Systemkamera

Leica T im Test

Leica T - schlicht, schlank und schön: Die neue APS-C Kamera aus dem Hause Leica wird aus einem Aluminiumblock gefräst, hat wenige Tasten und Einstellräder, aber einen Autofokus und wird weitgehend über das Touchdisplay gesteuert.

  1. Leica T im Test
  2. Datenblatt
Leica T Test

© Leica

Leica T Test

Pro

  • überzeugende Haptik und Verarbeitung
  • gute Schärfe bis ISO 800

Contra

  • langsamer Autofokus
  • kurze Serienaufnahme
  • Teuer
  • kein klappbarer Monitor
64,7%

Pro

  • hochwertiges Design
  • Schärfe bis in die hohen ISO
  • logische Steuerung

Contra

  • ... an die man sich gewöhnen muss
  • langsamer Autofokus
  • Kurze Serienaufnahme
  • Preis-Leistung
64,7%

Futuristisch und dennoch klassisch - so wirkt die Leica T für einen Preis von 1.500 Euro auf den ersten Blick und macht damit gleich klar, dass sie nicht irgendeine Kamera, sondern ein Edelmodel ist. Sieht man vom beschrifteten Ein-/ Ausschalter, dem Firmen- und Modellnamen mal ab, stört nichts die glatt geschliffene und elegante Außenhaut. Die Leica T fühlt sich gut an - ganz ausgewogen in der Hand liegt sie nicht. Mit 410 Gramm ist die Kamera relativ schwer und die rechte Grifffläche für kräftige Männerhände etwas zu zierlich.

Die sehr glattgeschliffene Oberfläche der Leica T ist dabei auch für kleine Frauenhände nicht wirklich gut zu greifen. Irgendwie hat man immer den Eindruck, die edle Kamera könnte einem aus der Hand gleiten, weshalb man lieber nicht mit einer Hand fotografiert - mit zweien klappt's dagegen gut. Zumal der Daumen dann leichter zu den bei- den großen und nahezu bündig ins massive Aluminiumgehäuse eingelassenen Drehräder auf der Rückseite greifen kann. Deren Funktionen erschließen sich dank des 3,7 Zoll großer Monitors recht schnell. Denn was Leica sich hier als Bedienkonzept überlegt hat, kann sich sehen lassen.

Bedienung

Mit 2,5 Sekunden benötigt die Leica T zwar recht lange, bis sie startklar ist, doch dafür kann man wohl kaum eindeutiger auf die berührungssensitive Bedienung setzen: Die Kamera arbeitet mit Kacheln, die, je nachdem wie umfangreich die Funktionen sind, die direkte Umschaltung erlauben oder in Untermenüs mit weiteren Einstellungen führen.

Leica T

© Leica

Leica spendiert der T ein aus dem vollen Aluminiumblock gefrästes, sehr elegantes und wertiges Gehäuse mit versenkten Tasten und Einstellrädern für eine glatte Oberfläche.

Dabei setzt Leica auf Individualität und bietet die Möglichkeit, das MyCamera-Hauptmenü mit den Kacheln der meist genutzten Funktionen in einer persönlichen Reihenfolge zu belegen. Wer sich hier etwas Mühe gibt, wird schnell zu einer sehr flotten Arbeitsweise finden und sich daran gewöhnen, dass die Drehräder im Menü gleich belegt sind und keine eigenständige Funktion haben. Anders sieht das beim Fotografieren aus: Das linke Drehrad ist mit der ISO-Auswahl von ISO 100 bis 12.500 belegt.

Das rechte Rad dient dagegen der Belichtungs- oder Zeiteinstellung oder in der Programmautomatik der Auswahl der passenden Belichtungseinstellungen. Im manuellen Modus ändert sich die Belegung des linken Wählrads, damit sich Zeit und Blende bequem umstellen lassen - die ISO-Voreinstellung erreicht man somit nur noch über das Menü. Das Ganze ist so intuitiv, dass man kaum darüber nachdenken muss und die Möglichkeit, das rechte Wahlrad mit einer individuellen Funktion belegen zu können, kaum nötig ist.

Kaum Direktzugriffe

Grundsätzlich ist die Leica T wegen der Konzentration auf die Touch-Bedienung langsamer zu bedienen als Konkurrenten mit mehr Direktzugriffen. Zumindest eine Belichtungskorrektur als Direktzugriff hätte Leica spendieren sollen.

Leica T

© Leica

Nur der Auslöser ragt mit dem Einschalter aus dem Gehäuse heraus. Der Einschalter ist jedoch recht leichtgängig, was im Test mehrfach zu einer unbeabsichtigt eingeschalteten Kamera führte.

