Testbericht

Nokia 808 Pure View im Test: So gut wie eine Kompaktkamera?

Seit der Ankündigung gab es wilde Gerüchte um Nokias Kamera-Smartphone 808 Pure View. Im Test interessierte uns vor allem eine Frage: Welche Bildqualität liefert der 41-MP-Sensor tatsächlich?

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Nokia 808 Pure View

© Nokia

Nokia 808 Pure View

Pro

  • Smartphone mit beeindruckender Bildqualität
  • liegt gut in der Hand
  • Auflösungsdiagramm ist vorbildlich

Contra

  • für Makrofotografie nicht geeignet

Den Marketingstrategen bei Nokia ist es gelungen, einen echten Hype um die Kamerafunktionen des 808 Pure View zu generieren. Seit der Vorstellung des iPhones vor fünf Jahren stand kein Smartphone mehr so im Rampenlicht. Was die vielfältigen Funktionen als Telefon oder digitaler Assistent betrifft, verweisen wir auf den Test unserer Kollegen von connect.

Wir haben uns hier auf die Kamerafunktionen beschränkt und vergleichen das Nokia 808 Pure View daher auch nicht mit iPhone, Communicator oder Galaxy, sondern mit der Kompaktklasse von Canon, Nikon, Fujifilm & Co.

41-Megapixel-Sensor

Mit einer Größe von 124 x 60 x 18 mm und einem Gewicht von 172 g liegt das Pure View 808 gut in der Hand. 18 mm dick ist das Nokia-Brikett nur im Umfeld von Objektiv und Blitz, der restliche Body misst nur 14 mm.

Im Vergleich zu anderen Smartphones ist das Nokia 808 Pure View damit zwar nicht gerade ein Flachmann und auch kein Leichtgewicht, dafür steckt im Gehäuse auch eine Besonderheit: ein 1/1,2 Zoll großer Bildsensor. Da können selbst Spitzen-Kompakte wie Nikon P7100 (1/1,7 Zoll), Leica D-Lux 5 (1/1,6 Zoll) oder Fujifilm X10 (1/1,5 Zoll) nicht mithalten.

Größenmäßig spielt der 808-Sensor damit in der Liga der kleinen Systemkameras wie Nikon-1. Nokia bringt auf dieser Fläche aber rund 41 Millionen Pixel unter, die sind deswegen mit 1,5 µm deutlich kleiner als die Pixel der Topkompakten.

Digitalzoom mit echten 8 Megapixeln

Wie alle Smartphones hat das Nokia 808 Pure View keinen optischen, sondern nur einen digitalen Zoom, der den gewünschten Teil des aufgenommenen Bildes vergrößert darstellt. Das führt bei normalen Sensoren zu einem erheblichen Qualitätsverlust.

Aus einem Foto mit 41 Megapixeln lassen sich dagegen Ausschnitte wählen, die dann immer noch 5 oder 8 Megapixel Auflösung haben - ohne Interpolation. So kann trotz fixer Brennweite bis dreifach gezoomt werden, und man erhält noch immer ein echtes 8-Megapixel-Bild auf dem unsere Testergebnisse basieren.

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Im Videomodus liegt der Zoombereich bei 4x (1080p) bzw. 6x (720p). Das Objektiv von Zeiss  hat eine feste Blende von 2,4 und eine Festbrennweite von 8,02 mm, entsprechend 26 mm KB. Wo klassische Kameras eine schließbare Blende bieten, setzt Nokia auf einen Graufilter und vermeidet so Auflösungsverluste durch Beugung.

Der Mindestabstand beträgt 15 cm, für die Makrofotografie taugt das Nokia 808 Pure View daher kaum. Mit rund einem Foto pro Sekunde ist auch der Serienmodus eher bescheiden.

Gutes Display

Mit einer eigenen Taste an der Oberseite, wird das Gerät in den Modus "Kamera" geschaltet. Diese Taste erfüllt bei Aufnahmen auch die Fokus- und Auslösefunktion, hat aber undeutliche Druckpunkte. Oft will man erst mal nur fokussieren, aber das Nokia 808 Pure View löst schon aus. In der Praxis hat sich der Touchscreen als die bessere Wahl erwiesen.

Das vier Zoll große Display besteht aus robustem Gorilla-Glas und verfügt über eine Auflösung von 230.400 RGB-Pixeln. Es unterscheidet zuverlässig, ob es nur kurz angetippt wird oder ob der Finger länger an der Position bleibt.

Das Einstellmenü erscheint nach einem kurzen Touch auf das entsprechende Symbol. Die Symbole und Zeichen auf dem Display sind klein, aber gut zu erkennen. Farben werden gut dargestellt, und auch bei sehr schrägem Betrachten des Displays verändern sich weder Farben noch Helligkeit.

