Kamera

Fujifilm X-T2 im Test

Die Fujifilm X-T2 löst die X-T1 ab – mit 24-Megapixel-Sensor, neuem AF-System, 4K-Video, Boost-Modus mit optionalem Handgriff VPB-XT2 und vielen weiteren Verbesserungen im Detail. Bei einer Software würde man das „großes Update“ nennen. Lohnt sich der Umstieg? Das klären wir im Test.

Fujifilm X T2

© Karl Stechl, Fujifilm

Nur im direkten Vergleich erkennt man, dass die X-T2 ein paar Millimeter größer ist als die X-T1 – der Haptik kommt das durchaus entgegen. Auch die Einstellräder für Verschlusszeiten und ISO sind etwas höher, somit besser zu greifen. Außerdem verfügen sie über eine neue, praktischere Arretierung.

Pro

  • moderne Systemkamera
  • toller Retro-Charme
  • neues Af-System
  • 4K-Video
  • Boost-Modus

Contra

  • Rad für die Dioptrien-Einstellung lässt sich nicht arretieren
  • es bleibt Spielraum für Verbesserungen

Fazit

colorfoto Testurteil: 64 Punkte (12 Punkte über dem Durchschnitt)

Die X-T2 bildet zusammen mit der X-Pro2 die neue Doppelspitze unter den spiegellosen Systemkameras von Fujifilm. Dennoch ein ungleiches Paar: Im SLR-Design, mit einem weiterentwickelten AF-System und 4K-Video präsentiert sich die X-T2, während die X-Pro2 an klassische Messsucherkameras erinnert und einen optischelektronischen Hybridsucher als Alleinstellungsmerkmal besitzt. Beide kosten derzeit rund 1700 Euro ohne Objektiv, beide bieten einen X-Trans-Sensor der neuesten Generation (CMOS III) mit 24 Megapixeln ohne Tiefpassfilter. Potenzielle Käufer haben also die Qual der Wahl, und X-T1-Besitzer werden sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit die Neue einen kostspieligen Umstieg wert ist.

Gehäuse & Ausstattung

Man merkt es nur, wenn man beide Kameras nebeneinander stellt: Die X-T2 ist etwas größer als die X-T1 - und zwar 3,5 mm in der Breite, 2 mm in der Höhe und 2,5 mm in der Tiefe. Der Gewichtszuwachs von 440 auf 507 Gramm ist moderat. Wie bisher besteht das Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung; es ist abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser. Das Stativgewinde auf der Unterseite sitzt jetzt in der optischen Achse und nicht mehr seitlich versetzt wie bei der X-T1. Die X-T2 bietet zwei Speicherkarten-Steckplätze nach dem UHS-II-Standard mit einem Lese-/Schreibtempo bis 280/250 MB/s (SanDisk Extreme Pro SD UHS II). Ein Vorteil, schon wegen der 4K-Videos, die mit der X-T2 erstmals bei Fujifilm möglich sind.

Lesetipp: Fujufilm X-Serie im Test

Ein Blitzgerät ist nicht eingebaut, ein kleiner Aufsteckblitz (EF-X8) im Lieferumfang. Neu ist das Systemblitzgerät EF-X500 (ca. 550 Euro), das High-Speed-Synchronisation bis 1/8000 s und drahtlose Steuerung per Lichtimpuls (Master + 3 Blitzgruppen) erlaubt. Aufgrund der modifizierten Blitzsteuerung funktionieren Geräte von Fremdanbietern wie das Nissin i40 nicht mehr an der X-T2.

Fujifilm X-T2 Gehäuse

© Karl Stechl, Fujifilm

Neu im Vergleich zur X-T1 sind der Auslöser mit Drahtauslösergewinde und die C-Stellung am Belichtungskorrekturrad (bis ± 5 EV-Werte mittels Einstellrad vorne am Gehäuse). Die Videostarttaste hat man bei der X-T2 weggelassen; man nimmt dafür den normalen Auslöser, wenn der Videomodus vorgewählt ist.

Optional erhältlich sind zwei Handgriffe: Der MHG-XT2 für 130 Euro verbessert nur die Haptik, während der Multifunktionsgriff VPB-XT2 (330 Euro) mit zwei Zusatzakkus Kapazität für rund 1000 Aufnahmen schaffen soll. Für Hochformataufnahmen bietet der Griff zusätzliche Bedienelemente. Im Boost-Modus soll er die Leistung der Kamera in vielerlei Hinsicht steigern.

