Fusion statt Atom

Netbooks mit AMD-Fusion-Prozessor

Bislang hat AMD Intel das Feld der Netbooks praktisch kampflos überlassen. Der Versuch, mit den Turion-und Athlon-Neo-Prozessoren hier Fuß zu fassen, war ein Fehlschlag.

  1. Netbooks mit AMD-Fusion-Prozessor
  2. Acer Aspire One 522
  3. Toshiba NB550D
notebook, fusion-prozessor

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Diese niedriger getakteten Notebook-CPUs waren zwar in Relation zum Intel Atom recht schnell, konnten aber bei der Leistungsaufnahme absolut nicht mithalten. Zudem waren sie auch noch auf einen Chipsatz mit integrierter Grafik angewiesen, der im Vergleich zur Atom-Plattform viel Platz in Anspruch nimmt. Daher kamen nur sehr wenige Neo-Netbooks wie das Acer Ferrari One auf den Markt.

Kernfusion

prozessor

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Der AMD-Fusion-Prozessor unter dem Mikroskop. Den größten Teil des Chips nimmt die Radeon-Grafik (rot) ein.

Mit den ersten Fusion-Prozessoren hat AMD nun endlich Prozessoren an der Hand, die von vorn herein für eine geringe Leistungsaufnahme und wenig Platzbedarf entwickelt wurden. Die bei TSMC in einem 40-Nanometer-Prozess gefertigten Chips sind nur 75 mm² groß. Zusammen mit dem aus einem Chip bestehenden A50M-Chipsatz bilden sie die Brazos-Plattform.

Die Prozessoren selbst gibt es derzeit in zwei Varianten: als C-Serie mit 9 Watt TDP für Netbooks und als E-Serie mit 18 Watt TDP für Notebooks und kompakte PCs. Beide Serien gibt es jeweils in zwei Varianten mit einem oder mit zwei Kernen.

Die niedrigere Leistungsaufnahme der C-Prozessoren erreicht AMD durch eine reduzierte Taktfrequenz von Prozessorkernen und GPU. Zudem ist auch ein PCI-Express-Controller mit vier Lanes mit an Bord.

APU statt CPU

AMD bezeichnet die Fusion-Prozessoren nicht mehr als CPU, sondern als APU. Dieses Akronym steht für "Accelerated Processing Unit" und soll deutlich machen, dass laut AMD immer mehr Applikationen die GPU auch für Aufgaben jenseits der Grafikdarstellung nutzen. Beispiele dafür sind die kommende Generation der Webbrowser oder Programme, die Videos transcodieren oder verbessern.

Der CPU-Teil der neuen AMD-Prozessoren kann mit Out-of-Order-Exction im Prinzip Instruktionen schneller verarbeiten als der simpel aufgebaute Atom von Intel. Allerdings operieren die C-Typen mit einer niedrigeren Taktfrequenz und ihnen fehlt das Hyperthreading der Intel-Prozesoren. Dafür ist die aus 80 Radeon-Cores aufgebaute DX11-Grafik um ein Mehrfaches leistungsfähiger als die integrierte Intel-Grafik.

Allerdings darf man sich von dieser Leistungsrelation und dem DirectX11-Label der Radeon-Grafik in den AMD-Prozessoren nicht täuschen lassen. Es gibt derzeit kein DX11-Spiel, das auf Brazos-Rechnern auch nur annähernd flüssig laufen würde. Selbst die meisten DX10-Games sind auf dem E-350 nur bei niedrigen Qualitätssettings und geringer Auflösung spielbar.

Bei Netbooks mit C50-Prozessor ist die Grafikleistung durch die geringere Taktfrequenz von CPU und GPU noch einmal deutlich reduziert. Viel besser sieht es bei der Video-Wiedergabe aus: Die Intel-Grafik im Atom benötigt für das Abspielen von HD-Videos die Hilfe eines Zusatzchips, entweder einer ION-2-Grafik von Nvidia oder des CrystalHD-Videobeschleunigers von Broadcom.

In der Radeon-Grafik der AMD-APUs steckt dagegen bereits ein Unified Video Decoder der dritten Generation, der die Wiedergabe von H.264-, VC1-und DivX/Xvid-codierten Videos beschleunigt.

Hier macht der C-50 mit etwa 20 Prozent CPU-Last bei der Wiedergabe eines 720p-Videos auch eine bessere Figur als ein Atom-N550-Gerät mit CrystalHD, auf dem die CPU-Last mit bis zu 50 Prozent bei der Vollbildwiedergabe etwa doppelt so hoch ist, wie bei der AMD-APU. Eine Unterstützung für 3D-Blu-ray gibt es allerdings nicht.

Der zweite Teil der Plattform

Der A50-Chipsatz übernimmt für die Prozessoren der E-und C-Serie von AMD die Verbindung zu den Laufwerken, Peripheriegeräten, Erweiterungskarten und den Kommunikationsschnittstellen. Er unterstützt sechs Ports mit dem neuen SATA-Standard mit sechs GBit/s und weitere vier PCI-Express-Lanes.

Mit integriert sind ein HD-Audio-Controller und ein USB-2.0-Baustein, der 14 Ports bedienen kann. Für USB 3.0 ist er auf einen zusätzlichen Chip angewiesen. Je nach Konfiguration konsumiert der A50 zwischen 2,7 und 4,7 Watt.

System-und CPU-Leistung

Bei der Systemleistung gemessen mit PCMark 05 profitieren die Netbooks mit AMD-C50-Prozessor von ihrer schnellen GPU. So erzielt das Acer Aspire One 522 hier 2009 Punkte. Der Dell Inspiron Duo mit Atom N550 kommt hier auf 1838 Punkte. Ein etwas anderes Bild ergibt sich dagegen bei der reinen CPU-Performance gemessen mit Cinebench R10. Hier ist der Atom N550 mit 1457 Punkten etwas schneller als der AMD C-50, der einen Punktestand von 1299 erzielt.

Gute Chancen für AMD

AMD hat mit Brazos daher gute Voraussetzungen, Intel einen guten Teil des Netbook-Kuchens abzujagen. Vor allem, da der Preis dieser Fusion-Netbooks mit 300 bis 330 Euro konkurrenzfähig ist. Etliche Hersteller bringen Netbooks mit den C-APUs von AMD. Zwei der ersten dieser Geräte von Acer und Toshiba mit C-50-APUs haben wir im Test.

Den E-350 mit 1,6 GHz setzen wir bei unserem PC-Bauvorschlag als Prozessor für einen extrem kompakten Multimedia-Rechner ein. Den Artikel finden Sie auf Seite 108.

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