Die "Konzentration auf das Wesentliche" nennt es Leica und tritt mit dem Anspruch an, für die klare Formsprache der Leica T auf Schnickschnack zu verzichten. Entsprechend ist der ohne Frage sehr scharfe Monitor nicht klappbar, und den Sucher für den Zubehörschuh, der dann auch den GPS-Empfänger für die Positionsdaten mitliefert, gibt's nur optional. Die rechte Seitenklappe beherbergt den Kartenschacht für die SDHC-Speicherkarten - wobei Leica satte 16 Gigabyte internen Speicher spendiert, was derzeit eher eine Seltenheit ist. Dazu gibt es dann auch die passende Bildverwaltung und die Möglichkeit, Bilder vom internen Speicher auf die Speicherkarte zu kopieren.

Leica T

© Leica

Zum T-System gehört auch ein elektronischer Aufstecksucher, der nur optional erhältlich ist. Er ist schwenkbar und hat eine GPS-Funktion eingebaut.

Das gut gemachte Handbuch zu Rate ziehen mussten wir für die Bildwiedergabe: Um diese zu starten, muss man einmal mit dem Finger von oben nach unten über den Monitor streichen - hat man es einmal gelesen, klappt's gut, intuitiv ist es aber eher nicht. Schade, dass man die gute Vorschau- und Diashow- Funktion nicht auf einen Monitor ausspielen kann: Dazu fehlt die HDMI-Schnittstelle.

WLAN mit Problemen

Dafür kann man die Leica T ins heimische Netzwerk einbinden - zumindest theoretisch: In unserem Test klappte die Verbindung zum WLAN Netzwerk erst nach mehreren Versuchen, und nach dem Ein- und Ausschalten der Kamera benötigte die Kamera jedes Mal mehrere Versuche für die Netzwerkerkennung. Der eigentlich gut überlegte Zugriff via Browser ließ sich nicht herstellen, und auch via App klappte die Erkennung in unserem Test nicht.

Leica T

© Leica

Wenn Leica schon auf eine weitgehende Bedienung per Touchscreen setzt, hätten wir uns einen größeren Monitor gewünscht. Auf der Rückseite wäre jedenfalls genug Platz.

Selbst beim Kameragurt geht Leica neue Wege: T-Snap taufen sie das Klicksystem, mit dem dünne Stifte in die Kamera geschoben werden. Für schnelle Wechsel zur optional erhältlichen einklinkbaren Handschlaufe ist das System aber nicht gedacht, denn man benötigt den dünnen Stift zum Auslösen der zuverlässigen mechanischen Verbindung.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Silikonkameragurt, der durch die Elastizität zwar komfortabel, aber nicht besonders angenehm auf der Haut ist. Zudem zieht das Silikonmaterial den Staub an und sieht schnell unansehnlich aus. Statt verschiedenfarbige Silikongurte hätten wir hier eher edles Leder im Zubehörprogramm erwartet.

Autofokus

Systemkameras von Leica mit Autofokus gab es bisher nur im Mittelformatbereich. Nun kommt die erste mit APS-C-Sensor und damit fast im klassischen Leica-Format. Doch im Test kann der Autofokus der Leica T nicht punkten: Er ist träge und nicht immer ganz treffsicher - wobei er dies über rote statt grüne Messfeldanzeigen im Display signalisiert. Das fordert etwas mehr Geduld und fördert nicht gerade die Schnappschusssicherheit.

Leica T

© Leica

Bei der Menükonfiguration hat man sich an Apples iOS angelehnt: Man kann die gewünschten Kacheln neu positionieren, indem man länger auf dem Monitor verharrt - alternativ lassen sie sich so auf den Müll- eimer ziehen und entfernen.

Der Autofokus der Leica T funktioniert bei Tageslicht im Freien noch gut, bei diffusem Innenlicht produziert er aber eine deutlichen Fehlerquote. Leica bietet, wie inzwischen üblich, auch das Scharfstellen über die Touch-Funktion des Monitors an, was dann ganz zuverlässig klappt. Im Messlabor bestätigt sich unser Eindruck: Mit 0,75 Sekunden Autofokus- und Auslösezeit ist die Kamera bei 300 Lux deutlich langsamer als die aktuelle Konkurrenz - bei 30 Lux benötigt sie dann gar 1,17 Sekunden, um das Bild scharf auf Speicherkarte zu bannen. Das kostet deutlich Punkte im Testsystem.

Leica T

© Leica

Blitz: Dreht der Fotograf den Einschalter weiter nach unten, poppt der Blitz nach oben aus der Kamera. Mittels Menü gibt es eine Blitzbelichtungskorrektur.

