Testbericht

High-End Audionet

Da wo die Sonne verstaubte und der Lärm der Hochöfen den Takt vorgab, baut man heute Verstärker, die einen neuen Takt vorgeben. Die Bochumer High-End-Manufaktur Audionet schlägt mit der Vor/Endkombi PRE G 2 und MAX das edelste Kapitel Schwermetall-Geschichte auf.

High-End Audionet

© Archiv

High-End Audionet

Da wo die Sonne verstaubte und der Lärm der Hochöfen den Takt vorgab, baut man heute Verstärker, die einen neuen Takt vorgeben. Die Bochumer High-End-Manufaktur Audionet schlägt mit der Vor/Endkombi PRE G 2 und MAX das edelste Kapitel Schwermetall-Geschichte auf.

Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, sie nutzen sich schnell ab. Im vorliegenden Fall führt jedoch kein Weg daran vorbei. "Das sind Verstärker?" schnaubte Logistikleiter Karl Klietsch und legte die Stirn in Falten. Vor ihm stand eine 100-Kilo-Palette mit dem Audionet Vorverstärker PRE G 2 und den beiden Mono-Endverstärkern MAX, die in den Redaktions-Hörraum mussten. Ich rate Ihnen, packen Sie letztere niemals alleine aus. Nun ist Masse eine gute Voraussetzung, doch nicht mehr als ein Indiz für Qualität.

High-End Audionet

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Audionet PRE G 2

Hier zählen andere Werte, auch Messwerte und in nicht wenigen Disziplinen, wie beispielsweise den Rauschabständen, stellten die drei Audionet-Kraftwerkler Laborrekorde auf. Mit nahezu 900 Watt an vier Ohm steuern die MAXen nahezu jeden Lautsprecher des Globus. Schon das ließ Großes erwarten.

Doch kein Lohn ohne Leid. Jetzt traf es unseren Fotografen Joseph Bleier und mich - es galt die Modelle passend in Szene zu setzen. Ich drückte den vor Last ächzenden Rollwagen in sein Studio und Bleier legte ein kostspieliges Lächeln auf. Ok: eine Dose Bestechungs-Gummibärchen war damit fällig.

High-End Audionet

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Schwer gepanzert: Kräftige Aluplatten flankieren alle Seiten des Preamp. Im Inneren trennt Audionet rechten und linken Kanal konsequent und setzt damit vom Eingang bis zum Ausgang auf Symmetrie.

Das ist es wert. Denn auf dem Fototisch entfernte ich die millimeterdicken Alupanzer der Schwerstgewichte, die neben extremer Stabilität auch Schutz vor vagabundierenden Streufeldern bieten und blickte in prächtig aufgebaute Komponenten. Da jauchzt das Herz des wahren High-Enders. Die Wahl der Bauteile, die pieksaubere, schon preußische Anordnung der Intarsien drängten mehr das Bild eines Thronsaals auf, denn das eines schnöden Elektrogerätes.

Thomas Gessler, Chef und Vordenker von Audionet, setzt auf konsequenten Doppelmono-Aufbau. Da darf im Preamp jeder Kanal am eigenen Netzteil nuckeln. Siebkondensatoren und Transformatoren, so üppig, dass teuerste Vollverstärker vor Neid erblassen.