Sucher & Monitor

Der OLED-Sucher der X-T2 bietet eine hohe Auflösung von 786.666 RGB-Bildpunkten und eine effektive Vergrößerung von 0,77-fach wie beim Vorgängermodell. Jedoch wurde die maximale Helligkeit von 250 cd/m² auf 500 cd/m² verdoppelt, zudem lässt sich jetzt eine automatische Helligkeitsanpassung aktivieren. Dank geringer Anzeigeverzögerung (0,005 s) und einer Bildwiederholrate von 60 B/s (fps) werden Bewegungen völlig flüssig dargestellt, nichts schliert oder flimmert. Im "Leistungs- Verstärkungsmodus" sind sogar 100 fps möglich, was aber keine sichtbare Verbesserung mehr bringt.

Was sich kritisieren ließe, ist die Dynamik des EVF: Das Sucherbild wirkt sehr kontrastreich, was ein wenig auf Kosten der Schattenzeichnung geht. Und das erschwert das Beurteilen der Belichtung im Live-Bild. Tipp: Sucherhelligkeit manuell regeln und Live-Histogramm einblenden, um Belichtungssicherheit zu erlangen. Laut Hersteller lässt sich die volle Dynamik des Suchers nur darstellen, wenn die X-T2 mit dem Power-Handgriff VPB-XT2 im Boost-Modus betrieben wird.

Fujifilm X-T2 Anschluss

© Karl Stechl, Fujifilm

An der linken Kameraseite findet sich das Anschlussfeld, jetzt mit USB-3.0-Schnittstelle. An der rechten Kameraseite: die neu konstruierte Abdeckung des SD-Karten-Fachs mit Entriegelungsschalter. So läuft man nicht Gefahr, den Deckel versehentlich zu öffnen.

Der TFT-Monitor an der Rückseite ist in Größe (3 Zoll) und Auflösung (346.666 RGB-Bildpunkte) unverändert, auf eine Touch-Funktion verzichtet Fujifilm weiterhin. Allerdings wurde der Klappmechanismus erweitert: Der Monitor lässt sich jetzt auf zwei Achsen verschwenken - nach oben und unten sowie (nach Lösen einer Entriegelung) auch seitlich. So kann man den Monitor auch beim Hochformat für bodennahe oder Über-Kopf-Aufnahmen verwenden.

Autofokus & Belichtung

Das neue AF-System der X-T2 stellt 325 AF-Felder (X-Pro2: 273) auf dem Bildsensor bereit, von denen 169 Phasen- AF-tauglich sind. Der Kontrast-AF deckt 65 Prozent der Sensorfläche ab, der Phasen-AF 40 Prozent. Neben Messfeldbedienfreundautomatik und Einzelpunkt-AF bietet die Kamera die Möglichkeit der Messfeldgruppierung (Zone) mit 9, 25 oder 49 Messfeldern. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit wurde spürbar verkürzt; sie beträgt jetzt 0,31/0,37 s bei 300/30 Lux (X-T1: 0,42/0,50 s).

Fujifilm X-T2 AF-System und AF-Felder

© Karl Stechl

Mit 325 AF-Feldern bietet das neue AF-System eine Sucherfeldabdeckung fast bis zu den Rändern (links). Alternativ zum Einzelpunkt-AF erlaubt die X-T2 das Konfigurieren von Messzonen in drei Größen (rechts). Neben fünf AF-C-Presets gibt es ein Set, das der Anwender konfigurieren kann (unten).

Vor allem aber hat der Hersteller den kontinuierlichen Autofokus (AF-C) weiterentwickelt. Erstmals bei Fujifilm kann der Tracking-AF in drei Parametern justiert werden: Verfolgungsempfindlichkeit, Beschleunigungserfassung und Zonen-Priorität (Mitte, Auto, Nah). Fünf Presets stehen zur Wahl - so etwas kannte man bislang nur von SRL-Modellen wie der Canon 7D MKII. Ein sechstes Set kann der Anwender frei programmieren. Die ersten Erfahrungen mit Action-Motiven (Biker) waren vielversprechend. Zugleich konnte man aber auch den Eindruck gewinnen, dass die X-T2 beim AF-Tracking nicht in der gleichen Liga spielt wie z. B. eine Nikon D500.

Der mechanische Verschluss der X-T2 soll für 150 000 Aufnahmen ausgelegt sein; er stellt eine kürzeste Verschlusszeit von 1/8000 s bereit (X-T1: 1/4000 s) und synchronisiert Blitze mit 1/250 s (X-T1: 1/180 s). Der elektronische Verschluss erlaubt lautlose Auslösung bis 1/32 000 s und eine Serienbildrate bis 14 B/s (Herstellerangabe). Die Belichtungsmessmethoden der X-T1 (Matrix, Integralmessung, Spot) wurden um eine mittenbetonte Ganzfeldmessung ergänzt. Neu bei Fujifilm: Die X-T2 filmt jetzt mit 4K-Auflösung und bis zu 30 Vollbildern pro Sekunde; dabei hilft der verbesserte Tracking-AF.

