Testbericht

JVC DLA-X70 - 3D-Projektor im Test

JVCs aktuelle Top-Projektoren beherrschen ein paar neue Tricks: etwa die Vervierfachung der Pixelzahl, verbesserte 3D-Darstellung, ein automatisch fahrendes Objektiv für CinemaScope und einiges mehr. Nur Spielereien? Oder ein wirklicher Fortschritt?

JVC DLA-X70

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

JVC DLA-X70

Pro

  • ausgewogenes Bild
  • 4K-Emulation
  • Lens Memory
  • perfekt kalibrierbar

Contra

  • kein 4K-Signal am Eingang
  • 3D-Brillen und IR-Sender optional

Auf dem neuen JVC DLA-X70 finden sich neben den bisherigen Logos von ISF, THX und 3D auch die magischen 4K wieder, die eine Vervierfachung der Pixelzahl und damit schärfere Bilder verheißen.Wer die Spezifikationen genauer liest, der wird aber feststellen, dass die Bilder erzeugenden D-ILA-Panels nur die bisherige HD-Auflösung 2K bieten. Wie also kommt JVC auf die Idee, den X70 und das Topmodell X90 als 4K-Projektor zu vermarkten?

Tatsächlich projizieren sie bis zu 3.840 x 2.160 Pixel - allerdings nicht gleichzeitig, sondern sequenziell nacheinander. Die horizontale und vertikale Verdoppelung geschieht rein optisch. Ein auf Patenten von Olympus basierendes, mehrschichtiges Glaselement, das JVC E-Shift nennt, sitzt im optischen Pfad der Light Engine. Es ist in der Lage, die realen Pixel der Panels um eine halbe Pixelbreite nach oben und nach rechts zu versetzen. 

Die Panels und E-Shift reagieren schnell genug, um dies mehrere Male pro Bild durchzuführen, und der Scaler steuert den Bildinhalt mit realer 4K-Auflösung an. Durch die Überlagerung der 4KPixel um je ein halbes Pixel verschwindet jede Struktur auf der Leinwand. Es gibt kein sichtbares Raster mehr. "Analoger" geht es bei digitaler Darstellung wohl kaum.

JVC DLA-X70

© Stefan Rudnick, Josef Bleier

Durch E-Shift erreicht JVC eine Auflösung von bis zu 3.840 x 2.160 Pixeln.

3D im Direktzugriff

Rein äußerlich gleicht der DLA-X70 seinem Vorgänger DLA-X7 aufs Haar. Dennoch konnten die Entwickler um Herrn Kobayashi noch eine Automatisierung des Objektivs unterbringen, die - wie schon bei Panasonic - eine CinemaScope-Projektion ohne teure anamorphotische Vorsatzlinse ermöglicht. Bis zu drei Einstellungen des Objektivs merkt sich der Projektor und bietet auf der Fernbedienung eine Taste zum direkten Umschalten der Bildformate.

Auch den 3D-Funktionen sind endlich eigene Tasten auf dem Handgeber zugewiesen fürs Umschalten der Formate und den Zugriff auf die Signalverarbeitung. Ein automatischer Wechsel auf die 3D-Bildeinstellungen fehlt zwar immer noch, es gibt dafür aber eine entsprechende Taste.

JVC DLA-X70

© Stefan Rudnick, Josef Bleier

Die Fernbedienung stieß bei den Testern auf Gefallen.

Mit der aktuellen Projektorserie hat JVC eine neue Shutterbrille eingeführt. Die für 139 Euro erhältliche PK-AG2 ist leichter und kleiner als ihr Vorgänger, bietet daher aber vertikal einen kleineren Bildausschnitt. Der reicht zwar durch seine Breite bei normalem Betrachtungsabstand zur Leinwand aus, viel mehr sieht man aber auch nicht. Dafür benötigt sie keine Batterien mehr: Sie kann per USB-Kabel mit dem gängigen Mini-USB-Stecker aufgeladen werden, verfügt über einen echten Ein-/Aus-Schiebeschalter und verharrt nicht mehr im Dauer-Standby.

Die bisherigen JVC-Brillen lassen sich weiterhin verwenden. Der Infrarot-Emitter PK-EM1 bleibt unverändert.

