Spiegellose Systemkamera

Fujifilm X-T1 im Test

Fujifilm erweitert seine X-Serie um ein spiegelloses Modell mit klassischem Sucherhöcker im SLR-Design. Technisch bleibt die Fujifilm X-T1 für einen Preis von 1.200 Euro dem bewährten 16-Megapixel-X-Trans-Sensor mit spezieller Farbfilteranordnung treu.

  1. Fujifilm X-T1 im Test
  2. Datenblatt
Fujifilm X-T1 Test

© Fujifilm

Fujifilm X-T1 Test

Pro

  • Wertiges Gehäuse
  • Staub- und spritzwassergeschützt
  • Erstklassiger Sucher
  • Klare Bedienungsstruktur
  • Saubere Bildqualität

Contra

  • Teils kräftige Moiree-Effekte (Vorserienmodell)
Hervorragend

Pro

  • Überragender Sucher
  • Sehr gute Bildqualität
  • Wertiges, wetterfestes Gehäuse

Contra

  • Kein integrierter Blitz
Hervorragend

Mit der X-T1 geht Fujifilm einen neuen Weg, weg vom bislang für X-Pro 1 bis X-A1 typischen Quader-Gehäuse hin zum klassischen SLR-Look mit dem typischen Sucherhöcker in der Mitte. Auch sonst zeigt ein Blick auf das Gehäuse der Fujifilm X-T1 mit seinen zahlreichen Bedienelementen für den direkten Zugriff klassische SLR-Tugenden. Drinnen aber arbeitet der aus der X-E2 bekannte 16-Megapixel-X-Trans-CMOS-II-Sensor mit Hybrid-AF und ohne Tiefpassfilter sowie dem EXR-Prozessor II.

Der Sucher - ganz großes Kino

Das auf der Fujifilm X-T1 thronende Suchergehäuse samt seinem vielversprechend großen Okular provoziert förmlich als erstes einen Blick in den Sucher. Wer die Kamera mit einer kleinen Fingerbewegung am griffgerecht beim Auslöser gelegenen Hauptschalter einschaltet und in den Sucher blickt, wird nach einer Startzeit von 1,7 s nicht enttäuscht.

Der Blick fällt auf einen der aktuell besten elektronischen Sucher in einer Digitalkamera. Das Sucherbild der Fujifilm X-T1 ist mit einer Auflösung von 786 666 RGB-Pixeln schön scharf und erscheint dank OLED-Display kontrastreich, in gut differenzierten Farben und auch bei Schwenks oder bewegten Motiven ruckelfrei.

Fujifilm X-T1

© Fujifilm

Richtig schön wird das Ganze dann durch die effektive Suchervergrößerung der Fujifilm X-T1 von effektiv 0,77x (entsprechend 35 mm KB) und 23 mm Austrittspupille. Da bieten selbst viel teurere, größere und schwerere Profi-SLRs wie Canon EOS 1Dx (0,76x) und Nikon D4 (0,7) mit optischen Prismensuchern nicht mehr.

Eine Besonderheit, wie ihn nur ein elektronischer Sucher bieten kann, sind die drei unterschiedlichen Darstellungs-Modi für das Bild. Das Standard-Sucherbild-Layout mit den wichtigsten Daten oben und unten am Bildrand samt Entfernungsskala ist auch im Normalbetrieb das praktischste. Wer will, kann sich das Bild stattdessen im Stil des XE-2-Suchers etwas kleiner mit größeren Rändern auch an den Seiten zeigen lassen.

Die dritte Variante "Dual Display" zeigt bei manueller Fokussierung neben dem eigentlichen Motiv in einem kleineren zweiten Bild noch einmal den zentralen Ausschnitt in Schwarzweiß mit dem digitalen Schnittbild-Indikator als Fokussierhilfe. Das ist dank der entsprechenden Signale des X-Trans-II-CMOS-Sensors möglich. So erweist sich der X-T1-Sucher in Qualität und Funktion als neuer Maßstab, an dem sich andere messen lassen müssen. Dass man sich zur Belichtungskorrektur über das Histogramm hinaus noch eine Lichter-/Schatten-Warnung im Bild wünschen könnte, ändert daran nichts.

Alternativ bietet die Fujifilm X-T1 den aus der X-E2 bekannten 3-Zoll-LCD-Monitor mit 346 666 RGB-Pixeln, allerdings jetzt nach oben und unten klappbar. Das ist bei Aufnahmen über Kopf oder aus niedrigen Perspektiven hilfreich, oder wenn man etwa während Porträtaufnahmen mit dem Motiv in Augenkontakt bleiben will.

Fujifilm X-T1

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Die drei Einstellringe am Fujinon XF 2,8- 4/18-55 erlauben das manuelle Fokussieren, Zoomen und Vorwählen der Arbeitsblende (von links). Bildstabilisator (OIS) ist zuschaltbar.

