TESTBERICHT

Nikon Coolpix P510

Mit 42-fachem Brennweitenbereich und üppiger Ausstattung will die Nikon Coolpix P510 in der Megazoomklasse punkten.

  1. Nikon Coolpix P510
  2. Datenblatt
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© Nikon

Eine kleinbildäquivalente Brennweite von 1000 Millimetern war bislang sündteuren Spezialobjektiven vorbehalten, mit denen zum Beispiel Sportfotografen spannende Strafraumszenen auch von der Mittellinie einfangen konnten. Als erste Kompaktkamera knackt die Nikon P510 jetzt die magische 1000er Grenze und legt auf das 36-fach Zoom des Vorgängermodells Nikon Coolpix P500 noch eine Schippe drauf. Es ist müßig zu diskutieren, ob diese Gigantomanie sinnvoll ist oder nicht. Solange die Qualität stimmt, stört ein Plus an Ausstattung ja eigentlich nie. Schon im ausgeschalteten Zustand ist diese Kamera 110 mm tief. Wird die maximale Brennweite aufgerufen, fährt die Optik auf ca. 170 mm Gesamtlänge aus. Aber auch dann liegt die Kamera noch erstaunlich gut in der Hand. Der Griff an der rechten Kameraseite ist gummiert und dadurch gut zu halten, auch wenn er für kräftige Hände etwas knapp bemessen ist. 

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© Nikon

Das Einstellrad an der Kameraoberseite erlaubt die Wahl des Belichtungsmodus. Von der Programm- über Zeit- und Blendenautomatik bis zur komplett manuellen Einstellung ist alles an Bord, was das Fotografenherz wünscht. Das Einstellrad ist griffig und rastet gut. Das zusätzliche Rad an der rechten Kameraoberseite ist dagegen matschig und rastet nicht richtig, was den haptischen Qualitätseindruck deutlich trübt.  Um die vielen Funktionen bedienen zu können, hat auch der Vierwegetaster noch eine Drehfunktion (Einstellen von Zeit und Blende) erhalten, allerdings ist das etwas filigran. Die anderen Tasten sind von guter Qualität, die Kennzeichnungen deutlich. Das Menü ist einfach und überschaubar, inklusive Schnellzugriff auf Bildgröße, Picture Control, Weißabgleich, Belichtungsmessung, Serienaufnahme, ISO-Empfindlichkeit und Messfeldvorwahl. Das Betätigen der Fn Taste bringt hier die voreingestellten Größen direkt zur Anzeige. Das 3 Zoll große Display mit 307.000 RGB-Pixeln gibt Farben natürlich wieder und bildet angenehm scharf ab. Es ist nach oben und unten neigbar und erlaubt damit auch Aufnahmen aus schwierigen Positionen ohne erhöhte Verletzungsgefahr. Neben dem Display besitzt die P510 einen elektronischen Sucher zur Bildkontrolle, der so gestaltet ist, dass ihn auch Brillenträger benützen können - sehr hilfreich. Den unglaublichen Brennweitenbereich von 24 bis 1000 mm (KB) hatten wir schon angesprochen. Unterschiedliche Brennweiten können dabei gespeichert werden. Durch Betätigen der seitlichen Taste am Objektiv werden die gespeicherten Brennweiten dann nacheinander durchfahren, die kürzeste Brennweite zuerst. Ist nur eine Brennweite gespeichert, stellt die Kamera sie automatisch ein - auch wenn es die Maximalbrennweite  ist.  Dass man trotz Bildstabilisator bei diesen langen Brennweiten nicht auf ein Stativ verzichten sollte, ist klar. Schon das Fokussieren ist bei 1000 mm Brennweite ein Problem. Wenn Sie bislang noch nicht wussten, wie sehr Ihre Hände zittern: Hier merken Sie es. Nikon hat diesem "Stativzwang" Rechnung getragen: Der Gewindeeinsatz ist aus Metall und sehr günstig fast in der Kameramitte plaziert. Die Ausstattungsliste der Coolpix P510 ist umfangreich: Ein GPS-Modul zeichnet den Aufnahmeort auf, so kann die Reiseroute später nachverfolgt werden. Außerdem gehören nützliche Funktionen wie HDR-Automatik, Panoramaaufnahmen mit 180 oder 360 Grad sowie 3D-Bilder dazu. Ob man dagegen die kamerainterne Bildbearbeitung "mit einer großen Auswahl an Filtereffekten" nutzen will, scheint eher fraglich. Muss man ja aber auch nicht. Mit 9 Ausstattungspunkten kommt die Kamera dem Maximum von 10 Punkten jedenfalls ziemlich nahe.  Bleibt als letzte Frage die nach der Bildqualität. Der 16-MP-CMOS-Sensor löst bei ISO 100 im Weitwinkel 1561 LP/BH auf, der Randabfall ist mit rund 420 LP/BH stark. Noch mehr Punkte kostet allerdings der Texturverlust. Was ein Kurtosiswert von 2,8 (ISO 100, WW) erahnen lässt, bestätigen die Testaufnahmen: Flächen wirken unnatürlich geglättet, die Gesichtshaut unserer Modelle wie unter viel zu viel Schminke begraben. Da schießt der Bildprozessor deutlich über das Ziel hinaus. Dieser Effekt geht bei zunehmender Empfindlichkeit zurück, dafür stört dann ein deutliches Rauschen. Alles in allem erwarten wir von einer Kamera im Preisbereich über 400 Euro eine deutlich bessere Bildqualität.  Fazit: Eine perfekt ausgestattete Megazoomkamera, deren Bildqualität aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Nikon Coolpix P510

HerstellerNikon
Preis370.00 €
Wertung40.5 Punkte
Testverfahren1.6

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