iPhone-Kameramodul

DxO One im Test

Software-Spezialist DxO hat ein ansteckbares Kameramodul für iPhones und iPads entwickelt. Das DxO One kombiniert einen 20 Megapixel großen 1-Zoll-Sensor mit einer Festbrennweite in einem sehr kompakten Gehäuse. Wir haben die Innovation im Test.

DxO One

© DxO One

DxO One: Das Kamermodul wird über eine iPhone-App bedient.

Jetzt kaufen
EUR 469,00

Pro

  • Kompakt
  • Gute Bildqualität
  • Umfangreiches Software-Paket

Contra

  • Kurze Akkulaufzeit

Fazit

ColorFoto Testurteil: 30,5; (Testverfahren 1.8); "Kauftipp iPhone"

Nach dem ersten Vorstoß von Sony mit seinen QX-Kameramodulen probiert nun ein weiterer Hersteller sein Glück: DxO, bislang als Anbieter professioneller Software (Optics Pro, Viewpoint) auf den Plan getreten, stellte auf der IFA 2015 das Modell DxO One für iPhones vor. Einen Preis von 650 Euro kostet das kleine Ansteck-Modul mit 20 Megapixeln auf einem 1-Zoll-Sensor und 1,8/32 mm Brennweite KB.

Das DxO One ist eine vollständige Kamera mit eigener Stromversorgung, Signalverarbeitung und Speicher sowie Auslöser, aber ohne Monitor oder Einstellmöglichkeiten. Die gibt es erst, wenn das Modul im iPhone steckt.

Gehäuse und Ausstattung

Das Gehäuse der schicken DxO One ist aus Kunststoff gefertigt, macht aber einen sehr soliden Eindruck. Die Zahl der Bedienelemente ist überschaubar: Oben ein Auslöser, vor dem Objektiv ein Schieber, der auch als Ein-/Ausschalter dient, hinten ein ca. 1 x 1,4 cm großes Display für Statusanzeigen. Darunter, durch eine Klappe abgedeckt, der Steckplatz für die Micro-SD-Karte und ein USB-Anschluss.

Im Gegensatz zu Sony verzichtet DxO auf Wireless-Funktionalität und hat der One stattdessen eine Steckverbindung spendiert. Vorteil: Sie ist wesentlich schneller aufnahmebereit, weil nicht erst Verbindungsdaten ausgetauscht werden müssen. Nachteil: Der Lightning-Anschluss erlaubt Kontakt nur mit iPhones ab fünfter, iPads ab vierter sowie iPad Minis ab zweiter Generation. Der Anschluss springt aus der Kamera, sobald man den Objektivschutz nach unten schiebt. Am iPhone ist die Kamera in beide Richtungen um 60° drehbar.

DxO ONE iPhone

© Hersteller

Das Kameramodul DxO One wird über den Lighnning-Anschluss mit dem iPhone verbunden.

Der rückseitig belichtete 1-Zoll-Sensor zeichnet Fotos mit 20,2 Megapixeln Auflösung auf sowie Videos in Full-HD. Wahrscheinlich ist es derselbe Sony-Sensor wie in der Sony RX100 IV. Die DxO One speichert die Bilder auf Micro-SD-Karte sowie, wenn gewünscht, auf das Smartphone. Auch beim Strom ist sie Selbstversorger, der leider relativ schwache Akku wird per USB-Anschluss aufgeladen. Komplett geladen waren gut 100 Aufnahmen möglich.

Zum Lieferumfang gehören die Programme DxO Connect, DxO Film Pack und DxO OpticsPro zum Bearbeiten der Bilder und Entwickeln der RAW-Formate (als Download) – Wert 290 Euro.

Da die DxO One kein Zoom hat, misst sie nur 67,5 x 48,85 x 26,25 mm und wiegt 108 Gramm. Ihre Brennweite, ein leichtes Reportage-Weitwinkel (32 mm KB) macht sie absolut schnappschusstauglich. Die Lichtstärke von 1,8 sorgt nicht nur dafür, dass die Kamera auch unter schwierigen Lichtbedingungen noch verwendbar ist, sondern verschafft auch Kontrolle über die Schärfentiefe. Im Vergleich zur iPhone-6-Kamera ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Lesetipp

Digitalkamera kaufen - Kaufberatung
Kompaktkamera Kaufberatung

Digitalkameras gibt es viele - doch welche ist die richtige für Sie? Unsere Kaufberatung erklärt alle Kompaktkamera-Typen und ihre Ausstattung.

Bedienung

Während die DxO One mit dem iPhone eine recht griffige Einheit bildet, wirkt sie am iPad eher wie ein Fremdkörper. Zudem erscheint die Ecke des Gerätes im Bildfeld, wenn man das iPad um 60° nach oben kippt. So oder so: Man hält die Kombination besser mit zwei Händen an beiden Teilen, denn der Lightning-Anschluss ist nicht dafür gedacht, „schwere“ Anhängsel sicher zu halten.

Sobald die Kamera das erste Mal am iPhone steckt, wird man aufgefordert, die DxO One Steuer-App aus dem App Store zu installieren. Danach tätigt man sämtliche Einstellungen auf dem iPhone. Neben Zeit-, Blenden und Programmautomatik gibt es Motivprogramme und eine manuelle Einstellung. Auch die Empfindlichkeit kann man wahlweise der Automatik überlassen oder zwischen ISO 100 und 51 200 selbst wählen. Manuelle Blendeneinstellungen reichen von 1,8 bis 11, Verschlusszeiten von 1/8000 s bis zu langzeittauglichen 15 s, Belichtungskorrektur und Weißabgleich sind justierbar.

