DSLR für Einsteiger

Nikon D3300 im Test

Ein neuer 24-Megapixel-Sensor ohne Tiefpassfilter und ein überarbeiteter Prozessor sollen der Nikon D3300, dem jüngsten Einstiegsmodell des Nikon-D-Systems, zu einer besseren Bildqualität und mehr Tempo im Serienmodus verhelfen. Wir machen den Test.

  1. Nikon D3300 im Test
  2. Datenblatt
Nikon D3300 Test

© Nikon

Nikon D3300 Test
EUR 172,90

Pro

  • liegt gut in der Hand
  • hohe Auflösung
  • leichte Bedienung

Contra

  • langsamer Kontrast-Autofokus
63,4%
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Vor knapp zwei Jahren debütierte die Nikon D3200, eine auf einfache Bedienung abgestimmte Einsteiger-SLR mit 24-Megapixel-Sensor. Nun hat Nikon sich das Top-Modell der 3000er- Reihe noch einmal vorgenommen und technisch auf den aktuellsten Stand gebracht: Die daraus hervorgegangene Nikon D3300 kommt für 550 Euro in die Läden, wird die D3200 allerdings vorerst nicht ersetzen; vielmehr bleibt das ältere Modell weiterhin als deutlich günstige Alternative für unter 400 Euro auf dem Markt.

Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden: Die Nikon D3300 verzichtet auf den Tiefpassfilter, der in der D3200 durch minimales Weichzeichnen unerwünschte Moire- Effekte reduzieren soll, dabei aber zu Einbußen bei der Auflösung führt. Das Konzept, ohne Tiefpassfilter noch etwas mehr an Auflösung und Bildqualität herauszuholen, kennt man bereits von Profikameras wie der D800E und der Leica M Monochrom, mittlerweile auch von der nächst höher positionierten Nikon D5300 (700 Euro); in der unteren Preisklasse stellt das Fehlen des Tiefpassfilters dagegen noch immer eine Besonderheit dar.

Was die Anzahl und Größe der Pixel betrifft, bleibt bei der Nikon D3300 alles beim Alten, sprich bei den von D3200 und D5300 gewohnten 24 Millionen, 3,9 μm kleinen Pixeln auf einem APS-C-Sensor mit einer förderlichen Blende von f6,4. Beim Bildprozessor wechselt Nikon von der älteren Expeed-3-Engine der D3200 zur Expeed-4-Version, die auch in der D5300 zum Einsatz kommt.

Damit erweitert sich der Empfindlichkeitsbereich der Nikon D3300 von maximal ISO 12.800 (D3200) auf bis zu ISO 25.600 (D3300, D5300), und die Serienbildgeschwindigkeit steigt von 3,9 auf 5,0 B/s. Anders als die D5300 beendet die D3300 jedoch die Serie bereits nach 10, nicht erst nach 100 Aufnahmen.

Nikon D3300

© Nikon

Als zentrale Bedienelemente dienen das rückseitige Daumenwahlrad und die Vier-Richtungs- Wippe mit OK-Taste. "i" (links unten) führt im Sucherbetrieb zum Einstellbildschirm, im Live-View zum Schnellmenü.

Design und Ausstattung

Wie die D3200 kommt die Nikon D3300 als typische Vertreterin der kompakten SLR-Einstiegsklasse im stabilen Kunststoffgehäuse ohne Spritzwasserschutz. Die geringfügig veränderte Formgebung, etwa der oben steiler abgeschrägte Griff, fällt erst bei genauerem Hinsehen auf und ändert nichts daran, dass die Kamera bequem und sicher in der Hand liegt.

Im Vergleich zur D3200 ist die Nikon D3300 zwar kaum kleiner, aber mit einem Betriebsgewicht von 455 g leichter. Außerdem bringt Nikon zusammen mit der D3300 ein neues, besonders kompaktes Kit-Standardzoom 3,5-5,6/18-55 mm G VR II, das nur 195 g wiegt und in Transportstellung eingerastet nur etwa 5,8 cm vorne aus dem Gehäuse ragt.

An ihrer Seite hat die Nikon D3300 gut zugänglich das Fach für den SDHC/XC-Speicherkartensteckplatz und gegenüber die verfügbaren Anschlüsse, unter anderem die Buchse für Zubehör wie das optionale GPS-Modul GP-1a (rund 200 Euro) und die USB-Schnittstelle.

Nikon D3300

© Nikon

Einsteigerfreundliches Bedienkonzept: Mit dem Moduswahlrad oben am Gehäuse lassen sich unter anderem der lösungsorientierte Guideund der Effects- Modus abrufen.

