Testbericht

LCD-TV Loewe Connect Media DR+

Loewe landet den nächsten Coup: Nach dem ersten Fernsehgerät mit HDTV- Empfang verbauen die Kronacher nun einen Empfänger für Daten aus einem Computernetzwerk. Ob die Ehe zwischen Tradition und Trend gelingt und was der Tausendsassa noch zu bieten hat, klärt der ausführliche Test.

Loewe Connect Media DR+

© Markus Wagenseil

Loewe Connect Media DR+

Er heißt ?Connect?. Und sein Name ist Programm. Kein Fernseher hat sich bisher so vielen Möglichkeiten und Anwendungen geöffnet, mit so vielen Quellen verknüpft wie Loewes Connect. Ein Brückengerät soll er sein: einerseits den Kronacher Qualitätskriterien für TV-Geräte genügen, andererseits neue Zielgruppen erschließen wie den Nomaden der Moderne - digital und mobil, der Unterhaltungselektronik genauso zugeneigt wie der Computerwelt. iPod, Digitalkamera und Camcorderhandy heißen seine Weggefährten. Gesammelte Musik wie selbstproduzierte Inhalte sammeln sich auf Computerfestplatten. Und dort fristen sie meist ein isoliertes Inseldasein.

Loewe Connect DR+

© Markus Wagenseil

Der optionale Trapezständer ist in drei Positionen höhenverstellbar.

Vernetzung ist nicht das Problem, denn mit modernen Internet-Breitband- Anschlüssen haben auch Netzwerkrouter flächendeckend in deutsche Haushalte Einzug gehalten. Was liegt da näher als Empfänger für das Wohnzimmer zu bauen? Darauf kamen schon andere Hersteller. So genannte ?Network Media Clients? stolperten bislang jedoch meist über ihre Unzulänglichkeiten in Bedienung oder Qualität. Bei Loewe soll das alles anders sein ? gemäß dem Kronacher Anspruch eben.

Bislang nur als 37-Zoll-Modell zu haben, erscheinen im März 2008 auch Modelle mit 32 und 42 Zoll. Für die Netzwerkfunktion steht die Endung ?Media? hinter Connect.

Schon die Optik des Neuen verrät die frische Ausrichtung. Das Gerätedesign entstammt einem von Loewe ausgeschriebenen Wettbewerb für sechs Designagenturen.

Klare Linien, runde Kanten und obendrauf eine Zierleiste aus Aluminium. Äußerlich bieten weiße und schwarze Hochglanzlackierungen oder auch mattes Chromsilber leckere Alternativen.

Ein mysteriöser Gummistreifen auf der TV-Flanke gab zuerst Rätsel auf. Im Testbetrieb offenbarte er dann seine Funktion als Anzeige des Verbindungsstatus. Kommuniziert der ?Connect? drahtlos mit dem Netzwerk, blinkt das Gummifähnchen blau.

Loewe Connect DR

© Markus Wagenseil

Freches Fähnchen: Bei Verbindung mit dem WLAN leuchtet es blau.

Etwas Spezielles hat man sich für den Standfuß einfallen lassen: Mitgeliefert wird zwar ein drehbarer Metallständer mit gekreuzten Füßen - viel besser passt allerdings der optionale Trapezstandfuß ins Konzept (240 Euro). Er unterstreicht nicht nur dasmoderne und kühle Design, sondern macht sich durch seine Höhenverstellbarkeit (drei Stufen) auch in der Praxis bezahlt. Pfiffig ist das ?Equipment Board?, das hinten aufgeschraubt bis zu zwei Zuspieler fasst. Wer damit nicht zufrieden ist, greift zu einer der zahlreichen Aufstellmöglichkeiten, die Loewe ohnehin im Sortiment führt.

Anschlüsse

Um die Konnektivität ist es - nomen est omen - bestens bestellt. Angefangen mit zwei HDMI-Eingängen, die Loewe nun erstmals auch mit dem Steuerungsprotokoll HDMICEC ausrüstet. So klappt beispielsweise im Zusammenspiel mit Loewes Blu-ray- Player ?BluTech? sogar die Menüsteuerung über die Fernbedienung des TV-Gerätes. Auch 24p ist für die Kronacher kein Fremdwort mehr. Mit 96 Hz werden die Filmbilder in ihrer nativen Bildrate angezeigt.

Loewe Connect DR

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AV-Schnittstellen: HDMI, YUV, VGA, Scart ? alle wichtigen Anschlüsse sind auf der Front vertreten. Neuerdings integriert Loewe auch den CEC-Standard in seine HDMI-Schnittstellen, über den sich beispielsweise der Blu-ray-Player BluTech steuern lässt.

