Testbericht

High-End: Octave V 40

Weder Transistor-Verstärkern noch modernen Digital-Amps gelang es, Röhrenverstärker völlig zu verdrängen. Im Gegenteil, heute liegen Röhren nicht nur wegen ihres Flairs voll im Trend. Denn für starke Performance ist der Octave V 40 ist leuchtendes Beispiel.

High-End: Octave

© Archiv

High-End: Octave

Weder Transistor-Verstärkern noch modernen Digital-Amps gelang es, Röhrenverstärker völlig zu verdrängen. Im Gegenteil, heute liegen Röhren nicht nur wegen ihres Flairs voll im Trend. Denn für starke Performance ist der Octave V 40 ist leuchtendes Beispiel.

Andreas Hofmann ist noch einer der wenigen, die noch immer gleichzeitig als Geschäftsführer und Chefentwickler die Geschicke einer Firma lenken. Und zwar mit Erfolg. Die Produkte der kleinen feinen Manufaktur Octave aus Karlsbad mit 11 Mitarbeitern genießen hohes Ansehen und das Unternehmen unterstützt sogar den Nachwuchs im Lande: Ein Auszubildender wurde nach erfolgreicher Prüfung als Elektroniker übernommen, der ander befindet sich im zweiten Lehrjahr.Was sich im Unternehmen selbst offenbar als Trumpf erweist, stößt nach der Firmenphilosophie des Octave-Oligarchen in den Produkten selbst schnell an seine Grenzen: "Ein sogenanntes All-Tube-Gerät ist immer mit gewissen Limitierungen behaftet, dies ist für mich indiskutabel." Deshalb setzt Octave traditionell auf die sogenannte Hybridbauweise und verteilt die zentralen Aufgaben innerhalb des Amps auf Röhren und Transistoren - je nachdem, was wo den besseren Job erledigt.

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Glüh und flott: Obwohl hinter dem nicht unbedingt filigranen Gitter Röhren glimmen, kommen im Hybrid-Vollverstärker V 40 auch schnelle Transistoren zum Einsatz.

Der sachlich edel wirkende Vollverstärker V 40 verkörpert also ein Zwitterwesen. "Teile des Gerätes, Netzteil, elektronische Stabilisierungen, ganz allgemein Leistungselektronik werden mit modernen Halbleiterschaltungen realisiert", erklärt Hofmann.Ziel solcher Verflechtungen ist es, die Geschwindigkeit und Kontrolle von Transistor-Verstärkern mit den kräftigen, natürlichen Klangfarben der Röhren-Oldies zu verbinden. Hofmann blickt also mit seinen Konstruktionen zurück in die Zukunft und öffnet seine Produktwelt zumindest einen Spalt weit der allgegenwärtigen Multi-Kanal-Kultur. Dazu lässt sich am V 40 für 100 Euro Aufpreis ein Set Stereo-Vorverstärker-Ausgänge/Endstufeneingänge ordern. Mit einem Preis von 3.300 Euro verkörpert der in dieser Konfiguration von uns getestete V 40 die Einstiegsklasse von Octave. Wer später mal aufsteigt zu einer großen Vor-End-Kombi kann dann seinen alten Vollverstärker zum Beispiel zur Endstufe für die Surround-Kanäle umfunktionieren. Oder, was mehr zählt, schrittweise aufrüsten, indem er den V 40 zum Übergang mit einer externen Vor-oder Endstufe kombiniert.Doch nicht nur in der Konfiguration seiner Anlage lässt einem die V 40 große Freiheit. Unter dem soliden, jedoch etwas plump wirkenden Abdeckgitter bietet der Vollverstärker reichlich Freiraum für individuelle Röhrenbestückungen. Statt der serienmäßigen EL-34-Endröhren lassen sich alternativ Röhren der Typen 6 L 6, 6550 oder KT 88 einsetzen. Und in der Treibersektion gibt es auch einige Alternativen zu den Modellen ECC 83 und ECC 88.

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Attraktion im Exotarium: Für exotische Geräte bringt der V 40 eine erfreulich aufwändige Touch-Screen-Fernbedienung mit.

