Unterwasserkamera

Leica X-U im Test

Leica bringt mit der X-U seine erste Outdoor- und Unterwasserkamera auf den Markt. Der APS-C-Sensor in diesem Modell ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, denn in fast allen Konkurrenzmodellen stecken winzige Kompaktkamera-Sensoren. Wir haben die Leixa X-U im Test.

Unterwasserkamera Leica X-U

© Leica

Eine schnörkellose Linienführung bestimmt das Design des gleichermaßen robusten wie wertigen Leica X-U- Gehäuses.

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EUR 600,00

Pro

  • Robustes Outdoor-Gehäuse
  • Gute optische Qualität
  • Klassisches Bedienkonzept

Contra

  • Langsamer Autofokus
  • Automatische Änderung manueller Einstellungen

Fazit

ColorFoto Testurteil: 45 Punkte

Leicas X-U kann eine Stunde lang in bis zu 15 m Wassertiefe arbeiten. Mächtig wirkt die 3.250 Euro teure Kamera in ihrem 140 x 80 x 88 mm großen, 620 g schweren Gehäuse inklusive Objektiv. Nur der kleine Erker mit dem Mini-Blitz (LZ 4) über dem Objektiv wirkt aufgesetzt. Als Basis dient die Leica X ( Test in ColorFoto 1/2015) mit 16-Megapixel-CMOS-Sensor im APS-C-Format und einem Summilux 1,7/23 mm Asph.

Das von einer griffigen Gummierung umhüllte Gehäuse mit Alu-Top- und Bodenplatten schützt die Technik vor Wasser und Staub. Außerdem ist es stoß- und bruchsicher sowie kälteresistent. Als Referenzen nennt Leica die JIS/IEC-Schutzklasse 68 und den MIL-Standard 810G, Methode 516.5. Einen entsprechend soliden, robusten und zugleich hochwertigen Eindruck macht die X-U.

Ausstattung und Bedienung

Die Bedienung von Zeit, Blende und Fokus erfolgt klassisch über Einstellräder. Für weitere Einstellungen gibt es relativ große Funktionstasten neben dem LC-Display, das 35 gut lesbare Menüpunkte auf fünf Tafeln anzeigt. Diese sind nicht einzeln aufrufbar, sondern man muss durch die Einzelpunkte von Tafel zu Tafel scrollen. Immerhin merkt sich die X-U den zuletzt genutzten Menüpunkt und startet beim nächsten Menüaufruf wieder damit. Eine Besonderheit ist die "UW"-Taste auf dem Steuerkreuz, die einen auf die Unterwasserfotografie abgestimmten Weißabgleich sowie Optikkorrekturen vornimmt. Weitere Möglichkeiten, auf den Bildcharakter Einfluss zu nehmen, bietet die X-U per Menü für Filmmodus, Schärfe, Sättigung und Kontrast.

Leica X-U von oben

© Leica

Dank der wenigen, klar gegliederten Bedienungselemente inklusive Video-Taste ist die X-U in allen Situationen gut bedienbar. Besonders praktisch: der große AF/MF-Ring. Das Blendenrad dürfte etwas größer sein.

Das Kontrast-AF-System arbeitet mit Spot-, Einzelfeld- oder Mehrfeldmessung mit 11 Punkten, die sich zudem mit der Gesichtserkennung verbinden lässt. Die kürzeste Entfernung beträgt 0,2 m. Auch die manuelle Fokussierung per Live-View-Ansicht funktioniert problemlos, zumal eine elektronische Lupe den zentralen Bildausschnitt zur Schärfebeurteilung 6-fach vergrößert zeigt. Der Wechsel zwischen automatischer und manueller Fokussierung erfolgt schnell und einfach am gerändelten Objektivring. Am rechten Ende der Skala hinter dem ?-Symbol folgt noch die leicht rastende AF-Position.

Objektiv & Belichtung

Auch das fest eingebaute Weitwinkel-Objektiv Summilux 1,7/23 mm Asph. ist das gleiche wie in der X. Mit Lichtstärke f/1,7 und 23 mm Brennweite, die der 35-mm-Reportagebrennweite bei KB nahekommt, ist es ein vielfältig nutzbares Werkzeug. Unter Wasser verlängert sich diese Brennweite wegen der veränderten Lichtbrechung auf 35 mm (KB-äquiv.).

