TV-Streaming

Magine TV mit mehr Sendern und neuer Optik

Der Streaming-TV-Dienst Magine hat seine Senderauswahl deutlich vergrößert, und in ein kleineres Gratisangebot sowie mehrere kostenpflichtige Premium-Pakete gegliedert. Wir nehmen das neue Magine TV unter die Lupe.

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Erst im Frühjahr 2014 ist das neue TV-Streamingportal Magine TV an den Start gegangen. Seitdem hat sich das Senderangebot kontinuierlich vergrößert. So gut wie alle wichtigen deutschen Free-TV-Sender sind hier mittlerweile zu sehen, wahlweise am Computer oder auf Apps für Smartphones und Tablets mit den Betriebssystemen iOS oder Android.

Neue Programmpakete mit Pay-TV und mehr HD-Sendern

Anfang September hat Magine sein Programmangebot deutlich vergrößert und neu strukturiert. Kostenlos sind weiterhin die öffentlich rechtlichen TV-Sender von ARD und ZDF zu sehen, allerdings nur noch in SD-Auflösung, nicht mehr in HD. Magine-Nutzer können so sämtliche Haupt- und Regionalprogramme von ARD und ZDF gratis als Onlinestreams sehen, ebenso wie ARTE, KiKa, 3Sat und die digitalen Spartenkanäle der öffentlich-rechtlichen Sender.

Launch-Angebot

© Magine TV

Basis-Angebot plus drei Bezahlpakete: Das neue Magine bietet gratis nur noch ein sehr übersichtliches Rumpf-Programm.

Zusätzlich gibt es nun drei Bezahlpakete:

  • Master-Paket für 6,99 Euro pro Monat: Für diese "technische Bereitstellungsgebühr" - analog etwa zu HD+ - gibt es Das Erste und das ZDF in HDTV-Qualität sowie alle großen deutschen Privatsender in SD zu sehen - einschließlich der Spartenkanäle "Sat1 Gold", "RTL Nitro" oder "ProSieben Maxx". Auch Spartensender wie Eurosport, Bloomberg, DMAX oder Family TV und Nachrichtenkanäle wie N24, NTV, BBC World und Russia Today gehören zum Paket.
  • Magic-Paket: Für 16,99 Euro überträgt Magine zusätzlich 14 Pay-TV-Film-, -Serien- und -Spartenkanäle, wie man sie etwa auch im Sky-Basispaket Sky Welt oder in den Pay-TV-Paketen der Kabelnetzbetreiber findet. TNT Film, AXN, Boomerang, Sony Entertainment TV, Universal Channel und Cartoon Network sind nur Einige davon. AXN, Sony und Universal sowie ein paar Spartensender sind in HD-Auflösung zu sehen. Bemerkenswert ist der Funsport-Kanal Fuel TV, der seine Sendungen als Einziger in Full-HD-Qualität mit 1080p streamt.
  • Max-Paket: Für 23,99 Euro pro Monat gibt es in diesem Paket noch zehn weitere Sparten-Pay-TV-Sender wie Docubox, C Music, Duck TV oder Filmbox Arthouse - ebenfalls teilweise in HD.

Zum Start des neuen Magine TV ist das Komplettpaket für die ersten 30 Tage kostenlos zu sehen. Das gilt für Neukunden ebenso wie für bisherige Magine-Nutzer. Eine Kündigung der Pakete nach dem Testzeitraum ist nicht notwendig, die Pay-Sender verschwinden dann automatisch aus der Kanalliste und können dann eben kostenpflichtig wieder aktiviert werden. Die Abos sind laut Magine monatlich kündbar.

Gegenüber dem bisherigen Angebot fällt vor allem auf, dass private Free-TV-Sender nicht mehr frei empfangbar sind. Doch das war zu erwarten: Die Sender wollen für die Ausstrahlung Geld, sodass sie auch in anderen Streamingpaketen wie etwa Zattoo Teil eines kostenpflichtigen Pakets sind.

Channels

© Magine TV

Live und Catch-Up: Die Programmübersicht zeigt Sendungen fett an, die man nachträglich per Catch-Up-Funktion noch anschauen kann.

