Testbericht

Multifunktionsdrucker unter 69 Euro

In Deutschland wird es vielleicht bald keine günstigen Multifunktionsgeräte mehr geben. Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen den Druckerherstellern und der Verwertungsgesellschaft Wort. Die will Geld für jedes Gerät - zu Recht. Aber, sie will auch sehr viel Geld. Zuviel?

Multifunktiosdrucker unter 69 Euro

© Matthias Ott

Multifunktiosdrucker unter 69 Euro
Multifunktiosdrucker unter 69 Euro

© Matthias Ott

Die letzte Gelegenheit

Rückblick. Anfang 2009 sah man sie noch in den großen Elektrodiscountern. Aber wenige Kunden kauften die Multifunktionsgeräte noch, die einen Preissprung erlebten, wie ihn die Nachkriegsgeneration noch nie bestaunen durfte. Kaum waren die letzten Raketen und Böller der Silvesternacht von den Straßen gekehrt, so zückten die Verkäufer auch die Rotstifte. Die selbst auferlegte Friedenspflicht der Hersteller war abgelaufen.

Was noch 2008 so günstig und für jedermann erschwinglich schien, wurde 2009 zum Luxusartikel. Einst für 60 oder 70 Euro an den Mann gebracht, stieg der Preis für ein Einstiegs-Multifunktionsgerät auf 160 oder 170 Euro. Allerdings nur in Deutschland.

Mitte 2009 hatte es sich auch bis zum letzten treuen Staatsbürger herumgesprochen: Einen All-in-One bestellt man besser in Österreich oder kauft ihn im Urlaub -- ganz legal. 2010. Deutschland driftet in die Rezession. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wird nur noch von der Politikverdrossenheit überflügelt.

Quo vadis VG Wort?

Realität. Die Verwertungsgesellschaft Wort ist jene Institution, die Autoren, Journalisten oder Wissenschaftlern zu den Tantiemen verhilft, die ihnen durch privates Kopieren ihrer Werke ansonsten verloren gingen. Deshalb verlangt sie von jedem Hersteller, der ein Gerät zur Vervielfältigung von Texten herstellt, eine Abgabe. Für einen Kopierer, der sowohl Farb- als auch Schwarzweißkopien erstellen kann, wären demnach 101 Euro an Abgaben fällig.

Und da es sich nach Auffassung der VG Wort bei einem Multifunktionsgerät um nichts anderes handelt, sollen die Hersteller diesen Betrag auch entrichten. Dass eine Abgabe auf die Geräte erfolgen muss, bestreiten die Hersteller nicht. Sie sind aber der Ansicht, dass der Betrag zu hoch ist, denn dieser müsste ja quasi 1:1 an deutsche Kunden weitergereicht werden.

Eine Urheberrechts-Abgabe in dieser Form gibt es in den europäischen Nachbarländern nicht. Setzt sich die VG Wort mit ihrer Forderung durch -- und momentan spricht einiges dafür -- könnte es tatsächlich in Deutschland bald keine günstigen Multifunktionsgeräte mehr geben, denn jeder Europäer hat das Recht, seine Waren in ganz Europa einzukaufen -- grenzübergreifend und zollfrei. Und bei einem derartigen Preisaufschlag würden das wohl auch die allermeisten tun. Schließlich gibt es das Internet und selbst bei Versandkosten von 20 oder 30 Euro lohnte sich der Kauf noch immer.

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Multifunktionsgeräte unter 60 Euro

Bereits jetzt entstehen aber so genannte "Abholläden", die hohe Versandkosten umgehen. Die Ware wird legal in Österreich bestellt und mit einem "Sammellaster" nach Deutschland kutschiert. Wenige Tage nach der Bestellung holt der Kunde die Ware ab. Das deutsche Urheberrechts-Dilemma scheint unausweichlich.

Gefragt wären die politischen Instanzen diese Situation zu entschärfen. Aber die legislativen Mühlen mahlen langsam in diesem Staat, außer es geht um Steuer- oder Abgabenerhöhungen oder die Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Wir wollen der Politik aber nicht gänzlich Unrecht tun. Es gab bereits einen Vorstoß in dieser Angelegenheit. Alt-Kanzler Schröder hatte das Thema höchstpersönlich zum Ende seiner zweiten Legislaturperiode zur "Chefsache" erkoren. Ihm kam etwas Wichtiges dazwischen: seine eigene Beförderung ins politische Aus, die erzwungenen Neuwahlen. Wir haben das Dilemma zum Anlass genommen, günstige Multifunktionsgeräte auf den Testparcours zu schicken. Vielleicht greifen Sie ja dieses Jahr noch zu - in Deutschland.

Schlaue Leser

Wenn wir Drucker oder All-in-Ones testen, gehen wir davon aus, selbst ein Käufer zu sein. Wir sehen uns nach günstigen Gerätepreisen um und vergleichen hier und da ein wenig, meist mit Hilfe von Preissuchmaschinen; genau wie Sie dies als aufgeklärter Leser von magnus.de auch tun sollten.

Herstellerpreise oder so genannte "unverbindliche Preisempfehlungen", an die sich sowieso kein Händler gebunden fühlt, spielen, etwa für die Berechnung eines Preis-Leistungs-Verhältnisses, keine Rolle.

Auch gehen wir davon aus, dass Sie ein Multifunktionsgerät nicht nur günstig im Einkauf erwerben, sondern auch, dass Sie es anschaffen, um es mit einem gewissen Durchsatz zu nutzen. Deshalb wählen wir für die Ermittlung der Verbrauchskosten jeweils die kostengünstigsten Verbrauchsgrößen. Das ist wichtig zu wissen, wenn man die ermittelten Seitenpreise betrachtet.

Die Kosten für Schwarztinte, die anfallen, um eine Seite mit fünf Prozent Deckung auszudrucken, beruht auf der größten Schwarzpatrone, die der Hersteller anbietet. Und nicht etwa auf derjenigen mit der geringsten Füllmenge und dem, absolut betrachtet, kleinsten Preis. Gleiches gilt auch für die Farbpatronen. Bietet ein Hersteller verschiedene Größen an, nehmen wir die größte, da sie den günstigeren Seiten bzw. Fotopreis liefert. Für das Fotopapier gilt dieses Prinzip ebenfalls.

Häufig werden in Elektromärken kleine Packungsgrößen von 15 oder 20 Blatt Fotopapier angeboten; im Internet findet man aber, meist für wenige Euro mehr, Päckchen mit 50 oder 100 Blatt, die den Preis pro Blatt erheblich drücken. Um also auf vergleichbare Preise bei den Verbrauchskosten zu kommen, sollten Sie so schlau handeln, wie wir das von Ihnen ohnehin annehmen.

Sinnvoll ist es übrigens auch, Tinte und Papier in vernünftigen Mengen bei solchen Versendern zu bestellen, die Versandkosten nur pro Päckchen und nicht pro Stückmenge berechnen -- damit wird es nochmals günstiger.

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