Digitale Fotografie - Test & Praxis
Smartphone-Kamera

HTC U11 Plus im Kamera-Test: Überzeugende Bildqualität

Das HTC U11 Plus kommt mit etabliertem 12-Megapixel-Sensor mit 1,4 µm großen Pixeln. Im Test verraten wir, wie gut die Smartphone-Kamera ist.

HTC U11+ im Test

© Hersteller

HTC widersteht auch beim neuesten Flaggschiff, dem HTC U11 Plus, dem Trend zur Doppelkamera. Die Haupt­kamera bietet stattdessen einen Sensor mit vergleichsweise großen Pixeln von 1,4 µm, 12­-Megapixel­-Auflösung bei Blende f1,7 und einen Phasen-­AF zum schnellen Scharfstellen – wie das Google Pixel 2 XL. 

Die Frontkamera löst 8 Megapixel auf und hat als Öffnung Blende f2,0. Das Design ist dem Preis von 750 Euro angemessen, wobei das U11 Plus nicht ganz so spacig rüberkommt wie ein iPhone X. Die Rückseite aus Glas reflektiert so stark, dass man sie durchaus als Rasierspiegel nutzen kann. Aller­dings sieht man auch jede Berührung in Form eines Fingerabdrucks, das kann man so oder so finden. 

Die Verarbeitung ist exzellent. Auch die Hardware-­Ausstattung ist vom Feins­ten: Ein Snapdragon-­835-­Prozessor von Qualcomm und 6 GB Hauptspeicher sorgen allgemein für flottes Arbeiten. Beim Fotografieren im Pro-­Modus, in dem die Kamera gleichzeitig eine DNG-­ und eine JPEG-­Datei schreibt, ist eine minimale Verzögerung spürbar. Das zeigt sich im Labor bei der Bildfol­gezeit von 5,7 s für zehn RAWs, da sind Google und LG flotter. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. 

Unser Testgerät hatte 128 GB Speicher, per micro-SD kann bei Bedarf bis 2 TB auf­ gerüstet werden. Das Gerät ist laut Hersteller nach IP­ Schutzklasse 68 bei dauerndem Unter­tauchen in Süßwasser vor Schäden ge­schützt – testen wollten wir das aber lieber nicht. Als Betriebssystem läuft das aktuelle Android 8 Oreo unter einer modifizierten Benutzeroberfläche. 

HTC will dazu zwei Jahre lang Sicherheits-­ und Haupt-­Updates verteilen, ein guter Wert im Android-­Lager – Google ver­spricht für das Pixel 2 XL allerdings ein Jahr mehr Support, und Apple aktualisiert iPhones in der Regel sogar vier bis fünf Jahre lang.

Der 6 Zoll große Monitor im 18:9­-For­mat löst 2880 x 1440 Pixel auf und äh­nelt dem 6-­Zoll­-Display des Google Pixel 2 XL und des LG V30. Die automa­tische Helligkeitsregelung ist in Innen­räumen prima. Scheint draußen die Sonne – wir hatten das Glück, nach monatelangem Winterwetter bei strah­lendem Sonnenschein testen zu kön­nen – ist es aber recht duster. Das liegt vermutlich eher am Display als am Helligkeitssensor, denn auch manuell geregelt blieb die Helligkeit hinter der anderer Edel­-Geräte zurück. Farbe und Schärfe sind top, Gitterlinien können eingeblendet werden.

HTC U11+ Blaue Stunde

© Reinhard Merz

Bei Mischlicht Iegt das U11 Plus einen souveränen Auftritt hin. f1,7/4,28 mm, 1/55 s, ISO 423

Foto-App mit Licht und Schatten 

Der Schärfepunkt lässt sich, wie bei Smartphones üblich, mit dem Finger auf dem Touchscreen wählen, der AF stellt innerhalb von Sekundenbruchtei­len scharf: 0,2/0,12 s bei 800 bzw. 30 Lux sind spitze. Bei genügend Licht ist der Autofokus auch sehr zuverlässig. 

Wenn es dunkler wird, hat er aber durchaus mal Schwierigkeiten, den exakten Punkt zu finden. Vielleicht liegt es daran, dass die Kamera gerne den Blitz zuschaltet, wenn man das der Automatik überlässt. Wir haben lieber von Hand gesteuert. Auslösen kann man über den drucksensitiven Rand, den der Hersteller standardmäßig mit der Fotofunktion belegt und der bei geöffneter App als Auslöser dient. 

Das ist am Anfang et­was gewöhnungsbedürftig. Wenn es aber darum geht, schnell zu fotografie­ren – etwa beim Kindergeburtstag – ist das unschlagbar praktisch. Verwackelte Aufnahmen, über die unsere Kollegen noch beim Test des U11 (ohne Plus) ge­stolpert waren, hatten wir beim Aus­lösen über das Rahmendrücken nicht zu beklagen. Einen Porträt-­Modus, wie Google ihn dem Pixel 2 spendiert hat, gibt es nicht. 