Bedienung & Belichtung

Die Wahl wichtiger Aufnahmefunktionen erfolgt bei der Fujifilm X-T1 mit klassischen Bedienelementen. Die drei direkten Einstellräder erweisen sich als gut rastend und ablesbar. Links vom Sucher liegt der ISO-Ring, konzentrisch darunter ein Drehschalter für die Serienbelichtungs-Modi, rechts vom Sucher der Zeitenring mit untergeordneter Messfeld-Wahl. Ganz rechts außen ist der - nicht mehr so leicht wie bei X-E und X-M versehentlich zu verstellende - Belichtungskorrekturring platziert. Der schnelle Ein/Aus-Schalter umringt den Auslöser.

Mit ihrer WLAN- Funktion erlaubt die Fujifilm X-T1 jetzt nicht nur die Bildübertragung, sondern auch Fernbedienung per Smartphone oder Tablet. Die Wi-Fi-Taste, die wie insgesamt noch fünf weitere "Fn"-Tasten mit anderen Funktionen belegt werden kann, liegt flach versenkt. Praktisch ist der "Fn"- Schnellzugriff etwa auf die automatischen Belichtungsreihen für EV, ISO, Filmsimulation, Dynamik oder WB.

Die Blendenwahl erfolgt bei der Fujifilm X-T1 am Objektiv, auch wenn am Rändelring keine Blendenwerte verzeichnet sind. Einstellräder für den rechten Daumen und Zeigefinger gibt es etwa für Quick-Menü-Einstellungen, Programm-Shift, das Navigieren durch Menüs oder die Bildwiedergabe.

Fujifilm X-T1

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Die klassischen Bedienelemente geben höchstens der Smartphone-Generation Rätsel auf. Für Fotografen sind sie selbsterklärend. Für Videos gibt es die rote Direkt-Starttaste

Wichtige Menü-Einstellungen sind auch über die Quick-Taste schnell aufrufbar. Die eigentlichen Menüs für die zahlreichen Detaileinstellungen sind bei der Fujifilm X-T1 gut sortiert und strukturiert. Für die Speicherung individueller Funktionskombinationen stehen sieben Benutzerfunktionen zur Verfügung. Bei all dem liegt die Fujifilm X-T1 dank ihres gut geformten, rutschfest gummierten Handgriffs immer gut und sicher in der Hand.

Für die Full-HD-Videoaufnahme mit maximal 1080p hat Fujifilm der X-T1 zudem eine neue, praktische Direktstarttaste neben dem Auslöser spendiert. Leider ist der schon bei der X-E2 kritisierte langsame kontinuierliche Video-AF auch bei der Fujifilm X-T1 nicht besonders reaktionsschnell.

Bildqualität

Beim Labortest der Fujifilm X-T1 gab es keine Überraschungen. Wie bei den gemeinsamen Sensor-/Prozessor-Genen zu erwarten, zeigte die X-T1 ähnliche Qualitäten wie die X-E2. Die X-T1 kommt auf die gleiche hohe Maximalauflösung von 1795 LP/BH sowohl bei ISO 200 wie 400.

Bei höheren ISO-Werten sinkt die Fujifilm X-T1 wie die X-E2 nur leicht auf immer noch sehr gute, knapp 1600 LP/BH. Damit bewegt sich die X-T1 bis ISO 800 in Regionen von Vollformat-SLRs. Auch bei den Dead- Leaves-Werten zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei sich die X-T1 auf hohem Niveau mit Werten von 1329 bei ISO 200 bis 1156 bei ISO 1600 durchweg noch etwas besser schlägt als die X-E2.

Fujifilm X-T1

© Fujifilm

Ein praktischer Miniblitz befindet sich bei der X-T1 im Lieferumfang; er wird durch Hochklappen eingeschaltet und von der Kamera mit Strom versorgt. Die Blitzbelichtungskorrektur legt man sich am besten auf eine Funktionstaste, z.B. die gut erreichbare Taste unterhalb des Einstellrads an der Front.

Das nominell noch immer Fuji-Top-Modell X-Pro1 zeigt da Alterserscheinungen der 1. Generation und kann mit DL-Werten von 1191 bis 738 über den gleichen ISO-Bereich nicht mehr mithalten. Bei den Kurtosis-Werten bleibt die Fujifilm X-T1 geringfügig hinter der X-E2. Beim Rauschen zeigt das X-T1-Diagramm praktisch den gleichen Fußabdruck wie den der X-E2. Unterschiede zwischen sehr guten Werten wie 0,5 und 0, 6 (X-E2/X-T1 bei ISO 200) oder aber 1,0 und 1,1 (X-E2/X-T1 bei ISO 6400) sind messbar, aber im Foto nicht zu sehen.

In der normalen Fotopraxis kann man die Obergrenze für die ISO-Automatik der Fujifilm X-T1 problemlos auf ISO 800 mit Einschränkungen auch auf 1600 hochschrauben. In puncto Dynamik gefällt die X-T1 mit mehr als 11 Blendenstufen bis ISO 800, die dann nur langsam über 10 bei ISO 1600 auf knapp 9 bei ISO 6400 abfallen. Das liegt auf dem Niveau, auf dem auch die Vollformat-Sony A7 spielt; Canon EOS-1D X und EOS 5D III/6D sowie Nikon D610 und D800 sind da nicht besser. Die über den gesamten ISO-Bereich gleichmäßigen Farbabweichungen mit moderaten DeltaE-Werten knapp über 11 fallen in der Praxis nicht weiter auf.

