Testbericht

Expolinear T 120 Limited-2

Immer mehr Menschen suchen das Individuelle auch bei Lautsprechern. Die Berliner Manufaktur Expolinear hat sich früh auf diese Kunden spezialisiert und liefert mit den neuen T 120 Limited 2 wahrlich heiße, audiophile Genusshappen.

Expolinear T 120 Limited-2

© Archiv

Expolinear T 120 Limited-2

Suchen Sie das Preis/Leistungsschnäppchen des neuen Jahres, so wird die neue T 120 Limited 2 der Berliner Boxenmanufaktur Expolinear nicht zur ersten Wahl zählen. Schätzen Sie aber das Besondere, das Individuelle und zugleich Hochwertige, könnten Sie und die Zweiwege-Schönheiten aus der Hauptstadt gute Freunde werden.

Expolinear T 120 Limited-2

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Edles Design: Die Seiten der T 120 L-2 flankieren Marmor oder Natursteinplatten, was den Speakern ein unverwechselbares Äußeres verleiht. Auf Wunsch sind auch andere Varianten wie Aluminium- Wellen-Laminat möglich. Individualität schreibt Expolinear eben groß. Seit über dreißig Jahren fertigt der Hersteller so exklusive Lautsprecher; Entwicklervater Jörg Henning-Reinelt bevorzugt Stein, respektive Marmor, ein Sandwich aus MDF und Marmor genauer gesagt, nicht alleine einem optischen Diktat folgend. Viel mehr ergibt sich so eine enorme Steifigkeit des Korpus und das spricht für geringe Verfärbungen sowie eine hohe Präzision im Klang.

Warum nicht gleich ein Gehäuse aus Marmor, mag man sich fragen. Das wäre akustisch bedenklich, denn der harte Stoff alleine einmal zum Schwingen angeregt, neigt zu hochfrequenten Resonanzen, dem so genannten Klingeleffekt. Klopfen Sie beispielsweise eine plane Glasfläche leicht an, resoniert diese auffällig. Ähnlich verhält es sich mit Marmor. Im Zusammenspiel mit MDF aber, ergibt sich ein nicht ganz billiger, klanglich aber sehr vorteilhafter Materialmix.

Auch in der Wahl der übrigen Bauteile geht Henning-Reinelt bevorzugt unkonventionelle Wege. So nutzen die 120er ein ?echtes? Bändchen für die Wiedergabe hoher Frequenzen. Darauf schwört Expolinear, sagt man dem Chassistyp doch geradezu magische Klangeigenschaften nach. In einem Bändchen verschmelzen Schwingspule und Membran zu einer Einheit. Kükendaunenleichte fünf Milligramm wiegt das eigentliche Bändchen der Expolinear - erheblich weniger als koventionelle Membranen. Das ist eine glänzende Voraussetzungen für superbe Auflösung und perfekte Präzision in der Wiedergabe. Ab drei Kilohertz wirkt der Hochtöner, das schützt das Bändchen vor hubträchtiger Arbeit, darunter schuftet ein nicht minder exotischer Töner, dessen technische Grundlagen bis in die Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen. Zu der Zeit entwickelte Emil Podszus einen Hartschaum, leicht und extrem steif, der dann, flankiert von feinen Lagen Aluminiumfolie erstmals als Membranmaterial eingesetzt wurde. Auf eine Staubschutzkalotte verzichtet das Chassis, was die Fertigung, die nach wie vor in Kleinserie - Handarbeit eben - stattfindet, aufwändig und kostspielig macht.

Expolinear T 120 Limited-2

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Mit daumendicken, vergoldeten Klemmschrauben können selbst störrische Boxenkabel sicher mit den Expolinear anbandeln. Neben Kabelschuhen gewährt das Bi-Wiring-Terminal auch Bananensteckern Anschluss. Die Bi-Wire-Brücken sind so großzügig dimensioniert, dass hier im Normfall des Betriebs mit einer Single-Wire-Zuleitung keine Klangeinbußen zu befürchten sind.