In den Endstufen treibt Gessler das Prinzip auf die Spitze. Bürgt bereits die räumliche Trennung von rechtem und linkem Kanal dafür, dass sich die Amps auch unter heftigster Last nicht in die Quere kommen, spendierte er den MAXen zwei schüsselgroße Netzteile - für die positive und die negative Halbwelle je ein eigener Ringkerntrafo. Beide residieren friedlich nebeneinander im Gehäusesockel. Friedlich, weil die freundlichen MAXen im Betrieb kein mechanisches Brummen von sich gaben. Gerade Endstufen der Bolidenklasse brummeln oft leise vor sich hin. Freundlich, weil die Amps ihren Besitzer nach dem Einschalten mit Botschaften im Display begrüßen. Eine davon ist bemerkenswert, denn die Maschinen (auch die Vorstufe) zeigen dort an, ob die Polung des Netzsteckers korrekt ist. Daran sollten sich andere Hersteller ein Beispiel nehmen, denn dass die Polung den Klang beeinflussen kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch wer will schon wirklich zu Hause mit Messgerät und Strippe hantieren, um die korrekte Phase zu finden? Endstufen wie Preamp sind mit symmetrischen Anschlüssen ausgestattet. Sind lange Strecken zu überbrücken, empfiehlt sich diese Variante. Im Hörcheck gefielen uns die konventionellen Cinch-Verbindungen besser. Minimal farbiger und filigraner klang das.

High-End Audionet

Testprofil

\n AudionetPRE G 2
www.audionet.de
10.000 Euro

Vorverstärker

Weitere Details

90 Prozent

Fazit:Absolut klangneutrale Vorstufe in konsequentem Doppel-Mono-Aufbau.

Testurteil
überragend
Preis/Leistung
gut

Und so schlug die Stunde der Wahrheit. Wechselweise angesteuert von den Referenzplayern Accuphase DP 500 und Burmester 061 offenbarte die Kombi noch in der Einspielphase, dass sie den unterschiedlichen Charakteren der CD-Spieler nichts hinzufügte, nichts unterschlug. Darin taten sie es mit den amtierenden Referenzen EVO 222 und EVO 402 von Krell gleich. Stimmte Jonny Lang "Livin`for the City", eine Live-Einspielung, an, öffneten die Krell einen gewaltigen, dreidimensionalen Raum. Das Audionet-Trio weckte keine Gedanken an räumliche Grenzen, war da tatsächlich ein Raum, dann so groß, dass Gewitterwolken darin aufziehen konnten.

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Audionet MAX

Und die zogen auf. Nie zuvor entlud sich das Gewitter in Alan Parsons "The Fall of the House of Usher" so gewaltig, so brutal real. Ich fühlte die zum Bersten geladene Spannung, die elektrische Ladung um mich, die sich zu Ende des Stückes bebend und fauchend in einem Donnerknall entlädt. Da saß ich, als hätte mir jemand (namens Gessler) das Empire State Building übergebraten; mit allen Sinnen bewusstlos, überwältigt, schweißgebadet. Ich kenne viele Verstärker und noch mehr Lautsprecher, doch das war authentisch. Kraft gepaart mit perfekter Kontrolle; Actio und Reactio als wäre Isaac Newton selbst Schöpfer der Komponenten. Die Krells entfalteten mit dem Stück ihre schier unerschöpflichen Kraftreserven in bekannter Manier. Akkurat, mächtig, ein Hochgenuss. Doch gewährten sie mir vor dem Donner den Bruchteil einer Sekunde, der genügt, um nach Luft zu schnappen. Via Audionet waren Schläge so unvermittelt, dass dazu keine Zeit blieb und Ur-Instinkte automatisch auf Flucht schalteten. Cool wie Stahl blieben die Kraftwerke und verschmolzen mit den Boxen zu einer untrennbaren Einheit.

Wie schnell die Bochumer Kombi ist, offenbart sich keineswegs nur am oberen Ende der Lautstärke- und "Gewalt"-Skala. Im Gegenteil. Welche Bedeutung Geschwindigkeit zukommt, zeigt sich in spärlich instrumentierten, ruhigeren Stücken wie "A Dream within a Dream" besonders deutlich. In der remasterten Aufnahme Parsons'Konzeptalbums spricht Orson Welles die Einleitung, nach etwa 90 Sekunden unterlegen Synthie-Klänge ein und derselben Tonlage das Werk. Allein durch unterschiedlich kurze Pausen zwischen diesen Tönen erzeugt Parson Spannung. Dreißig Sekunden später erlischen das begleitende Harfen- und Flötenspiel.

