Spiegellose Systemkamera

Nikon 1 V3 im Test

Mit der Nikon 1 V3 hat Nikon sein bisheriges Flaggschiff 1 V2 renoviert. Die neue spiegellose Systemkamera für 850 Euro kommt mit verbessertem Hybrid-Autofokus, Klapp-Touchscreen und WLAN-Funktionalität. Im Testlabor muss sich die V3 beweisen.

  1. Nikon 1 V3 im Test
  2. Datenblatt
Nikon 1 V3 Test

© Nikon

Nikon 1 V3 Test

Pro

  • hohes Tempo
  • kompakt
  • Klapp-Touch-Display

Contra

  • Sucher und Handgriff fehlen
  • Schwächen in Details
57,5%

Pro

  • klein und kompakt
  • hohe Bildqualität
  • Zugriff auf Wechselobjekte
  • hohes Tempo
  • Klapp-Touch-Display
  • "Best Moment Capture"

Contra

  • Sucher und Handgriff fehlen
  • Schwächen in Details
57,5%

Weniger als Alternative zu einer SLR-Kamera, sondern für Aufsteiger aus dem Kompaktkamerasegment hat Nikon das spiegellose 1-System positioniert. Die Nikon 1 V3 bietet mit 18 Megapixeln mehr Auflösung als ihre Vorgängerin 1 V2, arbeitet mit einem kompakten Speicherkartenformat aus der Smartphone-Welt, hat aber keinen fest eingebauten elektronischen Sucher mehr.

Zu den interessanten Ausstattungsmerkmalen der Nikon 1 V3 gehören ein verbesserter Hybrid-Autofokus, ein schwenkbarer Touchscreen und erstmalig in Nikons 1-Reihe: WLAN-Funktionalitäten für drahtlose Bildübertragung und Fernsteuerung.

Der Body kostet 850 Euro, im Kit mit dem neuen 1 Nikkor 3,5-5,6/10-30 mm werden 950 Euro fällig. Zudem gibt es die Nikon 1 V3 im Bundle mit Sucher, zusätzlichem Handgriff und Kit-Zoom für rund 1.250 Euro. Passend zur Nikon 1 V3 offeriert Nikon außerdem das neue Superteleobjektiv 1 Nikkor 4,5-5,6/70-300 mm. Damit umfasst das komplette Nikkor-Angebot der 1-Reihe 13 Objektive.

Zudem lassen sich über den Bajonettadapter FT1 an der V3 AF-S und AF-I-Nikkore einsetzen - inklusive AF-Unterstützung.

Beim CMOS-Sensor setzt die Nikon 1 V3 wie schon ihre Schwestermodelle auf das 1-Zoll-Format (CX). Das ist deutlich kleiner als APS-C, das derzeit die meisten spiegellosen Kameras am Markt verwenden. Auf einer Fläche von nur 13,2 x 8,8 mm packt die V3 nun 18,4 Megapixel, bei der V2 waren es 14 Megapixel. Die Folge der höheren Pixel-Packdichte ist eine niedrigere förderliche Blende von f4,1. Abblenden ist also nur begrenzt möglich.

Nikon 1 V3, Frontansicht

© Nikon

Was der V3 fehlt, ist ein klassischer Blitzschuh. Stattdessen hat sie eine eigene Schnittstelle, an der ein passender Systemblitz und der optionale Sucher Platz finden.

Ab Blende 5,6 dürfte die Auflösung bei den meisten Objektiven wegen Beugung sinken. Die einzelnen Pixel sind kleiner und dadurch weniger lichtempfindlich, was generell höheres Rauschen und schwächere Darstellungsqualität gegenüber größeren Sensoren mit gleicher Auflösung impliziert.

Immerhin hat Nikon bei der Nikon 1 V3 auf den Tiefpassfilter verzichtet, der zwar Moire-Effekte verhindert, aber auch die Auflösung reduziert. Beim ISO-Bereich sind jetzt 160 bis 12.800 drin. Bei der V2 war bereits bei 6.400 Schluss.

Gehäuse mit Handgriff

Äußerlich sieht die Nikon 1 V3 ihrer Vorgängerin ähnlich: Das solide Gehäuse mit Teilen aus Magnesium wirkt wertig, das Design ist klar, einen Spritzwasserschutz gibt es nicht. In den Abmessungen ist sie eine Spur kleiner, und außer dem elektronischen Sucher fehlt der markante Handgriff der V2. Ohne diesen liegt die V3 dank einiger gut platzierter, flächiger Gummibeschichtungen dennoch gut in der Hand.

Wem das nicht ausreicht, der kann separat den Handgriff GR-1010 für rund 180 Euro erwerben. Die Tasten auf dem Griff sind angewinkelt platziert, sodass der Auslöser bequem erreicht werden kann. Zusätzlich ist er mit einer weiteren Funktionstaste und einem vorderen Einstellrad ausgestattet.

