Testbericht

Denon AVR-4308

Denons Dicker soll beinahe alles können: Stereo, Surround, Radio, DAB-T und sogar Internetradio. Damit offerieren die Japaner einen kinotauglichen Weltempfänger, der nach der Vorherrschaft in der Oberklasse greift.

Denon AVR-4308

© Stefan Schickedanz

Denon AVR-4308

Wenn James Bond die Welt rettet, bedient er sich dazu immer eines ganzen Arsenals von sogenannten Gadgets. Diese hoch entwickelten technischen Helfer machen mit einer Vielzahl von Funktionen das Agentenleben leichter und sicherer. Im Heimkino-Bereich sind viele Features dagegen gewöhnlicherweise dazu geeignet, wertvolle Lebenszeit zu verschlingen und an den Nerven zu zehren. Natürlich weckte in diesem Umfeld die Ankündigung des neuen Highlights AVR-4308 von Denon nicht nur Begehrlichkeiten, sondern auch Befürchtungen: sieben Endstufenkanäle, zwei Tuner für analoges und digitales Radio, Internetanschluss für Webradio und eine Vielzahl von Video-Quellen mit Konvertierung in alle Richtungen. Wie viel Grips und Muskeln braucht man, um das Monstrum zu schleppen oder zu bedienen?

Denon AVR-4308

© Stefan Schickedanz

Bedienung: Der Receiver ließ sich ohne Bandscheibenvorfall bequem aus der Verpackung auf das HiFi-Rack heben. Und die vermeintliche Massenvernichtungswaffe für Zeit ?Internetradio via LAN- oder WLAN-Zugang ? wurde bereits in den Entwicklungslabors so weit entschärft, dass keine Kollateralschäden für den eigentlichen Test zu verzeichnen waren. Der AVR-4308 bot Plug & Play im besten Sinne. Denon zensierte endlich die an die DOS-Frühzeit erinnernden, gruseligen Benutzermenüs, die für visuell geprägte Menschen des Mac-Zeitalters echte Qualen bedeuteten. Der Neue bietet via HDMI- oder Analog-Video- Verbindung dreidimensionale, farbige On-Screen-Menüs, die nicht nur gut aussehen, sondern die Bedienung wirklich erleichtern.

Denon AVR-4308

© Stefan Schickedanz

Alles so schön bunt hier: Mit dem AVR-4308 bricht bei Denon eine neue Ära von On-Screen-Menüs an.

Selbst Internetradio-Programme ließen sich weitgehend intuitiv auswählen und wiedergeben. Nicht nur die neuen Menüs breiten sich auf dem Bildschirm in HD-Auflösung bis 1080p aus. Auch übliche PAL- und NTSC-Video-Signale lassen sich hochskalieren. Dafür sorgt ein hochwertiger De-Interlacer/Scaler von Faroudja für analoge und digitale Videoquellen bis zur 1080p-Auflösung über den HDMI-Ausgang.

Denon AVR-4308

© Stefan Schickedanz

Am AVR-4308 bleibt kein Quadratzentimeter ungenutzt für Anschlüsse aller Art. Selbst zum Internet nimmt der Denon Verbindung auf.

Ausstattung: Das Besondere am AVR-4308 ist, dass er von allem viel bietet, statt sich mit seiner Ausstattung nur einer Käufergruppe zuzuwenden. So bringt er gleich zwei stattliche Fernbedienungen für verschiedene Hörzonen mit und fällt mit den zwei Stabantennen aus dem üblichen Rahmen. Während die auf der Rückseite fest angebaute kurze Antenne zum WLAN-Betrieb dient, soll die zweite, mit einem langen Kabel versehene Antenne den DAB-Tuner mit terrestrisch ausgestrahlten Digital-Radio-Programmen versorgen. Somit hält der große Denon eine vielversprechende Alternative zum ebenfalls integrierten Analog-Tuner für UKW und MW bereit.