Über die wird der optionale WLAN-Adapter WU-1a (rund 60 Euro) angebracht - denn im Gegensatz zu Canon und anderen Herstellern setzt Nikon in diesem Segment nach wie vor auf ein externes, nicht auf ein integriertes Modul für die kabellose Datenübertragung. Dafür hat die D3300 wie ihre Vorgängerin je einen Infrarotempfänger für Fernauslöser vorne und hinten.

SLR-Sucher und LCD-Monitor

Zwar wächst der SLR-Sucher der Nikon D3300 im Vergleich zur D3200, trotzdem deckt er weiterhin lediglich 95 % des Bildfelds ab, erreicht eine effektive Vergrößerung von nur 0,54x und zeigt keine Gitterlinien an; doch für die Preisklasse geht all das in Ordnung.

Nikon D3300

© Nikon

Zur Dynamikkontrolle bietet die D3300 den Aufnahmeparameter "Active D-Lighting"

Zum Vergleich: Canons Einstiegsmodell EOS 100D und die teurere Nikon D5300 kommen auf 95 % bei effektiv 0,52x; und nur Letztere blendet auf Wunsch Gitterraster ein. Der 3-Zoll- Monitor entspricht dem derzeitigen Standard bei Einsteiger-SLRs und liefert mit 307 000 RGB-Pixeln ein ordentliches Bild. Bei ungünstiger Sonneneinstrahlung verliert er jedoch schnell an Kontrast, außerdem ist er ohne Schwenkscharnier, also fest im D3300-Gehäuse verbaut.

Angepasster Funktionsumfang

Das Moduswahlrad weist neben den üblichen (teil)manuellen Modi (M, A, S, P) und den im Einstiegssegment obligatorischen Motivprogrammen eine weitere Einstelloption auf, die der D3200 noch fehlt: "EFFECTS", 13 an der Zahl, darunter "Extrasatte Farben", "Nachtsicht" und "Einfach-Panorama".

Andere Funktionen sucht man allerdings vergeblich, so etwa die zum Erstellen automatischer (Blitz-)Belichtungs-, ISO- oder Weißabgleich-Reihen. Die Blitzsteuerung erfolgt im "TTL"- oder im "Manuell"- Modus: Zur Wahl stehen Leistungsstufen von "1/2" bis "1/32" und "Volle Leistung", mit der das integrierte Blitzgerät im Test auf Leitzahl 7 kam. Zur Dynamikkontrolle bietet die D3300 den Aufnahmeparameter "Active D-Lighting", den der Anwender nur entweder einoder ausschalten, nicht wie an der D5300 in mehreren Stufen regulieren kann.

Nikon D3300

© Nikon

Der Neuzugang in der SLR-Einsteigerklasse wiegt nur 455 g, liegt mit seinem gummierten Griff komfortabel in der Hand und bietet aktuellste Kameratechnik mit einem 24-Megapixel- Sensor ohne Tiefpassfilter.

Autofokus legt zu

Weiterhin verbaut Nikon in der D3300 wie in der Vorgängerin einen Phasendetektions- Autofokus mit 11 Messfeldern inklusive einem Kreuzsensor und grenzt die Neue damit klar von der höher positionierten D5300 mit 39 AF-Feldern und 9 Kreuzsensoren ab.

Beim Tempo geht es einen Schritt in die richtige Richtung: Während die D3200 noch 0,53 s bei guten Lichtverhältnissen und 0,88 s in abgedunkelter Umgebung zum Scharfstellen und Auslösen benötigt, schafft die D3300 das Gleiche in durchschnittlich 0,39 (1000 Lux) bzw. 0,62 s (30 Lux). Damit liegt sie knapp 0,1 s hinter der D5300. Im Live-View-Betrieb nutzt die Nikon D3300 einen Kontrast-Autofokus und löst mit ihm erst nach deutlich zu langsamen 1,7 s aus.

Full-HD-Videos

Auch beim Filmen zeigt der Kontrastautofokus Schwächen. Vor allem bei schnelleren Schwenks von fernen zu nahegelegenen Motiven suchte die Nikon D3300 mit neuem Standardzoom oft pumpend nach der richtigen Schärfeebene. Die Videoaufzeichnung lässt sich unkompliziert mittels separatem Auslöser oben am Gehäuse starten.

Wenn dabei manuelle Belichtungseinstellungen wirksam werden sollen, muss im Aufnahmemenü unter "Videoeinstellungen" der Eintrag "Manuelle Video-Einst." aktiviert sein. Ist eben diese Option ausgeschaltet, wechselt die Nikon D3300 selbsttätig zur Live-View- Ansicht ohne Belichtungsvorschau, damit der Anwender stets sieht, was später auf dem Video erscheint.

Nikon D3300

© Nikon

Als Neuerung unterstützt die D3300 im Full-HD-Modus.

