Testbericht

High-End-Test: Canton Ergo 695

Bewährtes bewahren und mit der Technik der Moderne verschmelzen - seit je das Konzept der Ergo-Serie von Canton. Gelingt das auch in der neuesten Generation?

Test High-End: 5.1-Set

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Test High-End: 5.1-Set

"Die kenne ich doch aus meiner Jugend, die spielen noch im Wohnzimmer meiner Eltern", kam es stolz über die Lippen des Kollegen Claus Graßl von unserem Schwestermagazin "Business & IT". Dabei sah er die Lautsprecher, die ich gerade zum Einspielen mit dem neuen Sony Top-Receiver STR DA 6400 (Test in Kürze) verband, nur von der Seite.

Allein die Formensprache der Canton Ergo 695 im passenden Surround-Ensemble gab Rückschlüsse auf den Hersteller. Von einer solchen, neudeutsch genannten "CI" (Corporate Identity) können viele Hersteller nur träumen .

Aktuelle Modelle der Serie sind älteren und noch viel älteren wie aus dem Gesicht geschnitten. Dabei wirken sie weder bieder noch altbacken. In ihrem klassischen Styling mit den sauber gerundeten Kanten, dem edlen Furnier und der in dieser Klasse erhabenen Anfassqualität erscheinen die Modelle in zeitloser Eleganz. Allein auf Formensprache zu bauen, wäre zu kurz gegriffen, insbesondere wenn es sich um technische Produkte handelt, die schnelllebigen Gesetzen unterliegen. Nur zusammen mit konstant hoher Qualität prägen sie sich ein - letztlich ein Stück Sicherheit in unserer Zeit. Und Grund genug die aktuell größten Boxen der Serie, die Ergo 695, in einem Surround-Set unter die akustische Lupe zu nehmen.

Die Ergo sind Grenzgänger

Technisch sind die Modelle Grenzgänger zwischen Klassik und Moderne. Auf der einen Seite der akustisch bewährte, immer feinfühlig optimierte, grundsolide Aufbau der Boxengehäuse mit Wandstärken bis über 25 Millimeter; auf der anderen modernste Chassis- und Weichentechnik. So stattete Canton die Tief- und Mitteltöner des Sets mit besonders leistungsfähigen Tönern aus. Sie sind dank einer gefalteten Sicke ("Wave Sicke" getauft) und eines optimierten Antriebs in der Lage, im Vergleich zu konventionellen Chassis einen deutlich größeren linearen Hub auszuführen. Das senkt Verzerrungen und bietet Reserven in Belastungssituationen, wie sie gerade in Surround schnell auftreten können.

Test High-End: 5.1-Set

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Die Bedien- und Anschlusselemente am Sub sind gut zugänglich. Die übersichtliche Gestaltung erleichtert die Justage.

Ob mit Movies oder klassischen Mehrkanal-Einspielungen - gewaltige Dynamiksprünge sind eher Regel als Ausnahme. Grenzen Lautsprecher diese Vorgaben ein, die letztlich Spannung erzeugen oder zum musikalischen Inhalt gehören, klingt es angestrengt, nervös und mindert jede Hörfreude.

Doch auch mit anspruchsvollster Kost blieben die Ergos nichts an Offenheit und Drive schuldig. Selten erlebte ich die Beethovenschen Diabelli Variationen in der Multikanal-Einspielung mit Pianist Piotr Anderszewski so authentisch: Das Schwingen der Stahlsaiten des Konzertflügels war schon körperhaft erlebbar, der Aufnahmesaal weit aufgezogen in "atemraubender" Präzision - gerade hierin zeigen sich die Qualitäten eines hochwertigen Subwoofers und nicht in einem quantitativen "Mehr" an Bass. Der Canton-Sub verschaffte dem Set Endein wahrlich abgrundtiefes, jedoch mit korrekter Justage - man sollte einen Sub nie heraushören können - stets audiophiles Fundament.

Selbst aberwitzig schnelle Pianoläufe perlten glockenklar, tiefste Register pechschwarz und packend. Kein Ineinander- Verwischen, keine "Atemnot" zu hohen Frequenzen und Lautstärken. Hierzu trugen die im Antrieb optimierten Hochtöner mit Alu-Mangan-Membran ihr Scherflein bei. Vor ihnen platzierte Canton eine speziell geformte akustische Linse, einem angeschnittenen Hornvorsatz nicht unähnlich. Sie passt das Abstrahlverhalten der Tweeter im Übergangsbereich an die Mitteltöner an. Davon verspricht sich der Hersteller eine gleichmäßige Schallabstrahlung. In der Tat tönte das Set über die ganze Bandbreite bruchlos. Interpreten schenkte das Quintett Kraft und Körper gleichermaßen, sogar kritische Stimmen wie die von Herbert Grönemeyer zeichnete der Center pieksauber nach.

Testprofil

CantonErgo 695, 620, 655; AS 650.2
www.canton.de
1.300 Euro

5.1-System mit integriertem Surround-Receiver

Weitere Details

80 Prozent

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Berührten Klassikeinspielungen oder musikalisch getragene Movies wie "Der Club der toten Dichter" via Ergo emotional feinere Nerven, so packte das Set mit Trance-Nummern wie "The Rhyth" (DJ Reddi/www.der-marc.de), die der Pioneer-Referenzreceiver via Dolby ProLogic IIx von Stereo auf 5.1- Kanäle hievte, jeden noch so kleinen meiner Muskel. Wie ein Jungbrunnen wirkte das Set nun auf mich und weckte Tanzlaune pur! Das nenne ich Hörgenuss in Klassik und Moderne.

Fazit

Ob Musikfreund oder Cineast, wer sich diese Ergos gönnt, erwirbt ein klangstarkes Set, das die Sicherheit gibt, auch "morgen" noch up to date zu sein. Einmal mehr haben die Ergos das Rüstzeug zum Klassiker.

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