Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Systemkamera

Canon EOS M5 im Test

Canon EOS M5 – so heißt Canons vierter Versuch im spannenden Markt der spiegellosen Systemkameras. Und im Gegensatz zu den Vorläufern kann man bei diesem Modell fast bedenkenlos zugreifen.

Canon EOS M5

© Canon

Canon EOS M5: Das Gehäuse ist mit einem gummiähnlichen Kunststoff überzogen und fühlt sich sehr rutschsicher an.

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EUR 1.129,00

Pro

  • Gute Bildqualität bis ISO 1600
  • Flotter Autofokus
  • WLAN, Bluetooth & NFC

Contra

  • Knappes Objektivangebot

Fazit

ColorFoto Testwertung: 58,5 Punkte (6,5 Punkte über Durchschnitt)

So richtig überzeugen konnten die spiegellosen Systemkameras von Canon bisher nicht. In der ColorFoto- Bestenliste für APS-C-Kameras trägt die EOS M10 aktuell die „Rote Laterne“ des Tabellenletzten; und die M3 steht, um in der Sportsprache zu bleiben, gerade einmal auf einem Relegationsplatz. Jetzt nimmt Canon einen neuen Anlauf und bringt nach M, M3 und M10 die M5. Sie kombiniert einen 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format und Dual-Pixel-Technik wie in der EOS 80D​ mit einem Digic-7-Prozessor. Preis: 1150 Euro.​

Gehäuse und Ausstattung 

Die Canon EOS M5​ sieht aus wie eine zu heiß gewaschene SLR. Aber trotzdem ist das 116 x 90 x 61 mm große und ca. 430 g schwere Modell schon auf den ersten Blick eine vollwertige Systemkamera. Das Gehäuse ist außer an Ober- und Unterseite mit einem gummiähnlichen Kunststoff überzogen. Dieser Kunststoff ist mit einer Struktur versehen und fühlt sich sehr rutschsicher an. Die Griffform und das gewählte Material bieten erstklassigen Halt – es scheint, als „klebe“ die Kamera in der Hand.​

Ein Vorteil, der gerade bei schwereren Objektiven nicht zu unterschätzen ist. An der Kameraoberseite sind insgesamt vier Einstellräder angebracht: Das Moduswahlrad mit zwölf Positionen ist gegen Verdrehen mit einem gefederten​ Stift gesichert, das Einstellrad für die Belichtungskorrektur rechts positioniert, also im Daumenbereich. Das dritte Einstellrad befindet sich knapp neben dem Auslöser, ist außen gerändelt und hat in der Mitte noch eine Taste. Der Auslöser hat einen Ring, der ebenfalls zur Einstellung von unterschiedlichen Funktionen zu verwenden ist, und an der Kamerarückseite sind ein Vierwegetaster und sechs weitere Tasten positioniert.

Die vielen mechanischen Bedienelemente der Canon EOS M5​ sind nur auf den ersten Blick etwas verwirrend, denn man erkennt schnell, dass viele Funktionen mit unterschiedlichen Bedienelementen aufgerufen und eingestellt werden können – ganz nach den individuellen Vorlieben des Nutzers.​

Die Canon EOS M5​ ist sehr gut und solide verarbeitet. Sie macht einen robusten Eindruck, auch wenn die Abdeckungen für die diversen Steckanschlüsse ihrer nicht würdig sind. Bei häufiger Benutzung brechen diese Gummilappen in der Praxis einfach ab. Zur Ausstattung gehört ein eingebauter Blitz mit Leitzahl 5 bei ISO 100. Möglich sind Auto (E- TTLII), manueller Blitz und drei Einstellungen für die Blitzstärke. Ein Zubehörschuh sorgt für Anschluss an hochwertige Blitzsysteme.

