Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Systemkamera

Leica TL2 im Test

Die Leica TL2 bietet einen 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format und 4K-Video. Dagegen stehen 2000 Euro als Gehäusepreis. Wir haben die Kamera im Test.

Leica TL2 Schwarz Silber

© Leica

Das Gehäuse der Leica TL2 ist aus einem Aluminiumblock gefräst. Es gibt die Kamera in Silber und Schwarz.

Pro

  • 3,7-Zoll-Touchdisplay
  • sehr solides Gehäuse
  • USB 3.0
  • interner Speicher mit 32 GB
  • gute Bedienung

Contra

  • Messpunkt kann bei Benutzung des Visoflex-Suchers nicht verschoben werden
  • keine Lupenfunktion im EVF Bildwiedergabe
  • langsamer Fokus
  • Bildverarbeitung von JEPGs verbesserungswürdig

Fazit

ColorFoto Testurteil: 45,5 Punkte (6,5 Punkte unter Durchschnitt)

Mit den TL-Modellen beweist Leica, dass man als Kamerahersteller der Tradition verpflichtet und dennoch in der Lage sein kann, eine hochmoderne Kamera zu bauen. Auf jeden Fall gilt dies für Design und Bedienkonzept. Das puristische Metallgehäuse der TL2 ist einfach schön, Material und Verarbeitung sind so hochwertig, wie man es erwartet, wenn der rote Punkt mit Leica- Schriftzug an der Front prangt. 

Ebenso markentypisch ist der recht hohe Gehäusepreis von knapp 2000 Euro. Auch für die Systemobjektive muss man tiefer als sonst in den Geldbeutel greifen. Bereits das nicht sonderlich lichtstarke Vario Elmar TL 3,5-5,6/18- 56 mm Asph. schlägt mit 1550 Euro zu Buche. Zwei weitere Zooms und drei Festbrennweiten umfasst das derzeitige Systemangebot. Das L-Bajonett erlaubt zudem den Anschluss von Vollformatobjektiven der SL-Reihe sowie von Mund R-Objektiven, letztere mit Adapter und ohne AF-Betrieb. 

Betrachtet man die TL2 von der Rückseite her, könnte man meinen, ein aktuelles Smartphone in der Hand zu halten: Man blickt auf eine 63 x 115 mm große Glasfläche, unter der sich ein berührungsempfindliches 3,7-Zoll-Display befindet. Handfeste Bedienelemente gibt es nur wenige: Auslöser, Funktionstaste und zwei Einstellräder. Wie lässt es sich damit fotografieren? Und was bringt der Sprung von 16 auf 24 Megapixel beim Bildsensor, den die TL2 im Vergleich zur TL vollzogen hat? 

Leica TL2 Black Front

© Leica

Das Gehäuse der Leica TL2 gefällt durch seine puristische Linienführung; die Finger finden Halt an der senkrechten Kante des Handgriffs. Auf eine griffige Gummibeschichtung wurde verzichtet – wohl aus Designgründen.

Gehäuse und Ausstattung

Das Gehäuse der TL2 sei aus einem Aluminiumblock gefräst, sagt Leica. Man glaubt es gerne, denn der Body, in Schwarz oder Silber erhältlich, wirkt so stabil wie ein Tresor. Aus Kunststoff bestehen nur das Deckglas an der Rückseite und der Klappdeckel an der rechten Schmalseite, der die Anschlüsse (HDMI, USB 3.0) und den SD-Karten- Slot (UHS-II-kompatibel) verbirgt. Zur Bildaufzeichnung kann man bei der TL2 auf SD-Karten oder auf einen internen Speicher mit 32 Gigabyte zurückgreifen – sehr schön! Die Bilddateien lassen sich jederzeit vom internen Speicher auf SD-Karte kopieren und umgekehrt. 

Das Gehäuse ist vorne zu einem Handgriff ausgeformt, Halt finden die Finger an der metallenen Gehäusekante. Dem puristischen Design geschuldet, fehlt jegliche Gummierung am Gehäuse. Das sieht zwar sehr elegant aus, schafft aber ein Gefühl von Unsicherheit, zum Beispiel wenn das Telezoom an der Kamera sitzt und die Hände schwitzen. Unten fehlt der übliche Klappdeckel am Akkufach. Stattdessen deckt der Akkublock (985 mAh) aufgrund seiner Formgebung den Akkuschacht ab, wenn er komplett eingerastet ist. 

Die Entriegelung erfolgt zweistufig: Zuerst schiebt man einen Hebel zur Seite, um den Akku ein paar Millimeter aus dem Gehäuse springen zu lassen. Erst wenn man leicht auf den Akku drückt, lässt er sich entnehmen. Ebenfalls positiv ist, dass man den Akku über USB in der Kamera laden kann, ein Netzladegerät

Leica TL2 Black Back Liveview

© Leica

Die Rückseite ist eine durchgängige Glasfront mit berührungsempfindlichem 3,7-Zoll-Display. Aus dem Live-View gelangt man über das Kamerasymbol rechts vom Bildfeld zum MyCamera-Menü, das sich individuell konfigurieren lässt.

