Wasserdichte spiegellose Systemkamera

Nikon 1 AW1 im Test

Die Nikon 1 AW1 mit 14-Megapixel-Sensor ist die erste wasserdichte und stoßfeste digitale Systemkamera am Markt. Was leistet der Newcomer?

  1. Nikon 1 AW1 im Test
  2. Datenblatt
Nikon1 AW1 Test

© Nikon

Nikon1 AW1 Test
EUR 629,00

Pro

  • Robustes Gehäuse
  • Wasserdicht

Contra

  • Umständliche Bedienung
52,3%
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EUR 629,00

Pro

  • Robustes Gehäuse
  • Wasserdicht

Contra

  • Umständliche Bedienung
52,3%

Mit ihrem schlanken und hochwertigen Magnesiumgehäuse unterscheidet sich die Nikon 1 AW1 auf den ersten Blick nur wenig von einem normalen 1er-Modell. Sie soll aber unbeschadet in bis zu 15 m Wassertiefe vordringen können, wovon wir uns während der Testphase mangels Tauchgelegenheit leider nicht überzeugen konnten - der Unterwassertest folgt in zwei Ausgaben.

Immerhin musste die Nikon 1 AW1 mit 16-55-mm-Objektiv zwei Stunden in einer Regentonne verbringen, was ihr erwartungsgemäß nichts ausmachte. Darüberhinaus bescheinigt Nikon der AW1, sie sei frostsicher bis -10 °C und könne Stürze aus bis zu zwei Metern Höhe wegstecken. Für den Sturztest ließen wir die Kamera allerdings auf den Teppichboden fallen, um äußere Spuren zu vermeiden. 

Außerdem entfernten wir das Objektiv, denn bei unglücklichem Aufprall dürfte ein Kunststoffobjektiv so etwas nicht überstehen. Zur Ausstattung gehört bei der Nikon 1 AW1 ein eingebautes, ebenfalls wasserdichtes Blitzgerät; einen Blitzschuh sucht man vergeblich. Der Monitor an der Rückseite misst 3 Zoll und löst 307 000 RGB-Bildpunkte auf; verstellbar ist er ebenso wenig wie bei der J3.

Nikon 1 AW1 Ansicht von oben

© Nikon/Karl Stechl

Die Oberseite ist spartanisch bestückt. In Ermangelung eines Moduswahlrads für Belichtungsprogramme müssen alle betreffenden Einstellungen über das Menü vorgenommen werden. Der Startknopf für Videos liegt günstig platziert neben dem Auslöser.

Als Extras besitzt die Nikon 1 AW1 einen elektronischen Kompass, Satellitenortungssystem (GPS/GLONASS), Höhenmesser (-500 bis +4500 m) und Tiefenmesser (0 bis 20 m). Ein elektronischer Sucher ist dagegen weder eingebaut, noch nachrüstbar. Unpraktisch ist das weit an den Gehäuserand verlagerte Stativgewinde.

Autofokus & Belichtung

Das hybride AF-System stellt einen Kontrast-AF mit 135 Sensoren bereit; die mittleren 73 Felder unterstützen den Autofokus mit Phasenerkennung. In Abhängigkeit von Lichtsituation und Motiv wird automatisch zwischen Kontrast- und Phasen-AF umgeschaltet.

Als AF-Modi stehen bei der Nikon 1 AW1 die automatische Messfeldsteuerung, Einzelfeld-AF und Motivverfolgung bereit. Bei Einzelfeld-AF kann das Messfeld mittels Richtungstasten an nahezu jede Position des Bildfelds navigiert werden.

Nikon 1 AW1 Rückansicht

© Nikon/Karl Stechl

Die Lupentasten oberhalb des geriffelten Daumengriffstücks aus Gummi müssen beim Fokussieren oder Einstellen der Blende bzw. Verschlusszeit als Schaltwippe zweckenfremdet werden.

Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist bei genügend Licht (1.000 Lux) mit 0,17 s erfreulich kurz, bei wenig Licht (30 Lux) lässt sich die Kamera deutlich mehr Zeit (0,68 s). Systemtypisch ist die hohe Seriengeschwindigkeit von theoretisch 60 B/s (aber nur 20 davon in Serie). 