Wenige Einstellmöglichkeiten

Das Kameramenü der Nokia 808 Pure View bietet drei verschiedene übergeordnete Modi an: Automatisch, Szenen und Kreativ. Je nach Vorwahl sind verschiedene Optionen möglich. Wird Automatik gewählt ist alles fix, nur die Zoomfunktion ist möglich. Bei Szenen heißen die Einstellungen Nacht, Porträt bei Nacht, Sport, Scheinwerfer, Schnee, Porträt, Makro, Automatisch und Landschaft.

"Individuelle" Kameraeinstellungen sind im Kreativ-Modus möglich. Das Menü ist jedoch auch dann sehr einfach und überschaubar. Sensormodus, Seitenverhältnis, JPEG-Qualität, Farbtöne, Aufnahmemodus, Sättigung, Kontrast und Farbe lassen sich hier einrichten. Drei verschiedene Aufnahmeeinstellungen können gespeichert und mit einem Touch abgerufen werden. Hinzu kommen eine ISO-Einstellung, Weißabgleich, Belichtungskorektur und das Graufilter.

Angemessene Ausstattung

Der integrierte Xenon-Blitz - mit Vorblitzfunktion gegen rote Augen - und das Einstelllicht leisten gute Dienste bei gängigen Aufnahmesituationen. Schade, dass der winzige USB-Micro-Steckanschluss und der Headset-Anschluss nicht mit einer Abdeckung versehen sind - wie der Mini-HDMI-Anschluss 5 mm daneben.

Den 16 GB großen internen Flashspeicher kann man mit einer MicroSD-Karte um bis zu 32 GB erweitern. Das macht vor allem bei maximaler Auflösung Sinn, denn selbst die komprimierten JPGs sind dann schnell mal 18 und mehr MB groß. Das Objektiv erlaubt durch die hohe Anfangsöffnung durchaus Fotos mit scharfem Vordergrund und unscharfem Hintergrund.

Wer häufig Bilder in soziale Netzwerke lädt, ist mit dem Pure View 808 natürlich fein raus. Als echtes Smartphone hat es immer und überall Verbindung ins Netz.

Ansehnliche Bildqualität

Um das Nokia 808 Pure View praxisgerecht als "Zoomkamera" zu bewerten, haben wir für den Test die 8-Megapixel-Einstellung mit 3x-Zoom gewählt. Wer die volle Auflösung wählt, gewinnt nochmal circa 40 Prozent Auflösung hinzu bei 4,5-facher Pixelzahl. Für die volle Auflösung ist das Objektiv also eindeutig nicht ausgelegt, sie ist keine sinnvolle Kameraeinstellung.

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Die Randabschattung des Objektivs liegt bei einer halben Blendenstufe - das hat man schon besser gesehen, aber das Auflösungsdiagramm ist vorbildlich. Über alle Empfindlichkeiten bewegt sich die Mittenauflösung bei der 8-Megapixel-Einstellung zwischen 1468 und 1544 Lp/BH, ein Abfall nach den Ecken ist kaum messbar.

Im Weitwinkel kann das Nokia 808 Pure View mehrere Pixel zu einem "Superpixel" zusammenfassen, "Oversampling" heißt das bei Nokia. Das Smartphone rechnet dazu benachbarte Bildpunkte zusammen. Mit dieser Auflösung liefert das Nokia 808 Pure View auch bei schlechten Lichtverhältnissen ordentliche Fotos, das Rauschen bei ISO 100 liegt auf dem Niveau guter Kompakter. Auch die Vorstellung bei ISO 400 ist noch ansehnlich, erst bei ISO 800 rauscht es doch kräftiger.

Enttäuschend dagegen das Telebild: Hier nutzt Nokia nur die mittleren Pixel, was das Rauschen anhebt und Details kostet, wie der halbierte DL-Wert zeigt.

Fazit

Das Nokia 808 Pure View ist ein Smartphone mit beeindruckender Bildqualität. Bei ISO 100 und Weitwinkel spielen Schärfe und Rauschen fast auf dem Niveau von Top-Kompakten mit.

In der Telestellung gilt dies allerdings noch nicht, und auch Autofokus sowie Bedienkonzept sind noch nicht konkurrenzfähig. Aber das im Nokia 808 Pure View realisierte Kamerakonzept wird die Einsteiger-Kompaktkameras in Zukunft das Fürchten lehren.

Nokia Pure View 808

HerstellerNokia
Preis580.00 €
Wertung43.5 Punkte
Testverfahren1.6

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