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Canton: Dolby Atmos Set im Test

Die GLE-Serie hat Nachwuchs bekommen, der hoch hinaus will. Die Atmos-Aufsätze sollen den Klang in die dritte Dimension abheben lassen. Der Test.

Canton GLE-5.1.4-SET

© Canton

Canton GLE-5.1.4-SET

Pro

  • Ausgewogener, spritziger Klang mit ausgezeichneter Räumlichkeit und stabiler Abbildung

Contra

  • Mit Atmos vergleichweise teuer

Fazit

video Magazin Testurteil: gut, Preis/Leistung: überragend
77,0%

Die GLE-Serie ist der VW Golf von Canton. Sie verspricht eine solide Bauweise und Performance für einen erschwinglichen Preis. Das macht sie zum Dauerläufer im Programm.​ Zum Jahreswechsel bekommt die Erfolgsserie Nachwuchs. Die Dolby- Atmos-Module AR-400 sind eine zeitgemäße Ergänzung, die das Potenzial haben, die Performance auf einen neuen Level zu heben. Vier davon versprechen, dass die Abbildung bis unter die Decke reicht.

Allerdings schießt damit auch der Preis um gleich 1400 Euro in die Höhe. Wenn man sich vor Augen führt, wie günstig das im März 2015 getestete GLE-System zu haben war, ist das schon ein nicht unerheblicher Aufpreis. Zwar begnügte sich unsere damalige 5.1-Auswahl als Rears mit den Kompaktboxen Canton GLE 436, die im Paar nur 500 Euro kosten. Doch selbst ein 5.1-Set mit Standboxen GLE 496 auch in den Surround- Kanälen und dem aufwendigen Subwoofer Canton Sub 12.2 (2015 trat die GLE-Serie mit dem kompakteren und günstigeren Sub 10.2 an) wäre schon für 3.240 Euro zu haben.​

Hilfe von oben 

Natürlich fragten auch wir uns, warum die neuen Module vergleichsweise so viel Geld erfordern. Genau genommen fragten wir nicht uns, sondern den zuständigen Chef-Entwickler Frank Göbl, der seinen jüngsten Wurf persönlich in der Redaktion ablieferte. Der Vater der AR-400 hob dabei zum einen das sehr sorgfältig verarbeitete Gehäuse mit seinen runden Kanten hervor und erläuterte vor allem den technischen Aufwand, der zum Erzielen der optimalen Abstrahlcharakteristik erforderlich ist. (Das vollständige Interview können Sie übrigens auf unserem neuen Technikportal www.technite.video​ sehen.)​

Die Hessen ließen sich sehr lange Zeit, um den Frequenzgang von seinem Peak zwischen 200 und 300 Hertz bis 20 kHz kontinuierlich abfallen zu lassen und dabei noch einen besonderen Verlauf zwischen 10 und 15 Kilohertz zu ermöglichen. Das alles dient dem Zweck, in Richtung Hör​platz die Höhen stark zu dämpfen, denn sie sind für eine Ortung von Schallquellen verantwortlich. Und genau das will man generell bei Dolby- Atmos-Aufsätzen verhindern. Schließlich soll man nur die Deckenreflexionen wahrnehmen. Wenn das gelingt, ortet der Zuhörer Phantomschallquellen von oben, obwohl da gar keine Lautsprecher angebracht sind.

Diese Kombination aus dem zu hohen Frequenzen hin perfekt abgedämpften Direktschall und einem möglichst linearen Frequenzgang zur Decke hin, stellt alle Entwickler vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Göbl begegnete dieser Aufgabe durch einen speziellen Waveguide, der in der Senkrechten sehr stark bündelt. Die mit dem Horn-Vorsatz verbundene Steigerung des Wirkungsgrads dürfte dabei höchst willkommen sein, denn wie Billardspieler wissen, braucht man beim Spiel über Bande mehr Energie als bei einem direkten Stoß. Dabei ließ sich Canton nicht lumpen und verwendet Metall für den Waveguide. 

