Testbericht

SIM2 C3X Lumis 3D-S

Der italienische Projektorenspezialist SIM2 verheiratet in seinem neuen Modell C3X Lumis 3D-Solo erstmals professionelle Kinotechnik mit einem High-End-Heimkino-Beamer. Herausgekommen ist der erste Comsumer-Projektor, der 144 Hz projiziert.

Im Test: SIM2 C3X Lumis 3D-S

© Hersteller

Im Test: SIM2 C3X Lumis 3D-S

Pro

  • Neueste Generation der Light Engine
  • stereoskopische Projektion
  • Einfache Kalibrierung
  • alle gängigen Anschlüsse
  • angenehme Extras

Contra

  • leichtes Clipping

Mit Italien verbindet man im ersten Moment wohl kaum das Thema Heimkino. Man kann sich eine quirlige italienische Familie nur schwer im gedimmten Heimkino beim Genuss eines Films vorstellen, eher mit einer Pizza und Rotwein im Straßencafe. Nichtsdestotrotz kommen aus Pordenone nahe Venedig seit Jahrzehnten feine Bildgeräte von internationalem Rang. Aus der Firma Seleco ging 1995 SIM2 Multimedia hervor. Schon in den 80-ern baute Seleco tolle Röhrenprojektoren.

Die Norditaliener schaffen es seither vorbildlich, Produkte zu produzieren die technisch stets auf der Höhe der Technik sind, und dabei trotzdem lange Produktlebenszyklen zu bieten. Das können sie unter anderem, weil sie die Entwicklung und Produktion einiger entscheidender Teile ihrer Top-Projektoren selbst in die Hand nehmen.

Das gilt insbesondere für die Light Engine: die eigentliche Projektionseinheit im Kern des Projektors mit den DLP-Chips, all seinen Filtern und Spiegeln, Prismen, Linsen und so weiter bis hin zum eigentlichen Projektionsobjektiv.

Fast alle anderen Hersteller von DLP-Projektoren im Heimkinobereich kaufen die Light Engines bei OEMHerstellern wie Delta oder Coretronic ein und sind deren Produktzyklen und Entwicklungen ausgeliefert.

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SIM2s bewährte Fernbedienung liegt ergonomisch in der Hand. Alle Tasten sind kinofreundlich blau hinterleuchtet und klar ablesbar.

C3X: Ein echter Langläufer

Auch das Modell C3X ist nun schon viele Jahre auf dem Markt und hat sich seither äußerlich kaum verändert, erkennbar neu sind nur an die Beschriftung und die Anschlüsse. Selbst die Fernbedienung ist stets die gleiche geblieben. Schaut man sich andere 3-Chip-DLP-Projektoren an, wundert man sich, wie die cleveren Italiener das Gerät derart kompakt konstruieren konnten, denn alle Konkurrenten sind bedeutend größer.

Dennoch muss der SIM2-Kunde auf nichts verzichten, er bekommt alle gängigen Anschlüsse inklusive angenehmer Extras wie drei Schaltspannungen zum Steuern externer Geräte, etwa eine Leinwand oder einen CinemaScope-Anamorphoten, und sogar das Objektiv lässt sich wechseln.

Drei Linsensysteme von Weitwinkel bis Tele gibt es als Option zum neuesten C3X-Modell das die Redaktion zum exklusiven Test erhielt. Die präzisen Glas-Objektive T1 (Weitwinkel) und T2 (mittlere Brennweite) gibt es zum Standardpreis, das extreme Tele-Objektiv T3 kostet 2.000 Euro extra.

Es ist für Heimcineasten gedacht, die hinter dem gemütlichen Teil wie im echten Kino die Technik in einem Vorführraum verbauen und dann von Kontrollleuchten und Lüftergeräusch ungestört ihre Filme genießen möchten.

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Zwei HDMI-1.4-Eingänge nehmen 3D-Bilder entgegen. Darunter: drei Anschlüsse für 12- Volt-Schaltspannung.

Der vollständige Name des Testgeräts lautet "C3X Lumis 3D-Solo", was SIM2-Kennern weitere Fähigkeiten offenbart. "Lumis" verrät die neueste Generation der Light Engine, die SIM2 mit drei Texas-Instruments-DMD-Chips (Digital Mirror Device) baut. Diese Spiegelchips der DLP-Technik werden in der aktuellen Generation "Dark Chip 4" mit verbessertem Kontrast und maximaler HD-Auflösung eingesetzt.

Der Zusatz "3D" bedeutet, dass der Lumis auch die stereoskopische Projektion beherrscht; und "Solo" deutet schließlich an, dass er das allein kann. Bisher hat SIM2 für die 3D-Projektion ein Projektor-Duo mit passendem Justierstativ angeboten.

