Praxisbericht iPod touch 4G

iPhone light: Das taugt der neue Apple iPod touch 4G

Der neue iPod touch in der 4. Generation (4G) wird seit Mittwoch ausgeliefert. Über die neue Hardware wurde schon viel berichtet, entscheidend ist aber, wie sich der neue Hosentaschen-Player im täglichen Leben bewährt. Ein erster Praxisbericht.

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© Apple

Jetzt mit Kamera vorn und hinten: der iPod touch 4G

Der augenfälligste Unterschied zum Vorgänger ist das Display. Schon ausgeschaltet zeigt es sich tiefschwarz, während der iPod touch 3G eher dunkelgrau wirkt. Einmal hintergrundbeleuchtet zeigt der von Apple "Retina-Display" getaufte Bildschirm, dass er zu einer anderen Klasse gehört. Das Bild ist in Punkto Farben und Kontrast deutlich besser, die Auflösung ist wie beim iPhone 4 in jede Richtung verdoppelt. Selbst klitzekleine Texte lassen sich noch lesen - sofern die Augen mitspielen. 

Dennoch ist das Display nicht identisch zu dem des iPhone 4. Das kann man erkennen, wenn man aus einem flachen Winkel auf das Gerät schaut und es einmal um 360 Grad dreht. Während beim iPhone Helligkeit und Farbtreue nur wenig variieren, gibt es beim iPod touch Blickwinkel, bei denen die Farben kippen. Von oben betrachtet ist die Anzeige des iPod touchs im Vergleich zum iPhone allerdings einen Tick kontrastreicher. Farben wirken dann etwas kräftiger. 

Kamera ab - ohne HDR

Das Display und die beiden Kameras (vorne VGA, hinten 0,7 Megapixel) sind die offensichtlichen Annäherungen ans iPhone. Die Kamera auf der Rückseite ist allerdings nur eine Knipse: Mit 960x720 Punkten Auflösung, keinem Blitz und ohne HDR ist sie kein Vergleich zu der Knipse des i iPhones und schon gar nicht mit einer echten Digital-Kamera. Immerhin reicht sie für Facetime und Videoaufnahmen in HD mit 720p. HD-Filme haben interessanterweise eine Auflösung von 1280x720 Punkten (also ca. 1 Megapixel). Bei der Qualität der Kamera setzt Apple scheinbar auf eine deutliche Abstufung zum iPhone.

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© Apple

Mit Kamera vorn und hinten: der iPod touch 4G

Die Videos in HD sehen ganz passabel aus, in dunkleren Umgebungen rauschen die Farben schnell. Für die Aufnahme einzustellen gibt es nichts - kein Zoom, keine Zusatzleuchte, kein Weißabgleich - sprich: Vollautomatik! Wer mag, kann das Filmmaterial auch gleich mit Apples iMovie schneiden und mit Übergängen versehen. Die Filme lassen sich aber auch ungeschnitten gleich zu Youtube hochjagen.

Die Rückseite des iPods ist wieder flach, nur die Kanten sind abgerundet. Der Stand-By-Knopf ist von links oben nach rechts oben gewandert, wo er auch beim iPhone liegt. Mit 100 Gramm Gewicht ist das Gerät so schwer wie seine Vorgänger, aber ca. 40 Gramm leichter als das iPhone 4. 

Telefo-nie oder fast nie

Da neben der rückwärtigen Kamera auch ein Mikrofon eingebaut ist, ist der 4G der erste iPod touch, mit dem sich per WLAN auch telefonieren lässt. Apple liefert dazu gleich seine Anwendung "Facetime" aus, die - direkt gesprochen - so gut wie nie funktioniert. Schon bei FaceTime mit dem iPhone gibt es diverse Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen (innerhalb unseres Verlags geht es etwa wegen der Firewalls gar nicht). Jetzt muss man sich auch noch umständlich eine E-Mail-Adresse generieren und anmelden. Wir haben es nicht zum Laufen bekommen.