Zwar entsprechen die Abmessungen der AR-400 nicht denen der Standboxen, doch durch die runden Ecken und Kanten plus hohe Gummifüße wirken sie auch wie eine eigene Abteilung, die Optik geht in Ordnung. Normale HiFi-Strippen passen in den Spalt zwischen Aufsatz und Unterstand, Bananenstecker nicht. Das Gehäuse-Finish entsprach noch nicht der finalen Serienproduktion,​​ die sich an den lackierten Oberflächen der Schallwände in der GLE-Reihe orientiert. Dagegen kamen mit der GLE 496 alte Bekannte nach Haar zurück. doch diesmal waren die 106 Zentimeter hohen Standsäulen zu viert – eine Konfiguration, die nicht nur identische Klangcharakteristik vorne und hinten versprach, sondern auch jede Menge Reserven jenseits des Beitrags, den der stattliche Subwoofer leistet.​

Canton Atmos Box

© Canton

Canton setzt bei der GLE-Serie auf Alu- Membranen und Wavesicken für Steifigkeit und hohe Auslenkungen ohne Verzerrungen.

Weil die GLE 496 mit ihrer nur 21 cm breiten Front der schlanken Linie folgt, griff Canton zu einer Doppel- Bass-Lösung. Jeder der beiden Tieftöner hat einen Durchmesser von 20 cm, womit sich schon eine ganze Menge Luft bewegen lässt. Der ganz oben angeordnete Mitteltöner der 3-Wege-Bassreflex-Boxen kommt auf 18 cm Durchmesser. Er verwendet wie die Tieftöner eine Aluminium-Membran mit Wave-Sicke. Mit ihrer Sinusform unterstützt diese Aufhängung große, gleichmäßige Hubbewegungen in beide Richtungen. Das vermindert mit einem durch gleichmäßige Kraftverteilung optimierten Antrieb die Verzerrungen an der Quelle. 

Diese Feinarbeit profitiert von Göbls langer Erfahrung im Einsatz von computergestützter Entwicklung mit State-of-the- Art Software von Klippel für Simulation und Messung. Auch bei der Entwicklung des Hochtöners konnte Canton sein Hightech-Arsenal voll ausspielen. Schließlich greifen die Hessen zumindest bei ihrem HiFi- und​ Heimkino-Lautsprechern nicht zu Treibern von der Stange, sondern fertigen und entwickeln sie soweit wie möglich im Haus. Deshalb setzte die GLE 496 schon Maßstäbe für ihren Preis. Dabei trat nicht negativ hervor, dass sie im Gegensatz zu den teureren Serien mit einer 2,5-Zentimeter-Gewebekalotte vorliebnehmen muss. Durch den Verzicht auf Aluminium-Mangan-Legierung respektive Keramik kommt der Hochtöner der GLE 496 zwar nicht so hoch, wie seine großen Brüder.​

Doch der sorgfältig angepasste Waveguide verleiht ihm eine ausgewogene Rundstrahlcharakteristik und gewährleistet eine perfekte Ankopplung an den Mitteltöner, der aufgrund seines größeren Durchmessers naturgemäß stärker bündelt als eine kleine Kalotte. Man kann diesen Effekt sehr schön auf unserer Messung sehen. Seitlich oder oberhalb der Achse gibt es keine Ausreißer zu beobachten, nicht einmal im Bereich der Übergangsfrequenz zwischen Hoch-und Mittelton, die bei 3200 Hz liegt. Perfektioniert wird die GLE 496 durch ein schnörkelloses Design, das der Funktion folgt.​

Center GLE 456

© Canton

Der 2,5-Wege-Center GLE 456 erzielt trotz seiner Chassis-Anordnung ein recht gutes Rundstrahlverhalten. Mit 300 Euro ist er günstig zu haben.

