Sounddeck

Canton DM 75 im Test

Das neue Sounddeck DM 75 von Canton bietet nicht nur mehr Aufstellfläche für große Flatscreens, es setzt sich im Test auch klanglich vom kleinen Bruder DM 50 ab. Mit satten Bässen wollen die Hessen ihren Höhenflug fortsetzen.

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Canton kennt seine Kunden genau. Die Hessen haben sich früher als andere Hersteller an der Realität in deutschen Wohnzimmern orientiert. Dort steht der Fernseher meist auf Racks oder Sideboards und entsprechend zeichnen sich die meisten Soundbars der Digital Movie-Serie durch die Sekundärtugenden einer TV-Basis aus. Mit dem DM 50 gelang Canton ein großer Wurf im kleinen Format. Für 400 Euro stellt das 2.1-System einen deutlichen Boost für den Fernsehton dar, ohne optisch groß in Erscheinung zu treten.

Nicht höher, aber breiter

Mit dem Aufkommen immer breiterer Bildschirme im bezahlbaren Bereich boten sich für die Entwickler neue Möglichkeiten. Schließlich hatte das DM 50 prinzipbedingte Schwächen. Die geringe Gehäusebreite von nur 54 cm wirkte sich trotz DSP-Processing zur Basisbreiten-Erweiterung negativ auf den Stereo-Effekt aus. Und in Verbindung mit der geringen Bauhöhe von nur 6,5 Zentimetern blieb auch nicht viel Volumen für tiefe Bässe und große Pegelreserven.

Mit einer Breite von 72,5 cm bietet das für große Flat-TVs konzipierte Sounddeck DM 75 trotz unveränderter Bauhöhe optimale Voraussetzungen, die wenigen Schwachstellen des kleinen Bruders auszumerzen. Dem Entwicklerteam standen durch den spürbaren Zuwachs an Gehäusevolumen und den dadurch möglichen Einsatz von vier statt bisher zwei auf der Unterseite angebrachten 10-Zentimeter-Flachmembran-Tieftönern 6 Dezibel mehr Headroom zur Verfügung, die es paritätisch zwischen Bass und Maximalpegel aufgeteilt hat.

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Der Preis erfordert Kompromisse, die Canton nicht beim Klang eingeht. Am soliden MDF-Gehäuse fehlen die HDMI-Eingänge.

Das heißt: Das neue DM 75 kommt tiefer in den Keller und kann um drei Dezibel lauter spielen. Die restliche Chassis-Bestückung entspricht der des DM 50: Das DM 75 verwendet je einen 5-cm-Mitteltöner und zwei 1,9-cm-Gewebe-Kalotten-Hochtöner. Auch in der Elektronik baut das neue Front-Surround-System auf der bewährten Basis auf. Die integrierten Schaltendstufen leisten gemeinsam 200 Watt, der DSP-Algorithmus zur Erzeugung von Raumklangeffekten ist bei Canton ein alter Bekannter: Der TruSurround-Virtualizer von DTS zeichnet sich durch sehr imposante Surround-Effekte aus.

Das DM 75 verfügt über zwei Wiedergabe-Modi: Stereo für die klassische Zweikanal- Wiedergabe und Surround fürs Heimkino. Eine Besonderheit der Canton-Strategie und ein Grund für die im Vergleich zur Konkurrenz plastischer wirkende Wiedergabe liegt darin, dass Surround-Ton, der über die beiden S/PDIF-Digital-Eingänge eingespeist wird, vom Prozessor mehrkanalig verarbeitet wird. Dagegen verwenden die meisten Mitbewerber auch bei DVDs oder Blu-ray Discs nur den Zweikanal-PCM-Ton, weil ansonsten höhere Lizenzgebühren fällig werden.

Damit lässt sich unabhängig von der Lautsprecher-Anordnung lediglich eine Pseudo-Räumlichkeit erzeugen. Allerdings spart auch Canton - und zwar wie üblich an den HDMI-Anschlüssen. Lob verdienen dagegen die drei Presets für optimale akustische Anpassung am Aufstellungsort. Das unter der Frontabdeckung versteckte Display geizt zwar mit Informationen, zeigt aber zumindest die Quelle an. So muss der Benutzer anders als bei Geräten, die lediglich LEDs in unterschiedlichen Konstellationen und Farben zum Leuchten bringen, weder ein Kryptografie-Genie sein noch die Bedienungsanleitung in allen Details verinnerlicht haben.

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Der Frequenzgang ist ausgewogen. Das DM 75 konnte bei unserer Messung 4 dB lauter spielen als das DM 50 und kam etwas tiefer hinunter. Der Schlüssel zum besseren Bass liegt im deutlich niedrigeren Klirr im Tief- und Mitteltonbereich.

Überzeugender Klang

Im Hörtest fielen zunächst die deutlich sonoreren Bässe und die größeren Aussteuerungsreserven auf. Wenn es Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger oder Jason Statham krachen lassen, klingt das jetzt sehr eindrucksvoll und scheppert nicht gleich, wenn mal ein Gebäude in die Luft fliegt. Das neue DM 75 wirkte insgesamt dynamischer und weniger angestrengt als das für seine Größe ebenfalls hervorragende DM 50. Wer einen großen Flatscreen auf das mit bis zu 40 Kilo belastbare MDF-Gehäuse stellt, bekommt also einen standesgemäßen Sound.

Darüber hinaus überzeugte das DM 75 auch ganz ohne Bild. Mit Stereokost gefüttert, punktete die breitflächige Hörbühne. Und auch die höhere Spielfreude wusste zu gefallen. Als sehr praktisch und klanglich keinesfalls von relevanten Einbußen geprägt erwies sich die Möglichkeit, Musik vom Smartphone via Bluetooth direkt an das One-Box-System zu funken. Canton verwendet den fast CD-Qualität bietenden aptX-Codec und erfreute in der Praxis mit Pairing zwischen unserem iPhone und dem DM 75.

Fazit

Wie beim Auto-Tuning gilt: breiter, schwärzer, stärker. Das praktische DM 75 bietet ein Maximum an Raum, Bass-Power und Dynamik fürs Geld plus eine auf das Wesentliche beschränkte Ausstattung. Das ergibt einen Kauftipp für die in drei Farben angebotene Flunder.

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