Browser-Alternative made in Germany

Cliqz im Test: Der bessere Firefox?

Der Browser Cliqz bietet eine eigene Suchmaschine und verhindert Tracking mit einer neuen Technik. Wir haben die in München entwickelte Software erstmals getestet.

Cliqz Browser im Test

© Cliqz / Montage: pc-magazin.de

Made in Germany: Der Cliqz Browser wird von einem Münchner Start-up entwickelt.

Pro

  • Innovative Instant-Suche
  • Tracking-Schutz
  • Such-Shortcuts

Contra

  • Keine Add-ons
  • Sammelt anonyme Nutzerdaten

Fazit

PC Magazin Testurteil: befriedigend
68,0%

Der FC Bayern, das Oktoberfest, der Viktualienmarkt: München hat schon einiges zu bieten. Nun kommt auch noch ein Browser dazu. Der von einem Münchner Start-up entwickelte Cliqz soll der erste Browser mit eigener Suchmaschine sein, die von USamerikanischen Anbietern wie Google oder Yahoo unabhängig ist.

Weniger suchen, mehr finden

Cliqz bietet Instant Search: Gibt man einen Suchbegriff in die Adressleiste ein, werden noch während des Tippens passende Informationen und Links angezeigt, ohne dass eine Suchmaschine aufgerufen wird. Sucht man beispielsweise nach Wetter Hamburg, erhält man eine grafisch aufbereitete Vorhersage für die Hansestadt sowie Links zu den Wetterberichten für Hamburg auf Wetter.com, Wetter.de und Wetteronline.de - das war's.

Gibt man Bruce Springsteen in die Adressleiste ein, erscheinen ein paar Bilder des Musikers, der Wikipedia-Eintrag zu seiner Biografie, ein Link zur offiziellen Künstler- Homepage und der YouTube-Channel der US-amerikanischen Rocklegende - fertig.

Cliqz Suchmaschine

© Screenshot WEKA / PC-Magazin

In den Einstellungen von Cliqz lässt sich die Standard-Suchmaschine festlegen – wie bei Firefox.

An die Cliqz-Suche kann man sich leicht gewöhnen. Im Test fanden wir meist schneller das Gesuchte als mit Googeln. Indessen sperrt Cliqz andere Suchmaschinen nicht aus: Will man diese nutzen, beendet man die Eingabe des Suchbegriffs mit Enter, und Cliqz startet die in den Einstellungen festgelegte Suchmaschine. Außerdem lässt sich mit Shortcuts wie #gm für Google Maps oder #am für Amazon schnell eine bestimmte Website ansteuern - das ist praktisch.

Die Basis sind Nutzerdaten

Die meisten Suchmaschinen werten Inhalte, Strukturen und Verknüpfungen von Websites aus. Cliqz arbeitet dagegen mit dem Human Web: Das Unternehmen sammelt anonyme Daten zum Verhalten der Browser-Nutzer, mit denen es die Relevanz und Sicherheit von Websites bewertet. Die Erfinder von Cliqz versichern, dass es sich keinesfalls um persönliche Daten handelt und dass keinerlei Daten ermittelt oder gespeichert werden, mit denen sich der Nutzer oder eines seiner Endgeräte identifizieren lässt.

"Das Human Web ist so konzipiert, dass theoretisch mögliche Rückschlüsse auf Personen durch die Verknüpfung verschiedener Daten unmöglich sind", heißt es dazu auf der Cliqz-Website. Überdies unterstützt Cliqz das von europäischen Datenschutzbehörden getragene Konzept Privacy by Design: Die gesamte Software sei von vornherein auf Datenschutz und Privatsphäre ausgelegt, sagen die Münchner Entwickler.

Lesetipp: Die wichtigsten Windows-Tools – Starter-Paket für neue PCs

Dennoch haben wir ein mulmiges Bauchgefühl. Nutzerdaten, wenngleich anonym erhoben, könnten theoretisch für andere Zwecke als die Internetsuche verwendet werden. In diesem Zusammenhang lässt sich nicht verschweigen, dass der Medienkonzern Burda mehrheitlich an der Cliqz GmbH beteiligt ist. Wer insofern skeptisch ist, kann Cliqz auch ohne Human Web verwenden: Einfach im Cliqz-Menü unter Human Web das Häkchen vor Ich nehme teil entfernen.

Human Web

© Screenshot WEKA / PC-Magazin

Die Abfrage des Wetterberichts ist nur ein Beispiel für die Cliqz-Suche auf Basis des Human Web.

Die über das Human Web gesammelten Informationen benutzt Cliqz auch für einen eigens entwickelten Tracking-Schutz. Tracker, die den Nutzer identifizieren wollen, werden automatisch blockiert, andere dagegen zugelassen. Außerdem soll Cliqz durch das Human Web in der Lage sein, "gute" und "böse" Websites zu unterscheiden. Beispielsweise soll der Browser leichter Phishing-Websites blockieren können, wenn er mit entsprechenden Informationen seiner Nutzer versorgt wird. Die Anti-Phishing-Funktion ist fester Bestandteil des Browsers.

Dahinter steckt ein Fuchs

Die solide Basis für Cliqz bildet Mozilla Firefox. Dessen Bedienoberfläche wurde etwas modernisiert und um das Cliqz-Icon erweitert. Ein Klick darauf führt zu den Besonderheiten, durch die sich Cliqz von Firefox unterscheidet. Andere Menüs und Einstellungen sind identisch.

Einen wesentlichen Unterschied zu Firefox gibt es jedoch: Seit Abschluss der Beta-Phase erlaubt Cliqz keine Add-ons mehr. In der Beta-Version ließen sich noch alle Firefox-Erweiterungen installieren, mit dem Update unserer Testversion 0.9.3 auf Version 1 wurden sie deaktiviert. Cliqz begründet das damit, dass viele Add-ons Nutzerdaten an ihre Entwickler verschicken würden und somit nicht sicher seien.

Benchmarks

Cliqz Browser - Benchmarks

© PC Magazin

Cliqz Browser - Benchmarks

In Benchmarks liegt Cliqz deutlich hinter Firefox, obwohl der neue Browser auf dem  Mozilla-Projekt aufsetzt. HTML5 beherrscht er allerdings genauso gut wie Firefox und deutlich besser als Microsoft Edge. Unsere Tests liefen unter Windows 10.

Fazit

Noch ist kein Wunder vom Himmel gefallen. Die Cliqz-Suche funktioniert schon prima, auch wenn sich über das Human Web streiten lässt. Dass Cliqz keine Add-ons erlaubt, gefiel uns nicht.

Cliqz: Details

  • Webseite: cliqz.com
  • Betriebssystem: Win, MacOS, Android, iOS
  • Sprache: Deutsch
  • Engine: Mozilla
  • Besonderheiten: eigene Suche, integriertes Anti-Tracking/Anti-Phishing, keine Add-ons erlaubt trotz Firefox-Basis

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