Testbericht

Meridian G95

All-in-One-Geräte enttäuschen regelmäßig auf breiter Front. Entweder sind sie nicht beherrschbar oder qualitativ zumindest in Teilbereichen echten Einzelkomponenten weit unterlegen. Meist kommt gar beides zusammen. Mit dem modernen DVD-Receiver G 95 geht Digitalspezialist Meridian in die Offensive und will den Gegenbeweis erbringen.

Meridian G95

© Archiv

Das Slot-in-Laufwerk des Meridian arbeitet schnell und zuverlässlich.

Ach, wenn die Welt einfach wäre. Dann gäbe es Geräte, die tun, was wir wollen. Die auf Knopfdruck gehorchen; und zwar ohne dass wir uns zuvor durch bibeldicke Anleitungen kämpfen, ohne Bittgebete gen Himmel zu senden ? oder Flüche in die Gegenrichtung, wenn's mal wieder nicht klappt. Was in Stereo ja noch beherrschbar, wird in der visuellen Welt schnell ambitioniert und ufert gar völlig aus, treffen beide Welten wie in Surround aufeinander. Wie schnell erstreckt sich da eine Legion an Geräten gen Himmel, die fatal an den Turmbau zu Babel erinnert? Und die Bedienstrukturen, wie Menüs der in der Regel unterschiedlichen Hersteller, bleiben oft ein Buch mit sieben Siegeln. Das zehrt an Nerven ? und kostet Zeit. Kombigeräte, ?All-in-One-Lösungen? hätten das gewisse Etwas. Ich wähle bewusst den Konjunktiv, denn in der Realität haben solche All-in-One-Geräte bisher nicht nur den Beigeschmack des Halbherzigen, viel eher des für anspruchsvolle Musikliebhaber und Cineasten Nicht-ernst-zu- Nehmenden. Und das ist noch gelinde ausgedrückt.

Meridian G95

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Das Slot-in-Laufwerk des Meridian arbeitet schnell und zuverlässlich.

Dabei würden manche Menschen gewiss tief in die Tasche greifen, gäbe es eine überzeugende Lösung, ein Gerät, das die Fähigkeiten vieler in sich eint, ohne Alleswoller statt Alleskönner zu sein. Ein beherrschbares Gerät, das zudem kaum Platz in Anspruch nimmt und auch optisch eine gute Figur macht.

Multiple Toy

Da präsentiert der englische Digital-Spezialist Meridian den G 95, einen DVD- Receiver mit echten fünf Verstärkerzügen in moderner Class-D-Technik, mit integriertem Faroudja-Scaler, audiophiler DVD-Audio-Wiedergabe und vielen Leckereien mehr. Keine zehn Zentimeter ist die Maschine hoch, bringt ordentliche, aber tragbare 14 Kilo auf die Waage, glänzt mit superber Verarbeitung wie angenehm schlichter Eleganz. Und der G 95 will nicht nur in Sachen Ausstattung glänzen, sondern sich vielmehr mit ausgewachsenen Boliden in Bild und Ton anlegen. Gewagt, doch erreicht Meridian das hochgesteckte Ziel, dürften viele frohlocken.

Meridian G95

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Die Rückseite des G95 ist reichhaltig bestückt. Zwar offeriert er keine Unmenge an Anschlüssen, dafür aber hochwertig ausgeführte und logisch angeordnete Buchsen wie Lautsprecherklemmen.

Anlass zur Freude gab der G 95 bereits während der Installation. Seine aufgeräumte Rückwand lässt keine Fragen offen. Da thronen massiv ausgeführte Boxenanschlüsse, die manchem Nobelreceiver gut zu Gesicht stünden. Die Schraubklemmen sind für rechten und linken Kanal jeweils leicht versetzt angeordnet, das erleichtert die Verkabelung erheblich. Neben HDMI finden sich auch Komponentenanschlüsse via Cinch und BNC. Bester Signalübertragung zu einem TV oder Beamer steht also weder auf analoger noch digitaler Datenbasis etwas im Wege. Ideal ist die Verbindung via HDMI, da der G 95 alle eingehenden Signale, wie auch das eigene Setup-Menü darüber mundgerecht serviert; so genügt eine Strippe zu Beamer oder TV.

Testbericht

Meridian G 95
Meridian
6.900 Euro

5.1-DVD-Receiver

Weitere Details

87 Prozent

Fazit:Kompakt, leicht beherrschbar, grandioses bild und Traumklang - der G95 git in allen Disziplinen Grund zur Freude.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
gut

So schnell hatte die Jury noch keinen Meridian am Start. Logisch strukturierte Menüs führen in wenigen Minuten durch das komplette Setup. Bravo. Auch Lob dafür, dass die Installation komplett am Gerät über wenige Steuertasten möglich ist. Nur das Speaker-Setup weicht vom Gewohnten ab. Statt zuerst die Entfernungen (zentimetergenau erlaubt der Meridian die Eingabe) zu programmieren und dann die Pegel zwischen den Boxen abzugleichen, springt der G 95 zwischen beiden Ebenen hin und her. Das ist ungewöhnlich, stört jedoch nicht.