Bei der Serienbildfunktion nutzt die Kamera, wie allgemein üblich, einen Zwischenspeicher und ermöglicht so, egal wie schnell die eingelegte Speicherkarte ist, 4,2 Serienbilder in der Sekunde. Nach zwölf Bildern ist Schluss, wobei sie am unteren Monitorrand numerisch anzeigt, wieviele Bilder wieder in den Zwischenspeicher reinpassen.

Im Videomodus zeichnet die Leica T mit Full-HD-Qualität und 30 Vollbildern in eine MP4-Datei auf. Hier ist der relativ träge ausgelegte Autofokus von Vorteil, denn die Kamera regelt vorsichtig nach und zieht bei eindeutigen Objekten die Schärfe sanft und kontinuierlich nach.

Leica T

© Leica

Kameragurt: An die Leica passen wegen des Snap- In-Systems keine Standard-Kameragurte - im Zubehörprogramm gibt es zwar weitere bunte Modelle aus wenig angenehmem Silikon, aber nicht aus edlerem und passenderem Leder

Das trifft auf den automatischen Weißabgleich leider ebenfalls zu - sodass man innerhalb einer Szene mit unterschiedlichen Lichtstimmungen leben muss. Das fällt auch beim Fotografieren auf, denn die Stimmungen von zwei kurz hintereinander mit geringfügig anderer Brennweite aufgenommenen Bildern interpretiert die Kamera zum Teil ganz unterschiedlich.

Bildqualität

Leica verbaut in das T-Modell einen 16-Megapixel-APS-C-CMOS-Sensor, was einen guten Kompromiss zwischen Auflösung und Detailerhaltung bei höheren ISO-Werten verspricht. Einstellungen zur Schärfe, Kontrast oder Farbe verbergen sich hinter den Stilen.

Der ISO-Vergleich macht die Ergebnisse aus dem Messlabor anschaulich: Die Leica T ist bis ISO 800 bei Schärfe und Rauschen wirklich gut - kein genialer Überflieger, aber mehr als nur konkurrenzfähig. ISO 400 kann man durchaus als Standardempfindlichkeit nutzen. Ab ISO 800 sind die üblichen leichten Detailverluste zu erkennen. Bei höheren Empfindlichkeiten steigt dann sehr eindeutig das Rauschen an, und die Detailzeichnung geht deutlich verloren

Für das T-Bajonett liefert der Hersteller aus Wetzlar derzeit zwei Optiken: Als Standardoptik gibt es ein 3fach-Zoom ab 18 Millimeter (entspricht 28 mm Kleinbild). Zoom- und Schärfering drehen sanft, doch im Messlabor wird die Optik nicht dem Preisanspruch gerecht. Gut, aber nicht sehr gut: Die Randabschattung ist mit zirka einer Blende noch ok und die chromatische Aberration im Weitwinkel bei 1,9 noch akzeptabel.

Für 1.450 Euro würde man mehr Lichtstärke (3,5-5,6) erwarten und eine perfekte Abbildungsleistung bis in die Ecken. In der Weitwinkelstellung fällt jedoch offen wie abgeblendet ein deutlicher Randabfall negativ auf. Dies gilt auch für das zweite Objektiv, eine 1.600 Euro teure 23-mm-, aber mit Blende 2 auch lichtstarke Festbrennweite. In diesem Fall war das Testmuster nicht optimal zentriert und die chromatische Aberration zu sichtbar.

Fazit

Die Leica T hinterlässt ein gespaltenes Bild: Die Bedienung ist in sich sehr konsequent und logisch aufgebaut. Allerdings werden erfahrene Amateure Direktzugriffe vermissen, um schnell einen Wert zu verändern, ohne ins Menü schauen zu müssen. Andererseits hat diese Reduktion auch eine sehr sympathische Seite, denn das Weniger ist perfekt umgesetzt. So fällt es kaum auf, dass die Kamera keinen klappbaren Monitor hat - trotz des Preises von 1.500 Euro.

Die Leica T macht einfach einen gelungenen, äußerst wertigen Eindruck mit einer guten Haptik auch der Einstellelemente, und so verzeiht man, dass die Kamera etwas griffiger sein dürfte. Bei der Bildqualität liefert die T ein überzeugendes APS-C-Level, mit guter Nutzbarkeit bis ISO 800.

Lesetipp: Worauf Sie beim Kauf einer spiegellosen Systemkamera achten sollten

Ähnliches gilt für die Optiken, beide sind ok mit üblichen Schwächen in den Weitwinkelecken aber ohne ein Extra wie Top-Lichtqualität beim Zoom, um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Am Ende bleibt ein deutliches Minus: der langsame Autofokus und ein deutliches Plus: die überzeugende Haptik und Verarbeitung.

Leica T

HerstellerLeica
Preis1500.00 €
Wertung48.5 Punkte

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