Speichertechnologie im Test

Intel Optane im Labortest: Alter Hut oder neuer Speicher?

Wenn Intel mit neuem Speicher die Werbetrommel rührt, dann sollte man das ernst nehmen. Optane soll lahme Rechner auf Hochtouren bringen. Der Test.

Intel Optane Speicher

© Josef Bleier

Der Intel Optane Speicher, hier mit 32 GByte Kapazität.

EUR 67,97

Pro

  • Gute Leseraten

Contra

  • Teuer
  • Langsame Schreibraten

Fazit

PC Magazin Testurteil: befriedigend; Preis/Leistung: ungenügend
59,0%

Phonetisch erinnert uns der Name des neuen Intel-Speichers „Optane“ an das englische „obtain“ – also etwas erhalten, bekommen. Das hört sich ja schon mal ganz vielversprechend an. Die Frage was uns dieser Speicher geben will ist auch schnell geklärt. Der schnelle Speicher mit einem m.2-Anschluss wird auf ein Mainboard mit eben solch einem Slot angeschlossen. Dann – so will es Intel – arbeitet der Speicher als eine Art Zwischenpuffer, der Daten von der – vergleichsweise lahmen – HDD vorab kopiert und sie dem Betriebssystem bei einer Anfrage schnell zur Verfügung stellt.

Weil Optane nicht sonderlich groß ist, muss Optane lernen, wann bestimmte Daten bzw. Programme besonders häufig aufgerufen werden, um sie dem Anwender sofort bereitstellen zu können, wenn er danach verlangt. Ansonsten würde der Speicher nichts bringen, denn das Laden der Daten von der HDD in den Arbeitsspeicher soll ja gerade vermieden werden, das ist ja der unliebsame Flaschenhals.

Kommt Ihnen das Prinzip bekannt vor? Richtig! Das gab und gibt es heute noch in den sogenannten SSHD Festplatte, die zusätzlich über einen SSD-Speicher von meist acht Gigabyte verfügen und genau diesen beschleunigten Datenabruf versprechen. Irgendwie haben sich diese Festplatten aber nie durchgesetzt. Und, beim Testen der Leistung werden Testingenieure vor schier unüberwindbare Herausforderungen gestellt. Das ist bei Optane nicht anderes.

Intel Optane Speicher

© Oliver Ketterer

Der Intel Optane Speicher im Test mit dem Benchmark AS SSD.

Testergebnisse aus dem Labor 

Wer Leistungsmessungen durchführt, der muss wissen, welches Laufwerk er misst. Entscheidet aber das Laufwerk, oder im Falle von Optane die CPU, selbst von welchem Speichertyp die Datentransfers ausgeführt werden, dann ist eine valide Messung von Anfang an hinfällig. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Aus diesem Grund haben wir den Optane-Speicher wie einen gewöhnlichen NVMe Speicher behandelt und Messdaten erhoben; ihn also bewusst nicht in eine HDD-Optane-Blackbox gesteckt.

Das Ergebnis der Benchmarktests ist recht klar. Beim Lesen bringt Optane viel Leistung, Daten werden mit hohen Transferraten in den Arbeitsspeicher katapultiert. Beim Schreiben sind die Werte eher bescheiden, aber das spielt dann letztlich auch keine Rolle, da der Anwender diesen Vorgang nicht aktiv anstoßen kann oder mitbekommt – das passiert alles im Hintergrund automatisch.

Intel Optane Speicher

© Oliver Ketterer

Der Intel Optane Speicher getestet mit dem Benchmark ATTO.

Problematik 

Voraussetzung für das Funktionieren des Optane-Zusammenspiels mit einer vorhandenen HDD ist die achte Generation von Intel-CPUs und natürlich ein freier m.2-Anschluss. Und genau hier wird es etwas merkwürdig. Wer einen PC mit hochmoderner CPU- und Chipsatzarchitektur anschafft, wäre doch ziemlich schlecht beraten, diesen nicht wenigstens mit einer SSD zu bestücken und die häufig genutzten Programme auf dieser zu installieren. Dies würde garantieren, dass alle installierten Programme schnell laden und starten, ganz gleich wie selten oder oft sie ausgeführt werden. Noch besser wäre natürlich eine richtige m.2-NVMe deren absolute Lesegeschwindigkeit nochmals besser ist. Aber keines falls sollte eine HDD als Systemplatte eingesetzt werden.

Intel Optane Speicher

© Oliver Ketterer

Der Intel Optane Speicher und seine Schreibperfomance in HD Tune Pro.

Fazit

Um es auf den Punkt zu bringen: Intel kommt mit dieser Technologie rund fünf Jahre zu spät. Die Preise für SSDs sind heute wirklich günstig. Wer einen neuen PC anschafft, wird sich auch eine SSD leisten, vielleicht sogar eine NVMe verbauen und alle häufig verwendeten Programme auf dieser installieren. Wenn der Platz nicht reicht, dann wird halt eine weitere SSD eingebaut – SATA-Anschlüsse sind auf modernen Mainboards im Überfluss vorhanden. Was Intel einfach übersieht ist, dass der Anwenderfall, der Optane gerechtfertigt, kaum noch existiert.

Es müsste sich zum Beispiel um einen Berufs-Gamer handeln, der im Wochenturnus verschiedene Spiele spielen muss, um im Training zu bleiben, und der Terabyte-weise an Spiele-Daten installiert hat. Für ihn wäre Optane eine Option. Der normale PC-Nutzer hat Ladezeiten-unkritische Daten, wie Filme, Fotos oder Musik – und ja, die mögen auch Terabytes an Festplattenplatz verschlingen. Aber, Spiele und Programme laufen eben von der SSD. So gehört sich das. Und deshalb machen das auch alle so. Daran wird Optane ganz bestimmt nichts ändern. 

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