Erster Test

Fujifilm X-T1 im Hands-on: Großes Kino in Kompaktform

Am Rande der Vorstellung der Fujifilm X-T1 hatte ColorFoto-Autor Horst Gottfried Gelegenheit, mit der neuen spiegellosen APS-C-Systemkamera zu fotografieren. Hier seine ersten Eindrücke.

Fujifilm X-T1 - Hands-on - erster Test

© Fujifilm

Fujifilm X-T1 - Hands-on - erster Test

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Die Fujifilm X-T1 sieht genauso aus, wie nach den Gerüchten im Vorfeld erwartet. Und der erste Eindruck täuscht nicht - innerlich digital, gibt sie sich äußerlich ganz klassisch mit vertrauten Bedienungselementen. Die X-T1 macht einen sehr wertigen Gesamteindruck. Die direkten Einstellräder erweisen sich als gut rastend und ablesbar. Ganz links auf der Kamera der ISO-Ring, darunter die Serienbelichtungswahl. Rechts davon der Zeitenring mit darunterliegender Messfeld-Wahl. Ganz rechts der sich bei der Fujifilm X-T1 nicht mehr so leicht wie bei X-E/X-M versehentlich zu verstellende Belichtungskorrekturring. Die Blendenwahl erfolgt am Objektivring, auch wenn dort keine Blendenwerte verzeichnet sind.

Direkt am Auslöser der Fujifilm X-T1 liegt griffig der schnelle Ein/Aus-Schalter, rechts daneben, ebenso schnell, erreichbar die Video-Direktstart-Taste. Etwas versteckter ist die Wi-Fi-Taste für das WLAN positioniert, die auch mit anderen Funktionen belegt werden kann. Dank ihres gut ausgeformten Handgriffs liegt die Fujifilm X-T1 gut und sicher in der Hand. Der extra Akkugriff verleiht noch mehr Stabilität vor allem bei Hochformataufnahmen, allerdings zu Lasten des Charmes einer für eine Kamera im SLR-Design sonst recht kompakten Bauweise.

Fujifilm X-T1 auf Tisch

© Horst Gottfried

Eine Fujifilm X-T1 für jeden: Die Testkameras in Düsseldorf.

Der Sucher - ganz großes Kino

In jedem Fall dominiert das große Suchergehäuse oben in der Mitte die Kamera. Der Blick in das vielversprechend große Okular enttäuscht nicht. Im Sucher bietet die Fujifilm X-T1 mit ihrer Vergrößerung von effektiv 0,77x ganz großes Kino. Selbst die viel teureren, größeren und schwereren Canon EOS 1Dx (0,76x) und Nikon D4 (0,7) mit optischen Prismensuchern bieten nicht mehr.

Die Fujifilm X-T1 spielt zudem den Vorteil eines elektronischen Suchers aus und bietet drei Darstellungs-Modi für das Bild. Ganz groß, nur mit schmalem, schwarzen Rand zur Anzeige der wichtigsten Daten bis hin zu einer Entfernungsanzeige gefällt am besten. Wer will, kann sich das Bild auch wie in der XE-2 etwas kleiner mit größeren Rändern auch an den Seiten zeigen lassen, aber wozu? Bei manueller Fokussierung ist die dritte Variante hilfreich. Neben dem eigentlichen Motiv zeigt sie in einem zweiten Bild noch einmal den zentralen Ausschnitt in Schwarzweiß mit dem digitalen Schnittbild-Indikator als Fokussierhilfe. Dazu nutzt Fuji die Signale der Phasendetektions-Pixel des X-Trans II-CMOS-Sensors.

Fujifilm X-T1 - Sucher

© Fujifilm

Grafik: Fujifilm erläutert die 3 Modi des neuen EVF.

Insgesamt erweist sich der X-T1-Sucher als neuer Maßstab, an dem sich andere ab sofort messen lassen müssen. So groß, schön und klar habe ich meine Motive noch in keinem anderen elektronischen Sucher gesehen. Das gilt dank der Reaktionsschnelligkeit der Fujifilm-OLED-Suchers auch für Bewegungen. Der Wunsch nach einem optischen Prismensucher kam bei mir nicht mehr auf.

Der nach oben und unten klappbare LCD-Monitor der Fujifilm X-T1 empfiehlt sich zudem als praktische Alternative bei Aufnahmen über Kopf oder aus der Froschperspektive oder wenn man etwa während Porträtaufnahmen mit dem Motiv kommunizieren will ohne großem Klotz vor'm Kopf.

