Systemkamera

Nikon 1 J4 im Test

Nikons 1 J4 sieht in ihrem 231 g leichten, 2,9 cm schlanken Aluminiumgehäuse aus wie eine Kompaktkamera. Das neue Kit-Objektiv 3,5-5,6/ 10-30 mm ragt im Ruhezustand nur 2,7 cm vor und fährt mit Einschalten der Kamera automatisch aus dem Gehäuse.

Nikon 1 J4 im Test

© Hersteller, Christian Rottenegger

Nikon 1 J4 im Test

Nikons 1 J4 kommt einer typischen Kompakten sichtlich näher als Wechseloptikkameras wie die spiegellose Olympus E-PL7 oder die SLR-Neuheit Pentax K-S1. Zum einen, weil sie mit ihrem 2,9 cm flachen Aluminiumgehäuse ein gutes Stück zierlicher und leichter ist als diese; zum anderen, weil sie auf einen kleineren 13,2 x 8,8- mm-Sensor setzt, genauer gesagt auf einen 18-Megapixel-CMOS ohne Tiefpassfilter.

Als Besonderheit bietet sie einen dualen Bildprozessor, der schnelle Serienaufnahmen mit bis zu 59 B/s ermöglicht, und ein integriertes WLAN-Modul. Passend zum Konzept: Das Kit-Zoom 1 Nikkor VR 3,5-5,6/10-30-mmPD-Zoom fährt beim Einschalten der Kamera automatisch um rund 1,8 cm aus und beim Ausschalten selbsttätig wieder in die platzsparende Ruheposition zurück. Das Kit soll rund 590 Euro kosten.

Nikon 1 J4: Rückansicht

© Hersteller, Christian Rottenegger

Nikon 1 J4: Rückansicht

Design

Nikon verzichtet zugunsten des nüchternen Designs auf eine rutschmindernde Oberflächenbeschichtung an der Handauflage, zudem auf einen ausgeformten Griff, mit dem die Kamera zweifellos stabiler in der Hand liegen würde. Zum Speichern der Daten kommen kleine microSDHC/XC-Karten zum Einsatz.

Der eingebaute Blitz ist mit LZ3 relativ schwach und sein Klappscharnier so kurz, dass das Kit-Zoom 10-30 mm bei Weitwinkelstellung und nahen Motiven zu einer Abschattung führt. Zubehörschuh und Sucher gibt es nicht, dafür einen 3-Zoll-Touchscreen, der eine stimmige, in der Sonne jedoch schlecht erkennbare LV-Vorschau liefert.

Screen-Menüs

© Weka/ Archiv

Im Schnellmenü lassen sich wichtige Aufnahmeparameter durch Berühren der gewünschten Felder am Touchscreen ändern.

Autofokus und Videofunktion

Dass Nikon die Empfindlichkeit auf maximal ISO 12.800 begrenzt, macht angesichts der 2,5 μm winzigen Pixel durchaus Sinn. Dafür hat der Fotograf mit kurzen Verschlusszeiten bis 1/16.000 s umso mehr Spielraum. Der 171-Punkt-Hybridautofokus arbeitet relativ langsam (0,49/0,55 s bei 300/30 Lux), zieht die Schärfe aber während der Videoaufnahme einigermaßen unauffällig nach.

Mit Full-HD-Auflösung kann die J4 bis zu 60 B/s, mit HD-Qualität bis 120 B/s erfassen. Bei Schwenks kommt es jedoch wie so oft zu störenden Belichtungssprüngen. Zudem wirken die Filme detailarm, stellenweise flächig.

Screen-Menüs

© Weka/ Archiv

Im Modus Kreativpalette kann der Fotograf Helligkeit, Farbsättigung und Weißabgleich anpassen, indem er mit dem Finger über den Ring am Touchscreen streicht.

Bedienkonzept

Wegen ihres kompakten Gehäuses bleibt der 1 J4 neben dem 3-Zoll-Monitor nur wenig Platz für klassische Bedienelemente. Deshalb finden sich hier lediglich eine Menü-, Wiedergabe- und Löschentaste sowie eine recht klein geratene, mit Funktionen belegte und durch ein Wahlrad eingefasste 4-Richtungswippe. Oben verbaut Nikon ein Modusrad, dank dem zwar die Vollautomatik und der erweiterte Videomodus, aber längst nicht alle verfügbaren Aufnahmemodi direkt zugänglich sind.

Wer beispielsweise mit der Programm-, Blenden-, Zeitautomatik oder dem manuellen Modus fotografieren will, muss hier "Creative" und dann im Menü die gewünschte Betriebsart wählen. Der Touchscreen dient als zusätzliche Bedienebene, unter anderem für Eingaben im Schnell- und Hauptmenü oder zum Positionieren des AF-Messfelds und zum Auslösen - im Test reagierte er im Randbereich nicht immer zuverlässig.

Screen-Menüs

© Weka/ Archiv

Bei "Stille Auslösung" arbeitet die 1 J4 absolut geräuschlos. Allerdings steigt da- mit das Risiko für Artefakte und Bildstörungen.

Bildqualität

Zwar holt Nikon aus dem kleinen 18-Megapixel-Sensor eine hohe Grenzauflösung heraus (bis 1577 LP/BH), doch fehlt es den JPEG-Aufnahmen an Feinzeichnung und Textur - deshalb die mäßigen DL-Werte bei kontrastschwachen Motiven (bis 664 LP/BH). An kontraststarken Strukturen kommen Artefakte ins Bild; und die Kantenanhebung erfolgt asymmetrisch:

Auf der hellen Seite schießt die Signalverarbeitung mit einem Overshoot von 6,8 und einer sichtbaren Doppelstruktur über das Ziel hinaus; auf der dunklen Seite bleibt dagegen eine Verstärkung und damit der Undershoot völlig aus, was sich ebenfalls negativ auf den Bildeindruck auswirkt. Dazu kommen eine mäßige Dynamik (maximal 8,7 Blenden) und ein vergleichsweise starkes Rauschen (1,1 bis 1,7 VN von ISO 100 bis 800).

Nikon 1 J4 im Test

© Weka/Archiv

In kontrastschwachen Bildbereichen (gestrichelte Linien) weichen das DLdirect- Diagramm mit (oben rechts) und das DL-cross-Diagramm ohne Berücksichtigung der Artefakte (oben links) recht moderat voneinander ab - ab ISO 1600 dann deutlicher. Bei höheren Kontrasten sind die Artefakte durchgängig stärker. Insgesamt findet eine moderate Anhebung der kontrastreichen Strukturen statt. Ungewöhnlich ist das Kantenprofil (Mitte rechts): Während der Overshoot, in dem die Kurve über ihr dann folgendes Niveau hinausschießt, für eine sichtbare Doppelstruktur auf heller Seite spricht, bleibt ein Undershoot links der Kante (0 Pixel) vollständig aus.

Fazit

Eine bemerkenswert leichte und kompakte, spiegellose Systemkamera mit schneller Serienfunktion und echtem Lautlosmodus. In Sachen Bildqualität kommt die Nikon 1 J4 nicht an die beiden Konkurrentinnen von Olympus und Pentax mit größerem Sensor heran - vor allem wegen der schwachen Feinzeichnung und der einseitigen Kantenanhebung.

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