Eine riesige Ausstattungspalette

Der für die Verarbeitung der 4K-Ausgabe notwendige Scaler beherrscht einen weiteren Trick, der bislang den Topmodellen von Sony vorbehalten war: eine detaillierte Feinkorrektur der Konvergenz. JVC führte bereits vor vielen Jahren als erster Hersteller überhaupt eine Konvergenzkorrektur ein: Diese konnte das gesamte Bild pixelweise verschieben und erlaubte so, einen maximalen Konvergenzfehler von 0,5 Pixeln einzustellen, der vom Sofa aus kaum zu sehen ist. Aber perfekt war das nicht.

JVC DLA-X70, projektor, 3d

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Der X70 erlaubt nur noch hochwertigen analogen (YUV, VGA) und HDMI-Quellen direkten Zugang. Via RS-232 und LAN lässt sich der Projektor steuern, der wiederum per Trigger seine Leinwand ausrollen kann.

Die neue Feinjustage erlaubt das Verschieben der Farben zueinander per Scaler mit einer Genauigkeit von einem Sechzehntel eines Pixels über die gesamte Fläche. Wer dann noch ein wenig Fleißarbeit investiert, kann nochmals an über 100 Stellen des Bildes "superfeintunen". Das Resultat ist ein quasi perfekt konvergentes Bild, wie es sonst nur mit 1-Chip-DLP-Beamern und eben den großen Sony-Maschinen möglich war.

JVC DLA-X70, projektor, 3d

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Anschlussfreudig: Synchro, Trigger und Remote Control

Wie bisher, nur noch ein wenig verspielter hat JVC die Auswahl verschiedenster Voreinstellungen für Bildparameter angelegt. Die meisten Voreinstellungen entstammen der Fantasie der Marketing-Abteilung. Einige sind dagegen sehr nützlich: So dürfte JVC mit der Option, sehr exakt den Adobe-RGB-Farbraum abzubilden, mit dem professionelle digitale Fotografie arbeitet, den Kundenkreis der Fotografen, Grafiker und entsprechend ambitionierten Amateure erobern.

Flexibles Signalmanagement

Der X70 hat auch Clear Motion Drive an Bord, das zur Verbesserung der Bewegungsdarstellung gedacht ist. Zwei Modi erlauben das Einfügen von Schwarzphasen zwischen den Bildern, was die Bewegungsschärfe artefaktfrei auf das Niveau von Röhrengeräten hebt; aber das Bild flackert auch genau so in hellen Flächen wie auf den alten Flimmerkisten.

Zwei Modi zur Zwischenbildberechnung stehen ebenfalls zur Verfügung: Diese gelingt recht artefaktarm, beeinflusst aber auch den Film-Look und verändert den Bildinhalt. Weiterhin besteht die Möglichkeit, nativ zugespielte NTSC-Videos, etwa von einer amerikanischen DVD, von 60 Hertz mit ruckeligem 2:3-Pulldown in glatt laufende 24 Hertz zu wandeln.

Im Testkino hatten die Tester zunächst den JVC DLAX70 einzurichten. Mit der CinemaScope-Leinwand bedeutete dies immerhin, zweimal Zoom und Bildposition zu speichern. Die rein optisch-mechanische Umschaltung erledigte das JVC-Objektiv in vergleichsweise gemütlichen 30 Sekunden und schien nach vielmaligem Umschalten eine gute Wiederholgenauigkeit zu bieten.

Dann kam die Fleißarbeit mit der perfekt einzustellenden Konvergenz. Außer THX gelang keinem Werksmodus eine normgerechte Wiedergabe von Farbtemperatur, -balance und -mischung, und auch das Gamma passte nicht perfekt. Schon die THX- und ISF-Logos weisen aber darauf hin, dass der Projektor für eine individuelle Kalibrierung vorgesehen ist.

Der Gamma-Equalizer erlaubt, einen kompletten Look-up-Table neu zu bauen und damit Farbbalance und Gamma perfekt auf den Punkt zu bringen. Ähnliches gilt für das Farbmanagement, mit dem sich die Farbmischung perfektionieren lässt. Schließlich kann man einen X70 auf das Niveau eines Studio-Referenzmonitors bringen. Nur mit 3D-Signalen bleibt die Einflussnahme beschränkt, die Farbgenauigkeit und das Gamma lassen sich nur mit den "groben" Reglern einstellen.