Die Bassreflex-Öffnung sitzt auf der Rückseite und sorgt für eine aufgeräumte Schallwand. Damit es auch keine Unordnung gibt, wenn der Besitzer seine Lautsprecher ohne Stoffbespannung betreiben möchte, lässt sich diese auf der Rückseite mit Rear- Fix unsichtbar verstauen, für den Fall, dass sie doch wieder gebraucht wird.​

Der Center GLE 456 nimmt sich zwar mit seinen kompakten Abmessungen sehr bescheiden aus, doch er verfügt über die gleiche Basis-Technologie. Allerdings wurde der Durchmesser seiner beiden Tief-Mitteltöner an die nur 17 cm hohe Schallwand angepasst. Bei den Materialien gibt es keine Unterschiede zur GLE 496, sprich die Membran des Hochtöners besteht aus Gewebe, die beiden Koni aus Aluminium. Allerdings greift Canton beim Center zu einer anderen Abstimmung. Der Übergang zwischen Mittel-und Hochtonbereich liegt bei 3 kHz, während einer der beiden 16er- Treiber der 2,5-Wege-Konstruktion wirklich nur im Bass bis 400 Hz einge​setzt wird. Letztendlich glückte es Frank Göbl tatsächlich, das Abstrahlverhalten angesichts einer quasi um 90° gedrehten D’Apollito-Anordnung auch außerhalb der Mittelachse im entscheidenden Mitteltonbereich ausgesprochen gleichmäßig zu halten.​

Der Subwoofer ist ein richtig schwerer Bursche. Mit seinen 23,8 Kilogramm und dem sehr ordentlichen Finish würde man ihn nicht unbedingt auf gerade mal 940 Euro schätzen. Dafür gibt es Leistung satt: 200 W Sinus und 250 W Musikleistung sind eine Ansage in dieser Klasse. Vor allem in Verbindung mit den beiden XXL-Membranen. Der vordere der beiden 31-cm-Tieftöner mit Aluminium-Membran wird aktiv angetrieben, der untere läuft mit seiner MDF-Membran passiv mit. Die SC-Technologie („Displacement Control“) wirkt wie ein Subsonic-Filter und vermeidet exzessive Auslenkungen der Membran in dem Bereich, den man eh nicht mehr hört. Als weitere Besonderheit gibt es eine stufenlose Phasenregelung auf der Rückseite.​

Canton Atmos Passiv-Membran

© Canton

Macht einen tollen Job: Sub 12.2 mit zusätzlicher Passiv-Membran im Boden.

Als die hessische Streitmacht mit den „Expendables“ im dritten Teil des starlastigen Action-Epos ein Inferno entfachte, ging alles laut, brutal, aber geordnet zu. Die Phantomschallquellen ließen sich perfekt orten. Der Hubschrauber ließ sich ohne viel Fantasie eindeutig über den Köpfen ausmachen – was trotz Atmos nicht immer so deutlich der Fall ist. Ein Versuch mit der Atmos-Demo-Disc zeigte mit einem reinen Hubschrauber-Beispiel, dass der Helikopter viel weiter oben schwebte als mit zahlreichen Mitbewerbern. Auch das Rauschen aus dem Atmos-Kanal beim Einpegeln am AV-Receiver kam aus allen Atmos-Kanälen klar von oben.

Mach‘s noch mal, Max!

 Mit dem letzten Teil von „Mad Max" konnte der Subwoofer einmal mehr seine Muskeln spielen lassen. Er brachte das Wummern der getunten V8-Motoren und die Explosionen im Wüstensand staubtrocken und abgrundtief. Actionfilme wirkten mit diesem Atmos-Aufgebot besonders furchteinflößend. Keine Frage, die Kür erledigte das Canton-Set mit spürbarer Freude. Und bei der Pflicht gab es auch keinerlei Schnitzer zu beklagen. Stimmen, Motoren, Musikinstrumente, ja überhaupt alle Klangfarben blieben auch im größten Gedränge auf der Leinwand stets natürlich ohne jegliche Aggressivität.

Die Standboxen GLE 496 haben sich bereits in Ausgabe 3/15 in Stereo dem Test gestellt und wurden mit „überragend“ in Preis-Leistung bewertet. Trotzdem durften sie noch einmal ihre Akkuratesse und Neutralität beweisen. Mit diesem Set macht es auch riesigen Spaß, CDs in Stereo wiederzugeben. Selbst wenn man den Subwoofer nicht mitlaufen lässt, kann man sich an satten Bässen und toller Dynamik erfreuen.

Fazit 

Das exzellente GLE-Set gewinnt durch Atmos noch einmal essenziell an Authentizität. So dramatisch, dass zumindest die vorderen AR-400-Aufsätze eigentlich Pflicht sind.

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