Eine 100-Hz-Lösung mit Motion Compensa tion soll es für den Connect allerdings nicht geben, da man den Preis sonst nicht mehr zielgruppengerecht gestalten könne. Zahlreiche analoge Standardbuchsen für Videosignale runden die Eingangsseite ab ? leider nimmt der VGA-Eingang nur 1360 x 768 Pixel entgegen, bessere PC-Bilder gibt es via HDMI.

Ausstattung

Dann Loewes Spezialität, die Tunerausstattung: Die üppige Standardausstattung umfasst Doppeltuner für Analogempfang, DVB-C und DVB-T. Optional rüsten Interessierte Single- oder Twin-DVB-S-Empfänger nach. Wer auf die Connect- Variante mit der Endung DR+ setzt, findet im Fernseher einen Festplattenrecorder mit einer Kapazität von 160 GByte integriert. Das ist noch immer eine der wenigen und sicher die komfortabelste Möglichkeit, HDTV-Sendungen aufzuzeichnen.

Brandneu im Connect ist die Möglichkeit, zwei Sendungen parallel zu entschlüsseln, das heißt gleichzeitige Wiedergabe und Aufnahme eines Pay-TV- Kanals. Bei der Integration der Tuner-Armada vor Ort hilft ein gelungener Assistent. Nach der Sendersuche bietet dieser vielfältige Möglichkeiten zur Sortierung der Senderflut. Beispielsweise fassen sechs Favoritenlisten jeweils bis zu 99 Sender.

Der Schritt des Herstellers in Richtung Multimedia ist nicht mehr ganz neu. USB- Ports integrieren die Kronacher bereits seit einem Jahr. Diese öffnen die Türen für JPG-Fotos und MP3-Musik. Für den Connect wurde die Kompatibilität erhöht, jetzt dürfen iPods oder Digitalkameras direkt am USB-Anschluss andocken, USB- Sticks ohnehin.

Netzwerk

Und nun zum eigentlichen Highlight, dem Network MediaPlayer. Er kommuniziert sowohl kabelgebunden über eine RJ45-Buchse als auch drahtlos über Wireless LAN. Voraussetzung ist ein entsprechender Router und eine Datenquelle. Hierfür lassen sich zahlreiche Netzwerkfestplatten mit intergriertem UPnP Server, beispielsweise von Maxtor oder Seagate nutzen. Oder ein PC, auf dem dann jedoch eine MediaServer Software laufen muss. Microsofts Windows Media Player 11 liefert einen solchen bereits mit. Funktioneller ist allerdings der TwonkyMedia Server, dessen Testversion man auf der Loewe Homepage zum Download findet. Connect-Kunden erwerben mit dem Fernseher eine Lizenz für die Vollversion.

Loewe Connect Media DR+

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Assist+ heißt der Kronacher Umschlagplatz für all die digitalen Inhalte, die Loewes Connect wiedergibt - unter anderem startet man hier den Netzwerk-Player.

Die Integration ins Netzwerk ist kein Hexenwerk. Wer schon DSL-Modem oder Router eingerichtet hat, verfügt über das nötige Wissen. Für unser Testnetzwerk genügt die Eingabe des WLAN-Passwortes, und die Verbindung steht. Gestartet wird der Mediaplayer über das ?Assist+?-Menü, das Kronacher Drehkreuz für digitale Inhalte. Der Startscreen bietet Übersicht über die drei abzuspielenden Medientypen: Foto, Musik und Video. Über Miniatursymbole oder Listen navigiert man sich in die entsprechenden Unterordner. Vorschaubilder für Fotos zeigt der Player genauso wie die Cover von Musikalben, falls hinterlegt. Pfiffig: Diashows lassen sich mit Musik hinterlegen. Und wer nur Musik hören will, kann das Panel abschalten.

Loewe Connect DR+

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Symbole auf dem Startbildschirm zeigen bereits die abrufbaren Mediadateien ? Foto, Audio, Video. Ein Statusbalken informiert über den Verbindungsaufbau zum Router.

Bedienung

Während der Medienwiedergabe versorgt die ?Info?-Taste der Fernbedienung Sie mit Metainformationen zu den Dateien, beispielsweise mit welcher Blende welches Foto geschossen wurde. Ein störendes Detail: Hochkant geschossene Fotos müssen auf dem Rechner gedreht werden, die Loewe-Software kann das nicht.

Loewe Connect

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Das Dateimenü stellt die drei vom Mediaserver bereitgestellten Ordner dar ? entweder in einer Listenansicht oder als große Miniaturbilder.