Neben dem Internet, den Tunern und den neun analogen sowie sieben digitalen Audio-Eingängen akzeptiert der Denon die Einspielung von iPod via optionalem Dock-Anschluss (130 Euro) oder USB-Sticks. Der Receiver verarbeitet die wichtigsten Datenformate, darunter MP3, WMA, FLAC, WAV und sogar AAC, das Apple für iTunes und iPod nutzt. Allerdings dürfen die Songs keinen Kopierschutz (DRM) haben, womit ein Großteil der im iTunes-Store gekauften Songs sich nicht abspielen lassen. Der Denon übernimmt die Rolle einer mächtigen Multimedia-Zentrale: Über das Netzwerk lässt sich nicht nur Internetradio wiedergeben, sondern auch Audio-, Video- und Foto-Dateien via Streaming vom PC oder einer externen Festplatte (wenn darauf zusätzliche Software-Utilities wie Windows Media Connect, Media Player 11 oder Twonky für den Mac installiert sind). Trotz dieser ganzen Features blieben im Budget noch genügend Reserven, um eine kräftige 7-Kanal- Endstufe mit je 130 Watt an 8 Ohm in den Oligarchen zu integrieren.

Klangqualität: Im Hörtest waren zunächst nur zwei von ihnen erforderlich, denn Stereo machte den Anfang. Die Band ?Garbage? (?Absolute Garbage? remastered) machte ihrem abfälligen Namen gar keine Ehre: Der Titelsong aus dem gleichnamigen Bondfilm "?The World is not enough"? klang strahlend klar und differenziert. Der Denon mochte vor allem auch Live-Darbietungen, die er mit seiner Strahlkraft und Durchhörbarkeit auf eine breite, tiefe Bühne stellte. Das Bassfundament erschien kräftig und ausreichend differenziert. Die Geheimwaffe in Stereo blieb jedoch der scharfe Fokus, der Solisten wie Sheryl Crow oder Shirley Bassey in der Mitte zwischen den Lautsprechern fast schon holografisch vorm geistigen Auge aufstellte. Jedoch hätten etwa Gitarren oder Violinen ruhig einen Hauch mehr Körper vertragen können.

Denon AVR-4308

© Stefan Schickedanz

Das Herzstück des AVR-4308 ist sein superschneller 32-Bit-SHARC-Prozessor von Analog Devices, der gleich in zweifacher Konfiguration zum Einsatz kommt.

Die wahre Identität des AVR-4308 enttarnte schließlich der Surround- Durchgang. Der Japaner hegt eine noch größere Begeisterung für Bonds Filme als für seine Soundtracks auf CD. Mit ?Casino Royale? ( Sony Pictures ) von einer Blu-ray-Disc lief der Tausendsassa zur Höchstform auf: Er entfachte ein wahres Feuerwerk an Special Effects und bezog die Zuschauer mit einer perfekt an jedem Punkt im Raum messerscharf umrissenen Positionierung von Schallereignissen mit Haut und Haaren ins Geschehen ein. Doch Denon gelang das Kunststück, mit der Abstimmung nicht nur Einzeldisziplinen wie Sprachverständlichkeit oder Ortungsschärfe von Effekten aus allen Richtungen überzeugend auf Linie zu bringen. Der AVR-4308 schuf eine packende Atmosphäre, die weit mehr beeindruckte und vereinnahmte als die Summe ihrer Teile vermuten lässt. Der Receiver verlieh Filmen eine emotional erfahrbare Komponente ohne durch eigenmächtige Effekthascherei oder Kolorationen die Botschaft der Klänge zu verfälschen.

Testergebnisse

Denon AVR-4308
Denon
2.500 Euro

Surround-Receiver

Weitere Details

84 Prozent

Fazit:Denon gelang eine ausgewogene Mischung zwischen Ausstattung und Klang. Die Bedienung überzeugt ebenfalls.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Neben seinem Feingefühl verbunden mit der enormen Transparenz kam ihm dabei seine schiere Kraft zugute, die den Bildern auf der Leinwand oder dem Monitor zu mehr Nachdruck und Rasanz verhalfen. So wirkten mit einem Mal Verfolgungsjagden noch packender und Schießereien noch bedrohlicher. So wünscht man sich Heimkino-Ton: Die Fortsetzung des Bildersturms mit anderen Mitteln.

Fazit

Wir sind von der Bedienung des Ausstattungs-Monsters nicht erschüttert, aber durchaus gerührt von der emotionalen Dimension der Surround-Wiedergabe. Und Stereo steht ihm auch ganz gut. Wem die Welt des heimischen Kinos nicht genug ist, der kann sich mit dem Denon ohne jeglichen Stress noch die Welt des Radios mit MW, UKW und DVB erschließen und obendrein als Bonus Weltradio in ansprechender Qualität aus dem Internet genießen. Und das alles für noch tragbare 2.500 Euro. Dafür bekommt Superagent James Bond gerade mal eine Inspektion für seinen Dienstwagen.

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