Testbericht

High-End - Boxen Focal Diablo Utopia im Test

Ein Kompaktlautsprecher, der keine Wünsche offen lässt? So etwas gibt es doch nur als Utopie. Richtig: Focals neue Diablo Utopia.

Test High-End: Lautsprecher

© Archiv

Luxus pur von Focal.

Ein Kompaktlautsprecher, der keine Wünsche offen lässt? So etwas gibt es doch nur als Utopie. Richtig: Focals neue Diablo Utopia.

Focal-Firmenchef Jaques Mahul ist der Grandseigneur des französischen Lautsprecherbaus. Seit Jahrzehnten beglückt der Akustik-Visionär die HiFi-Gemeinde mit anspruchsvollen Schallwandlern für Heim und Auto. Sein Stammwerk in St. Etienne, in dem alle Chassis - auch die Focal-typischen, extrem harten Beryllium-Kalotten - gefertigt werden, gehört mit über 200 Mitarbeitern zu den größten Boxenproduktionsstätten der Welt - die fast 20-köpfige Entwicklungsabteilung sowieso. Wenn also jener Monsieur Mahul nach über drei Jahren intensiver Forschungsarbeit die Überarbeitung seiner Flaggschiff-Linie namens Utopia feiert, darf wieder einmal Bahnbrechendes erwartet werden.Vier Modelle umfasst diese neue, nun dritte Utopia-Linie, und sie sind selbst an den imposanten Vorgängern gemessen noch größer, noch teurer, noch faszinierender. Das gilt vor allem für den 260 Kilogramm (pro Stück) schweren und im Paar stattliche 130.000 Euro teuren Technologie-Träger Grande Utopia, bei dem Mahul weder bei der Technik noch beim Preis Limits akzeptierte.

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Luxus pur von Focal.

Das gilt aber auch für die kleine Diablo Utopia (Paarpreis 8.000 Euro), die in Verarbeitung, Finish und - natürlich - Edeltechnik Anleihen bei der großen Schwester nahm und so von dem Ultimativ-Anspruch der Grande Utopia profitierte. "Klein" ist hier allerdings relativ zu sehen: Mit Maßen von 26 (Breite), 43 (Höhe) und 43 (Tiefe) Zentimetern ist die Diablo ganz schön proper geraten.Muss sie aber auch. Ein stabiles Gehäuse wie das der Diablo hat nun einmal Wandstärken von bis zu fünf Zentimetern - das kostet Platz. Und wirklich souveräner Bass kommt nur aus ausreichend viel Gehäusevolumen. Der neue 17-Zentimeter-Tiefmitteltöner mit dreilagiger Glasfasermembran und dem eigenwilligen (und sehr teuren) "FlowerPower"-Antrieb arbeitet in einer 20-Liter-Behausung optimal.Optimal zirkuliert jetzt auch die Luft hinter der exzellenten inversen Beryllium-Membran des Hochtöners. Mit einem trickreichen Aufbau senken die Franzosen seine Eigenresonanz auf unter 600 Hertz und sorgen so im Übergangsbereich für niedrige Verzerrungswerte. Und da der Hochtöner im eigenen Separee untergebracht ist, bleibt er auch von den Druckwellen des Basses völlig unbehelligt. Hier, im ersten Stock der Diablo, residiert auch die Frequenzweiche. Manche Bauteile sind gegen Druckwellen ebenfalls ziemlich anfällig - wenn man während der Wiedergabe auf einen Kondensator drückt, verändert sich der Klang deutlich.

Nicht nur deshalb geben sich die Franzosen bei ihrer sogenannten OPC-Frequenzweiche (Phase Optimum Crossover) so große Mühe. Sie leben die Philosophie der besten Phasenlage, sprich: "Zeitrichtigkeit". Bei zeitrichtiger Abstrahlung kommen die Signale von Hoch- und Tiefmitteltöner in etwa gleichzeitig am Ohr des Hörers an - was in der Regel eine saubere Impulswiedergabe und eine stabile Abbildung verspricht. Was die Diablo auch einhält.An der Referenz-Elektronik von Audionet formte die kleine Französin immer eine absolut schlüssige, greifbare und wunderschön tiefe Bühne. Herrlich, wie plastisch und lebensnah beispielsweise die Harfe aus Friedemanns "Eine kleine Zupfmusik" im Hörraum stand. Klasse auch die leichtfüßige, angenehm unaufgeregte und zurückhaltende Spielweise, mit der die Diablo selbst kleinste Kratzgeräusche auf den Saiten herausarbei tete, ohne dabei je hart oder scharf zu klingen.

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Focal Diablo Utopia 8.000 (mit Fuß: 9.500)

Vor allem die Stimmenwiedergabe profitiert von dieser Art. Das Timbre von Lizz Wright, besonders samtig und rauchig in "Speak Your Heart" zu hören, klang geradezu herzzerreißend-melancholisch echt.Und die Diablo löst das eingangs erwähnte Versprechen ein: Sie ist wirklich ein "kompletter" Lautsprecher und spielt wie eine erwachsene Standbox. Die wuchtigen Elektrobässe des "Pumping Velvet" von Yello brachten die Diablo erst bei Pegeln aus dem Konzept, die auch weit größere Standboxen nicht mehr schultern: Bis dahin zelebrierte sie den Tiefton druckvoll, sauber und tief. Dabei war sie gänzlich frei von überzogenen Pseudo-Bässen, mit denen so manch andere Kompaktbox den Anschein von "mehr" erweckt. Das ist nicht das Wesen der Diablo. Sie ist ein unbestechliches Instrument, wie gemacht für das lange Musikhören.

Testprofil

FocalDiablo Utopia
www.sintron.de
8.000 Euro

Lautsprecher Stereo

Weitere Details

83 Prozent

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
gut

Fazit

Die Diablo ist ein Traum und fraglos die beste und edelste Kompaktbox, die bislang im Video- HomeVision Hörraum gespielt hat. Zugegeben: Ihr Preis ist ambitioniert hoch, aber gemessen an ihrer universell guten Performance durchaus gerechtfertigt

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