Testbericht

Nikon D3 und D300

Nikons D3 ist eine klare Antwort auf die Canon EOS 1D MkIII, die aktuelle Klassenbeste, was Rauschen und Schnelligkeit anbelangt. Es bleibt abzuwarten, ob die Nikon die hervorragenden Testergebnisse der Canon toppen kann. Die D300 ist die logische Weiterentwicklung der D200 und wird mit einem gegenüber der D3 deutlich geringeren Preis auch für viele Profis interessant sein. Nicht jeder will das Vollformat, auch wenn es positiv ist, dass Nikon sein Programm in diesem Punkt jetzt abgerundet hat. 

  1. Nikon D3 und D300
  2. Datenblatt
Nikon D3 Vorderansicht

© Archiv

Nikon D3 Vorderansicht

Es wirkt wie ein Befreiungsschlag: Nikon bringt eine Profi-SLR mit Vollformatsensor - nicht in zwei, fünf oder zehn Jahren, sondern im November 2007. Das häufig beschworene Vollformat-Phantom, von Nikon-Sprechern immer wieder in den Bereich des Märchenhaften verwiesen, ist jetzt Fakt und heißt D3. Preislich ist die Neue mit 4900 Euro etwas über der D2Xs angesiedelt. Etwas weniger spektakulär kommt die D300 als Nachfolgerin der D200, was aber kein Hinweis auf nur periphere Änderungen sein soll: Die Neue hat nicht nur bei der Auflösung zugelegt, von 10 auf 12 Megapixel, sondern verfügt wie die D3 nun auch über eine Live-View-Funktion und ein völlig neues, leistungsfähigeres AF-System - Preis: 1830 Euro.

Nikon D3 Rückansicht

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Der Vollformat-Sensor der D3 bietet zwar nicht mehr Auflösung als bei der D2Xs (12 Megapixel), dafür wurde die Empfindlichkeit erhöht: maximal 25 600 ISO sind drin.

Im Vergleich zum amtierenden Profimodell D2Xs wurde bei der D3 nicht die Auflösung erhöht - es bleibt bei 12 Megapixeln -, dafür aber die Sensorfläche vom DX-Format (23,6 x 15,8 mm) auf das FX-Format (36 x 23,9 mm) vergrößert. Die Pixelgröße ist mit 8,45 µm angegeben.Gewonnen hat der Sensor auch an Empfindlichkeit: Den unteren Eckwert gibt Nikon mit ISO 200 an, den oberen mit ISO 6400. Zusätzlich aber kann die effektive Empfindlichkeit bis ISO 25 600 verstärkt werden. Angesichts solcher ISO-Höhenflüge darf man vermuten, dass die D3 auch bei moderateren Einstellungen zwischen 800 und 3200 neue Maßstäbe in Sachen Rauschverhalten setzen will. Für Studiozwecke, bei Einsatz lichtstarker Anlagen, lässt sich die Empfindlichkeit um eine Blende dämpfen, was einer Einstellung auf ISO 100 entspricht.

Eine neues AF-System soll die Zuverlässigkeit der automatischen Fokussierung weiter steigern: Es arbeitet mit 51 AF-Sensoren, von denen 15 Kreuzsensoren sind. Alternativ lässt sich aber auch, wenn das Motiv es so will, ein 21- oder 9-Punkt-Muster der AF-Felder konfigurieren. Wenn nötig, kann das AF-System für verschiedene Objektive kalibriert werden. Zudem will Nikon die Motiverkennung entscheidend verbessert haben, was sich nicht nur beim Autofokus, sondern auch bei der Belichtungsmessung und beim Weißabgleich leistungssteigernd auswirken soll. Aus diesem Grund hat man auf die zusätzliche Messung des Umgebungslichts beim Weißabgleich, möglich bei der D2Xs mit Hilfe einer weißen Kalotte oben am Prisma, verzichtet.Der neue Bildprozessor in der D3 hört auf den Namen EXPEED und verheißt Tempo: Bilddaten werden aus dem Sensor parallel über 12 Kanäle ausgelesen (4 bei der D2Xs), bis zu 9 Bilder in Serie sollen bei voller Auflösung möglich sein und 11, wenn auf DX-Format mit dann noch knapp 5 Millionen Bildpunkten umgeschaltet wird.Zum Speichern der Bilddateien sind zwei Slots für CompactFlash-Karten vorgesehen. Bilder im RAW-Format (Nikon NEF) können wahlweise im 12- oder 14-Bit-Modus gespeichert werden. Die Einschaltverzögerung soll mit 0,12 s extrem kurz sein, ebenso die Auslöseverzögerung, die Nikon mit 0,037 s angibt. Die zu erwartende Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit, wie sie in den ColorFoto-Tests gemessen wird, lässt sich daraus nicht errechnen.

Nikon D300 Vorderansicht

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Die D300 zieht bei der Auflösung mit dem neuen Profimodell D3 gleich (12 Megapixel). Beide Kameras sind mit AF-unterstütztem Live-View ausgestattet.