Bezahlkanäle mit eingebauter 7-Tage-Mediathek

In allen drei Bezahlpaketen gibt es eine ganze Reihe Sender, deren Inhalte sich bis zu einer Woche lang zeitversetzt anschauen lassen. Sie bleiben über den Programmguide von Magine TV abrufbar. Im konventionellen Progammguide sind sie fett gedruckt, wenn man die Programmliste in die Vergangenheit scrollt. Magine nennt das Catch-Up oder übersetzt: aufholen. Auf Wunsch zeigt der Programmguide nur die Kanäle, die dieses Merkmal bieten.

In Pay-TV-Kanälen lassen sich Sendungen beim zeitversetzten Schauen auch vor- und zurückspulen. Private Free-TV-Sender mit Catch-up-Funktion wie etwa DMAX oder Eurosport erlauben dagegen kein Vorspulen. Man muss jede Sendung von Anfang bis Ende gucken, einschließlich der Werbeblöcke. 

Programme

© Magine TV

Über Menüpunkte oben kann man die Senderliste unterschiedlich einstellen. Hier werden nur Kanäle angezeigt, deren Sendungen Magine zum zeitversetzt Schauen speichert.

Programmguide mit Sendungen statt Kanälen

Magine-Gründer Mattias Hjelmstedt findet für sein TV-Portal klare Worte: "Wir wollten das Fernsehen neu erfinden. So, als würde man es heute tatsächlich ganz neu erfinden" sagt er und zeigt in der überarbeiteten Bedienoberfläche, was er damit meint. Alternativ zur Anzeige der verschiedenen Kanäle bietet die Magine-Webseite, ebenso wie die App auf Android-Geräten jetzt auch eine Ansicht, die das Programm nach Sendungen sortiert. Hier kann man derzeit etwa die beliebtesten Sendungen aufrufen, und zwar egal, ob sie gerade live oder als Catch-up-Sendungen im Magine-Archiv abrufbar sind.

Das Ganze sieht eher aus wie eine recht schlicht geratene Onlinevideothek als wie ein klassischer EPG: Zu jeder Sendung zeigt die Übersicht ein Vorschaubild, per Klick oder Fingertippen darauf startet der Stream. Mehr als die Hälfte der Pay-TV-Sender bieten derzeit die Catch-Up-Funktion, wenn auch nicht jeder Kanal alle seine Sendungen zeitversetzt anbietet.

Magine richtet sich hier strikt nach den Vorgaben der Sender und schaltet die Speicherung für jede einzelne Sendung ein oder aus. Laut Hjemstedt sollen kontinuierlich immer mehr TV-Kanäle Catch-up-TV anbieten. "Praktisch alle Sender, mit denen wir sprechen, wollen das Feature nutzen. Sie müssen allerdings für ihre Inhalte die rechtlichen Rahmenbedingungen abklären. Das dauert mitunter einige Zeit" sagt er anlässlich der Vorstellung des neuen Magine-Angebotes am Rande der IFA 2014.

Auffällig ist, dass derzeit kein einziger großer Free-TV-Sender die Catch-up-Funktion unterstützt, also weder ARD und ZDF noch die großen privaten Sendergruppen. Sie haben allesamt eigene zeitversetzte TV-Angebote wie etwa die ARD- und ZDF-Mediathek, RTL-Now, Maxdome (Pro7/Sat1) sowie das kostenpflichtige Privat-Mediathekenangebot unter HD+ Replay. Doch vielleicht sind sie auch nur alle miteinander dabei, die rechtliche Situation abzuklären.

Magine TV

© Magine TV

Sendungs-Videothek: In der alternativen Sendungsansicht zeigt der Magine-Programmguide Sendungen zu bestimmten Themen an - egal in welchem Kanal sie laufen und ob sie live oder auf Abruf zu sehen sind. Das Beispiel zeigt Kindersendungen auf dem iPad-Menü.

Neue Magine-Webseite, neue Apps, schnelleres Streaming

Auch die Bedienoberfläche von Magine wurde erneuert. Auf der Webseite und in der Android-Welt sind die Neuerungen schon zu sehen. Vor allem die markante Sendungsübersicht nach Programm-Genres oder -Beliebtheit ist wirklich hilfreich. Allerdings bietet die Darstellung derzeit noch zu wenig Auswahl: Man kann bislang nur HD-Sendungen, beliebte Inhalte, sowie die Programmgenres Entertainment und Kindersendungen wählen. Eine Auswahl etwa nach Serien oder Spielfilmen wäre hilfreich. Noch besser: Magine könnte mehrere zeitversetzt verfügbare Episoden einer TV-Serie jeweils gemeinsam auflisten.

