Klassenkampf

Im Test: Canton Chrono Lautsprecher

Bei Canton heißt Chrono: Hochtechnologie in bezahlbaren Lautsprechern. Selbst in Cantons Mittelklasse findet man Ingredienzien der Reference-Linie - die aufwendige Forschungsarbeit muss sich schließlich rechnen.

Im Test: Canton Chrono Lautsprecher

© Video Homevision

Im Test: Canton Chrono Lautsprecher

Lautsprecher werden im Schnitt immer besser. Noch vor 20 Jahren klangen Boxen eines Herstellers aus verschiedenen Serien sehr unterschiedlich - und das galt auch für Lautsprecher verschiedener Hersteller, aber gleicher Preisklasse. Heute dagegen spielen selbst Lautsprecher der Einsteigerklasse auf hohem Niveau.

Das hat mehrere Ursachen. Zum einen ist die Fertigungsqualität gestiegen: Man kann also heute Chassis bauen, deren Bauteiltoleranz sehr gering ist. Des Weiteren kann man durch Computersimulationen das Schwingungsverhalten besser verstehen und gezielt durch Formgebung und Materialwahl Membranen definiert schwingen lassen.

Zudem ist das "Downsizing", also der Technologietransfer der Spitzenprodukte in die Brot-und-Butter-Klasse, gang und gäbe. Das heißt, die aufwendigen Entwicklungen, die oft Jahre intensiver Forschungsarbeit erfordern, können wieder hereingespielt werden, wenn mehrere Serien von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren.

Bei Canton ist das nicht anders. Die Referenz-Reihe hat viele Features, die - in abgespeckter Form - etwa auch in den Chronos stecken. Ob "Transmission Front Plate" für den Hochtöner oder "Wave-Geometrie" für den Tief-/Mitteltöner: Diese Entwicklungen stammen aus der Top-Linie. Ansonsten sind die Chronos auf das Wesentliche reduziert. Beim Gehäuse und beim Finish wurde gespart, ohne jedoch die Optik aus den Augen zu verlieren.

Markante Aluminium-Ringe um die Membranen sowie eine hochglänzende Lackfront in Verbindung mit folierten Gehäusen erwecken nicht gerade den Eindruck, dass hier der Rotstift angesetzt wurde. Und das geschah gekonnt, denn die Chrono-Serie sieht wertig aus. Bi-Wiring sucht man allerdings vergeblich. Dafür glänzt die Serie mit technischen Leckerbissen.

Die Basis für den Tief-/Mittelton-Treiber ist wie bei fast allen Lautsprechern von Canton eine Aluminium-Membran. Sie bietet eine hohe Steifigkeit in Relation zum Gewicht. Doch das allein macht noch keinen guten Treiber aus.

Um möglichst breitbandig zu agieren, sind zwei Parameter besonders wichtig: Zum einen bedarf es eines großen linearen Hubs, um auch tiefere Frequenzen verzerrungsfrei wiederzugeben, und zum anderen einer speziellen Membrangeometrie, um in den oberen Mitten verzerrungsarm zu spielen und zugleich eine breite Abstrahlung zu gewährleisten.

Die neue "Wave-Sicke" ermöglicht dank ihrer "S"-förmigen Konstruktion einen um bis zu 80 Prozent größeren linearen Hub. Außerdem sorgt diese patentierte Einspannung für eine bessere Dämpfung der Ringresonanz.

Download: Tabelle

Angepasste Richtcharakteristik

Auch der Hochtöner hat es in sich. Zunächst einmal musste der Übergang zum Mitteltöner optimal angepasst werden. Dazu haben Cantons Ingenieure die "Transmission Front Plate" entwickelt. Diese kurze Schallführung, eingearbeitet in die Frontplatte des Hochtonsystems, dient in erster Linie dazu, dem Schall im unteren Übertragungsbereich des Hochtöners eine definierte Richtwirkung mit auf den Weg zu geben.

Und zwar genau die des Mitteltöners in seinem Übergangsbereich zum Hochtöner. Das klingt plausibel und erfüllt damit die Prämisse der gleichmäßigen Abstrahl-Charakteristik über den Hörbereich. Ein weiterer Vorteil dieser Schallführung: Der Hochtöner schafft mit weniger Hub den gleichen Pegel - und das bedeutet weniger Verzerrungen.

Die beiden Frontlautsprecher Chrono 503.2 sowie der Center 505.2 und die Rear-Speaker 501.2 arbeiten mit den beschriebenen Chassis-Technologien. Der Clou des Sets sind die Rücklautsprecher. Die nur zehn Zentimeter flachen 501.2 sind für die Wandmontage vorgesehen. Dank der in die Rückwand der Boxen eingearbeiteten Ösen lassen sie sich wie ein Bild an die Wand hängen.

Im Hörtest zeigte sich, dass eine gute Ausrichtung auf den Hörplatz erforderlich ist. Das gilt insbesondere für den komplex aufgebauten Center. Nach getaner Arbeit darf man dann aber Heimkino auf hohem Niveau genießen. Ob Action a la "Dark Knight" oder " Iron Man 2", das Set beherrscht selbst deftige Filmkost.

Nach guter Einpegelung aller Schallwandler gehört auch die selbstverständliche Wiedergabe der räumlichen Akustik der jeweiligen Szenen zu den Stärken der Chronos. Dank der Boxenformate im Frontbereich kann man die Wandler wahlweise auch im "Large"-Betrieb ansteuern, was dem Bassbereich insgesamt zugutekommt.

Als die Stimmen von Joy Denalane und Carol Kidd anklangen, überzeugte das reine Stereoformat durch präzise Mittenabbildung und authentische Wiedergabe sowie durch realistische räumliche Darstellung.

Fazit

Cantons Chrono-Set spielt im Heimkino-Modus sehr überzeugend. Die homogene Rundumbeschallung und das Basspotenzial können sich hören lassen. Auch im klassischen Stereobetrieb machen die 503.2 eine gute Figur. Tiefgang, Präzision und tonale Ausgewogenheit gehören hier zu den Stärken.

Download: Tabelle

Mehr zum Thema

Teufel Cinebase
Sounddeck

Die Teufel Cinebase kommt mit Bluetooth und NFC und verspricht besten Heimkino-Surround-Sound. Ob das Sounddeck diesen auch liefert, zeigt unser Test.
Panasonic SC-HTB485
Soundbar

Der Soundbar Panasonic SC-HTB485 verspricht Heimkino-Sound für wenig Geld. Im Test prüfen wir, ob der Klangbalken auch abseits des Preises…
UE Roll im Test
Ultimate Ears

Der UE Roll ist platt wie eine Flunder und einsatzbereit für nahezu jede Outdoor-Action. Wir haben das kleine Klang-Ufo von Ultimate Ears im Test.
Sony SRS-X99 Test
Bluetooth-Lautsprecher

Der Sony SRS-X99 kombiniert edles Gehäuse mit aktuellen Technologien. Wir haben die kabellose Lautsprecher-Neuheit mit WLAN im Test.
Philips SoundStage HTL5130B
Sounddeck

Unter dem Dach der Gibson Brand wurde das neue Philips SoundStage HTL5130B vorgestellt. video testet, was das Sounddeck klanglich kann.