Neben WLAN und NFC bringt die Canon EOS M5 auch Bluetooth mit. Darüber kann die Kamera bei geringem Stromverbrauch eine permanente Verbindung zu An- droid- und iOS-Geräten aufbauen. Ein-/Ausschalten und Auslösen sind so möglich, für andere Einstellungen wie Fernsteuerung mit Live View auf dem Smartphone schaltet man auf (stromfressenderes) WLAN um.

Objektive 

Canon bietet für das EOS-M-Bajonett derzeit nur fünf Zooms und zwei Festbrennweiten an, darunter ein Makro. Zudem zeigt sich keins der Objektive als Lichtriese. Dies rückt den Mount- Adapter EF-EOS M in den Fokus der M5-Interessenten. Per Mount-Adapter lassen sich EF- und EF-S-Objektive anschließen. Für zwei Kombinationen haben wir deren AF-Zeiten gemessen. Beim M-Objektiv-Angebot hat Canon noch Nachholbedarf.

Canon EOS M5

© Canon

Canon EOS M5 von oben

Sensor und Autofokus 

Als Sensor bringt die M5 die von der EOS M3​ bekannte 24,2-MP-Auflösung mit, allerdings ist der Sensor nicht der gleiche. Auch der Digic-6-Bildprozessor wurde durch die aktuelle Digic-7-Variante ersetzt. Der neue Sensor ist (wie bei der 80D) ein Dual-Pixel-CMOS-Typ mit Pixeln aus jeweils zwei Fotodioden, die sich zur Fokussierung per Phasendetektion getrennt auslesen lassen. Damit stellt die Kamera nicht nur mit EFM- Objektiven, sondern auch mit EF/ EF-S-Objektiven zügig scharf, die per Adapter angeschlossen werden. Der Geschwindigkeitsvorteil ist sofort spürbar, und die Laborwerte bestätigen: Wo die M3 sich mit 0,38/0,81 s (300/30 Lux) eher als lahme Ente präsentierte, punktet die M5 mit zeitgemäßen 0,26/0,28 s. Nur die Einschaltverzögerung ist mit 1,7 s etwas gemächlich.

Als Testobjektiv diente ein Canon EF-M 3,5-5,6/18-55, also ein M-Objektiv. Zum Vergleich haben wir zusätzlich die AF-Geschwindigkeit eines klassischen USM-Objektivs gemessen. Dessen AF ist nicht für die Messung einer spiegellosen Kamera optimiert, aber das Ergebnis passt: Das Canon EF 2,8/24-70 L USM kommt mit dem Mount-Adapter auf 0,29/0,37 s bei (300/30 Lux). Beim dritten Testkandidaten Canon EF-S 3,5-5,6/18-135 IS USM haben wir ebenfalls ordentliche Werte gemessen: 0,27/0,29 Sekunden bei (300/30 Lux).

Display und Sucher 

Das Touch-LCD nimmt einen großen Teil der Rückseite ein. Mit 3,2 Zoll in der Diagonalen ist es zwar nur um 0,2 Zoll (5,1 mm) größer als bei vergleichbaren Kameras, das reicht allerdings schon aus, um Schriften und Symbole etwas größer und damit deutlicher darzustellen. Das wiederum kommt der Touch-Funktionalität des Displays sehr entgegen. Man muss nicht mühsam winzige Symbole anvisieren, sondern es funktioniert so, wie man es von einem guten Touch-Display erwartet: zuverlässig und sicher. Das Display hat eine Auflösung von 540 000 RGB-Bildpunkten und lässt sich nach oben um 85° und nach unten um 180° klappen. Das macht Selfies vom Stativ schwierig, denn der Stativkopf verdeckt die direkte Sicht zum Monitor.​

Der 0,39 Zoll kleine OLED-Sucher hat eine Auflösung von 786 667 Bildpunkten und ist – im Gegensatz zu dem der M3 – fest eingebaut, etwas oberhalb des Objektivs. Die OLED-Technik mit bis zu 120 B/s sorgt für eine sehr flüssige Darstellung, allein die Dioptrienanpassung ist ein schlechter Witz, denn der kleine Schieber erfordert etliche Versuche, bis es passt.​

Canon EOS M5 Sucher

© Canon

Der Sucher hat zum Dioptrienausgleich nur einen fummeligen Minischieber.