Der TFT-Monitor ist mit 3 Zoll Diagonale üppig bemessen, die Auflösung mit 920 000 Pixeln rekordträchtig. Ein großer Bildwinkel von 170 Grad vertikal/horizontal ist dabei fast schon selbstverständlich. Umso erfreulicher, dass dieser Monitor nun auch als Motivsucher eingesetzt werden kann. Der Live-View-Modus ist in zwei Varianten vertreten, die beide in Kombination mit automatischer und manueller Fokussierung funktionieren. Das Live-Bild wird durch den 12-Megapixel-Sensor selbst erzeugt, der Spiegel dazu aus dem Strahlengang geschwenkt.Bei der für Freihandaufnahmen vorgesehenen Live-View-Variante wird die Fokussierung über das Phasenvergleichs-AF-System gemessen, bevor der Spiegel den Strahlengang freigibt; bei jedem Nachmessen schwenkt der Spiegel kurz in die Ausgangsstellung zurück. Für verzögerungsfreies Auslösen empfiehlt sich ein Druck auf die AF-Lock-Taste, bevor der Spiegel aus dem Strahlengang schwenkt. Die zweite Live-View-Variante ("Stativ") arbeitet beim Fokussieren mit der sonst nur bei digitalen Kompaktkameras üblichen Kontrastmessung über den Bildsensor. Der Spiegel muss dabei nicht in die Ausgangsstellung zurück, dafür dauert die AF-Kontrastmessung meistens länger. Unter Zuhilfenahme der Lupenfunktion kann man das AF-Feld auf ein beliebiges Motivdetail legen. Zudem lässt sich die Lupenfunktion bei beiden AF-Modi auch zum manuellen Fokussieren verwenden.

Begrüßenswert ist die Live-View-Option auch deshalb, weil man sich das Live-Bild im Fotostudio über einen angeschlossenen PC großformatig am Monitor anzeigen lassen kann. Groß, um nicht zu sagen riesig, ist aber auch das Bild im optischen Sucher der D3: Die effektive Sucherbildvergrößerung liegt bei stattlichen 0,7.

Nikkon D3 CF-Slots

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D3 und D300 arbeiten mit CF-Karten als Speichermedium; die D3 besitzt dafür sogar zwei Steckplätze.

Die Bedienung der D3 wird einem D2Xs-Besitzer keine Rätsel aufgeben, wobei die ein oder andere Zusatzfunktion für eine positive Überraschung gut sein dürfte: So kann man sich z.B. für das exakt waagerechte Ausrichten der Kamera einen künstlichen Horizont am TFT-Monitor anzeigen lassen. Noch wichtiger dürfte freilich die Möglichkeit sein, die von anderen Nikon-Kameras bekannte D-Lighting-Funktion jetzt auch bei der Aufnahme einsetzen zu können. D-Lighting schafft einen in drei Stufen einstellbaren Kontrastausgleich, bei dem die Schatten angehoben und die Lichter gedämpft werden. Während D-Lighting bisher nur in der Nachbearbeitung von Bildern möglich war, entweder in der Kamera oder extern im RAW-Konverter, lässt sich die Funktion bei der D3 jetzt auch vorab für die Aufnahme einstellen - was Nikon "aktives D-Lighting" nennt. In diesem Fall werden JPEGs automatisch mit D-Lighting bearbeitet, was etwa bei Aufnahmeserien mit sehr kontrastreichen Motiven praktisch sein kann. Ein HDMI-Ausgang für die volldigitale Übertragung von Bilddateien etwa zu Beamern verspricht ungetrübten visuellen Genuss.

Nikon D3/D300 Autofokuseinheit

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Der neue Autofokus der D3/D300 arbeitet mit 51 Feldern, von denen 15 Kreuzsensoren sind. Im Sucher sichtbar ist normalerweise nur das aktive AF-Feld (rot), die anderen (gelb) sind ausgeblendet.

