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LG SJ9 im Test: Wie gut ist die Soundbar mit Dolby Atmos?

Dolby Atmos ist angekommen. Und zwar nicht nur im (Heim-)Kino, sondern mit der LG SJ9 Soundbar auch zu Hause im Wohnzimmer. Wir machen den Test.

LG Soundbar

© LG Electronics

Insgesamt zwei an der Oberseite angebrachte Lautsprecher sind für die Atmos-Wiedergabe zuständig. An der Bar selbst stehen die wichtigsten Elemente zur Bedienung bereit.

Pro

  • Dolby Atmos Effekte
  • Surround-Abbildung
  • Design
  • Integrierter Google Chromecast

Contra

  • Detailverlust
  • Basspräzision

Fazit

video Magazin Testurteil: gut, Preis/Leistung: überragend
79,0%

Erfahrungsgemäß kann es bei neuen Trends und Technologien eine geraume Zeit dauern, bis sie den Schritt aus dem Kino und entsprechenden Vorführsälen in die eigenen vier Wände schaffen. Selbiges gilt – oder besser gesagt galt – für immersive Klangformate wie Dolby Atmos oder DTS:X. Doch nach dem ersten Hype vor knapp zwei Jahren scheint so langsam auch richtig Fahrt im Bereich des dreidimensionalen Sound-Erlebnisses aufzukommen, sowohl auf der Soft- als auch der Hardware-Seite. Dabei sprechen wir nicht mehr nur von großen Boxen-Sets mit Deckenlautsprechern in der Preiskategorie eines Kleinwagens, sondern von kompakten und erschwinglichen Systemen: Soundbars. 

Natürlich muss man dann in puncto Leistung und Heimino-Erlebnis die Messlatte etwas tiefer legen, schließlich handelt es sich (größtenteils) immer noch um eine einzige Signalquelle von vorne, in deren Innern komplexe DSP-Techniken am virtuellen Surround-Sound arbeiten. Diskrete Gespielinnen im restlichen Raum gibt es eben nicht. Es geht vielmehr um den einfachen, aber effektiven Transfer eines „Mittendrin-Gefühls“ ins heimische Wohnzimmer. 

Auf der letztjährigen Consumer Electronics Show in der Spielermetropole Las Vegas stellten Samsung und Philips ihre ersten Dolby Atmos Soundbars vor,​ 2017 zogen weitere große Hersteller wie Sony und LG nach. Umso erfreulicher, dass es die SJ9 nun schon einen Monat nach der Messe zu einem Exklusiv- Test in unsere Verlagsräume und Testlabore geschafft hat. Sie, liebe Leser, dürfen das schicke Duo dann ab voraussichtlich Ende März hierzulande in Augenschein nehmen. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier: Los geht’s!​

Schlank in Silber 

Die SJ9 ist mit einer Höhe von nur 5,8 Zentimetern eine außerordentlich flache Soundbar, deren edel anmutendes silbernes Design mit abgerundeten Ecken sicherlich nicht nur in Kombination mit dem neuesten W7 TVFlaggschiff von LG eine gute Figur macht. Der eher quadratische zugehörige Subwoofer wird wireless im Raum platziert. Beim Anschließen stellen wir fest, dass ausreichend Kontakte (HDMI In/Out ARC, Toslink und Aux-In) zur Verfügung stehen und eine LAN-Buchse auch die drahtgebundene Verbindung mit dem Internet ermöglicht. Also verbinden wir unseren Zuspieler via HDMI direkt mit der Soundbar, was für die verlustfreie Übertragung des Dolby-Atmos-Contents zu empfehlen ist, verlegen ein weiteres Kabel zum TV und sind startklar. Befehle erhält das Duo im Normalfall über eine kleine Fernbedienung, die im Vergleich zu den Vorjahresmodellen keinerlei große Veränderungen aufweist. Alternativ lässt sich aber auch auf die MusicFlow App zurückgreifen, welche die wichtigsten Remote-Funktionen wie Klangmodus und Lautstärke beherrscht. Praktisch!​

Music Flow App

© Screenshot WEKA / video Magazin

Die kostenlose Music Flow App bietet Zugriff auf zahlreiche Streaming- Dienste wie Spotify oder Tune In sowie Hits am Handy. Zudem fungiert sie als Fernbedienung mit etwas abgespeckten Funktionen (links). Dank integriertem Google Chromecast reicht ein Tipp am Handy auf das Cast-Symbol zur Wiedergabe sämtlicher Videos und Musiktitel. Cooles Feature, für welches es eben keinen extra Chromecast-Audio- Dongle mehr benötigt (rechts).