Bedienung 

Canon hat bei der M5 auch das Bedienkonzept überarbeitet, es gleicht nun mehr dem der DSLRs. Wo immer es sinnvoll ist, kann man Funktionen auf mechanische Bedienelemente auslagern – in Verbindung mit dem zuverlässigen Touch-Display ist das wirklich intuitiv. Auf häufig verwendete Einstelldaten kann mit einem Tastendruck oder Dreh zugegriffen werden. Das Moduswahlrad bietet zudem zwei Customer-Positionen C1 und C2. Der Benutzer kann hier Einstelldaten im Block abspeichern und je nach Situation auch im Block wieder aufrufen.​

Filmen kann die M5 in Full HD mit 1920 x 1080 Pixeln und maximal 60 B/s, auf Videos in 4K muss man leider verzichten. Dafür gibt es eine interne Bildstabilisierung, bei der ein Beschleunigungssensor die Kamerabewegungen misst und der Bildprozessor das ent​sprechend verrechnet. Für Tonaufnahmen hat die M5 ein internes Stereomikrofon, für ein externes Mikrofon gibt es einen Klinkenanschluss (3,5 mm).​

Bildqualität 

Canon liefert mit mehr als 1800 LP/BH bei ISO 100 eine solide Auflösung, die bis ISO 1600 oberhalb der 1700er-Marke bleibt. Auch die DL-Werte fallen zumindest bis ISO 800 sowohl in hohen als auch niedrigen Kontrastbereichen ordentlich aus. Und die übertriebene Kantenanhebung – Kritikpunkt bei der M3 – hat man deutlich zurückgefahren. Unsere Messung basiert auf dem Bildstil Feindetail. Insgesamt hat Canon die Abstimmung bei niedrigen ISO-Stufen gut im Griff. Ab ISO 800 lässt die Feinzeichnung nach, und Empfindlichkeiten über ISO 1600 sollte man meiden.​

Fazit 

Die Canon EOS M5 bietet endlich das, was sich ambitionierte Anwender schon immer von einer spiegellosen Canon gewünscht haben – etwa einen integrierten Sucher und einen zeitgemäß flotten Autofokus. Dazu hat die M5 die Vorzüge, die auch die M3 schon in die Waagschale werfen konnte, wie gute Abbildungsqualität bis ISO 1600 und eine angemessene Ausstattung. Keine Frage: Mit der EOS M5 ist Canon endlich im spiegellosen Marktsegment angekommen. Auch 1150 Euro sind für die überzeugende Leistung ok, unangemessen ist jedoch das dünne Objektivprogramm.​

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Kommentar des Test-Autoren

Der aufgerufene UVP liegt deutlich oberhalb der 1000-Euro-Marke. Das ist für das Gehäuse per se in Ordnung, wäre da nicht das einfach zu dünne Angebot an EF-M-Objektiven. Mal abgesehen von einer 22-Millimeter-Festbrennweite ist kein Objektiv dabei, das eine Lichtstärke von 2,8 oder besser zu bieten hat, und das ist eine erhebliche Hypothek für die EOS M5.

Zwar sind die EF- und EF-S-Objektive ohne Funktionsverluste einsetzbar – unsere AF-Messung hat diese Aussage Canons bestätigt. Sie sind aber groß und schwer und degradieren die schnuckelige M5 fast schon zum Zubehör.

Zumindest drei lichtstarke Zooms und fünf bis sechs entsprechende Brennweiten sollten 2017 unbedingt dazukommen. Dann kann das schon lange tot gesagte Canon-M-System doch noch eine Zukunft erwarten. Da die Kamera klar über dem verfügbaren M-Objektiv-Programm positioniert  ist, verzichten wir auf eine Empfehlung, bis  die passenden Objektive kommen.​

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