Zum Fokussieren wählt man zwischen AF-C, AF-S und MF. Der Autofokus funktioniert bei ausreichend Licht zuverlässig, wenn auch nicht rasant (0,52 s bei 300 Lux). Bei wenig Licht tut er sich schwer, die Schärfeebene zu finden. Mit einer Nahstellgrenze von 20 cm ist die Kamera im Makrobereich nur sehr eingeschränkt nutzbar.

iPhone oder iPad fungieren als Touch- Display mit Auslösefunktion. Besser funktioniert das aber über den zweistufigen Auslöser der Kamera, der einen deutlichen Druckpunkt hat. Das Modul kann auch ohne angedocktes Smartphone Bilder aufzeichnen, auf dem rückseitigen Mini-Display kann man dann zwischen Foto- und Videomodus wählen. Alles andere ist Blindflug. Mit manueller Fokuseinstellung auf unendlich kann das unauffällige Modul trotzdem ein nützliches Tool für die Straßenfotografie sein.

DxO Side 45 Pedestal SD Card

© Hersteller

Öffnet man den Schieber vor dem Objektiv bis zum Anschlag, springt der Lightning-Anschluss aus dem One-Gehäu­se. Eine Klappe schützt den Steckplatz für micro-SD-Karte und USB-Anschluss.

Bildqualität

Die DxO One speichert die Aufnahmen direkt als JPEGs oder RAWs, wobei man noch einmal die Wahl zwischen Adobes DNG und dem DxO-eigenen SuperRAW hat. Ein DxO-File kann bis zu 160 MB groß werden. Grundsätzlich kann man JPEG- und RAW-Bilder gleichzeitig aufzeichnen, eine Kopie der JPEGs auch aufs iPhone.

Die Bildqualität überzeugt bei ISO 100 und ist bis ISO 400 gut nutzbar. Ab ISO 800 muss man sichtbare Abstriche machen. Im erweiterten ISO-Empfindlichkeitsbereich, der bis ISO 51 200 reicht, finden sich erwartungsgemäß nur noch Pixelwüsten. Bildqualität wie Messdaten entsprechen dem, was von einem 1-Zoll-Sensor zu erwarten ist. Die Auflösung liegt bei ISO 100 beispielsweise bei guten 1592 LP/BH, doch im Vergleich zeigt das ISO-100-Bild der Sony RX100 IV (wahrscheinlich gleicher Sensor) mehr Details, was auch für die höheren Empfindlichkeiten gilt. Wechselt man zum RAW-Format, wirkt das DxO-Bild etwas weicher, aber sehr rausch- und artefaktearm. Hier gelingt DxO eine äußerst gefällige Abstimmung, frei von überzogenen Kanten aber auch etwas detailärmer als das Sony-Bild. Trotz aller Kritik: Klassischen Kompaktkameras und natürlich allen Handymodulen ist die DxO One weit überlegen.

Im Videomodus kann man während der Videoaufnahme Fotos schießen und es gibt einen Slow-Motion-Modus mit 120 fps. Die Belichtungsautomatik verrichtet zuverlässig ihren Dienst. Weniger gefallen hat uns, dass außer einer Belichtungskorrektur keine Einstellungen möglich sind und dass der Autofokus bei bewegten Motiven nicht zuverlässig nachführt. Bereits bei mittelmäßiger Beleuchtung tritt starkes Rauschen auf, und die Tonqualität ist wegen starker Nebengeräusche dürftig.

Fazit

DxO liefert mit der One das bisher beste Konzept eines Kameramoduls fürs Smartphone. Bedienung und Bildqualität liegen deutlich über dem Niveau der – für ein Smartphone schon sehr guten – iPhone-Kamera. Auch Kompaktkameras können nicht mithalten. Erst die neue Kameraklasse mit 1-Zoll-Sensoren kann mit der DxO One konkurrieren, ohne dass die One APS-C- oder Vollformat-Niveau erreicht. Nicht erfüllt wird so der selbst gesteckte Anspruch, aus dem iPhone eine Kamera auf SLR-Niveau zu machen. Denn selbst das intuitive Touchscreen- Bedienkonzept erreicht nicht die Ergonomie einer SLR.

Der Preis von 650 Euro ist stolz, aber im Vergleich mit 1-Zoll-Kameras ok, besonders wenn man die Software im Wert von 290 Euro bedenkt. Als Gegenwert erhält man eine gut bedienbare Kamera-Erweiterung fürs Smartphone, die locker in die Tasche passt und jede konventionelle Kompaktkamera in dieselbe steckt.

Mehr zum Thema

iPhone 6 - Apple Lichtfeld Patent - Lytro Kamera
Apple-Patent

Apple hat in den USA ein zuschaltbares Lichtfeldkamera-System patentiert. Es könnte in einer Digitalkamera oder auch im iPhone 6 zum Einsatz kommen.
Pentax K-3 II
SLR-Kamera

24-Megapixel-Sensor, GPS, verbesserter Bildstabilisator und Pixel-Shift-Funktion: Wir haben die semiprofessionelle APS-C-Kamera Pentax K-3 II…
Sigma dp3 Quattro
Kompaktkameras

Mit dp0 und dp3 erweitert Sigma seine dp-Reihe um ein Super-Weitwinkel- und ein Telemodell. Wie schlagen sich die Kompaktkameras im Test?
DSC RX100 IV von Sony
Kompaktkamera

Die Sony RX100 IV bietet viel Foto-Technik in einem kompakten Gehäuse. Wir haben die Digitalkamera im Labor-Test geprüft.
DSC RX10 II von Sony
Bridgekamera

Die Sony RX10 II lockt mit neuem Sensor, schnellem Autofokus und 4K-Video - doch das hat seinen Preis. Wir haben die Bridgekamera im Test.