Testbericht

Mamiya 645 AF DII ZD Back

Bei großformatiger Produktfotografie mit optimaler Ausleuchtung im Studio punktet die Mamiya 645 AF DII ZD Back mit brillanten ISO-50-Bildern. Schließlich fällt im Studio meist weder die überraschend schlechte Bildqualität bei höheren Empfindlichkeiten noch der miese JPEG-Konverter ins Gewicht. Geht es dagegen um Available-Light-Fotografie, herrschen schwierige Lichtverhältnisse oder sind bei einer Modestrecke schnelle Serien-Bilder nötig, kann die Mamiya nicht überzeugen.

Mamiya 645 AF DII ZD Back Seitenansicht

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Mamiya 645 AF DII ZD Back Seitenansicht

Kein Zweifel: Die Mamiya 645 AF DII ZD Back ist ein Modell mit Profistatus. Schwarz, groß, schwer - wie eine leistungsstarke Bentley-Limousine gehört die Mittelformatkamera mit aufgesetztem Digitalrückteil unverkennbar zur Elite. Alles in allem kostet eine Basisausstattung ohne Objektiv aber auch über 12 000 Euro. ColorFoto will es wissen und prüft, ob das Luxusgerät tatsächlich die erstklassigen digitalen 21,3-Megapixel-Bilder liefert, die der Preis verspricht.

Mamiya 645 AF DII ZD Back Rückseite

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Die Mamiya 645 AF DII ZD Back wirkt mit ihrer kolossalen, schwarzen Optik als sei sie über alles erhaben. Der ColorFoto-Test zeigt jedoch, dass sie auch deutliche Schwächen hat.

"Speziell" - mit diesem Wort lassen sich unsere Messergebnisse treffend zusammenfassen: Die Mamiya 645 AF DII ZD Back erzielt bei niedriger Empfindlichkeit (ISO 50) sowie RAW-Format eine äußerst gute Bildqualität - aber auch nur dann. Zur sehr hohen Auflösung von gut 2100 Linienpaaren/Bildhöhe kommen ein sehr geringes Rauschen mit VN 0,5 sowie ein hoher Objektkontrast von 9,5 Blenden. Damit spricht die Mamiya Fotografen an, die im Studio bei optimaler Ausleuchtung arbeiten. Sie kommen mit ISO 50 und ohne das JPEG-Format aus. Wer seine Aufnahmen dagegen bereits in der Kamera als komprimierte JPEGs abspeichern will, hat Pech gehabt. Wie einige andere JPEG-Konverter kleiner Kamerahersteller zeigt auch Mamiyas Variante absolut unbefriedigende Ergebnisse: Beim Wechsel vom RAW- zum JPEG-Format fällt die Auflösung um fast 650 Linienpaare, und das Rauschen steigt stark an. Ebenfalls nicht akzeptabel ist das Resultat, wenn Sie mit einer hohen Empfindlichkeit fotografieren: Bei ISO 400 sinkt die Auflösung auch bei RAW-Bildern um 600 Linienpaare auf knapp 1500 Linienpaare/Bildhöhe, der Objektkontrast beträgt gerade noch 7 Blenden, und zugleich steigt das Rauschen rapide an auf VN 2,3, im JPEG-Format sind es gar VN 5,0. Zum Vergleich: Die gerade abgelöste Canon EOS 1Ds Mark II kommt bei ISO 400 auf fast 1600 Linienpaare/Bildhöhe, VN 1,3 und einen Objektkontrast von 8 Blenden. Entsprechend der besonderen Auslegung der Mamiya und ihrer speziellen Zielgruppe basiert das Testergebnis in unserer Tabelle auf RAW-Daten für ISO 50 und ISO 400, und nicht auf JPEG-Bildern, die wir bei den meisten SLR-Kameras nutzen. Damit erreicht die Mamiya sehr gute 80,5 Punkte für ihre ISO-50-Bildqualität - ein neuer Bestwert. Bei ISO 400 sind es dagegen nur enttäuschende 54 Punkte. Zudem überrascht die weit überdurchschnittliche Anzahl an Pixelfehlern dieser High-end-Kamera. 