Doch derartige Modifikationen sind eher sinnvoll für Fortgeschrittene, die wie Gourmets die Einflüsse der Zutaten auf den Klang abwägen können. Wer sich selbst fit für solche Modifikationen fühlt oder einfach nur verbrauchte Röhren austauschen will, findet in der leicht verständlichen Bedienungsanleitung wertvolle Unterstützung. Schließlich macht ein Röhrentausch die Neu-Justage des Bias-Pegels mithilfe von Stellschrauben und farbigen LEDs erforderlich.

Obwohl die Röhrentechnik nur stellenweise zum Einsatz kommt und Octave mit einer Soft-Start- Schaltung durch weiches Hochfahren die Bauteile schont, ist ein solcher Amp alles andere als wartungsfrei. Bei guter Pflege kann man jedoch an Röhren-Verstärkern wie die Geschichte lehrt, ewig Spaß haben.

Spaß war auch im Hörtest angesagt. Und wie! Der V 40 verblüffte mit einem strammen, differenzierten Tiefbass, der nicht nur für seine Röhren-Riege rekordverdächtig anmutete. Offensichtlich gelang das Zusammenspiel der Hybrid-Komponenten so, wie es sich der Schöpfer gewünscht hatte. Verführerische, farbenprächtige Stimmen begeisterten, aber überraschten weniger, als dieser konturierte Bass. Wo immer Röhren ins Spiel kommen, beginnen viele Musikliebhaber in blumigsten Worten zu schwärmen. Deshalb wollen wir es mal nüchtern ausdrücken: echt geil!

High-End: Octave

Testprofil

\n OctaveV 40
www.octave.de
3.200 Euro

Stereo-Vollverstärker

Weitere Details

80 Prozent

Fazit:Röhre mal anders: Der Hybrid Octave V 40 verbindet das Beste von beiden Welten. Er bietet Präzision, Kontrolle samt satter Klangfarben.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Es gelang dem V 40 mit Leichtigkeit, in sich geschlossene Klangkörper in den Raum zu stellen und einen scharfen Fokus von Phantomschallquellen zu bieten. Immer dann, wenn wie am Klavier, der Violine oder Gitarre Saiten und Holzkorpus gleichzeitig nach einer ausgewogenen Klangbalance verlangten, gelang es ihm mit Bravour, die Eigenheiten des Instrumentes herauszuarbeiten.

Der Octave begeisterte zwar auch mit Pop, doch mit Klassik zeigte er seine wahre Klasse und der Transistor-Konkurrenz die rot glimmenden "Rück-Lichter." Was mitunter steril und gepresst ertönt, erschien via V 40 lebendig, authentisch, voller Flair.

Fazit:

Die Personalunion von Chef und Chef-Entwickler plus Arbeitstrennung zwischen Röhre und Transistor bekommt dem Röhren-Hybrid bestens - ein echtes Highlight.

Interview mit Andreas Hofmann

Redaktion: Worin liegt das Geheimnis Ihres Klangs? Hofmann: In unseren Geräten kommt eine eigene Weiterentwicklung der Röhrentechnik zum Einsatz. Der größte Unterschied zu klassischen Geräten liegt in der Kombination von Röhren- und Halbleitertechnik. Ein sogenanntes All- Tube-Gerät ist immer mit Limitierungen behaftet, dies ist für mich indiskutabel. Redaktion: Sehen Sie eine Zukunft für die Röhre? Hofmann: Absolut sicher. Aber dies ist natürlich schwer zu verallgemeinern. Ich sehe immer noch Weiterentwicklungspotenzial. Die Kunden suchen den natürlichen Klang, dieser kann meiner Ansicht nach mit Röhren eher realisiert werden. Redaktion: Wird es irgendwann schwierig, noch geeignete Bauteile zu bekommen? Hofmann: Wir setzen außer den Röhren nur Material aus dem professionellen industriellen Bereich ein. Da gibt es keine Engpässe.

High-End: Octave

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Andreas Hofmann, Chef von Octave, spricht über die Technik hinter seinen glühend verehrten Röhren-Produkten.

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