Testbericht

Leica Digital-Modul R

Das Digital-Modul-R ist eine technisch überzeugende Erweiterung der Leica R9 zur digitalen Kamera. Der sehr guten Bildqualität, dem einfachen Handling und der Leica-typisch guten Verarbeitung steht ein sehr hoher Preis von etwa 7500 Euro inklusive Kamera gegenüber. Die lange Einschaltverzögerung will nicht so recht ins professionelle Bild passen.

  1. Leica Digital-Modul R
  2. Datenblatt
Leica Digital-Modul R Vorderseite

© Archiv

Leica Digital-Modul R Vorderseite

Mit dem Digital-Modul R finden Leicas Kleinbild-SLR-Modelle R8- und R9-Anschluss an die digitale Welt. Das Digital-Modul-R besteht aus zwei Teilen, der Rückwand mit dem Bildsensor und einem Handgriff, dessen Unterteil einen Lithium-Ionen-Akku beherbergt. Beides kann der Anwender selbst schnell montieren, nachdem er die Filmrückwand abgenommen hat und die Kleinbildkamera zur Digitalen umrüstet. Auf ein schärfeminderndes Anti-Aliasing-Filter vor dem Bildsensor hat man verzichtet. Stattdessen gibt es ein Moire-Filter, das per Software simuliert wird.

Leica Digital-Modul R Rückseite/Display

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Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Filmrückwand der R9 durch das Digitalmodul R ersetzen.

Bei dem von Kodak produzierten Bildsensor handelt es um einen CCD mit 10 Mio. Bildpunkten, einer aktiven Fläche von 26,4 x 17,6 mm und einer Pixel-Größe von 6,8 µ. Als Bildformat stehen RAW, TIFF und JPEG in zwei Kompressionsstufen (Fine und Basic) zur Verfügung. Nicht möglich ist das parallele Aufzeichnen von RAW und JPEG. Als Speichermedium dient eine SD-Card. Für den Datentransfer zum PC steht eine FireWire-Schnittstelle (IEEE 1394) bereit.

Leica Digital-Modul R Bedienelemente

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Auch mit Digitalrückteil liegt die R9 prima in der Hand.

Der Bildwinkelfaktor ist mit 1,4 moderat und begünstigt die Tele-fotografie, ohne Weitwinkelfans massiv einzuschränken. Mitgeliefert wird eine mit Begrenzungslinien versehene Einstellscheibe, die man gegen die Original-Mattscheibe tauscht. Nachteil: Das Sucherbild ist dann kleiner als bei Verwendung des Originalrückteils und Kleinbildfilm. Dafür lässt sich das Sucherfeld aber nach Art eines Sportsuchers auch von Brillenträgern optimal überblicken. Insgesamt ist das Sucherbild, wie man es von Leica kennt, besonders hell und klar; Schnittbild-Indikator und Mikroprismen-Ring helfen beim manuellen Fokussieren der Leica-Objektive; auf Autofokus muss man komplett verzichten. Die digitalisierte R9 lässt sich sehr intuitiv bedienen. Das im TFT-Monitor angezeigte Menü kommt mit insgesamt 21 Einträgen aus, die auf einer Seite fortlaufend dargestellt werden. Ein LC-Display darunter zeigt wichtige Einstellparameter. Möglich ist auch das Neuberechnen einer Bilddatei nach der Aufnahme ("Verkleinern"). Zudem gibt es ein RGB-Histogramm oder ein Audio-Histogramm, bei dem Über-, Unter- und Normalbelichtung durch akustische Signale vermittelt werden.

Getrübt wird der Spaß nur durch die unzeitgemäß lange Einschaltverzögerung von 5,4 s; auch der Stromverbrauch im Testzyklus ist mit 84,2 Ws sehr hoch. Die Auslöseverzögerung bleibt ohne Bewertung, weil alle anderen Testkandidaten der SLR-Klasse über Autofokus verfügen, und die Auslöseverzögerung deshalb zusammen mit der AF-Zeit gemessen wurde. Für die Leica gibt es in dieser Testdisziplin damit null Punkte.

Bildqualität: Das Digital-Modul-R zur Leica R9 liefert eine ausgezeichnete Bildqualität bei ISO 100 (61,5 Punkte). Bei ISO 400 geht die Qualität aber deutlicher zurück als bei den Vollformat-Sensor-Kameras von Canon oder der Nikon D2X - was vor allem am Rauschen liegt. Die Größe des Bildsensors liegt zwischen APS-C und Vollformat (Bildwinkelfaktor 1,4).

Menü Audio-Histogramm Leica Digital-Modul R

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Eine Besonderheit ist das Audio-Histogramm mit akustischen Signalen für Unter-, Über- und Normalbelichtung.

Leica Digital-Modul R/R9

HerstellerLeica
Preis7500.00 €
Wertung65.0 Punkte

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