DSLR

Canon EOS 70D im Praxistest

Mit der EOS 70D toppt Canon die in die Jahre gekommene EOS 60D. Kernstück der erweiterten Ausstattung ist der Dual Pixel CMOS AF. Für den ersten Praxistest stand uns ein Vorserienmodell zur Verfügung.

Canon EOS 70D Praxis Test

© Canon

Canon EOS 70D Praxis Test

Die Canon EOS 70D richtet sich als DSLR an Aufsteiger. Bisher bildete die EOS 60D die Brücke zwischen den Canon-Modellen der Einsteigerklasse und den semiprofessionell orientierten Mittelklassemodellen EOS 7D und 6D. Zudem läutete die EOS 60D, zur photokina 2010 vorgestellt, die Ära der verstellbaren Monitore bei Canon ein.

Bei der Canon EOS 70D wurden im Vergleich zur EOS 60D die Nennauflösung von 18 auf 20 Megapixel und das Serienbildtempo erhöht - von etwa 5 auf 7 Bilder pro Sekunde. Bis zu 65 JPEG- und 16 RAW-Aufnahmen sollen damit in direkter Folge möglich sein (Herstellerangaben). Die dafür nötige Rechenleistung schafft ein Digic-5-Bildprozessor mit 14-Bit-Signalverarbeitung; ISO-Werte lassen sich bei der Canon EOS 70D zwischen 100 und 12 800 (erweiterbar bis ISO 25 600) einstellen.

EOS 70D Canon Infos News

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Illustration: Alle Infos zur Canon EOS 70D auf einen Blick.

Die AF-Technik der EOS 70D

Am deutlichsten zugelegt aber hat die Canon EOS 70D bei der Autofokustechnik. Der im SLR-Sucherbetrieb aktive Phasen-AF verfügt jetzt über 19 AF-Punkte, allesamt Kreuzsensoren, für Objektive bis zu einer Lichtstärke von 1:5,6. Das zentrale AF-Messfeld ist als hochempfindlicher diagonaler Kreuzsensor für eine Lichtstärke bis 1:2,8 ausgelegt. In dieser Hinsicht zieht die EOS 70D mit der größeren Schwester EOS 7D gleich und übertrifft die EOS 60D deutlich; die muss nämlich mit 9 AF-Punkten inklusive eines zentralen Kreuzsensors auskommen.

Noch mehr technische Raffinesse verspricht freilich der neue Dual Pixel CMOS AF (wir berichteten), den Canon mit der EOS 70D erstmals vorstellt. Zielvorgabe war eine deutlich beschleunigte Fokussierung im Live-View- und Videobetrieb im Vergleich zur EOS 60D und anderen SLR-Kameras. Alle 20 Millionen effektiven Pixel der EOS 70D bestehen aus jeweils zwei Fotodioden, die für den Phasen-AF separat und zum Erzeugen von Bilddaten gemeinsam ausgelesen werden.

Canon EOS 70D - vorne

© Canon

Der 3-Zoll-Monitor lässt sich aus dem Gehäuse schwenken und um seine eigene Achse drehen.

Deutlich an Tempo zugelegt

Die ersten Praxistests mit der Canon EOS 70D - aufgrund des Vorserienmodells noch nicht durch Messungen bestätigt - deuten auf einen ungewöhnlich zügig arbeitenden Sensor-AF hin, der kaum noch hinter dem Phasen-AF im Sucherbetrieb zurückbleibt. Besonders ausgeprägt ist der Tempovorteil beim Arbeiten mit kontinuierlichem AF. Dies kommt zum einen beim Fotografieren bewegter Objekte im Live-View-Modus zum Tragen, zum anderen beim Filmen.

In Kombination mit einem STM-Objektiv (EFS 3,5-5,6/18-55 mm IS STM) arbeitete der permanente Autofokus der Canon EOS 70D ohne Ruckeln oder Pumpen und nahezu geräuschlos - ein Meilenstein im Vergleich zu anderen Canon-Modellen und eine Herausforderung für die wenigen Konkurrenten mit ebenfalls schnellem Kontrast-AF wie die Olympus OM-D E-M5 (Test).