Mit an Bord der Nikon 1 V3 sind wie gehabt eine Sensorreinigung und ein Ausklappblitz, der mit Leitzahl 5 bei ISO 100 recht schwach ausfällt. Die Bildstabilisierung erfolgt im Objektiv. Ein Steckplatz muss konstruktionsbedingt auch der V3 genügen, allerdings ist die Neue mit einem noch kleineren micro-SD/ SDHC/SDXC-Schacht ausgestattet.

Als Verschluss stehen wie schon bei der Vorgängerin zwei Varianten zur Auswahl: ein mechanischer mit 1/4.000 bis 30 s und ein elektronischer, der Zeiten bis 1/16.000 s schafft. Der elektronische Verschluss kann allerdings zu Blooming-Effekten (ausgewaschene Lichter) oder Smearing (bunte Streifen) führen, da der Sensor dann dauerhaft dem Licht ausgesetzt ist.

Display und Sucher

Was das drei Zoll große Display mit 345.666 RGB-Pixeln Auflösung betrifft, hat die V3 gleich zwei Highlights zu bieten: Es ist ausklapp- und neigbar - ein Novum bei einer Nikon-Systemkamera der 1-Serie. Zudem handelt es sich um einen Touchscreen.

Dafür musste der Sucher weichen, der bislang zwar als Alleinstellungsmerkmal der V-Reihe galt, an der V2 aber nicht wirklich überzeugte. Den passenden elektronischen Aufstecksucher DF-N1000 kann man immerhin dazukaufen. Er ist mit knapp 350 Euro zwar kein Schnäppchen, hat mit 100 Prozent Bildfeldabdeckung und einer Auflösung von 786.333 RGB-Pixeln aber deutlich mehr zu bieten.

Bedienung

Das Bedienkonzept der Nikon 1 V3 ähnelt weitgehend der Vorgängerin, wenngleich die Bedienung teilweise nun optimalerweise via Touchscreen abläuft. Fokussieren und Auslösen machen damit richtig Spaß.  Zur Aufnahme gibt es neben den üblichen P, S, A, M- und einer Automatik sieben Kreativmodi, darunter Miniatur, HDR, Spielzeugkamera und eine Farbfilterpalette. Den "bewegten Schnappschuss" kennt man von der V2.

Nikon 1 V3, Draufsicht

© Nikon

Auf dem Drehrad stehen neun Aufnahmemodi zur Auswahl, darunter bewegter Schnappschuss, die erweiterten Videofunktionen und "Best Moment Capture".

Neu ist die Funktion "Best Moment Capture" mit drei Subeinstellungen, um einfach und präzise das beste Bild oder die treffende Sequenz einzufangen. An Tasten und Rädern besitzt die Nikon 1 V3 weiterhin ein vorderes und ein hinteres Einstellrad, um die wichtigsten Einstellungen im Schnellmenü vorzunehmen. Durch Drücken kann das Rad mit Funktionen belegt werden. Eine weitere programmierbare Fn-Taste findet sich über dem Vier-Wege-Schalter auf der Gehäuserückseite.

Zudem gibt es eine dezidierte Videotaste, eine Feature-Taste dient dazu, den Zugriff aufs Kameramenü zu erleichtern, was sich im Halbauto- oder manuellen Modus als recht praktisch erweist. Außerdem findet man ein vollwertiges Moduswahlrad, das unter anderem erweiterte Videofunktionen, "Best Moment Capture" und die Farbfilterpalette anbietet.

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Nikon 1 V3
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Zur Aufnahmekontrolle auf zwei Ebenen lässt sich ein virtueller Horizont einblenden.

Per Zeigefinger kann der Fotograf in diesen Modi auf dem Monitor am dargestellten Ring oder per Wählrad daneben drehen, um live eine Vorschau des gewählten Farbeffekts zu betrachten.

Am Aufbau des Kameramenüs wurde nichts geändert: Es ist in drei Scroll-Listen aufgeteilt, die teils sehr lang sind, was die Suche nach dem gewünschten Menüpunkt etwas umständlich gestaltet.

Hybrid-Autofokus und Video

Eine laut Nikon "bahnbrechende" Neuerung betrifft das Autofokus-System: Wie die V2 setzt auch die V3 auf einen Hybrid-AF, der außer Kontrastmessung die Phasenerkennung am Aufnahmesensor beherrscht. Diese kann jetzt auf 171 Fokusmessfelder zurückgreifen , davon 105 mit Phasenerkennung. Die V2 musste noch mit 135 Messfeldern auskommen.

Das System wechselt automatisch, wobei der Kontrast-AF insbesondere bei unbewegten Motiven und schwacher Beleuchtung zum Einsatz kommt, der Phasenautofokus indes bei glänzenden oder bewegten Motiven oder beim Filmen.

Nikon 1 V3, Frontansicht

© Nikon

Der Klappblitz bietet eine Leitzahl von 5 bei ISO 100.

Im Zusammenspiel mit dem neuen Expeed-4-Prozessor erreicht die Nikon 1 V3 Spitzenwerte von bis zu 60 B/s und 40 Aufnahmen in Serie (RAW und JPEG). Das schafft derzeit keine Profi- DSLR. Selbst Sonys Top-Modell Alpha 6000 kann mit ihren 11 B/s nicht mithalten.

