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Canon EOS 5D Mark II im Test

Mit einem Preis von 2400 Euro ist die EOS 5D Mark II rund 4500 Euro günstiger als Canons Flaggschiff 1Ds Mark III. Beide EOS-Modelle kommen mit 21-Megapixel-Sensor, die 5D Mark II mit erweiterter Ausstattung inklusive Videomodus. Bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis mag auch mancher Profi ins Grübeln kommen zu Zeiten, in denen die konkurrierenden Kollegen sich beim Honorar nur noch in einer Richtung überbieten - nach unten.

  1. Canon EOS 5D Mark II im Test
  2. Datenblatt
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© Archiv

Pro

  • hervorragende Bildqualität
  • bequeme Bedienung
  • gute Auslöseverzögerung

Contra

Ein Batteriehandgriff (BG-E6) lässt sich für das solide Magnesiumgehäuse der EOS 5D Mark II zukaufen, wenn man das Handling bei Hochformataufnahmen verbessern will. Dazu kommt, dass der Hersteller die Neue deutlich besser gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet hat, als das noch bei ihrer Vorgängerin der Fall war. Auch bei der Verschlussqualität hat die 5D Mark II offenbar zugelegt, da der Hersteller jetzt für 150 000 Auslösungen garantieren will, 50 Prozent mehr als bisher. Wie beim Topmodell ist bei der 5D Mark II ein Sensorreinigungssystem an Bord.

Live-View mit Gesichtserkennung und Videos in Full-HD

Der SLR-Sucher ist mit 0,71facher Vergrößerung zwar etwas kleiner als bei der 1Ds Mark III (0,76x), aber noch immer groß genug. Die Bildfeldabdeckung wurde von 95 auf 98 Prozent erhöht, und die Einstellscheiben lassen sich wie beim Topmodell wechseln.Beim TFT-Monitor hat die Neue eindeutig die Nase vorn, da bei unveränderter Diagonale (3 Zoll/ 7,6 cm) die Auflösung verdreifacht wurde.

Praktisch, bei Bedarf aber auch abschaltbar, ist die Automatik, mit der der Monitor seine Helligkeit dem Umgebungslicht anpasst. Live-View beherrscht das EOS-Topmodell nur in Verbindung mit manueller Fokussierung, während der EOS 5D Mark II dafür Phasen- und Kontrast-AF, ergänzt durch Gesichtserkennung, zur Verfügung stehen. Die dafür nötige Rechenleistung liefert der mit der EOS 50D eingeführte Digic-4-Prozessor, der dem doppelten Digic-3-Prozessor der 1Ds Mark III offenbar nur in einem Punkt unterlegen ist: Die maximale Bildfrequenz beträgt bei der 5D Mark II "nur" 3,8 B/s, während der Vollprofi bis zu 4,8 B/s schafft.

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Neben JPEGs und RAWs in verschiedenen Qualitätsstufen bzw. Größen zeichnet die Canon als erste Digitalkamera Videos im Full-HD-Format mit 1920 x 1080 Bildpunkten auf (HDTV-Standard 1080 p). Die derzeit einzige Konkurrentin mit Videofunktion, die Nikon D90, begnügt sich mit einer Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten (HDTV-Standard 720 p). Zudem verwendet die Nikon den älteren Motion-JPEG-Codec zum Komprimieren der Videodaten, während die EOS 5D Mark II mit dem effizienteren H.264-Codec arbeitet. Die maximale Aufnahmezeit ist deshalb bei der EOS mit 12 Minuten mehr als doppelt so lang wie bei der Nikon. Außerdem kann man bei der EOS den Autofokus im Videomodus mittels AF-on-Taste aktivieren, während sich die Nikon beim Filmen nur manuell fokussieren lässt. Nachteil: Das Rödeln des Autofokus wird bei der EOS in der Aufnahme hörbar. Wenigstens sollte man den Piepton abschalten, der das erfolgreiche Fokussieren signalisiert. Noch weniger Nebengeräusche fängt man sich ein, wenn man ein externes Mikrofon benutzt, das sich bei der EOS per Miniklinkenbuchse anschließen lässt.