Zur Belichtung bietet Leica die nicht näher definierte Funktion "Mehrfeld"- Messung, Mittenbetonung und Spot. Durch mehrmaliges Drücken der EVTaste lassen sich Belichtungskorrektur, Belichtungsreihe und Blitzbelichtungsreihe, jeweils bis ±3EV, aufrufen. Die Verschlusszeiten reichen von 1/2000 bis 30 s. Da die X-U mit Zentralverschluss arbeitet, ist die Blitzsynchronisation mit allen Zeiten bis zu 1/2000 s möglich. Die Zeiten werden am klassischen Zeitenrad oben auf der X-U gewählt. Der sehr kleine Blendenwahlring rechts oben auf der Kamera zeigt die F-Werte plus "A". Ein klassischer Blendenring am Objektiv wäre aber wünschenswert, besonders im Hinblick auf den Unterwassereinsatz. Stehen die beiden Ringe auf "A", arbeitet die X-U mit Programmautomatik. Ein Programm- Shift gelingt dann schnell über die Plus-/Minus-Tasten mit dem rechten Daumen. Auf Motivprogramme muss der X-U-Nutzer verzichten.

Leica X-U Objektiv

© Leica

Leica X-U Objektiv.

Mit dem konzentrisch um den Auslöser angeordneten Hauptschalter wechselt man zwischen Einzel- oder Serienbelichtung. Eine rot markierte Taste startet die Aufnahme von Full-HDVideos mit 1920 x 1080 Pixeln und maximal 30 Vollbildern/s. Dem Zubehörschuh fehlt ein Blitz-Mittenkontakt. Das ist der UW-Tauglichkeit der X-U geschuldet, ebenso die fehlenden USBund HDMI-Ausgänge.

Kamera mit Eigenleben

Eine eher gut gemeinte als gut gemachte Leica-Besonderheit ist, dass die Kamera "für die höchst mögliche Bildqualität" (so Leica in der Anleitung) nach eigenem Gutdünken manuell gewählte oder von der Automatik vorgegebene Einstellungen ohne Vorwarnung verändert. Der Fotograf erkennt das erst, wenn er bei der Wiedergabe die angezeigten Aufnahmedaten sieht. So war es uns beim Test unter Tageslichtbedingungen nicht möglich, Vergleichsaufnahmen mit allen ISOWerten von 100 bis 12 500 zu machen. Die X-U weigerte sich, mit mehr als ISO 400 zu belichten. Das funktionierte erst wieder bei Dämmerung. Eine derartige Entmündigung erscheint doch gerade bei einer so ambitionierten Zielgruppewie den Leica-Käufern ein wenig unangebracht.

Auch die "Bildstabilisierung" der Leica führt, sobald sie aktiviert ist, ein recht unkontrolliertes Eigenleben. Bei ihr handelt es sich nicht um einen "echten" Bildstabilisator mit Linsen- oder Sensor-Shift. Per Multi-Shot-Technik setzt die X-U aus zwei Einzelfotos ein möglichst scharfes Bild zusammen. Ab welcher Belichtungszeit die Stabilisierung zu arbeiten beginnt, gibt Leica nicht an. Sie funktioniert laut Anleitung mit Belichtungszeiten zwischen 1 s und 1/2000 s (wobei sich die Frage stellt: Was gibt es bei 1/2000 s zu stabilisieren?) und bis ISO 6400. Da sie mit zwei Aufnahmen arbeitet, kann sie zudem nicht bei bewegten Objekten im Bild genutzt werden.

LCD-Monitor & Anzeigen

Das 3-Zoll-LC-Display mit 306 667 RGBPixeln zeigt ein scharfes Bild. Schwenks verursachen geringfügige Mitzieh-Unschärfen, aber keine Ruckler. Als Folge der UW-Tauglichkeit fehlt ein Anschluss für einen elektronischen Sucher. Statt eines Drehrads für den rechten Daumen - wie bei der Leica X - hat die X-U ±-Tasten. Gitter und Histogramm lassen sich bei der Aufnahme einblenden, bei der Wiedergabe zeigt die X-U überbelichtete Motivbereiche rot markiert. Nach Druck auf die "Play"-Taste erscheint das Motiv monitorfüllend mit Zeit- und Blendenangabe, ein Druck auf die "Info"-Taste wechselt in den Modus mit dem Bild im Briefmarkenformat und ausführlichen Aufnahmeinformationen.

Leica X U Monitor

© Leica

Unterwasserkamera Leica X-U.

Die Leica X-U speichert die Fotos auf SD-Karten wahlweise im JPEG-, RAW- oder RAW + JPEG-Format. Bei RAW setzt Leica wie immer auf Adobes DNG-RAW. Wer will und es braucht, kann in der X-U auch EyeFi-SD-Karten zur kabellosen Bildübertragung per WLAN einsetzen.