Mamiya 645 AF DII ZD Back Display

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Das 1,8 Zoll kleine Display des digitalen Rückteils ZD Back erlaubt dem Fotografen kein zuverlässiges Urteil über das aufgenommene Bild. Vor allem bei hellem Umgebungslicht lässt sich die Anzeige kaum noch erkennen.

Das Display des digitalen Rückteils wird einer SLR-Kamera mit professionellem Anspruch bei weitem nicht gerecht. Es löst zu niedrig auf und ist mit 1,8 Zoll deutlich zu klein, um beurteilen zu können, ob ein Bild gelungen ist oder nicht. Bei hellem Umgebungslicht lässt sich die Anzeige kaum noch erkennen. Das Autofokussystem liegt mit drei Messfeldern unter dem Durchschnitt. Und die auch im Studio nützliche Matrix-Belichtungsmessung fehlt ebenso wie die Option für eine Blitzbelichtungsreihe. Während die Kamera mit sechs AA-Batterien läuft, braucht das Rückteil einen Lithium-Ionen-Akku.

Dafür qualifiziert sich die Mamiya für spezielle Aufnahmesituationen wie die Infrarot-Luftbildfotografie: Der Anwender kann dazu den IR-Sperrfilter des digitalen Rückteils durch einen separat erhältlichen Low-Pass-Filter ersetzen und so Fehlfarben und Moire-Effekte vermeiden. Da der Sensor leicht zugänglich an der Innenseite des Digitalrückteils sitzt, lässt er sich problemlos von Hand säubern. Eine automatische Sensorreinigung besitzt die Mamiya deshalb nicht.

Gut: Es gibt sowohl eine Spiegelvorauslösung und eine Abblendtaste als auch eine Kabelbuchse und einen Blitzschuh. Zudem lässt sich die Mattscheibe auswechseln, und der Weißabgleich (WB) funktioniert wahlweise automatisch, über sechs Festwerte, direkt per Messung oder manuell. Mit benutzerdefinierten Profilen können bis zu drei Fotografen 36 Einstellungen auf ihre Vorlieben und Bedürfnisse abstimmen.

Mamiya 645 AF DII ZD Back Spiegelvorauslösung

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Zur Spiegelvorauslösung muss der Fotograf mit einer Hand gleichzeitig sowohl den Auslöser als auch die M.UP-Taste drücken.

Das Kameramenü ist recht übersichtlich strukturiert. Zudem liegt die 645 AF DII ZD Back besser in der Hand als es ein Gerät ihrer Größe und ihres Gewichts (1,7 kg) erwarten lässt. Allerdings befindet sich ein Teil der Bedienelemente an ungünstigen Positionen und lässt sich nicht immer optimal mit einer Hand bedienen. Zur Spiegelvorauslösung muss der Fotograf beispielsweise den Auslöser und die M.UP-Taste gleichzeitig betätigen, die weit entfernt ungünstig in einer Mulde versenkt liegt. Außerdem geht das Gros der Wahlräder schwer und dreht sich nur, wenn der Fotograf zugleich einen Knopf in der Radmitte gedrückt hält. Der kleine Auslöseumschaltring lässt sich dadurch nur mit Übung und Geschicklichkeit einhändig auf Serien- oder Einzelbildposition bringen. Die 645 AF DII ZD Back ist schnell eingeschaltet, schafft allerdings nur ein Bild pro Sekunde und braucht bei unserem Testaufbau 0,56 Sekunden zum Scharfstellen und Auslösen. Im Vergleich zu einer digitalen KB-SLR-Kamera sind beide Werte nicht konkurrenzfähig; im Mittelformat-Umfeld dagegen sind sie in Ordnung. Die Serienfunktion ist auf maximal elf Bilder beschränkt, und das Benutzerhandbuch des Rückteils gibt es nur in englischer Sprache.

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