Testbericht

Meridian F 80

Ein Radio? Nein: ein audiophiler Sportwagen mit ungeheuerer Kraft. Von Meridian gebaut, von Ferrari in den Adelsstand erhoben.

Meridian F80

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High-End-Radio: Das Meridian F80

In einem britischen Fachmagazin fand ein testender Kollege das perfekte Wort: Das neue F 80 Radio von Meridian sei schlicht und einfach ?delicious?. Die deutsche Übersetzung kommt da nicht hinterher: ?delikat? klingt zu gestelzt, ?lecker? trifft es schon eher, verheimlicht aber die Eleganz des Englischen ? und die Eleganz dieses Radios. Wir haben Lust auf einen Superlativ: Hier spielt das feinste Radio des Globus auf. Zugegeben: Mit 2.690 Euro lässt sich Meridian den Luxus auch deutlich entlohnen. Wer bitte gibt 2.690 Euro für ein Radio aus? Jeder, der über Geschmack verfügt und in die Zielgruppe passt. Denn dieses CD/ DVD-?Radio? soll eine komplette HiFi-Kombi ersetzen und fast nebenbei auch Filme auf einen benachbarten Fernseher beamen. Damit würde es beispielsweise perfekt in die kleine Zweizimmer-Penthouse-Wohnung in der Londoner Innenstadt passen.

Meridian F80

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Griffig: Die Mulde des Meridian F 80 hilft beim Tragen. Aber: Dieses Wunderwerk wirkt viel eher am festen Standplatz. Der Abstrahlwinkel zwingt nicht partout auf Ohrhöhe ? auf einem leeren Sideboard macht sich der Schönling am besten.

Ausstattung: Der Rücken ähnelt in seiner Fülle fast einem Multikanal-Receiver. Neben gleich zwei Antennenbuchsen hätten wir einen S-Video und einen Composit-Video-Ausgang, einen analogen Audio-Eingang, einen optischen Ein- und einen optischen Ausgang. Gleich neben der Strombuchse überrascht uns noch eine mehrpolige Aux-Buchse, die Meridian in der Bedienungsanleitung kryptisch mit ?for future accessoires? umschreibt. Was könnten die ?zukünftigen? Optionen sein? Sicherlich muss Meridian die wachsende Kundenschar der Internet- Radio-Hörer bedienen. Auch eine Verbindung zu externen NAS-Musikfestplatten wäre schön.

Meridian F80

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Stolzer Rücken: Neben gleich doppelten Antennen-Buchsen steht auch eine Video-Sektion parat (Composite & S-VHS). Der SPDIF Plug kann zudem als Kopfhörer-Ausgang genutzt werden.

Klangqualität: Das F 80 von Meridian stellt stolze 80 Watt bereit, für ein Trio aus Stereo-Wandlern mit alternierendem Subwoofer. Ein banales Plastikgehäuse würde bei diesem Antritt schlicht zerfetzt. Das F 80 verdaut dagegen selbst gewaltige Pegel; wer will, kann eine Poolparty damit beschallen. Unglaublich, wie laut dieses kompakte Rund aufspielen kann ? ohne zu komprimieren, ohne gepresst zu klingen. Der Bass ist sensationell - rund, präsent, erstaunlich tief.

Die ausgewachsenen Endstufen sind der Motor. Eine feinsinnige DSP-Programmierung achtet darauf, dass die Kraft auch beherrscht den Raum und die Ohren erreicht. Ein Rennwagen mit unendlich aufwändiger Steuersoftware, was zum kleinen Pferdchen in der Mitte der Frontbespannung passt. Denn Meridian hat das F 80 unter der Lizenz von Ferrari entwickelt. Das Flair der Luxussportwagen schmückt Meridian, auf der anderen Seite kann Ferrari ein Edelprodukt vermarkten, das ideal zum Klischee von grollendem Motor und unlimitierter Kraft passt. Der authentische Nebeneffekt: Das oft kopierte ?Ferrari-Rot? ist am F 80 genauso echt wie an den Formel-eins-Geschossen von Kimi Räikkönen (das F 80 ist nebenbei auch in echtem Ferrari-Gelb zu haben).

Meridian F80

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Anfassqualität: hart rechts prangt der Lautstärkeregler. Ein Druck und die Mute-Funktion springt an.

Überhaupt die Verarbeitungsqualität: Wer 2.690 Euro ausgibt, verdient das Maximum und bekommt es mit dem F 80 auch. Allein das Gewicht von 6,5 Kilo schafft Vertrauen. Das brillante, aber dezente Display ist ein Erlebnis. Es lässt sich in seiner Helligkeit in zwölf Graden justieren, getrennt für den aktiven wie für den Standby-Betrieb. Die Idee des Feintunings lebt Meridian auch im Hörbaren aus.

Meridian F80

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Ritt über Silberscheiben: Das Laufwerk liest auch DVDs aus, das Bild kann per S-VHS oder Composite gezapft werden.

So kann der stolze Besitzer vorgeben, wo das F 80 daheim ist: freistehend, in einer Ecke, auf einem ?Shelf? - entsprechend ändert die DSP-Software das Verhältnis von Bass-Power zum restlichen akustischen Geschehen. Gibt es Grenzen? Nicht wirklich. Natürlich kann aufgrund der konstruktionsbedingten Nähe der beiden Front-Membranen nur bedingt ein echter Stereo-Effekt entstehen. Aber das wird nicht das erste Ohrenmerk der Zielgruppe sein. Viel eher wünscht man sich eine stressfreie Präsenz des Lieblingssenders, der Lieblings-CD im Raum, die dem F 80 erstaunlich anspruchsvoll gelingt. Das liegt zu allererst am stabilen, unkritischen Tuner, der auch den gehobenen DAB-Empfang beherrscht. Meridian will ihn unter besten Bedingungen betreiben und packt dem Lieferumfang daher gleich zwei unterschiedliche, anschraubbare Antennen bei - eine Kompaktversion und einen Teleskopstab in edlem Mattschwarz.

Meridian F80

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Unverzichtbar: eine Fernbedienung mit Pferdchen, in griffigem Kunststoff, mit magnetischem Halt.

Fazit

Wenn der Nachbar an die Tür klopft und sich über die gewaltigen Lautstärken und Bässe beschweren will, zeigen Sie einfach auf das Meridian-F-80- Radio. Herr Nachbar wird sich entschuldigen und wortlos von dannen ziehen, weil nur die wenigsten Menschen glauben können, welche Klangpotenz in diesem schönen Rund steckt. Der Preis ist hoch. Der Effekt und der Stilfaktor aber ebenfalls. Vor allem: Dieses ?Radio? kann wirklich große Klangkulissen stemmen ohne in der Leistung oder Abbildung einzubrechen. So mancher Toningenieur im Rundfunkstudio wird weniger Abbildungsleistung vor Ohren haben. In Konzept wie Klang einfach delicious.

unbenannt

Meridian F 80
Meridian
2.690 Euro

CD/DVD-Radio

Weitere Details

Fazit

Testurteil
gut
Preis/Leistung
befriedigend
powered by
HomeVision

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