Geschwindigkeit & Bildqualität

Schnelligkeit ist keine Stärke der Leica X-U. Die gemessene Einschaltverzögerung beträgt 1,9 s, wo die Leica X noch auf 1,1 s kam. Auch die AF-Zeiten von 0,55 s/1,67 s (300/30 Lux) sind kein Ruhmesblatt für die X-U. Damit muss sie sich nicht nur der X, sondern auch weit preisgünstigeren Kameras geschlagen geben.

Dass Leica es besser kann, beweist die Leica Q mit 0,17 s AF-Zeit sowohl bei 300 wie 30 Lux. Die X-U fokussiert nach außen praktisch geräuschlos von 0,2 m bis unendlich. Die versprochene Serienbildfrequenz hält die X-U mit 5 Bildern/s bei JPEGs ein, und mit RAW macht sie sogar 6 B/s, in beiden Fällen bis zu 6 Aufnahmen am Stück statt 7 wie die X. Bei Videos mit normalem Schwenk folgte der kontinuierliche Mehrfeld-AF mit dem Fokus meist zuverlässig mit gelegentlich leichter Verzögerung. Dass der Autofokus seine Arbeit verrichtete, war auf den Videos nicht nur zu sehen, sondern in leiser Umgebung konnte man bei der Wiedergabe auch ein tickerndes Geräusch hören. Das war auch bei manueller Fokusnachführung der Fall.

Wenig überraschend zeigt die X-U bei der Bildqualität sehr ähnliche Ergebnisse wie schon die X. Bei ISO 100 nutzt die X-U das Auflösungsvermögen in der Bildmitte mit gemessenen 1628 LP/BH bis an die Nyquist-Grenze aus. Die Auflösung fällt bis ISO 1600 mit 1557 LP/BH kaum ab.

Beim Rauschen gibt sich die X-U weniger zurückhaltend. Mit einem VN-Wert von 0,6 arbeitet sie bei ISO 100 weitgehend rauschfrei, bei ISO 800 steigt der VN-Wert allerdings auf 1,8 und erreicht bei ISO 1600 bereits 2,6. Die Dead-Leaves-Cross-Kurven bis ISO 800 weisen vor allem im Hochkontrastbereich bei den niedrigen ISO-Werten auf eine kräftige Kontrastanhebung hin, ganz besonders bei ISO 100. Damit einher geht im gleichen ISO-Bereich eine noch stärkere Anhebung bei den Dead-Leaves-Direct-Werten.

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In die gleiche Richtung arbeitet vor allem bis ISO 800 auch die Kantenbetonung der X-U und greift stark in die Bildgestaltung ein. So entsteht zwar ein knackiger Bildeindruck, allerdings auf Kosten eines natürlichen Bildeindrucks und mit Auftreten von Artefakten. In der Dynamik übertrifft die X-U mit 11,3 EV das Schwestermodell X um mehr als 1 EV. Die Dynamik geht bis 8,7 bei ISO 1600 nur langsam zurück und lässt erst darüber hinaus deutlicher nach.

Fazit

Für 3250 Euro bietet Leica mit der X-U die gleiche gute optische Qualität wie die in wesentlichen Punkten baugleiche Leica X, ist aber auch wie diese recht aggressiv abgestimmt. Die lichtstarke 35-mm-Weitwinkel-Festbrennweite macht die X-U vielseitig einsetzbar. Das klassisch-einfache Bedienkonzept wird auch beim Einsatz unter Wasser oder in unwirtlichen Umgebungen Freunde finden, zumal die rückseitigen Bedienungstasten größer und griffiger ausfallen als von anderen Kameras gewohnt. Auch die praktische Umschaltung zwischen Autofokus und manuellem Fokus gefällt.

Dagegen arbeitet der Autofokus bei schlechtem Licht schlicht zu langsam. In diesem Punkt bleibt die X-U weit hinter der Q mit Vollformatsensor zurück, was sie den Kauftipp kostet - trotz der konkurrenzlosen Kombination eines robusten Outdoor-Gehäuses mit einem APS-C-Sensor.

Einschätzung von Tester Horst Gottfried

Selten hat sich Unterwasser-Fotografie gediegener angefühlt als mit der Haptik der Leica X-U. Dafür muss man an Land ein paar Opfer bringen in Form von mehr Größe und Gewicht einerseits und fehlenden Anschlüssen andererseits. Mittenkontakt- oder Kabel-Blitzanschluss fielen ebenso der Wasserdichte zum Opfer wie HDMI- und USB-Buchsen oder ein optionaler elektronischer Sucher.

Weniger logisch erklärbar ist, dass Leica auch in der X-U seine anspruchsvolle und ambitionierte Klientel immer wieder mal fotografisch entmündigt. Anders lässt sich die willkürliche Veränderung gewählter Zeit- oder ISO-Werte durch die Kamera, wenn sie sich für schlauer als der Fotograf hält, kaum bezeichnen.

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