Der touchfähige 3,7-Zoll-Monitor mit 854 x 460 RGB-Pixeln (16:9-Format) ist der einzige Motivsucher, den die Kamera ab Werk mitbringt. Als Zubehör ist der Aufstecksucher Visoflex Typ 020 (466 666 RGB-Pixel) mit zuschaltbarer GPS-Funktion für 450 Euro erhältlich. Dank Augenerkennung schaltet sich das TFT-Display der Kamera ab, sobald man durch den Sucher blickt. Über ein Gelenk lässt er sich bei bodennahen Kamerapositionen nach oben schwenken. Präzise manuell scharfstellen kann man dank Lupen- und Peaking-Funktion. Enttäuschend aber ist, dass sich bei der Bildwiedergabe im Sucherbetrieb keine Lupe aktivieren lässt, um die Schärfe der Aufnahme zu beurteilen – das geht nur am TFT-Monitor. 

Auf kameraseitige Bildstabilisierung muss man verzichten, was umso schwerer wiegt, als es unter den aktuellen TL-Objektiven keines mit optischem Bildstabilisator gibt. Wer das will, muss auf große und teure SL-Objektive, gerechnet fürs Vollformat, ausweichen. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde zudem der Ausklappblitz eingespart. Zwar kann man einen Systemblitz auf den Zubehörschuh der Kamera stecken, doch dann muss der elektronische Sucher weichen – beides zusammen geht nicht.

Autofokus und Belichtung

Das AF-System der TL2 arbeitet wie gehabt mit Kontrastmessung; 49 Messfelder stehen dafür bereit. Neben automatischer Messfeldwahl bietet die Kamera ein zentrales Spotmessfeld und die Punktmessung mit etwas größerem und verschiebbarem Messfeld. Das Verschieben gestaltet sich leider umständlich: Man muss dreimal an verschiedenen Stellen auf den Bildschirm tippen, bis man den Messpunkt bewegen kann, wahlweise mit den Einstellrädern oder der Fingerspitze. Da wählt man besser gleich den Touch-AF, zumal sich dieser auch mit Verschlussauslösung koppeln lässt. Während man durch den Visoflex-Sucher schaut, gibt es leider keine Möglichkeit, den Messpunkt zu verschieben – das weckt wenig Begeisterung.

Leica TL2 Menü

© Leica

Links: Das MyCamera-Menü kann sich jeder Anwender selbst zusammenstellen; die Reihenfolge der Kacheln lässt sich beliebig verändern. Rechts: Mittels Touch-AF bzw. Touch-AF plus Auslösen kann man den Messpunkt im Bildfeld am schnellsten positionieren.

Beim Fokussieren lässt sich die TL2 noch immer zu viel Zeit: 0,58/1,12 s bei 300/30 Lux – das können andere Spiegellose heute wesentlich schneller. Zudem fällt im AF-S-Modus ein störendes Pumpen auf. Und die Serienbildgeschwindigkeit? Knapp 7 B/s ermittelte das Testlabor mit dem mechanischen Verschluss, der als kürzeste Belichtungszeit 1/4000 s erlaubt. Mit dem elektronischen Verschluss schafft die TL2 laut Hersteller bis zu 1/40 000 s und 20 B/s. Auf AF-Nachführung muss man in beiden Fällen verzichten. Ab 1/5000 s schaltet die Kamera automatisch auf den elektronischen Verschluss und 20 B/s um, wenn der Serienbildmodus (C) vorgewählt ist.

Neben den Standard-Belichtungsprogrammen (P, A, S, M) bietet die TL2 unter dem Eintrag SCN (Scene) neun Motivprogramme und eine Vollautomatik (Auto). Bei dunklen Motiven verhält sich die Belichtungssimulation der TL2 eigentümlich: Beim Antippen des Auslösers wird kurzzeitig die korrekte, den Einstellungen entsprechende Helligkeit angezeigt, dann aber eine dunklere Voransicht. Das aufgenommene Bild ist wieder heller. Bei normal beleuchteten Motiven besteht dagegen Übereinstimmung zwischen der Voransicht und der Wiedergabe der Aufnahme. Warum Leica das so gelöst hat, bleibt ein Rätsel. Videos zeichnet die TL2 maximal inUltra HD (4K) mit 3840 x 2160 Pixeln und 30 Vollbildern pro Sekunde auf. Die Taste rechts vom Auslöser ist ab Werk als Video-Starttaste belegt, kann aber auch anders konfiguriert werden.

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