Auch bei den Menüs für die zahlreichen Detaileinstellungen setzt Fuji seinen Kurs der klaren Bedienungsstruktur fort. Die Fujifilm X-T1 gab mir bei unserem ersten, leider nur einstündigen Kennenlernen bei einem kurzen Streifzug über den Düsseldorfer Flughafen keine Rätsel auf.

Fujifilm X-T1 - Bedienkonzept

© Fujifilm

Grafik: Fujifilm erklärt das Bedienkonzept der X-T1.

Sichere Automatik, saubere Bildqualität

Mit der Dynamikbereichsregelung und ISO-Werten - nach meinen bisher guten Erfahrungen mit der X-E1 - auf "Auto" waren die teils starken Kontraste und wechselnden Beleuchtungsverhältnisse auch für die X-T1 kein Problem. Die ISO-Automatik entschied sich bei den Innenaufnahmen meist für ISO 400, gelegentlich auch ISO 200 oder 500. Das ist angesichts der Qualitäten von Fujifilm-Sensor und -Bildprozessor völlig unkritisch, wie gerade wieder im Test der Fujifilm X-2 bestätigt.

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ISO Scene
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An dieser Rolltreppe nahmen wir mit der Fujifilm X-T1 eine ISO-Reihe auf (ungefähre Markierung).

Bei ISO 800 ist praktisch noch kein Anstieg des Rauschens erkennbar, selbst ISO 1.600 und 3.200 fallen in der bildmäßigen Fotografie erst bei genauerem Hinsehen in kritischen Bereichen auf. Das automatisch - bis aus einen kleinen Kantenversatz an einer Stelle - sauber von der Kamera zusammengerechnete Schwenkpanorama zeigt, wie gut die X-T1 auch noch mit ISO 4.000 ist.

Belichtungsmessung und AF verrichten unauffällig (so, wie es sein soll) und treffsicher ihre Dienste. Kontrastreiche Motive belichtet die Fujifilm X-T1 ausgewogen, mit sehr weit gehender Durchzeichnung auch von Lichtern und Schatten. Unterschiedlichen Farbtemperaturen, auch Mischlichtsituationen, hat die X-T1 sehr gut im Griff. Highspeed-Motive musste der AF allerdings nicht bewältigen. Einen guten Eindruck von Schärfe und Detailreichtum der X-T1-Bilder vermittelt das Model-Porträt, aufgenommen mit ISO 100 und f/5,6. Was zur Not mit ISO 25.600 machbar zeigt das "Überwachungsfoto" mit den Autos in der Tiefgarage.

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Testaufnahme mit der Fujifilm X-T1
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Am Flughafen Düsseldorf konnten wir eine Stunde lang mit der Fujifilm X-T1 auf Erkundungstour gehen (XF 2,8/14 mm, 21 mm KB, f/2,8, 1/100s, ISO 400).

Einen kleinen Patzer, wie ich ihn von ungezählten, mit einer X-E1-Fotos aufgenommenen Fotos nicht kenne, leistete sich die X-T1. Fotos eines Rolltreppenzugangs mit metallischer Riffelstruktur am Boden zeigen bei 100-Prozent-Darstellung am Monitor an zwei Stellen etwas Moiree. Sehr kräftige Moiree-Effekte traten dagegen in einem Video eines Rolltreppenzugangs mit seinen zahlreichen Quer- und Längsrippen auf. Wir werden beim Labortest sehen, ob es sich hierbei vielleicht noch um ein Problem des frühen X-T1-Serienexemplars handelt.

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Horst Gottfried mit der Fujifilm X-T1

© Horst Gottfried

Horst Gottfried konnte die Fujifilm X-T1 in Düsseldorf antesten.

Fazit

Den außergewöhnlich guten Gesamteindruck der Fujifilm X-T1 schmälert das in meinen Augen nicht. Für alle, die nach einer Systemkamera aktuelle Digital-Fototechnik vom Feinsten im klassischen Design und bewährter Bedienung suchen, gehört die X-T1 zur allerersten Wahl. Der Preis von 1.200 Euro für den Body ist fair. Nach der Sony Alpha A7 (Test) könnte die Fujifilm X-T1 so der nächste Nagel am Sarg mechanischer SLR-Technik mit Klapperspiegel in Digitalkameras sein.

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