Atmos is in the air 

Ihre Stärken spielt die SJ9 gleich zu Beginn in der Königsdisziplin Dolby Atmos Sound aus. Erscheint der entsprechende Schriftzug am Display, können keine Änderungen am Sound-Mode mehr vorgenommen werden. Das kennen wir schon von Mitbewerber Samsung und seiner HW-K950. Vor uns stürmt es und Eisregen peitscht vorbei, während wir im Trockenen sitzen bleiben dürfen. Nicht schlecht, was die schlanke Bar an Atmosphäre in unser Testzimmer zaubert. Nach Everest legen wir Mad Max Fury Road ein. Bei der berühmten Startszene ertönt das Flüstern aus allen Richtungen und bewegt sich frei im (vorderen) Raumabschnitt, die Maße der Soundbar sind nicht einmal ansatzweise zu vernehmen. Insgesamt überzeugt die SJ9 im Dolby-Atmos-Betrieb mit Natürlichkeit und Ausgewogenheit. Unseren ersten Klangeindruck bestätigt eine Reihe von immer wieder eindrucksvollen Natur- oder Hubschrauber-Sequenzen der 2017er Demo Disc aus dem Hause Dolby. Beim Zuspiel der einzelnen Kanäle können wir den linken und rechten Testton auch tatsächlich in unmittelbarer Deckennähe orten. Wow! 

Von dieser präzisen Abbildung profitiert auch normaler 5.1-Surround- Content. Bei unserem Test-Klassiker „Tage des Donners“ müssen wir die Rennauto-Szenen gleich drei- oder viermal abspielen, so ungläubig lauschen wir dem Motorengeräusch, das für einen kurzen Moment tatsächlich aus dem Hinteren des Raums ertönt. Respekt! Solch gute virtuelle Surround-Effekte bekommen wir nur​ selten zu hören. Insgesamt erschafft die SJ9 mit Film-Content (im Standard-, Cinema- oder Dolby Atmos-Mode) einen großen Raum und generiert ein gutes Mittendrin-Gefühl. Die Grundeinstellung des Subwoofers (also 0) passt, bei Bedarf empfiehlt sich eine Abschwächung um -1. Er ist zwar zur rechten Zeit parat, bei schnellen Schusswechseln oder Explosionen fehlt es ihm aber an Präzision und Nachdruck. Mit einer unteren Grenzfrequenz von 52 Hertz spielt er nicht außergewöhnlich tief. 

Bei 88dB Maximallautstärke ist noch Luft nach oben, für einen normalen bis lauteren Betrieb im Wohnzimmer reicht das aber völlig aus. Wer dennoch mehr Pegel gibt, wird leider mit unangenehmen Verzerrungen in den Höhen zurechtkommen müssen, was insbesondere im Musikbetrieb stört. Mit dem Test-Klassiker Hotel California kann die SJ9 zwar in puncto Präzision und Klarheit überzeugen, verliert aber generell an Dynamik und Brillanz, weshalb sie insgesamt an Natürlichkeit einbüßt. Das spiegelt sich bei genauem Hinhören auch in Wortwechseln wider. Die 5.1.2 Soundbar versteht sich auf Hi-Res Audiodateien bis 24bit/192 kHz.​

Im Messlabor 

Hier wurde eine kleine Schwäche im Frequenzgang deutlich: Bei ca. 5 kHz bricht dieser (rot) markant ein, erholt sich dann rasch wieder. Der violette Graph spiegelt den Frequenzgang im 1-Kanal-Betrieb wider und zeigt sich ohne Lücke, was auf eine Auslöschung der einzelnen Lautsprecher-Einheiten (hier drei Hoch-Mitteltöner-Kombis an der Frontseite der Soundbar) im reflexionsarmen Labor bei exakt einem Meter Distanz (Messmikrofon) hindeutet. Sorgen sind aber weitestgehend unbegründet: Im Praxisbetrieb war dies kaum zu vernehmen.

Da kommt noch mehr 

Doch der koreanische Klangbalken kann mehr, als nur gut klingen. Am HDMI-Eingang mit entsprechender Kopierschutz-Kompatibilität HDCP 2.2 nimmt er Signale in Ultra HD mit erhöhtem Kontrastumfang High Dynamic Range entgegen und schleift diese verlustfrei zum Fernseher durch, was unser Test mit dem Murideo-Analysator zusätzlich belegt.

LG Soundbar Anschlüsse

© Lg ELectronics

Alles Wichtige an Bord: Neben einem HDMI-Ein- und -Ausgang (ARC) steht einer optischen Toslink- Verbindung oder analogen Aux-In Übertragung nichts im Wege.

Wer weitere Speaker der LG Multiroom Familie integrieren möchte, beispielsweise als Rücklautsprecher, kann das bequem über die MusicFlow-App vornehmen. Dazu muss man alle Komponenten (inklusive Smartphone) im gleichen Netzwerk miteinander verbinden. Dann stehen zudem zahlreiche Streaming-Services wie Spotify zur Verfügung. Richtig cool: Die SJ9 hat Google Chromecast integriert. Einmal verknüpft, genügt ein Klick auf das entsprechende Symbol und unsere Youtube-Clips oder Lieblings- Hits werden über die Soundbar ausgegeben. Das Zuspiel über Bluetooth rundet die Wireless-Funktionen ab.

Fazit 

Auch wenn sie eher klein und schmächtig aussieht, Dolby Atmos beherrscht die SJ9 von LG wie eine ganz Große. Wer Wert auf Höhendetails und guten virtuellen Surroundsound legt, liegt mit dieser Soundbar goldrichtig.

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