SIM2 vertraut Kinotechnik

Nun könnte man denken, die SIM2-Ingenieure hätten einfach in die Kiste mit Bauteilen gegriffen, aus denen sich auch diverse Mitbewerber für Datenprojektoren bedienen, und dann 120-Hertz-Shuttertechnik implementiert. Doch weit gefehlt. Nachdem Tests ergeben hatten, dass die bereits eingesetzten DMD-Chips schnell genug schalten, entschieden sie sich, eine neue Scaler-Platine zu verbauen - und zwar eine aus der professionellen digitalen Kinotechnik.

Die DCI (Digital Cinema Initiative) legt die Normen für die "echten" Kinos fest, und dort sind für Shutter-basierende 3D-Projektionen 144 Hertz vorgeschrieben. Weil damit jedes Auge jedes Filmbild alternierend mit dem anderen Auge insgesamt dreimal zu sehen bekommt, ergeben sich ruckel- und flackerfreie 72 Hertz für jedes Organ.

Der Einsatz der Profitechnik funktioniert nur, weil sowohl C3X als auch die professionellen DCI-konformen Kinoprojektoren für 3D mit Shutterbrille ebenfalls 3-Chip-DLP-Maschinen sind und damit die Ansteuerung der des SIM2 gleicht.

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In dem Loch über dem Objektiv versteckt sich die Inbus-Schraube, mit der man den weiträumigen Lensshift verstellt.

Für Shutterbrillen gilt: Die bei anderen Heimkino-3D-Geräten eingesetzten Shutterbrillen des Marktführers Xpand werden ebenfalls im Kino verwendet und beherrschen daher - Modell x103 vorausgesetzt - auch die professionellen 144 Hertz.

Versuche im Testkino ergaben, dass beispielsweise auch die Xpand- OEM-Brillen von JVC-Projektoren mit dem 144-Hertz-Modus des C3X funktionierten. Dort, wo früher die S-Video-Buchse saß, wird heute der Infrarotsender angeschlossen.

Natürlich beherrscht die Bildelektronik auch die anderen gängigen Frequenzen wie 100 und 120 Hertz. Diese benötigt man für Videoproduktionen und Fernseh-Übertragungen in 3D, und selbstverständlich sind auch die drei Übertragungsstandards Framepacking für Full HD, Top and Bottom für 720p-Auflösungen und die für TV-Übertragungen gängige Side-by-Side-Darstellung möglich. Sie werden automatisch erkannt, können im Menü aber auch manuell angewählt und eingerastet werden.

Kalibrierung mit Genuss

Das mechanische Einrichten des Lumis ist ein Genuss. Es beginnt damit, dass er nur drei Füße besitzt statt der üblichen vier. Damit ist er viel schneller in die Waage zu bringen. Es geht weiter mit dem per Fernbedienung präzise einstellbaren Zoom und Fokus. Der vertikale Lensshift lässt sich per Inbus-Schlüssel akkurat und spielarm einstellen.

Das Bild zeigte weder optische Verzeichnung, chromatische Aberration noch sonstige Unzulänglichkeiten, wie sie bei preiswerten Mitbewerbern vorkommen.

Die Konvergenz (Farbdeckung) lässt sich falls nötig pixelgenau verschieben, passte aber beim Testmuster ab Werk. Dann kam die Colorimetrie (Farbkalibrierung) an die Reihe. Die Farbbalance wird nicht wie üblich mit RGB-Reglern eingestellt, obwohl es die notfalls auch gibt, sondern direkt im Farbsegel mit seinen Koordinaten; darüber freut sich der Fachmann mit Messystem.

Noch präziser und weitreichender ließ sich der Projektor mit der SIM2- Software Live Colors Calibration einstellen - und neben der Farbbalance ließ sich auch die Farbmischung präzise kalibrieren, und zwar perfekt auf den Punkt. Noch nicht fertig war die automatische Kalibrierung, die diese Software in Kombination mit dem High-End-Farbsensor X-Rite Hubble beherrschen wird.

Im Testkino musste der Lumis zunächst sein Können in 2D zeigen. Und was die Messungen zur Kalibrierung bereits verhießen, schmeichelte nun den Augen der Tester. Ein wunderbar homogenes, ausgewogenes und dabei farbsattes Bild ohne jede Übertreibung und zarte, fließende Schattierungen demonstrierten, was man von einem 3-Chip-DLP-Beamer erwarten kann.

Ein kleines Manko der Firmware des Testgerätes: Trotz Pixel-to-Pixel-Modus ließ sich der Scaler nicht ganz abschalten, was einen etwas weichen, keineswegs aber unscharfen Bildeindruck hinterließ.