Mit einem Preis von 1830 Euro schickt sich die D300 an, dem Profimodell D2Xs den Rang abzulaufen. Bei der Auflösung (12,3 Megapixel) zieht die Neue mit der D2Xs gleich, ist aber wie die D3 mit Live-View-Funktion, 3-Zoll-Monitor, neuem 51-Feld-Autofokus sowie verbesserter Motiverkennung bei Fokussierung, Belichtung und Weißabgleich ausgestattet. Der CMOS im DX-Format (23,6 x 15,8 mm) deckt einen großen Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 3200 ab, wobei sich die Empfindlichkeit bei Bedarf bis ISO 6400 verstärken und auf ISO 100 absenken lässt. Als erste Nikon-Kamera wird die D300 mit einer Selbstreinigungsfunktion für den Bildsensor ausgestattet sein.Auch der Bildprozessor (EXPEED) entspricht dem beim neuen Profimodell verwendeten. Er ermöglicht laut Hersteller hohe Bildfrequenzen bis 6 Bilder pro Sekunde. Ergänzt man die Kamera durch das optional erhältliche Multifunktionsbatterieteil (MB-D10) mit Hochformatauslöser und zusätzlichem 4-Wege-Schalter, sollen sogar 8 Bilder pro Sekunde möglich sein. Allerdings nur dann, wenn das MB-D10 mit dem Lithium-Ionen-Akku EN-EL4a aus der D3 oder acht Mignon-Zellen (AA) bestückt wird. Alternativ verwendet man den EL-EN3e, den Standardakku der D300, die selbst mit dem EN-EL4a der D3 aber nicht betrieben werden kann. Allerdings bleibt die Kamera auch dann betriebsbereit, wenn man den Akku aus dem Gehäuse nimmt und sich nur im angeschraubten MB-D10 ein Akku befindet.Wie das Profimodell D3 ist die D300 auch mit Bearbeitungsfunktionen für bereits aufgenommene Bilder ausgestattet, die nach dem Bearbeiten neu auf die CF-Karte gespeichert werden können. Dazu gehören die Verarbeitung zu SW-Bildern, Anwendung von Filtern, Änderung der Farbbalance, Rote-Augen-Korrektur oder eine Überblendung aus zwei RAW-Bildern - und natürlich die D-Lighting-Funktion (Kontrastausgleich), die D300 und D3 aber auch direkt bei der Aufnahme und automatischen Verarbeitung zu JPEGs zur Verfügung stellen. Über 48 Individualfunktionen lässt sich die Kamera den Vorlieben ihres Benutzers anpassen (44 bei der D3).

Wie bei der D200 besteht das Gehäuse der D300 in weiten Teilen aus Magnesium und ist gegen Spritzwasser abgedichtet (was auch für die D3 gilt). Schon deshalb wird die D300 weiter eine Brücke zwischen der Consumer-Klasse und den ausgewiesenen Profimodellen bilden. Dies drückt sich auch darin aus, dass die D300 im Gegensatz zur D3 ein eingebautes Blitzgerät besitzt - und das möchte man wirklich nicht missen, weil es trotz bescheidener Leistung und Ausleuchtung beim Aufhellen von Motiven äußerst hilfreich ist.

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Test

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$umbruch$ Beurteilung nach neuen Testkriterien

Nikon D300

12 Megapixel-Kamera, die in der semiprofessionellen Kategorie von 1000 bis 2500 Euro der Gewinner ist, mit durchweg guter Bildqualität. Zwar liegt sie in der Grenzauflösung leicht hinter den Geräten von Canon oder Pentax. Aber dank geringem Bildrauschen und einem guten Wert in der Farbgenauigkeit schafft sie die beste Bildqualität bei ISO 100 in ihrer Kategorie und schiebt sich damit in den Bereich professioneller Kameras. Dieser hohe Anspruch bleibt bestehen, auch bei den höheren Empfindlichkeiten belegt sie jedes Mal den höchsten Wert in punkto Bildqualität in ihrer Kategorie. Dank schneller Auslösung ist die Nikon D300 unangefochtener Testsieger ihrer Kategorie und bekommt einen Kauftipp für die hohe Bildqualität.

Nikon D3

Das Spitzenmodell von Nikon überzeugt mit durchgängig guten Werten in der Bildqualität. Zwar reicht die Auflösung der 12-Megapixel-Kamera nicht an die Canon 1Ds heran, aber in der Auslösung ist sie schon mal einen Tick schneller. Überzeugend sind die exzellenten Kurtosiswerte (Textur) und die geradezu phänomenalen Werte in Bezug auf das Bildrauschen. Die Bildqualität bei ISO 100 ist sehr gut - und das bleibt auch so bei ISO 400. Bei ISO 800 liegt sie auf demselben Spitzenwert wie die Canon 1Ds und übertrumpft sie sogar bei ISO 1600 noch. Dort setzt sie die Höchstmarke im gesamten Test. In der Gesamtpunktzahl liegt die Nikon D3 dann nur mit einem halben Punkt Unterschied auf Platz zwei.

Nikon D300 Menü Presets

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Die vorhandenen Presets zur Bildverarbeitung können in fünf Parametern schnell und einfach modifiziert werden.
Nikon D300 Menü Presets

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Zudem gibt es mehrere Speicherplätze für eigene Einstellungen, in diesem Beispiel: "Autumn Color", "Flower" und "Vivid-2"
Nikon D3 Menü Künstlicher Horizont

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Bei der D3 kann ein künstlicher Horizont am Monitor angezeigt werden, der das waagerechte Ausrichten der Kamera ermöglicht.
Display Nacht Nikon D3

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Die Anzeige im LC-Display der beiden Nikon-Modelle D3 und D300 wechselt bei Dunkelheit die Farbe, um Blendeffekte zu vermeiden (Abbildung D300).

Nikon D3

HerstellerNikon
Preis4300.00 €
Wertung73.5 Punkte
Testverfahren1.5

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