Lesetipp: 4K-Videos mit der Fotokamera machen

Über den HDMI-Ausgang lässt sich das unkomprimierte Videosignal abgreifen. Ein Stereomikrofon ist integriert, ein Stereoklinken-Anschluss für ein externes Mikrofon an Bord. Einen Kopfhöreranschluss aber gibt's nur am optionalen Power-Handgriff VPB-XT2.

Bedienkonzept

Das Bedienkonzept der Kamera folgt dem von Fujifilm bekannten Muster: viele Direktzugriffe auf wichtige Funktionen durch Einstellräder und Tasten, deren haptische Qualität zum Teil noch verbessert wurde. Die Einstellräder für ISO und Verschlusszeiten sind jetzt höher und haben einen bedienfreund licheren Verriegelungsknopf: Bisher musste man den Knopf drücken, während man gleichzeitig am Rad drehte. Jetzt hebt man die Verriegelung per Knopfdruck auf, dann lässt sich das Rad frei drehen. Drückt man den Knopf nochmal, ist das Rad wieder verriegelt.

Fujifilm AF-Joystick

© Karl Stechl, Fujifilm

Der AF-Joystick unterhalb der Q-Taste erlaubt das schnelle Anwählen von AF-Punkten und kann als ergänzender Richtungsschalter verwendet werden. Ein Novum sind die Einstellmöglichkeiten bei kontinuierlichem Autofokus. Die Suchermuschel ist jetzt anders geformt, um Streulicht fernzuhalten.

Die wichtigste Neuerung ist der von X-Pro2 übernommene Joystick zum Positionieren von AF-Feldern im Sucherfeld - einmal damit gearbeitet, und man möchte ihn nicht mehr missen. Ein kurzer Druck auf den Joystick blendet das AF-Feld-Raster ein, anschließend wählt man die gewünschte Position für den AF-Punkt bzw. die Zone mittels Joystick (oder den Richtungstasten des 4-Wege-Schalters). Durch Drehen des hinteren Einstellrads verändert man die Größe eines AF-Felds in fünf Stufen (Zone in drei Stufen).

Das Hauptmenü der X-T2 ist durch vertikale Karteireiter strukturiert und im Vergleich zur X-T1 ansprechender gestaltet. Ergänzt wurde die Kategorie "Mein Menü" (MY), wo man sich Einträge nach Belieben selbst zusammenstellen kann. Eine weitere, bereits bekannte Einstellebene bildet das Schnelleinstellmenü (Q-Taste), das der Anwender frei konfigurieren kann.

Bildqualität

Mit X-Trans CMOS III (24 MP) und X-Prozessor Pro schafft die X-T1 eine Top-Auflösung um 2100 LP/BH bei ISO 200/400; bis ISO 6400 sind es konstant über 1900 LP/BH - bis zu 315 LP/BH mehr als bei der X-T1. Das Rauschen bleibt bis ISO 3200 im Rahmen (VN 1,8); Artefakte treten nur in geringem Umfang auf. Hohe Dead-Leaves-Werte - bis zu 1204 LP/BH für hohe und 1107 LP/BH für niedrige Kontraste - stehen für eine gute Wiedergabe von Texturen und Feinzeichnung. Bei der Dynamik erreicht die X-T2 konstante Werte zwischen 9 und 10 Blenden - die Vorgängerin ist in diesem Punkt etwas besser. Ohnehin kann sich die X-T2 bei der Bildqualität im Vergleich zur X-T1 nur bis ISO 400 deutlich absetzen. Ab ISO 800 schrumpft der Vorsprung der X-T2, abgesehen von der höheren Auflösung, zusehends. Das liegt wohl daran, dass der 24-Megapixel-CMOS der X-T2 das Licht mit deutlich kleineren Pixeln einfangen muss als der ältere 16-Megapixel-Sensor.

Fazit

Mit schnellem Tracking-AF fordert die X-T2 nicht nur die SLR-Konkurrenz heraus, sondern zeigt sich auch dem Schwestermodell X-Pro2 überlegen. Zwar will der Hersteller auch das AF-System der X-Pro2 mittels Software-Update zeitnah aufwerten, jedoch mit reduzierter AF-C-Funktionalität (keine AF-C-Presets). Auch 4K-Video, verstellbarer Monitor und optionaler Power-Handgriff VPB-XT2 bleiben der X-T2 vorbehalten. Auch der satte Aufpreis zur X-T1, derzeit mehr als 700 Euro, erscheint gerechtfertigt: Viele Details wurden verbessert, was vor allem dem Handling und Arbeitstempo zugute kommt. Der X-Trans CMOS III (24 MP) bietet erstklassige Bildqualität, kann sich vom X-Trans CMOS II (16 MP) allerdings weniger deutlich absetzen als erwartet. Noch mehr als bei bisherigen Fujifilm-Modellen gilt die Empfehlung, den RAW-Modus zu verwenden, wenn man das Potenzial des Bildsensors ausschöpfen will.

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