Videos zeichnet das U11+ in 4K mit 30 B/s oder in Full HD mit bis zu 120 B/s auf. Audiofunktionen wie 360°­-Sound­-Aufnahmen und Audio-­Zoom sollen dabei für den guten Ton sorgen. Die Foto-­App verfügt nicht nur über Automatikfunktionen, sondern auch über einen Pro­-Modus. Hier kann man das gewählte Dateiformat (JPEG, RAW oder beides) und das Bildformat (18:9, 16:9, 4:3, 1:1) einstellen. Volle Auflösung gibt es aber nur bei 4:3, sonst wird das Bild beschnitten. Ist der Pro­-Modus ge­wählt, wird dies im Display unter dem Auslöseknopf angezeigt. Das gefällt. 

Nicht ganz so gelungen ist die Platzie­rung der Einstellungen über dem Bild. Das ist für Bilder mit großen Flächen und geringem Kontrast OK, nervt bei filigranen Motiven aber gewaltig: Die Schrift ist dann kaum mehr zu erken­nen, und man muss quasi im Blindflug Zeit und Empfindlichkeit einstellen. Der Wechsel zu Lightroom als Foto­-App bringt jedoch auch keine Besse­rung, dort wird immer nur ein Regler eingeblendet statt alle gleichzeitig, der liegt zudem ebenfalls über dem Bild. 

Viel besser ist Lightroom dagegen bei den ISO­-Einstellungen. Im verfügbaren Bereich von ISO 100 – 800 kann ich da­mit mit dem Finger stufenlos wählen, die HTC­-App erlaubt nur runde Werte wie ISO 100, 200, 400 oder 800. Warum, ist uns schleierhaft, die Verschlusszeit lässt sich nämlich stufenlos einstellen. Eine echte Halbautomatik bietet das HTC – ändert man die Empfindlichkeit manuell, passt das U11 Plus die Belich­tungszeit entsprechend an.

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Bildqualität

Im Pro­-Modus und bei RAWs kann das UTC 11 Plus überzeugen und schließt locker zum Google Pixel 2 XL auf, das bisher bei Smartphones die Nase vorn hatte. Auflösung und Feinzeichnung sind auf ähnlich gutem Niveau. Mit nachlassender Helligkeit steigen die Artefakte, aber auch das Rauschen stark an. Beides ist aber für die kleinen Pixel von Smartphones typisch. 

Allerdings hält das HTC bei steigenden ISO­-Werten das Rauschen niedriger als das Google. Zudem bleibt nur mit dem HTC die Auflösung in den Ecken bei höheren ISO-­Werten konstant. Mit dem Google sinkt dagegen die Eckauf­lösung mit steigenden ISO­Zahlen, was bei wenig Licht zu einer Differenz von 250 Linienpaaren führt. Damit zieht das HTC bei der Bildqualität am Google Pixel 2 XL vorbei.

Auch in der Praxis sind die Bilder bei gutem Licht hervorragend. Beim Out­door-­Test an einem sonnigen Februar­tag haben schon die JPEGs weitgehend überzeugt. HTC hat die Verarbeitung zurückhaltend abgestimmt; so fehlt den Bildern zwar der letzte Knack, aber es bleiben erfreulich viele Details erhalten. Das DNG­-Format kitzelt noch mehr an Qualität heraus, für schnelle Bilder zwi­schendurch tut es JPEG aber auch.

Auch bei Dämmerung schlägt sich das HTC U11 Plus gut. Die Kombination von vergleichsweise großen Pixeln und Blende f/1,7 bringt noch genügend Restlicht zur Elektronik. Hinzu kom­men optische (OIS) und elektronische Bildstabilisatoren (EIS), die ungewollte Wackler ausgleichen sollen. Wunder sollte man davon nicht erwarten – nur bis etwa 1/15 s sind uns halbwegs scharfe Aufnahmen gelungen. Längere Belichtungszeiten erfordern ein Stativ.

Testsiegel Kauftipp ColorFoto Bildqualität 4/2018

© WEKA Media Publishing GmbH

Fazit

Das HTC U11+ liefert eine überzeu­gende Bildqualität schon beim JPEG, die DNG-­Dateien sind für ein Smart­phone ganz vorne. Die Kamera­-App ist funktional ebenfalls auf hohem Niveau, an manchen Stellen aber so gar nicht bedienerfreundlich gestaltet. So sind je nach Bild die eingestellten Werte kaum lesbar. Hier würden wir uns ein schnel­les Update wünschen.

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