Testbericht

High-End: Thorens TD 2010

Zu Mozarts Zeiten diente ein Riemen eher der Bestrafung. Heute belohnen sich Vinyl-Liebhaber damit für die Qualen des digitalisierten Alltags. Der Thorens TD 2010 tickt analog wie vor 100 Jahren, was aber nicht heißt, dass man mit ihm Klassik hören muss.

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High-End: Thorens

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High-End: Thorens

Meine Güte, geht das ab! Für die erste High-End-Geschichte seit langem kramte ich gerade zwei Dinge heraus, die ich schon ewig nicht mehr benutzte: Meine oberhalb von iPod angesiedelten Tonträger - namentlich Platte und CD, Sie erinnern sich vielleicht - sowie die in Receiver-Tests reichlich unangebrachte "Ich-Form" beim Schreiben. In Verbindung mit einem Analog-Plattenspieler wie dem Thorens TD 2010 weckt das nicht nur Erinnerungen an tolle Zeiten, sondern sorgt für einen ungeheuren Drive, den man gewöhnlich sowohl im Redaktionsalltag wie im Privatleben entbehrt. Alles erscheint damit irgendwie direkter, näher, vereinnahmender.

Noch vorhin schrieb ich den Lautsprechertest wie immer auf der Couch vor der Anlage sitzend mit gepflegter Untermalung von der unerschöpflichen Festplatte des iPod. Jetzt rotiert eine CD im lange unbenutzten Naim CDS. Sie spielt laut, sehr laut, denn der Rhythmus, bei dem ich mit muss, darf sich bei diesem Thema nicht nur in der Schreibe wiederfinden, er sollte es sogar. Nur so können diese Zeilen der sensorischen Sensation des Musikhörens über einen der letzten Höhepunkte einer jahrhundertlangen Evolution für moderne Menschen auch nur im entferntesten herüberbringen.

Man kann sich an Knacken und Rauschen wie über Stilblüten des Autors stören, doch eines kann man nicht: Vinyl vorwerfen, dass es belanglos klingt. Schon die Technics-Turntables, längst Klassiker der DJs, lassen CD- und MP3-Player reichlich blass wirken, aber dieser Thorens besitzt jene Magie, die ein iPod höchstens aus seinem genialen Bedienkonzept bezieht, jener Vermenschlichung der eigentlich unmenschlichen Digital-Technik. Der TD 2010 verkörpert den Anti-iPod schlechthin. Er ist die behäbige Materie zur hektisch pulsierenden Anti-Materie der MP3-Welt. Keine Spur von Bedienkomfort. Der Plattenspieler punktet in den Bereichen, in denen der iPod nur an der Oberfläche kratzt: handwerklich hochwertige Verarbeitungsqualität, elitäre Haptik, Unverwüstlichkeit und nicht zuletzt eine beinahe bedingungslose Hingabe zum Klang. Beinahe deshalb, weil Thorens hier zugunsten der Optik auf so ziemlich alle aus technischem Anspruch und langer Forschung gewachsenen Prinzipien der ursprünglich im Schwarzwald beheimateten Marke verzichtet. Goodbye Subchassis, adieu Holzgehäuse. An diesem Masselaufwerk ist Transparenz angesagt. Es wirkt mit seinem einteiligen Chassis aus einer 25 Millimeter starken polierten Acrylplatte mindestens so eitel wie der iPod - nur dass der eine schlechte Figur machen würde, sollte jemand bei Apple jemals auf die Idee kommen, via Plexiglas-Gehäuse einen Einblick auf den aus menschlicher Sicht erschreckend banal wirkenden Mikrokosmos von Chips und Leiterbahnen zu gewähren.

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High-Mech: Der TP 250 trägt mit seinem starren Headshell ein MC-System Talismann von Clearaudio. Die Distanzscheibe kam im Hörtest nicht zum Einsatz.

Der exibitionistische TD 2010 hat nichts zu verbergen. Stolz zeigt er seine im Gegensatz zu heutigen Verfahren simple, aber mit viel Mechanikaufwand realisierte Technik. 18 Kilo bringt der Schau-Spieler auf die Waage, sein Antriebsmotor verbirgt sich schwimmend gelagert in einem aus dem Vollen gedrehten Metallgehäuse, das einfach in eine Aussparung des Chassis gestellt wird, um direkten Kontakt und damit verbundene Vibrationsübertragung zu vermeiden. Sein an eine miniaturisierte Tonbandspule erinnerndes Metallpulley überträgt die Kraft über einen geschliffenen Präzsionsriemen auf den Außenrand des 4,5 Kilo schweren Plattentellers. Anders, als früher im Hause Thorens üblich, besteht er nicht aus zwei Teilen, deren Resonanzen sich gegenseitig zu einem großen Teil auslöschen. Einzig die Filzmatte erinnert an die ebenfalls noch erhältlichen Thorens-Plattenspieler klassischer Prägung.

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Acryl und Metall sind die beiden Stoffe, aus denen Thorens den Traumplattenspieler TD 2010 komponiert.

Höreindrücke und das Fazit gibt es auf Seite 2...

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