High-End Audionet

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Die Innenansicht des Audionet MAX

Ton, Stille, Ton, Stille. Pieksauber trennten die Krell beide Elemente, doch über das Bochumer Schwermetall dröhnte die plötzliche, Bruchteile einer Sekunde währende Stille wie ein Orkan in den Ohren. Endlich setzt das Schlagzeug ein und löst die Anspannung - durchatmen. Solche Momente kenne ich sonst nur von realen, fast ausschließlich klassischen Konzerten in einem akustisch perfekten Umfeld wie beispielsweise dem Herkulessaal in München.

Die extreme Spannung basierte eben nicht allein auf dynamischen Stufen im Groben wie im Feinen. Auch wäre es schlicht unseriös über tonale Unterschiede zwischen den Krell und den Audionet zu parlieren. Vielmehr war es das selbstverständliche Zusammenspiel aller Faktoren, die Präzision, die "abolute" Geschwindigkeit, mit der insbesondere die Audionet MAX agierten das unterscheidende Element.

High-End Audionet

Testprofil

\n AudionetMAX
www.audionet.de
13.000 Euro

Endstufe

Weitere Details

92 Prozent

Fazit:Die MAX spielen in jeder Disziplin wahrhaft maximal, von zartesten Flüster- bis absoluten Brachialpegeln. Die Referenz.

Testurteil
überragend
Preis/Leistung
gut

Erlebt man über die Krell Beschleunigung körperhaft, beispielsweise mit den Sinfonischen Tänzen von Rachmaninoff (Decca) oder so reinen wie nüchternen Einspielungen wie der Gregorianik der Wiener Hofburgkapelle (Philips). Hier das gewaltige, pulsierende Orchester, Musiker, die ihre Passion leben; - dort kleinste dynamische Stufen im Gesang, feinste Echos in der kühlen Kirchen-Atmosphäre, die es gilt herauszuziselieren. So war all das via Audionet einfach "da", völlig selbstverständlich.

Erinnern Sie sich an das Märchen von dem Hasen und dem Igel? Der Hase rannte und hechelte, was das Zeug hielt, der Igel war immer schon da. Gut, der Igel trickste, Gessler aber nicht. "Hier ist all unser Können drin" sagt der Entwickler, dabei flüstert er als sei es eine heilige Botschaft; wie schwer leise Worte doch wiegen können. Ich fragte mich, ob Gessler ein Fan von Douglas Adams` bemerkenswerten Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" ist. Darin beschreibt Adams den "Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive" - gegen den Lichtgeschwindigkeit eine Schnecke auf Rollsplit ist.

Damit war klar: Das Trio aus Bochum rüttelt nicht nur am Thron der amtierenden Referenzen. Die Krell Vorstufe ist gar einen Hauch farbiger als die Audionet PRE G 2, doch mit den Endstufen gibt es kein Vertun. Die MAX-Monumente kommen der musikalischen Wahrheit näher als jeder andere Verstärker vor ihnen.

Fazit

Unquantifizierbare Sinnesvergnügen, ein Kosmos voll Klangfarben und Facetten, Geschwindigkeit gepaart mit Kontrolle - die Audionets interpretieren nicht, sie bilden die Wahrheit ab und transportieren Emotionen ohne Umwege, Stufen oder Schleifen ins Mark. Schwermetall wie es musikalischer nicht sein kann und damit die neuen Referenzen.

Testequipment

Verstärker: Krell EVO 222, Krell EVO 402 Lautsprecher: Audio PhysicAvanti, Canton Reference 9 Quellen: Accuphase DP-500, Linn Klimax DS, Linn LP 12 Kabel: Fadel Art Coherence, Silent Wire AC-Referenz, Sun-Leiste

Damit wurde gehört

Tales fo Mystery... Alan Parsons Project Universal Anspieltipp: Tracks 1,2,6 Todesinsel Rachmaninoff Decca Anspieltipp: Tracks 1, 2 Long Time Coming Jonny Lang Universal Anspieltipp: Tracks 2, 15

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