 11 Bilder/s mit AF-Nachführung
  • Neuer AF-Modus >>Messfeldgruppensteuerung<<
  • ca. 5960/3020 Aufnahmen pro Akkuladung mit neuem Akku EN-EL18a
  • Gigabit-Ethernet
  • Full-HD-Video mit maximal 1080p60
  • Neues, kleines RAW-Format S für beschleunigten Workflow

Technische Daten

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