Glänzende Ergebnisse erreicht die Nikon 1 V3 teils auch in anderen Tempodisziplinen, wozu der verbesserte Hybrid-Autofokus nur bei ausreichender Helligkeit beiträgt: Bei 300 Lux benötigt die V3 nur 0,23 s zum Scharfstellen und Auslösen. Bei wenig Licht bringt sie es auf mäßige 0,63 s.

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Die Auflösung fällt von ISO-Stufe zu ISO-Stufe in relativ gleichmäßigen Schritten ab. Auch dieses Charakteristikum ein Indiz für eine…

In puncto Einschaltzeit (1,9 s) könnte sie ebenfalls etwas flotter sein. Vom schnellen Phasenautofokus profitierte schon die Vorgängerin. Der Nachführ-Autofokus arbeitet durchweg leise und selbst bei geringem Umgebungslicht zügig und treffsicher. Filmaufnahmen erscheinen scharf mit vergleichsweise wenig Farbfehlern.

Die Nikon 1 V3 kann mit einem optimierten und erweiterten Video-Modus aufwarten: Full-HD-Aufnahmen mit knapp 60 B/s und Stereo- Videoton. Auch ein Mikrofonanschluss steht bereit. Darüber hinaus macht sie Zeitlupen-Videos mit 120 B/s, Zeitraffer, Jump Cut (Auto-Schnitt), 4-Sekunden- Clips und Belichtungssteuerung.

Nikon 1 V3, Hintenansicht Touch

© Nikon

Außer dem verbesserten Innenleben mit höherer Auflösung und optimiertem Hybrid-Autofokus hat Nikon das Gehäuse kräftig verändert: Die V3 muss ohne elektronischen Sucher und Handgriff auskommen. Dafür hat sie einen Klapp- Touchscreen und WLANFunktionen an Bord.

Zeitgemäß zeigt sich die V3 auch in puncto Connectivity: Als Schnittstelle hat sie USB-2.0-Anschluss sowie eine HDMI-Buchse. Als eine der wenigen Nikon- Kameras hat sie ein WLAN-Modul an Bord. So kann der Fotograf Bilder auf mobile Geräte übertragen oder die Kamera per Smartphone und Tablet fernsteuern. Die App "Wireless Mobile Utility" gibt es für iOS und Android gratis.

Bildqualität

Mehr Pixel auf dem Sensor bedeutet mehr Auflösung: Mit 1.550 LP/BH bei ISO 160 bietet die V3 Höchstwerte in Nikons 1er-Reihe. Die eher niedrigen DL-Werte von 823 LP/BH sowie derKurvenverlauf sind zudem ein Indiz, dass Nikon den Farbkontrast wenig bis gar nicht künstlich nach oben zieht. Dies bestätigen die angenehm abgestimmten Bilder.

Auffällig hoch, gerade bei den niedrigen ISO-Stufen, sind jedoch die Kurtosis-Werte, oft ein Indiz für eine kräftig zupackende Rauschunterdrückung. Und erneut bestätigt ein Blick auf die Bilder den Messwert - im Vergleich zu einer APS-C-Kamera fehlt es an Feinzeichnung.

Nikon 1 V3, Sucher

© Nikon

Der passende elektronische Sucher DF-N1000 mit 100 Prozent Bildfeldabdeckung und 786 333 RGB-Pixeln Auflösung.

In den unteren ISO-Stufen wirken die Aufnahmen etwas weichgezeichnet, Details verlieren an Strukturen, und die Farben kommen flau. Positiv wirkt sich diese Abstimmung auf das Rauschen aus. Das fällt bei der V3 gegenüber der V2 deutlich geringer aus. Die Dynamik ist mit 8,7 Blenden bis 8,3 Blenden bei ISO 1.600 etwas günstiger.

Fazit

Die Nikon 1 V3 ist so klein, dass sie in die Jackentasche passt, bietet aber gegenüber einer Kompakten deutlich bessere Bildqualität und den Zugriff auf Wechselobjektive. Im Vergleich zur V2 bringt die V3 mehr Auflösung und ein besseres Rauschverhalten.

Gegenüber APS-C-Systemkameras und -SLRs kann der 1-Zoll-Sensor allerdings nicht mithalten. Sind die Details eine Schwäche der Nikon 1 V3, liegen ihre Stärken in der Disziplin "Tempo".

Was Serienbildgeschwindigkeit und Autofokuszeiten bei hellem Licht betrifft, ist sie spitze. Davon profitiert man auch klar beim Filmen. Punkte gibt es auch für das neue Klapp-Touch-Display.

Das Bedienkonzept insgesamt passt, und die Kreativ-Tools wie bewegter Schnappschuss oder "Best Moment Capture" runden das Bundle inklusive der neuen WLAN-Funktionalität zeitgemäß ab. Was von der Nikon 1 V3 fehlt, sind ein Sucher und der Handgriff der Vorgängerin. Beides kann man aber zumindest optional zukaufen.

Nikon 1 V3

HerstellerNikon
Preis850.00 €
Wertung45.5 Punkte

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