Das Labor-Chart verriet, dass vor allem Töne im rötlichen Bereich etwas weniger gesättigt wiedergeben werden. Unterschiedliche Farbtemperaturen, auch Mischlichtsituationen, hat die Fujifilm X-T1 sehr gut im Griff. Kontrastreiche Motive gerieten meist ausgewogen - sicher mit ein Verdienst des Fuji-typisch variablen Dynamikbereichs. "DR" bietet wie üblich die Stufen 100, 200 und 400 Prozent, wobei man sich in der Praxis gut auf die "Auto"- Einstellung verlassen kann, allerdings funktioniert dann der Programm-Shift nicht mehr.

Falls nötig macht der mitgelieferte, verriegelte Aufsteckblitz mit LZ 11 (ISO 200) die Fujifilm X-T1 zwar nicht schöner und handlicher, liefert aber eine ausgewogene Aufhellblitz-Beleuchtung auch über größere Zimmerdistanz.

Nicht im Labortest, aber in der Praxis aufgefallen ist ein Moire-Effekt bei Aufnahmen einer Rolltreppe mit metallischer Riffelstruktur am Boden. Sie zeigen an zwei Stellen etwas Moire, je nach unterschiedlichen Darstellungsgrößen mehr oder weniger ausgeprägt - ein Problem, dass uns auch schon bei anderen Kameras ohne Tiefpassfilter aufgefallen ist.

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Die beiden Haupt-Einstellräder arbeiten in zwei Ebenen mit Doppelfunktion, "Focus Assist" erleichtert das manuelle Fokussieren über den klappbaren…

Autofokus & Serien

Der Autofokus der Fujifilm X-T1 entspricht dem von der X-E2 Hybrid-AF mit kombiniertem Kontrast-AF und Phasen-AF auf dem Sensor mittels rund 100 000 dafür abgezweigter Pixel. Der Kontrast-AF nutzt 49 Messpunkte mit automatischer Auswahl bei Mehrfeldmessung oder als Einzel-Feld-AF, verschiebbar im Rahmen der in einer 7 x 7-Matrix angeordneten Felder. Dabei ist die Feldgröße in fünf Stufen variabel. Auf Wunsch arbeitet der AF auch mit Gesichtserkennung.

Das AF-System der Fujifilm X-T1 ist aber mit 0,35/0,44/0,36 s 1000/30 Lux/Live-View bei hellem Licht nochmals messbar schneller als die 0,43/0,45/0,45 der X-E2. Hier scheint Fujifilm zwischenzeitlich noch ein bisschen an den Algorithmen des EXR-Prozessors Pro II nachgebessert zu haben. Zwischen Einzel- und Serien-AF sowie manueller Fokussierung lässt sich schnell mit einem kleinen Drehschalter vorne links an der X-T1 umschalten.

Praktisch ist in jedem Fall die mögliche Kontrolle der automatisch oder manuell vorgenommenen Entfernungseinstellung über eine im Live-View-Bild eingeblendete Analogskala mit kleinem blauen Punkt und Meterzahlen.

Beim manuellen Scharfstellen hilft darüber hinaus nach Drücken der "Focus Assist"-Taste eine "Fokus-Peaking"-Funktion durch die helle Hervorhebung scharf abgebildeter Kanten oder der schon beim Sucher erwähnte "digitale Schnittbild-Indikator". Er zeigt bei Defokussierung in einem vergrößert dargestellten zentralen Bildbereich versetzte Kanten im Motiv, ähnlich einem optischen Schnittbild-E-Messer.

Bei Serienbildbelichtungen ist die X-T1 mit maximal 8,4 JPG- und sogar 8,8 RAW-Fotos um rund 2 B/s schneller geworden. Maximal 32 bzw. 24 Fotos macht die X-T1 an einem Stück.

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Die Dead-Leaves-Werte zeigen bei ISO-Werten unter 800 und Auflösungen von gut 400 LP/BH mit einem Wert über 1,2 eine etwas stärkere…

Testfazit

Die Fujifilm X-T1 bestätigt mit 60 Punkten das von der X-E2 vorgelegte überdurchschnittliche Niveau in Funktion und Bildqualität gerade bei höheren Empfindlichkeiten. Als zusätzlichen Bonus bietet sie klassische SLR-Bedienung in vielen Punkten, dabei ein wertiges, wetterfestes Gehäuse sowie einen im doppelten Sinne hervorragenden Sucher.

Hinzu kommen neue Details wie Klappmonitor und Videodirektstart-Taste. Selbst eine X-Blitzkabelbuchse fehlt nicht. Mit 1200 Euro kostet die gut ausgestattete Fujifilm X-T1 rund 300 Euro mehr als die in der Bildqualität ebenbürtige X-E2, bietet aber den besseren Sucher.

Fujifilm X-T1

HerstellerFujifilm
Preis1200.00 €
Wertung60.0 Punkte

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