Ein wenig verwunderlich ist, dass Canon unter den AF-Methoden im Live-View nach wie vor auch den "Quick-Modus" mit 19-Punkte-AF und Dunkelpause beim Scharfstellen anbietet - angesichts des schnellen Sensor-AFs eigentlich verzichtbar. Der Sensor-AF lässt sich als Mehrfeld- und Einzelpunkt-Autofokus konfigurieren oder mit Gesichtserkennung inklusive AF-Verfolgung verwenden.

Canon EOS 70D

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Der Touchscreen wertet das ohnehin gute Bedienkonzept der Kamera weiter auf. Das gilt für Einstellungen - hier am Quick-Info-Monitor - ebenso wie für das punktgenaue Bestimmen des AF-Punkts mit der Fingerspitze.

Kaum modifiziertes Gehäuse

Die Canon EOS 70D hat ein im Vergleich mit der EOS 60D nur wenig modifiziertes, rund 5 mm schmaleres Gehäuse; das Gewicht bleibt mit 755 g unverändert. Den verwendeten Materialmix beschreibt der Hersteller als "Aluminiumlegierung mit glasfaserverstärktem Polycarbonat". Der Body der Canon EOS 70D liegt aufgrund seiner rauen Oberflächenbeschichtung gut in der Hand; er ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Das eingebaute Blitzgerät lässt sich auch als Master beim drahtlosen Blitzen in E-TTL-II-Technik verwenden.

Bei der Bildfeldabdeckung hat die DSLR mit 98 Prozent im Vergleich zur EOS D60 (96 Prozent) ein wenig zugelegt, nicht aber bei der effektiven Suchervergrößerung, die nach wie vor bei 0,56fach liegt. Neu ist allerdings die LCD-Mattscheibe, die etwa das Einblenden eines Gitters in den Sucher erlaubt; dafür lassen sich die Sucherscheiben im Gegensatz zur EOS 60D nicht wechseln.

Canon EOS 70D - oben

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Neu ist bei der 70D die AF-Taste zwischen Auslöser und vorderem Einstellrad.

Der schwenk- und drehbar gelagerte TFT-Monitor der Canon EOS 70D bietet eine hohe Auflösung von 346.700 RGB-Bildpunkten und ist als Touchscreen ausgelegt. Zudem besitzt die Kamera das klassentypische LC-Display an der Oberseite mit zugeordneten Funktionstasten (AF, Drive, ISO, Belichtungsmessmethode).

Zweites Canon-Modell mit integriertem WLAN

Erfreulicherweise ist die Canon EOS 70D nach der EOS 6D das zweite Canon-Modell mit integriertem WLAN. Über die App "EOS Remote" lässt sich ein Smartphone oder Tablet mit Android-Betriebssystem zur Kamera-Fernbedienung mit Live-Bild-Kontrolle umfunktionieren. Und wenn Sie wollen, können Sie über das Smartphone die Bilder dann auch gleich online stellen. Die EOS-Remote-App ist in aktualisierter Form bereits im App-Store erhältlich; mit dem Vorserienmodell ließ sich die Verbindung allerdings noch nicht aufbauen.

Canon EOS 70D

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Zonen-AF: Die Messfeldgruppen umfassen vier Felder (links, rechts, oben, unten) oder neun Felder, wenn man die Mitte anwählt.

Neue Taste für AF-Konfiguration

Bei Anzahl und Anordnung der Bedienelemente gibt es einige Änderungen, die über rein kosmetische Korrekturen hinausgehen: Neu ist bei der Canon EOS 70D die AF-Taste zwischen Auslöser und vorderem Einstellrad. Über diese Taste lassen sich drei Autofokus-Konfigurationen wählen: AF-Feld-Automatik mit 19 Feldern, manuelle AF-Zonen-Wahl und Einzelfeld-AF. Beim Zonen- bzw. Einzelfeld-AF kann man mittels Drehrad oder Richtungstasten (links/rechts/diagonal) komfortabel AF-Felder bzw. Zonen anwählen.