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Oben:Drei Glasoptiken verschiedener Brennweiten bietet SIM2 für den C3X an. Zoom und Fokus verstellt man elektrisch.

Ein Fest in Licht und Farbe

Ein Problem bei digitalen Projektoren mit 3D-Shuttertechnik ist, dass die darstellbare Farbtiefe um mehr als die Hälfte abnimmt. Das sieht man bei 1-Chip-DLP-Datenbeamern wie dem Optoma HD67, aber auch bei High-End-Geräten wie dem digitalen LCoSProjektor JVC DLA-X7 als Grieseln und Unruhe bei der 3D-Darstellung.

Das Problem dürfte bei 3-Chip-DLP-Geräten nicht auftreten, denn die Spiegel des DMD sind sogar schnell genug, um in 1-Chip-Geräten neben den zwei Perspektiven auch noch die Farben nacheinander darzustellen. Dieser Überschuss an Frequenz sollte dafür sorgen, dass beim C3X Lumis 3D-S im 3D-Modus keine Differenzierungverluste bei Farb- oder Helligkeitsschattierungen sichtbar werden.

Die Tester waren entsprechend gespannt, schalteten die Brillen in den erweiterten Modus für 144 Hz, legten eine erste 3D-Blu-ray ein und wurden nicht enttäuscht.

Spielerisch absolvierte der Italiener die 3D-Kür, er zeigte weder erhöhtes Dithering, Rauschen noch sonstige Effekte. Die Grenzen der Farbdarstellung setzte allenfalls die Brille.

LED vs. 4K: High-End-Beamer im Test

Es gab nur zwei kleine Kritikpunkte: Am oberen Ende der Helligkeitsskala wiesen Rot und Grün leichtes Clipping auf, das aber durch die Brille betrachtet kaum auffiel, und im Sideby-Side-Modus mangelte es ein wenig an horizontaler Auflösung. Dafür zeigte der Lumis keine der sonst in diesem Modus oft störenden Treppchen-Artefakte.

Sehr positiv stach die Blu-ray-Wiedergabe im 144-Hz-Modus heraus, die quasi völlig flackerfreie Bilder ermöglichte und merkbar entspannter zu genießen war als bei bisherigen Shutterlösungen. Ebenfalls super: Wie schon die DLP-3D-Daten-Beamer zeigte der High-Ender praktisch kein Übersprechen. Man musste schon absichtlich bei ungünstigen Motiven schräg durch die Brille schauen, um eine Spur von Geisterbild zu provozieren.

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Die Diagrammsammlung zeigt beeindruckend den Aus-der-Packung-Zustand des Lumis. Der Farbraum passt bis auf Grün gut, das Gamma ist zu flach, die Farbbalance quasi perfekt. Mittels Live Colors Calibration Software bekommt man alle Parameter perfekt kalibriert.

Brillen werden universell

SIM2 sitzt mit in dem Gremium, das sich gerade darum bemüht, die Technik der Shutterbrillen zu harmonisieren. Bislang ist es eher Zufall, wenn die Brillen des einen Herstellers mit dem Display oder Projektor eines anderen funktionieren. Doch das wäre wünschenswert, denn die Shutterbrillen sind teuer, und wer einige für die Fa-milie und Gäste angeschafft hat, will sie beim nächsten Fernseherkauf nicht wieder neu anschaffen müssen.

Prima wäre auch, wenn man die Brillen aus dem Wohnzimmer im Heimkino verwenden könnte. Schon aus diesem Grund entschied sich SIM2, für seinen ersten 3D-Projektor mit Shuttertechnik Xpands erste Universalbrillen, Modell x103, einzusetzen, die auch mit vielen Fernsehern funktionieren - abgesehen davon, dass sie auch 144 Hz beherrschen.

Konventionelle Xpand-Brillen lassen sich auch verwenden. Man muss das im Menü umstellen und verliert durch die Verlängerung der Schwarzphase zwischen den Bildern von 1 ms auf 2 ms nur ein wenig Helligkeit. Ansonsten bleibt die Bildqualität unverändert die gleiche. Ältere C3X-Modelle lassen sich dank des internen modularen Aufbaus auf 3D aufrüsten.

Fazit

Sie wollen ein ausgewogenes, natürliches Heimkino-Bild? 3D auf dem Niveau und mit der Technik der Kinos: flackerfrei, fein durchgezeichnet und frei von Geisterbildern? Fangen Sie an zu sparen, der SIM2 C3X Lumis 3D-Solo könnte Ihr Traumgerät sein.

Perfekt? Nicht ganz: Für die ideale Union aus Profi- und Heimkinotechnik ist noch etwas Feintuning bei der Firmware nötig.

Tabelle: Testergebnisse im Überblick

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Tabelle: Daten und Messwerte

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