Die Einschaltverzögerung der Nikon 1 AW1 ist mit 0,4 s angenehm kurz. Zur manuellen Fokussierung wählt man im Menü den gewünschten Lupenfaktor vor; 2-, 5- und 10-fach stehen zur Wahl. Spaß macht das Ganze wenig, weil sich an der AW1 kein Einstellrad und am Objektiv kein Fokussierring findet.

Deshalb muss man mit zwei zur Schaltwippe umfunktionierten Mini-Tasten - sonst für die Lupenfunktion zuständig - vorliebnehmen. Die Nikon 1 AW1 verfügt über eine reiche Auswahl an Belichtungsprogrammen. Neben den Standards (P, A, S, M) findet man verschiedene Motivprogramme (darunter auch ein Unterwasserprogramm) und einige Spezialitäten wie Smart Photo Select, Best Moment Capture oder Bewegter Schnappschuss, die man bereits von der J3 und S1 kennt. Filme werden maximal in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) aufgezeichnet.

Bildergalerie

Nikon 1 AW1 Dichtungsring Bajonett
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Die Nikon 1 AW1 ist sowohl stoßfest, als auch wasserdicht.

 

Bedienung

Was die Bedienung anbelangt, erinnert die Nikon 1 AW1 mehr an die S1 als an die J3. Im Gegensatz zur S1 fehlt hier ein Moduswahlrad für Belichtungsprogramme, stattdessen muss für jede Einstellung der Monitor bemüht werden, was das intuitive Handling erschwert.

Neben einem Einstellmonitor wie bei Nikons SLR-Modellen vermisst man ein wie immer geartetes Einstellrad, vor allem, um Zeit oder Blende vorzuwählen. Auch dafür muss man die bereits erwähnte fummelige Schaltwippe bemühen.

Allerdings hat sich Nikon für die AW1 etwas Neues einfallen lassen: Drückt man die Action-Control-Taste rechts neben dem gummierten Daumengriffstück, so wird eine Bewegungssteuerung aktiviert: Durch Kippen der Kamera um die Objektivachse lassen sich dann je nach aktuellem Betriebsstatus wechselnde Einstellungen vornehmen - z.B. die Vorwahl eines Belichtungsprogramms, ein auf maximale Helligkeit geschalteter Monitor oder - im Wiedergabemodus - der Wechsel von einem Bild zum nächsten. Somit soll sich die Kamera auch mit dicken Handschuhen leichter bedienen lassen - ein interessanter Ansatz.

Kaufberatung: Die besten spiegellosen Systemkameras

Bildqualität

Mit ihrem 14-Megapixel-Sensor und Expeed-3A-Prozessor erzielt die Nikon 1 AW1 eine Bildqualität etwa auf dem Niveau des Schwestermodells J3 mit vergleichbarem Bildsensor. Allerdings ist die Auflösung zwischen ISO 160 und 3200 etwa 80 bis 100 LP/BH geringer, auch bei den Dead-Leaves-Werten hat die J3 die Nase etwas vorn. Die Texturverluste sind bei beiden Modellen relativ hoch (1,1 bis 1,6 zwischen ISO 100 und 1.600), das Rauschen steigt bereits ab ISO 400 merkbar an, die Dynamik - zwischen 8 und 9 Blenden bis ISO 3200 - ist ansehnlich.

Bildergalerie

Niikkon 1 AW1 Test Dead Leaves Diagramm
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Die Nikon 1 AW1 hebt die Farbkontraste bei ISO 100 deutlich (bis 1,2) über den Ausgangskontrast des Motivs an; zwischen ISO 400 und 1600 bleiben der…

Testfazit

Die Nikon 1 AW1 definiert sich in erster Linie über ihr hochwertiges, robustes und wasserdichtes Magnesiumgehäuse, das in der Klasse unter 1.000 Euro seinesgleichen sucht. Bei der Bildqualität kann die Kamera im Vergleich zu ihren Schwestermodellen mit CX-Format-Sensor jedoch keine neuen Akzente setzen. Trotz der neuen Einstellvarianten mittels Bewegungssensor ist die Kamera umständlicher zu bedienen, als man das von anderen Nikon-Kameras, vor allem den SLR-Modellen, kennt.

Nikon 1 AW1

HerstellerNikon
Preis770.00 €
Wertung41.5 Punkte

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