JVC DLA-X70, projektor, 3d

© Stefan Rudnick, Josef Bleier

Der JVC DLA-X70 überzeugt mit ausgewogenem Bild.

Ein Bild wie analog

Das Bild auf der Leinwand präsentiert sich im 4K-Modus fast ungewohnt flächig und strukturfrei - von Pixeln keine Spur. Zugespielt wird wie bisher mit maximal Full-HD-Auflösung. Die Signalaufbereitung auf 4K lässt sich mit einem Schieberegler beinflussen. Interessant: Wenn man mit der Nase direkt vor der Leinwand steht, wirkt das 4K-Bild stets etwas weicher als das direkte 2K-Bild. Dennoch zeigt es mehr Details und überzeugt durch seinen ebenen, homogenen Look.

In Kombination mit dem kalibrierten Bild mit 4K wirkten Spiel- und Dokumentarfilme wie von analogen Filmen projiziert ruhig, plastisch und detailliert - ohne die Ahnung eines Rasters. Mit der guten Lichtleistung und der automatischen Objektiv-Verstellung machte auch CinemaScope auf der 3,5 Meter breiten Leinwand des Testkinos Spaß und ließ die Tester richtig ins Geschehen eintauchen.

JVC PK-AG2

© Stefan Rudnick, Josef Bleier

Die neue Shutterbrille JVC PK-AG2 ist für 139 Euro erhältlich.

Auch 3D ist top

Auch 3D-Filme und -TV-Sendungen verdaute der JVC hervorragend. Bei der neuen Shutterbrille störte ein wenig das kleinere Gesichtsfeld, das nun vertikal recht starr die Kopfhaltung vorgibt, damit die Leinwand komplett sichtbar bleibt.

Leider sind - wie bei fast allen Herstellern - auch die Gläser nicht entspiegelt, was zu irritierenden Reflexionen zwischen Sehhilfen und Shutterbrille führen kann. Auch zeigte sich die Stabilität der Synchronisation nicht so gut wie mit dem fest im Kino installierten JVC DLA-X3 und den alten Brillen - trotz gleichem IR-Emitter.

Dennoch: 3D mit dem DLA-X70 macht Spaß, das Bild ist vergleichsweise hell und trotz hoher Lampenstufe bleibt das Arbeitsgeräusch des Beamers unauffällig; Farben, Durchzeichnung und Kontrast zeigen sich auf hohem Niveau. Einzig das Gamma dürfte noch etwas harmonischer verlaufen, um die Plastizität nochmals zu erhöhen.

Dafür zeigte der Beamer erfreulich wenige Geisterbilder und verdaut nun auch nicht so gängige 3D-Signale wie etwa 1080p mit 24 Hertz als Side by Side, bei denen sich bisherige JVC-Modelle stets verweigerten.

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Überhaupt kam der X70 mit Side-by-Side-Signalen gut zurecht, was bei Projektoren leider noch nicht selbstverständlich ist. Der Beamer sortierte die Zeilen passend, die Skalierung funktionierte ohne deutliche Doppelkonturen und er bildete das Geschehen knackscharf ab. So muss 3D-TV auf der Leinwand sein. Zudem gefiel den Testern die neu belegte Fernbedienung gut, denn anders als bei den bisherigen Modellen muss man viel seltener in den Menübaum einsteigen.

Lohnen sich die 4.000 Euro Aufpreis gegenüber dem kleineren DLA-X30? Aus Sicht der Tester schon: wegen der automatischen Objektiv-Abdeckung zum Schutz vor Staub, dem detaillierten Farbmanagement und Erweiterungen wie Adobe RGB sowie E-Shift mit seinem quasi rasterfreien 4K-Bild. Wer auf diese Details verzichten kann, für den dürfte sich der X30 als Preisknaller darstellen.

Fazit

JVCs DLA-X70 ist wohl der beste Allround-High-End-Projektor auf dem Markt. Das nun automatisch verstellbare Objektiv bietet eine riesige Flexibilität und CinemaScope ohne teuren Anamorphoten. Die 4K-Auflösung per E-Shift nimmt dem Bild jede sichtbare Rasterstruktur und zeigt dennoch feinere Details. Auch die detaillierte Konvergenzkorrektur begeistert. Das ist Heimkino auf höchstem Niveau.

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