Klangqualität

Ist man aber einmal dem virtuosen Spiel der T 120 L-2 erlegen, führt kaum ein Weg zurück. Dabei sind die Berliner Schwergewichte weder Allrounder noch drauflospreschende Wonneproppen. Hohe Lautstärken, berstende Basswogen - in diesen Disziplinen bieten preisgleiche Modelle vieler Mitbewerber mehr, erheblich mehr.

Schlicht im Strom der Massenanbieter zu schwimmen, ist jedoch nicht das Ansinnen von Expolinear. Finesse, Charme, Detailfreude - das sind neben der besonderen Machart die Pfunde, mit denen die T 120 L-2 wuchern. Da erklangen die gregorianischen Gesänge der Wiener Hofburgkapelle (Philips) frappierend räumlich, nicht ?groß?, nicht überdimensioniert, sondern in einem in Breite, Tiefe und Höhe fein säuberlich ausgeloteten Raum. Elegant, doch akribisch, formten die Speaker die Stimmen der ehemaligen Wiener Sängerknaben nach, schenkten ihnen ein weit gespreiztes Bouquet warmtöniger und anmutiger Klangfarben. Flotter und rasanter ging es in der Overture "?Die Nacht des Figaro"? von Mozart zur Sache (Philips). Da lässt man sich gerne die Flötentöne beibringen, wenn keine noch so kleine tonale Schicht, keine Mikroschwebung der jubelnden Streicher und Flötisten unterschlagen wird. Beschwingt und zugleich nüchtern ? eine extravagante Mischung, die diese Speaker auszeichnen. Sie geben die Freude der Musiker an ihrem Werk wieder, wahren aber genügend Distanz, lassen den Musikfreund zum wertenden und fühlenden Beobachter in Personalunion werden. Details heben diese Expolinear so wenig in den Vordergrund wie Interpreten, schalten dennoch niemals gleich. So packten sie mit rockigen Balladen wie ?Bloody well right? von Supertramp (?Crime of the century?/Universal) nicht sofort, spielten ohrenscheinlich fast vornehm, doch täuschte das. Denn da standen auf einmal nicht die Synthie-Einsätze im Vordergrund der Wahrnehmung, sondern das Arrangement, die Komposition. Becken schimmerten kupfern, fein silbrige Hochtongespinste füllten den Raum und fügten sich trotz der schier grenzenlosen Detailfluten zu einem homogenen Ganzen.

Expolinear T 120 Limited-2

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Im Bass recht tief reichend, dann vorbildlich linear bis etwa 2 kHz. Die Senke um 3 kHz spricht für die zurückhaltende Wiedergabe. Darüber zeigt sich ein welliger aber noch ausgewogener Amplitudengang.

So stellen Sie die Lautsprecher richtig auf

Die T 120 L-2 fühlen sich auf einem soliden Standfuß mindestens 25 Zentimeter vor einer Rückwand wohl. Frei aufgestellt, gewinnen sie noch an Sauberkeit und Präzision vom Bass bis zum Grundton. Die Speaker sollten in etwa auf den Hörplatz hin angewinkelt werden. Wegen des mittleren Wirkungsgrades bevorzugen die Expolinear eher wattpotente Verstärker.

Fazit

Die T 120 L-2 öffnen, besser noch offenbaren, sich nach und nach, wie ein bestens gelagerter, edler Burgunder seine feinen Noten und Facetten dem Gourmet nicht mit dem ersten Schluck preisgibt. Audiophile Feingeister werden diese Expolinear wegen ihrer unaufdringlichen und doch hochmusikalischen Ader besonders schätzen.

Testergebnisse

Expolinear T 120 Limited-2
Expolinear
2.200 Euro

Lautsprecher

Weitere Details

72 Prozent

Fazit:Famoser Hochtonzauber und charmante Mitten - die idealen Lautsprecher für anspruchsvolle Individualisten.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
gut

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