Testbericht

Nikon Coolpix L21

Nikon stellt die Coolpix L21 als Kamera für die ganze Familie vor. Zwar fehlt ihr ein robustes stoß- und wasserfestes Gehäuse, um sie auch Kleinkindern gefahrlos anvertrauen zu können. Doch bei einem empfohlenen Verkaufspreis von 90 Euro lässt sich der Schaden gegebenenfalls noch eher verschmerzen als bei einer hochwertigen Lifestyle-Kamera, die das Drei- bis Vierfache kostet.

  1. Nikon Coolpix L21
  2. Datenblatt
Nikon Coolpix L21 Seitenansicht

© Nikon (Hersteller)

Nikon Coolpix L21 Seitenansicht

In der pinkfarbenen Variante, die uns für den Test vorlag, dürfte die Nikon vor allem bei den Töchtern sehr gut ankommen. Alternativ gibt es die L21 in Dunkelbraun oder "Champagne-Silver". Damit auch die Kinder mit ihr problemlos zurechtkommen, macht Nikon aus der L21 eine Vollautomatikkamera, die konsequent auf Einstellmöglichkeiten verzichtet - je schlanker das Menü, desto weniger kann verwirren oder von Kinderhand versehentlich verstellt zu durchweg misslungenen Bildern führen. Tatsächlich besteht das übersichtliche Aufnahmemenü gerade einmal aus den vier Einträgen "Bildqualität/-größe", "Weißabgleich", "Serienaufnahme" und "Farbeffekte". Wer diese vier Parameter unverändert lassen will, kann ohne weiteres mit den Werkseinstellungen loslegen.

Die Kehrseite an diesem minimalistischen Konzept: Der Fotograf hat kaum Spielraum, muss sich notgedrungen auf die Kameraautomatik verlassen, kann kaum Einfluss auf das Ergebnis nehmen oder manuell korrigieren, wenn ihm das Ergebnis nicht gefällt. Was ist beispielsweise, wenn die Automatik zu einem relativ hohen ISO-Wert greift? Die Bildqualität leidet dadurch deutlich, das Farb- und Luminanzrauschen nimmt sichtbar zu (siehe "Bildqualität"). Manuelle ISO-Wahl - Fehlanzeige! Nicht möglich, bewusst mit längeren Belichtungszeiten und niedrigeren ISO-Werten zu fotografieren, die Kamera dabei auf dem Tisch oder einer Mauer abzustellen, um das Bild nicht zu verwackeln. Auch die Belichtungsmessmethode lässt sich nicht einstellen. Ohne digitalem Zoom kommt grundsätzlich die Matrix-Messung mit 256 Feldern zum Einsatz. Bis 2-fachem Digitalzoom verwendet die L21 die mittenbetonte, darüber hinaus die Spotmessung - doch der Einsatz des digitalen Zooms ist ohnehin nicht zu empfehlen. Schärfe, Kontrast und Farbstättigung regelt die L21 ebenfalls grundsätzlich selbst. Da überrascht beinahe, dass man den Weißabgleich sowohl über Festwerte und die Automatik als auch über "Messwert speichern" individuell vornehmen kann. Nikon integriert zudem mehr als ein Dutzend Szenenprogramme, eine Motivautomatik und eine Bewegungserkennung (Motion Detection). Im Smart-Porträt-Modus braucht der Fotograf die Kamera nur auf sich selbst zu richten, die L21 passt daraufhin sowohl den Fokus als auch die Belichtung an und löst automatisch aus, wenn alles passt.

Ausstattung

Die Nikon L21 gehört zu den wenigen neuen 8-Megapixel-Kameras am Markt. Die Größe des CCD-Sensors entspricht dagegen dem aktuellen Standard: 1/2,3-Zoll. Das 3,6-fach-Zoom reicht von 41 bis 145 mm KB-Äquivalent. Zur Bildstabilisierung gibt es lediglich eine elektronische Lösung. Nikon verzichtet auf den Lithium-Ionen-Akku; wegen der beiden AA-Batterien misst die Nikon Coolpix ganze 2,8 cm in der Tiefe und wiegt im Betriebszustand 181 g. Videos nimmt die L21 mit maximal 640 x 480 Pixeln, ohne Autofokus und optischem Zoom auf.

Handhabung

Das 2,5-Zoll-Display ist für heutige Verhältnisse klein, liefert jedoch eine rauscharme Vorschau, die auch im Dunkeln genau mit dem Foto übereinstimmt. Eine Verwacklungswarnung kommt nicht. Die Kunststoffbedienelemente haben keinen klaren Druckpunkt, und das Zoom arbeitet zwar leise, aber langsam. Dafür punktet der Autofokus mit einer hohen Trefferquote bei gutem wie schwachem Umgebungslicht, und die Auslöseverzögerung liegt mit 0,41 (WW) bzw. 0,67 s (Tele) im grünen Bereich.

Bildqualität

Die Nikon Coolpix L21 spielt im Messlabor zwei weitere Stärken aus: Sie kann Motive mit ausgeprägten Kontrasten ordentlich darstellen - dank hohem Dynamikumfang (9,5/8,7 Blenden bei ISO 80/400); außerdem hält sie das Bildrauschen mit 1,3/2,3 VN auf einem in dieser Preisklasse ungewöhnlich niedrigen Niveau. Doch die Nebenwirkungen des massiven Rauschfilters bleiben nicht aus: Die gemessenen Kurtosis-Werte liegen bei 4,0/3,6 und sprechen für eine mäßige Feinzeichnung. Die Aufnahmen wirken teils unnatürlich, flächig und detailarm. Dazu kommt eine nach heutigen Maßstäben schwache Auflösung bis maximal 947 LP/BH. Im Tele rutscht der Wert sogar auf 706 (Ecken) bis 746 LP/BH (Bildmitte) ab. Die Abbildungsfehler des Objektivs, etwa die Randabschattung, Verzeichnung und chromatische Aberration (Farbsäume), waren in unseren Testaufnahmen nur schwach ausgeprägt.

Fazit - Nikon Coolpix L21

Die Coolpix L21 zeichnet sich vor allem durch ein sehr einsteigerfreundliches Bedienkonzept aus. Das Display ist zwar klein, überrascht aber mit einer stimmigen, rauscharmen Vorschau. Und der Autofokus arbeitet zuverlässig und zügig. Schade, dass die ISO-Einstelloption fehlt. Außerdem greift der Rauschfilter zu massiv ein und löscht feine, kontrastschwache Strukturen im Bild.

www.nikon.de

Nikon Coolpix L21

HerstellerNikon
Preis90.00 €
Wertung38.0 Punkte
Testverfahren1.5

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