Trotz der Verbesserungsmöglichkeiten eröffnet die neue Optik einen innovativen Zugang zu TV-Inhalten. Auf dem iPad soll das ebenfalls klappen, bis zum Abschluss des Praxistests war die aktualisierte App allerdings noch nicht verfügbar. Wir hatten aber die Gelegenheit, die App in einer Vorab-Version zu begutachten. Dort fiel ein praktisches Feature auf, das etwa unter Android nicht zu haben ist: Das laufende TV-Bild lässt sich auf dem iPad rechts oben oder unten klein einblenden, auf Wunsch mit Zusatzinfos zur Sendung. Per Vergrößerungsgeste mit zwei Fingern lässt sich das Bild dann auf Vollbildgröße aufzoomen.

Eine Stärke ist indes auf allen Plattformen zu beobachten: Magine streamt sehr zügig. Nach dem Aufruf einer Sendung - egal ob live oder zeitversetzt - dauerte es zwischen zwei und vier Sekunden, bis die Sendung über den Bildschirm flimmerte. Die sah zum Start meist noch etwas verpixelt aus, doch die Qualität verbesserte sich zügig bis zu lupenreinen HD-Bildern, die sich nur in stark bewegten Szenen etwas auflösten. Magine spendiert recht hohe Datenraten: HD-Sendungen wurden in unserem Test mit bis zu 5,6 Mbit/s übertragen, SD-Sender mit immer noch üppigen 2,1 Mbit/s. Das bringt eine sehr gute Qualität, fordert aber auch einen hohen Datendurchsatz. Im mobilen Internet sollte man Magine somit nur nutzen, wenn man einen Datentarif mit sehr großem Freivolumen hat.

Sendungen

© Magine TV

Nach Belieben: In einer weiteren Übersicht listet Magine alle "populären" Sendungen. Was dabei als beliebt gilt, erschließt sich allerdings nicht auf Anhieb.

Smart-TV-Anbindung für Samsung-Geräte

Auch auf dem Smart-TV ist Magine nutzbar, sofern der von Samsung stammt. Die Steuerung läuft dabei ähnlich wie in YouTube-Apps mit Youtube-Leanback auf dem Fernseher: übers Smartphone oder Tablet. Man verbindet Magine auf dem Mobilgerät per QR-Code mit der Smart-TV-App. Sendungen werden dann weiterhin auf dem Touchscreen ausgewählt, man lässt sie dann aber auf Wunsch direkt auf den gekoppelten Smart-TV streamen. Das klappt tatsächlich kinderleicht und macht die Steuerung von Magine einfacher, als sie per Fernbedienung wäre.

Toller Service, stolzer Preis

Das neue Magine ist tatsächlich ein großer Schritt in Richtung TV-Zukunft. Die wesentlichen Bestandteile des verbesserten Magine TV bekommen aber nur zahlende Kunden zu sehen, alle anderen können nur noch ARD, ZDF & Co. In SD-Auflösung streamen. Und das machen die Sender in ihren Mediatheken selbst. Die Magine-Pakete sind indes keine Schnäppchen: Das Komplettpaket etwa kostet deutlich mehr als Sky Welt und hat kein massiv besseres Angebot. Und mit Sky Go bietet auch der Pay-TV-Sender eine Möglichkeit, bestimmte Sendungen zeitversetzt am PC und auf iOS-Geräten mit einem echten Videotheken-Men anzuschauen. Obendrein bietet Sky Welt mehr HD-Sender.

Bequem ist Magine dennoch geworden, und eine überzeugende Bildqualität bietet das Angebot sowieso. Wirklich attraktiv wird es, sobald klassische Free-TV-Sender die Komfort-Funktionen rund ums bequeme Catch-up-TV auf Magine nutzen. Das wäre das innovative TV-Streaming, für das sich ein paar Euro extra lohnen.

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