Aber das macht eigentlich nichts. Es gibt ja noch Skype, sipgate und Fritz!App. Skype meldet zwar beim Start, dass es nur auf unmodifizierten Geräten läuft, funktioniert dann aber trotzdem. Die Sprachqualität ist nicht gerade top (das Mikrofon ist ja hinten), aber der Gesprächspartner wider Erwarten gut verständlich. Verbindet man seinen iPod touch mit einem mobilen UMTS-Router wie dem Trekstor Portable WLAN Hotspot, hat man damit schon fast iPhone-Komfort erreicht. Da Skype auch im Multitasking funktioniert, klingelt der iPod bei eingehenden Anrufen. 

Sipgate funktioniert auf dem iPod so gut wie gar nicht. Wie schon auf einem alten iPhone 2G hat die App zahlreiche Wartepausen mit mehr als 10 Sekunden, bleibt hängen oder erklärt, dass keine Verbindung möglich ist. Da die App seit März ohne ein Update im Appstore steht und auf Nachfrage auf ein baldiges Update hingewiesen wurde, sollte sich das Problem mit einer neuen Version geben. 

Geschwindigkeit

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© WEKA

Bei der Geschwindigkeit liegt der neue iPod touch gleich auf mit dem iPhone 4

Wenn man die Benchmark-Anwendung Geekbench 2 auf den neuen iPod loslässt und das Ergebnis sieht (Punktzahl ist 378), ist damit klar, dass in dem Gerät der gleiche Prozessor wie im iPhone 4 läuft. Der iPod ist damit gut 25 Prozent schneller als der alte 3G und mehr als doppelt so schnell wie ein 2G. 

Bei der normalen Benutzung arbeitet der iPod sehr schnell und ohne Verzögerung. Der Lage-Sensor ist flott, dass das Gerät nur 256 statt 512 MByte Hauptspeicher hat, fällt nicht direkt auf (und spielt für die Geschwindigkeit auch kaum eine Rolle, es wird ja nichts geswapped, wie bei Windows oder Mac OS X).

Zum Spielen ist der iPod daher bestens geeignet. Die Lage-und Bewegungssensoren sind auch im 4G verbaut. 

Einschränkungen

Leider hat Apple auch beim neusten iPod immer noch nicht auf das unsäglichw Synchronisieren mit dem weißen Kabel verzichtet. Statt endlich WLAN zu nutzen und nicht nur den Sync, sondern auch das Kopieren von Musik, Bildern und Videos zu erlauben (zumindest von solchen Daten, die ohne Kopierschutz sind), darf man sich mit den Design-Schwächen von Apple herumschlagen, die schon 10 Jahre auf dem Buckel haben. Nach wie vor darf man den iPod nur mit einem Rechner verbinden und abgleichen. Sitzt man vor einem anderen, geht nichts oder man darf alles löschen - Technik wie aus dem letzten Jahrhundert.

Auch als Laufwerk am Mac oder unter Windows lässt sich der iPod nicht einsetzen, obwohl gerade die größeren Modelle dafür gut geeignet wären. So muss man über iTunes und zusätzliche Anwendungen wie Goodreader gehen. 

Fazit

Der iPod touch 4G ist als MP3- und Video-Player bestens ausgestattet. Insbesondere das sehr gute Display  und die Foto- und Video-Optionen werten die neue Generation auf. Zum iPhone fehlt nur noch GPS und die UMTS-Funktion. Einziger Wermutstropfen ist der Preis: Mit den 229 Euro könnte man noch leben, bekäme man dafür nicht nur 8 GByte Speicher. Die 32-GByte-Variante gibt es für knapp 300 Euro, für das 64-GByte-Modell sind 399 Euro fällig. Dafür bekommt man schon sehr üppig ausgestattet Android-Smartphones, die sich per SD-Karte erweitern lassen. 

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