Multiple Joy

Richtigen Grund zur Verzückung gab es dann nach dem Setup. Gierig schluckte der Meridian Edvard Griegs Peer Gynt Suite (Philips) via Slot-in - eine Schublade besitzt der Meridian nicht - und Sekunden später erklang der arabische Tanz (Track 7), eine gewaltige Herausforderung schon für konventionelle Solid-State- Amps und besonders aber für Digitalverstärker wie den G 95. Viele Vertreter dieser Art verlieren in tiefen und tiefsten Regionen die Kontrolle über die Lautsprecher. Das englische Wunderkind jedoch ließ die angeschlagene Pauke behutsam und kontrolliert an- und abschwellen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Meridian öffnete einen wunderbar tiefen Raum, hauchte Top-Sopran Elly Ameling, dem Chor und den begleitenden Streichern pulsierendes Leben ein und wahrte doch die Eigenständigkeit aller Protagonisten. Amelings Brust schien vor Freude zu hüpfen, der Chor jauchzte, die Streicher jubilierten - selbst sehr gute Receiver erschaffen selten eine so hautnahe, intime Atmosphäre.

Mit der ?Morgenstimmung? projezierte der G 95 leuchtende Klanglandschaften in den Hörraum, elegant, locker, frisch und duftig. Hier fügte sich eins in das andere, organisch, lebendig. Welch Leben wahrlich in ihm steckt, bewies der Meridian mit ?In the hall of the mountain king?. Selbst für zentnerschwere Endstufen ist das Stück ein harter Brocken. Erst langsam, Andante, sanft schwebend beginnend, steigert es sich nach und nach zum Prestissimo, getragen von allertiefsten Paukenklängen, gezupften, später gestrichenen Kontrabässen, um mit dem plötzlich einsetzenden Chor in einem infernalischen Orkan zu zerspringen. Kaum ein Amp, kaum ein Speaker, der diese musikalische Spannweite in tonaler und dynamischer Hinsicht meistert. Auch der G 95 ließ unter diesen extremen Anforderungen kleine Nachlässigkeiten erkennen, trennte den Chor nicht absolut pieksauber heraus, die Abbildung rückte etwas nach vorne. Keine Schande, an dem Punkt haben andere die Segel schon lange gestrichen.

Meridian G95

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Die feinen Prozessoren bereiten sicher Bild und Ton auf.

In Surround untermauerte die Maschine die elegante und stets unnachahmlich leichtfüßige Gangart. Die Jury lauscht zur Bewertung der Mehrkanalwiedergabe besonders gern Edgar Allan Poes ?Pendel?, ein Hörspiel, von dem kein Bild ablenkt - im gegebenen Fall fast schade, denn der G 95 brilliert mit einer exzellent sauberen Bildaufarbeitung und ungewöhnlich hoher Farbgenauigkeit, die die Grenze des Machbaren des DVD-Formats streift.

Zu Anfang des Hörspiels flüstert Heinz Rudolf Kunze dem Hörer düstere Worte ins Ohr. So leise, dass man die Ohren spitzt und Kunze meist doch erst nach Sekunden als Sprecher erkennt. Der Meridian entlarvte den Barden sofort ohne zu betonen, ohne einen akustischen Sucher auf ihn zu richten. Wenn überhaupt lenkte der Meridian nur in eine Richtung: Wie ein gewaltiger Strudel sog er mitten ins Geschehen hinein. Im Verbund mit vier der Referenzlautsprecher Audio Physic Avanti und dem Avanti Center schuf er ein umfassendes Raumgefühl, ins Innere ziehend, beklemmend, bedrohlich, düster. Die Jury fühlte sich tief in die verlorene Welt innerhalb der alten, feuchten Klostermauern zu Zeiten der Inquisition versetzt, es gab plötzlich keinen Hörraum mehr. Famos ? Poe at his best.

Detailgenau reproduzierte der Meridian, doch nie besessen. So offenbarte er einmal mehr seine Vorliebe für organisch körperhafte Strukturen und wohlgefällige, mal samtige, mal leuchtende Klangfarben, die er auch in wilden Action-Szenen a la Matrix oder Star Wars nie aus dem Fokus verlor.

Fazit

Eine Maschine, die wahrlich multiple Freuden bereitet. Im Bild erste Sahne, im Sound fantastisch, dabei kompakt, schick und leicht zu bedienen. Wir dürfen mit Fug und Recht von einem Meilenstein sprechen.

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