Bewährtes Bedienkonzept der gehobenen EOS-Modelle

Bei der Bedienung folgt die 5D Mark II dem Beispiel aller gehobenen Canon-Modelle: Das große Daumenrad an der Rückseite macht das Navigieren in den Menüs und den Bildwechsel im Wiedergabemenü zum Vergnügen. Ergänzend findet sich ein kleiner Joystick, der den sonst üblichen 4-Wege-Schalter ersetzt. Das Moduswahlrad für die Belichtungsprogramme, links oben am Gehäuse, weist neben dem Üblichen drei Einstellpositionen (C1-C3) für zuvor erstellte Kameraprofile aus, die sich auf diese Weise unbürokratisch anwählen lassen. CA steht dagegen für eine modifizierte Vollautomatik mit einsteigergerechten Eingriffsmöglichkeiten, etwa für mehr oder weniger Schärfentiefe im Bild.

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Der in einer kleinen Mulde gelegene Auslöser setzt einen ergonomischen Akzent; auch sonst vermittelt das Gehäuse eine angenehme Haptik.

Rechts vom Sucherprisma findet sich das für die Modellreihe typische LC-Display zur Anzeige von Aufnahmedaten. Dem Display zugeordnet sind vier Tasten, über die man Zugriff auf folgende Parameter hat: ISO-Einstellung und Belichtungskorrektur, AF-Modus und Drive (Einzel-/Serienbild, Selbstauslöser), Weißabgleich und Belichtungsmessmethode. Neben der Matrixmessung mit 35 Sektoren erlaubt die EOS 50D die Varianten mittenbetont-integral, selektiv (ca. 9 % des Sucherfeldes) und Spot (3,8 % des Sucherfelds).Wie bei der EOS 50D hat Canon bei der 5D Mark II eine zusätzliche Bedienebene eingezogen: Ein Druck auf den Joystick öffnet ein Anzeigefeld am Monitor, in dem Kamera-Einstellungen nicht nur zu sehen sind, sondern direkt verändert werden können. Dazu navigiert man mittels Joystick auf das betreffende Feld, um dort mit einem der beiden Einstellräder tätig zu werden ("Quick Control Screen").

Beim Auslösen nicht ganz so schnell wie die Vorgängerin

Zur automatischen Fokussierung verwendet die EOS 5D Mark II das AF-System ihrer Vorgängerin mit 9 Punkten inklusive einem Kreuzsensor und nicht das aufwändigere System des Profimodells (45 AF-Punkte, 19 Kreuzsensoren). Eine AF-Feinkorrektur zum Kompensieren von Front- oder Backfocus-Problemen ist aber bei beiden an Bord. Bei der Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit erreicht die Kamera mit 0,28/0,33 s bei 3000/30 Lux gute Werte, die allerdings bei der Vorgängerin noch besser waren (0,18/ 0,24 s).

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Eine wichtige Neuerung ist bei der 5D Mark II die Vignettierungskorrektur. Mit Hilfe der zur Kamera gelieferten Software (EOS Utility) lassen sich die dazugehörigen Objektivdaten von bis zu 40 unterschiedlichen Canon-Objektiven registrieren. Die Vignettierungskorrektur wirkt, wenn zugeschaltet, beim Aufnehmen von JPEGs in der Kamera. Für RAWs ist die Funktion dagegen in den externen RAW-Konverter verlagert und wird bei der Nachbearbeitung am Computer aktiviert.

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Das Moduswahlrad links oben am Gehäuse ist typisch für die semiprofessionelle EOS-Linie; die Rastpositionen C1 bis C3 stehen für drei mögliche Anwenderprofile.

Bildqualität

Bei der Grenzauflösung schafft die EOS 5D Mark II maximal 1681 LP/BH und damit rund 70 LP/BH weniger als die 1Ds Mark III, ist aber beim Texturverlust besser, ohne in diesem Punkt die Nikon-Modelle zu erreichen. Beim Rauschen werden sehr gute Werte zwischen VN 0,5 und 0,9 erreicht - das sind die bisherigen Referenzwerte der Nikon D3, die allerdings eine deutlich geringere Nennauflösung bei gleicher Sensorgröße hat. Erfreuliches auch bei der Dynamik: Mit 10 Blenden bei ISO 100 beginnend, fällt die EOS bis ISO 1600 nicht weiter als auf 9,5 Blenden ab. Unterm Strich setzt die EOS 5D Mark II eine neue Bestmarke bei der Bildqualität, die über den im Testlabor gemessenen Bereich bemerkenswert konstant bleibt. In Punkten: 60,5 bei ISO 100 und 58,5 bei ISO 1600. Zum Vergleich: Die 1Ds Mark III erreicht 61 Punkte bei ISO 100, aber nur noch 51,5 bei ISO 1600.

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Canon EOS 5D Mark II

HerstellerCanon
Preis1900.00 €
Wertung55.0 Punkte
Testverfahren1.6

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