Als Neuerung unterstützt die Nikon D3300 im Full-HD-Modus neben den weithin verbreiteten Bildraten von 24 bis 30 B/s auch 50 (Videonorm PAL) bzw. 60 Vollbilder/s (NTSC). Die Full-HD-Videos enthalten weniger Rauschen und Darstellungsfehler als die der D3200, wirken aber leicht unscharf, flächig und detailarm.

Bedienkonzept

Wie die D3200 bietet die Nikon D3300 einen lösungsorientierten Guide, abrufbar über das Moduswahlrad: einfach die gewünschte Aufgabe auswählen, beispielsweise "Mehr Tiefenschärfe" oder "Fließen des Wassers darstellen", und schon hat die D3300 die passende Lösung parat. Die Fn-Taste an der Front lässt sich wahlweise mit ISO, Weißabgleich, Active D-Lighting oder Bildqualität belegen, der entsprechende Parameter dann effizient mit dem Daumenrad der Nikon D3300 verändern.

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Nikon D3300
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Bei grafischer Ansicht des Einstellmonitors zeigt die D3300 eine virtuelle Blende, die sich je nach vorgenommener Einstellung schließt oder öffnet.

Nach Drücken des "i"-Knopfs öffnet sich der Einstellbildschirm (Sucherbetrieb) beziehungsweise das Direktmenü (Live- View) für den schnellen Zugriff etwa auf Fokusmodus und Belichtungskorrektur. Das Hauptmenü präsentiert sich Nikon-typisch mit mehreren Scrolllisten; besonders lang sind diejenigen für Systemeinstellungen und Bildbearbeitung. Praktisch, dass die zuletzt angewählten Einstelloptionen gesammelt in einem separaten Untermenü erscheinen.

Bildqualität

Die Laborergebnisse bestätigen: Mit ihrem 24-Megapixel-Sensor ohne Tiefpassfilter und der offensichtlich ausgiebig überarbeiteten JPEG-Signalverarbeitung kann Nikons Nikon D3300 die Bildqualität im Vergleich zur Vorgängerin nochmal steigern.

Bei ISO 100 verbessert sich die Grenzauflösung von 1711 (D3200) auf 1886 LP/BH (D3300), der Dead-Leaves-Wert von 1185 auf 1379 LP/BH; dabei sinken die messbaren Texturverluste von 1,0 (D3200) auf 0,7 Kurtosis (D3300) und die Rauschstörungen von 0,6 auf 0,4 VN. Bei ISO 400 erreicht die D3300 noch immer eine sehr ordentliche Grenzauflösung um 1670 LP/BH und Dead-Leaves 1114 LP/BH, hält die Kurtosis unter 1,0 und den Visual Noise bei moderaten 0,5 VN, während die D3200 bereits signifikant nachlässt (Auflösung 1492; DL 845 LP/BH, 1,2 Kurtosis, 0,8 VN).

Bildergalerie

Dead Leaves, Nikon
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Dass das DL-Diagramm der D3300 die gleichen charakteristischen Merkmale aufweist wie das der D5300, spricht für eine sehr ähnliche Bildabstimmung…

Allerdings zeigen auch die D3200-Bilder einen gut sichtbaren Abfall von ISO 100 zu ISO 400 - eine typische Eigenschaft des 24-Megapixel-APS-C-Sensors auch bei Kameras anderer Hersteller. Zwischen ISO 800 und 1600 geht es dann mit der Bildqualität der D3300 deutlicher bergab.

Alles in allem kann die Nikon D3300 Konkurrentinnen wie die Canon EOS 100D übertrumpfen, aber nicht ganz zum nächst höheren Modell D5300 aufschließen. Gegenüber der bleibt sie bei Auflösung, Dead-Leaves, Dynamik und daher auch in der Gesamtwertung um wenige Punkte zurück.

Testfazit

Mit der Nikon D3300 ist die SLR-Einsteigerklasse um ein attraktives Exemplar reicher, um eine leichte, intuitiv bedienbare 24-Megapixel-Kamera für 550 Euro, die gut in der Hand liegt, sich relativ hochwertig anfühlt und eine ordentliche Bildqualität mit hoher Auflösung und schwachem Rauschen liefert.

Ob sich die von der Nikon D3300 adressierten Einsteiger die Mühe machen, die wegen des fehlenden Tiefpassfilters womöglich vermehrt auftretenden Moire-Effekte am Rechner zu entfernen, bleibt abzuwarten. Außerdem könnte der Sucher etwas größer, der Monitor wie bei der 150 Euro teureren D5300 verstellbar sein. Doch das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Kauftipp Preis/Leistung!

Nikon D3300

HerstellerNikon
Preis550.00 €
Wertung48.5 Punkte

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