Einfacher Wechsel von Foto- zu Videoaufnahmen

Von der Canon EOS 7D übernommen wurde der praktische Umschalthebel für Live-View- und Videomodus mit integrierter Start-/Stopptaste rechts vom Suchereinblick. Er vereinfacht vor allem den Wechsel zum Film (max. 1.920 x 1.080 p), weil man den Videomodus nicht wie bei anderen Canon-Modellen erst als Aufnahmebetriebsart am Programmrad vorwählen muss.

Kaufberatung: Worauf Sie beim DSLR-Kauf achten sollten

Das Programmrad der Canon EOS 70D lässt sich erst nach Drücken einer Entriegelungstaste drehen und bietet Zugriff auf die verfügbaren Belichtungsprogramme, darunter Voll-, Programm-, Zeit- und Blendenautomatik, manuelle Zeit-/Blendeneinstellung, sieben Motivprogramme (SCN) und ein Individualspeicher (C).

Canon EOS 70D - seite

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Die EOS 70D speichert auf SD, SDHC oder SDXC (UHS-I) Karten.

Die TTL-Offenblendenmessung der Canon EOS 70D lässt mit 63 Dual-Layer-Messsektoren keine Wünsche offen: Neben Matrix- und Integralmessung (mittenbetont) bietet die Digitalkamera die Wahl zwischen selektiver Messung (ca. 7,7 Prozent des Bildfelds) und Spotmessung (ca. 3 Prozent). Automatische Belichtungsreihen sind jetzt mit bis zu sieben Aufnahmen möglich, und im Mehrfachbelichtungsmodus können bis zu neun Aufnahmen überlagert werden; auch gibt es eine HDR-Automatik auf Basis von drei Einzelbelichtungen, für die sich eine Spreizung von ein, zwei und drei Blenden einstellen lässt.

Bedienung erster Klasse

Die gelungene Mischung aus Funktionstasten, Einstellrädern, übersichtlichem Hauptmenü und Quick-Info-Monitor bürgt bei den EOS-Modellen für einfache Bedienbarkeit. Als zentrales Bedienelement dient bei der EOS 60D/70D das kombinierte Drehrad mit Richtungswippe und Set-Taste in der Mitte. Damit hat man alles beisammen, was pro Arbeitsgang benötigt wird.

So wählt man etwa im Quickmenü mit der Richtungswippe die Funktion und ändert per Rad die gewünschte Einstellung. Ein unbürokratisches Konzept, das durch die alternative Touch-Bedienung noch erheblich aufgewertet wird. Häufig erweist sich das Tippen mit dem Finger nämlich als die schnellere Methode im Vergleich zur fummelig-kleinen Richtungswippe innerhalb des Drehrads.

Canon EOS 70D - Hinten

© Canon

Gewohnt gute Bedienung: Auch die EOS 70D hat ein kombiniertes Drehrad mit Richtungswippe und Set-Taste in der Mitte.

Zudem bietet sich die Möglichkeit, im Live-View den AF-Punkt mit der Fingerspitze zu bestimmen, was bei aktiviertem Touch-Auslöser gleich zu einer Aufnahme führt. Auch frühere Touchscreen-Muffel dürften diese vom Smartphone inzwischen gewohnte Bedienvariante nicht verschmähen.

Übersicht Canon: Alle EOS-DSLRs im Test

Testfazit

Mit der EOS 70D hat Canon das bereits überzeugende Konzept der EOS 60D (Test) verfeinert und auf ein neues technisches Niveau gehoben. Der Dual Pixel CMOS AF offenbart sich bereits beim Vorserienmodell als klarer Fortschritt.

Der Sucherbetrieb mit Phasen-AF wird dadurch zwar (noch) nicht obsolet - der Zugewinn an Einstellgeschwindigkeit und Fokussiergenauigkeit beim Live-View und Filmen ist aber beträchtlich. Man darf gespannt sein, ob die EOS 70D auch bei der Bildqualität neue Akzente setzen kann. Wir warten gespannt auf ein Seriengerät.

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