Testbericht

Avid Media Composer 5

Vor drei Jahren sagten viele Branchenkenner dem lange dominierenden Profi-schnittsystem sein baldiges Ableben voraus. Doch mit Media Composer 5 lässt Avid manchen Mitbewerber alt aussehen.

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Avid Media Composer 5

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Avid Media Composer 5

Avid ist anders

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Vorarbeit: Wer mit dem Media Composer arbeitet, sollte zunächst die Tastaturkürzel einstellen. Es gibt weitaus mehr Tastaturkürzel als Tasten. In einer Box liefert Avid Programme für Mac und PC aus. Links in der Zeitleiste sind die neuen Smart Tools erhältlich. Diese sparen erheblich Zeit.

Während die Mitbewerber dateibasiert arbeiten, ist der Media Composer eine Datenbank. Sie legt neben kryptisch bezeichneten MXF-Mediendaten Steuerdateien und eine Datenbank-Datei an. Ohne diese Dateien lassen sich die MXF-Dateien nicht ohne weiteres verwenden. Ein Vorteil der Avid-MXFs ist die plattformübergreifende Kompatibilität.

Anders als Adobe liefert Avid ein einziges Paket für Windows wie Mac OS aus. Ärgerlich: Das enthaltene, intuitive Authoringprogramm DVDit! Pro HD 6.1.1. gibt es nur als Windows-Programm. Um mit dem Avid Media Composer (MC) sinnvoll zu arbeiten, ist einiges Vorwissen nötig. So ist es ratsam, erst die Tastaturbelegung individuell einzustellen - vorbelegt ist nicht einmal die Taste Add Edit, mit der Sie Schnitte einfügen.

Für einen ersten, guten Überblick über den komplexen MC sorgen 33 Video- Workshops von Lindy.com. Diese sind, wie praktisch die gesamte Hilfe, in Englisch. Auch die Oberfläche ist in Englisch; in früheren Programmversionen lieferte Avid stets mit etwas Verzögerung eine Datei nach, mit der sich die Menüs auf Deutsch umstellen ließen. Diese Datei gibt es bisher nicht.

Anders als früher verzichtet Avid mit Ausnahme eines dünnen Installationsbüchleins auch auf die gedruckten Handbücher - für Schnitt und Spezialeffekte gab es bisher jeweils über 1000 Seiten dicke "Wälzer". Schade auch, dass die praktischen Tastaturaufkleber aus der Box verschwunden sind.

Importware

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Feintuning: Die Avid-Oberfläche lässt sich weitgehend nach eigenem Geschmack einrichten. Die abgebildeten Screenshots zeigen die dunkle Oberfläche. Look&Feel ist auf beiden Plattformen identisch. Der Media Composer stürzte im Test kein einziges Mal ab.

Der MC bietet zwei Varianten, Mediendateien einzubinden: Der Import konvertiert die Daten in ein MXF-Format, das Sie im Tool Media Creation einstellen. Ein Platz sparender Kompromiss für AVCHD-Dateien ist XD CAM HD 50Mbits MXF - bei XDCAM EX 35Mbits MXF traten im Test minimale Kompressionsartefakte auf. Für Grafik wie Bauchbinden sind die unkomprimierten Formate 1:1 MXF oder 1:1 10b MXF ideal. DNxHD ist ein anerkanntes MXF-Format für TV- und Filmproduktionen.

Der Import erfolgte im Test flott, nur der Import von AVCHD-Material beanspruchte etwa die doppelte Zeit der importierten Clips.

Für bandbasierende Quellen wie DV-Camcorder oder HDV-Camcorder bietet Avid ein einzigartig präzises und komfortables Capturing-Modul. Eine nach Inhalt einstellbare Szenenerkennung fehlt dem MC weiterhin.

Für bandlose Medien und erstmals auch für MOV-Dateien gibt es eine Verlinkungsopion: Der Avid Media Access (AMA) verweist auf die Dateien, importiert (und konvertiert) diese jedoch dabei nicht. Dadurch entfällt der Zeit raubende Import, die Medien lassen sich sofort verwenden - nicht jedoch uneingeschränkt ausgeben: AMA unterstützt nicht die Ausgabe von QuickTime-Referenzdateien.

Schnittig

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Für den Schnitt bietet der Avid seit jeher eine einzigartige Auswahl an Präzisionswerkzeugen. Neu in Version 5 sind die Smart Tools, die die wichtigsten Tools links in der Zeitleiste bereitstellen. Praktisch ist beispielsweise die Option, zusammengehörige Spuren auf Wunsch mit einem Klick zu (de)aktivieren.

Neben bisher schon enthaltenen, sehr feinen Optionen, wie die Filmschnipselsuche sind einige weitere angenehm durchdachte Optionen hinzugekommen - ein Beispiel für viele: Zwischen Override und Ripple Trimm wechseln Sie durch Aktivieren beider Tools und Hoch- oder Herunterziehen des Cursors.

Die Oberfläche des MC ist auch dank Flyout-Menüs aufgeräumt und funktional. Viele feine Detaillösungen erleichtern die Arbeit. Schade nur, dass sich beim Vergrößern eines Fensters die anderen nicht automatisch anpassen.

Testurteil:

Avid Media Composer 5.0.3

2 249,10 Euro; www.avid.de

Betriebssysteme: Windows XP Professional SP2/SP3 (32-Bit), Vista Business SP2 (32-Bit and 64-Bit), Windows Vista Ultimate SP2 (64-Bit); Mac OS X 10.6.2, Mac OS X 10.5.7 oder 10.5.8Besonderheiten: ausgefeilte Arbeitsgruppenfunktionen, in einer Box stecken PC- und Mac-Version

sehr gut 100 %

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