Die Navigation innerhalb der Menüs geht überraschend flott von der Hand. Das Laden der Daten verschlingt je nach deren Größe entsprechend viel Zeit. Die Qualität des Gezeigten ist berauschend, gerade HD-Diashows kommen hervorragend zur Geltung. HD-Videos decodierte der Connect ohne Murren, im Testnetzwerk strömten sie selbst über die Drahtlosverbindung ruckelfrei auf das Panel. In puncto Bildqualität ist die Kompression der limitierende Faktor für Videos aus dem Netzwerk, weshalb wir hierzu keine Aussage treffen, wohl aber zur Darstellungsqualität mit herkömmlichen Zuspielern. Lobenswert ist der Raumlichtsensor, der die Hintergrundbeleuchtung zuverlässig an die Raumhelligkeit anpasst. Als Bildverbesserer setzt Loewe auf das bekannte ?Image+?. Dessen Bildüberschärfung ist allerdings nur für schlechte Analogsignale wünschenswert.

Loewe Connect

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Gerade mit Fotos profitiert der Nutzer von der Miniaturansicht. Praktisch: Unter dem Balken zeigt Loewe alle verwendbaren Tasten der Fernbedienung.

Bildqualität

Doch selbst das Signal des Loewe-Analogtuners ist dafür zu sauber, die Signale der hochwertigen Digitaltuner ohnehin. Bei der Skalierung von PAL-Signalen auf die FullHD-Auflösung des Panels leistet das Loewe-Chassis Großes: Homogene und fein gezeichnete Bilder erfreuten die Testeraugen.

Loewe Connect DR+

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Ein Druck auf die ?Info?-Taste der Fernbedienung ruft obigen Bildschirm auf. Bei Fotos zeigt der Connect dann Exif-Daten, bei MP3-Titeln die ID3-Tags an.

Besonders gut ist den Kronachern auch die Werksabstimmung gelungen, sowohl der Farbraum als auch die Farbtemperatur liegen exakt auf der Norm. Allerdings erscheint die Grundfarbe Grün etwas überzogen. Vor allem im Filmbetrieb störte der leicht stichige Bildeindruck. Abhilfe schafft die Farbtemperatur ?Normal? ? zum Preis eines leicht unterkühlten Bildeindrucks.

Loewe Connect

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Eine Sortierfunktion hilft dem Anwender, auch in prall gefüllten Ordnern oder in großen Archiven den richtigen Titel stets zeitnah zu finden.

Dafür gefallen Gamma-Einstellung und Kontraste. In den Tiefen der Weltraumbilder der HD DVD ?2001? heben sich die Sterne gleißend von den schwarzen Tiefen des Weltalls ab. Allerdings erspähten die Testeraugen hier erstmals Artefakte an den Kanten bewegter Raumschiffe, die später auch noch in Szenen anderer Filme auszumachen waren. Trotzdem: Ist das Bildformat auf die skalierungsfreie Darstellung ?16:9 PC umschalten? eingestellt, zeigt das 37-Zoll-Panel eine bildstarke FullHD-Performance.

Immer wieder lobten wir Loewe in der Vergangenheit für ihre guten TV-Lautsprecher. Auch der Connectmacht hier keine Ausnahme. Lautstark, voluminös und bassfreudig spielt das Stereopärchen MP3-Musik, TV-Ton und, falls nichts anderes vorhanden ist, auch die Filmmusik. Dass auch der Connect durch ein Surroundmodul und mit bis zu sechs Lautsprechern ausgebaut werden kann, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit, der etwas schwachen Höhenwiedergabe kann es bestimmt nicht schaden.

Loewe Connect DR

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Wie unsere Messergebnisse zeigen, liegen sowohl Farbraum als auch die Parameter Gamma und Farbtemperaturn vorbildlich nahe an der Sendenorm.

Standpunkt

Gut gebrüllt, Loewe! Auch ich bin ein Opfer der Weltenteilung, auch meine Multimediadateien finden den Weg ins Wohnzimmer nicht. Nervenzehrende Installationsversuche, schlechte Bedienoberflächen oder miese Ausgangsqualität schreckten mich von bisherigen Lösungen ab. Den Netzwerkempfänger aber gleich im Ausgabegerät zu integrieren, ist ein brillanter Ansatz, vor allem wenn dieser mit dem Anspruch der Kronacher Ingenieure von Loewe umgesetzt wird. Der Connect ist meine Lösung, wenn auch nicht die endgültige. Denn schon habe ich Hunger nach mehr: Internetradio, Streaming von YouTube-Videos, die Nutzung der Loewe- Festplatte für Netzwerk-Content oder sogar einen Internet-Browser? Vielleicht etwas vorschnell, denn Loewe verbaut eben nur, was auch wirklich funktioniert.

Testbericht

Loewe Connect Media DR+
Loewe
3.400 Euro

37-Zoll-LCD-Fernseher

Weitere Details

71 Prozent

Fazit:Einzigartig, wie Loewe die beiden Welten zum vielseitigsten Fernseher der Welt verschmilzt.

Preis/Leistung
sehr gut

Bildergalerie

Loewe Connect DR
Galerie
LCD-Fernseher

Die Rahmenlackierungen präsentieren sich bei Loewe besonders schick: Hochglanz schwarz oder weiß ? in der Mitte chromsilbern matt.

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