Testbericht

Canon EOS 400D

Die EOS 400D ist die konsequente Weiterentwicklung der Modelle 300D und 350D. An Leistung und Ausstattung hat sie im Vergleich zur 350D nochmal deutlich zugelegt. Betrachtet man zudem die günstigen Einstiegspreise von rund 800 Euro für das Gehäuse und 900 Euro für das Set mit dem EF-S 18-55, muss man sich um den flächendeckenden Erfolg der Neuen wohl keine Gedanken machen. Den ersten Platz in der Klasse bis 1000 Euro teilt sich die EOS 400D mit der Nikon D80 - bei einer Gesamtpunktzahl von 76,5 Punkten.

  1. Canon EOS 400D
  2. Datenblatt
Canon EOS 400D Vorderseite

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Canon EOS 400D Vorderseite

Erfolgreich setzt Canon bei der EOS 400D jene Salami-Taktik fort, die man bei D-SLR-Herstellern seit einiger Zeit beobachten kann: Nicht in großen Stücken, sondern scheibchenweise kommt der Fortschritt - exakt so dosiert, dass der Besitzer des Vorgängermodells die Neue ernsthaft in Erwägung zieht, der Spielraum für künftige Verbesserungen aber nur ja nicht ausgereizt wird. Was wünscht sich beispielsweise der Besitzer einer EOS 350D vorrangig? Einen größeren Monitor und vielleicht mehr Auflösung, wenn er in Richtung Nikon oder Sony schielt. Oder fehlt ihm vielleicht eine automatische Sensorreinigung, weil er die Kamera schon lange genug hat, um sich über graue Flecken in hellen Bildpartien zu ärgern?

Canon EOS 400D Rückseite

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Der 2,5-Zoll-Monitor gibt nicht nur aufgenommene Bilder brillant wieder, sondern informiert bei der Aufnahme auch über Mess- und Einstellwerte.

Zücken wir also wieder einmal die Geldbörse, denn die EOS 400D bietet alle wesentlichen Verbesserungen, um ihrem Schwestermodell den Rang abzulaufen: Die Auflösung wurde von 8 auf 10 Mio. Pixel erhöht, der TFT-Monitor von 1,8 auf 2,5 Zoll vergrößert. Aufgrund des kompakten Gehäuses erstreckt sich der Monitor nun über die gesamte Fläche an der Kamerarückseite zwischen Bodenplatte und Suchereinblick. Da ist auch kein Platz mehr für das schmale LC-Display, das bei der 350D oberhalb des Monitors sitzt.

Aus der Not hat Canon aber eine Tugend gemacht: Die EOS 400D nutzt den TFT-Monitor auch zur Anzeige von Aufnahmedaten, wie man das von Konica Minolta, Sony, Olympus oder Panasonic kennt. Einstell- und Messwerte werden Schwarz auf Weiß und damit erfreulich kontrastreich angezeigt, Farben sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt. Drückt man beispielsweise die Belichtungskorrekurtaste, wird die Korrekturskala blau unterlegt, der mit dem Rad zu bewegende Einstell-Cursor gelb. Führt man die Kamera ans Auge, erlischt der Monitor sensorgesteuert automatisch. Unterm Strich hat sich das Handling der Kamera mit dem Monitor als Datenanzeige-Instrument deutlich verbessert.

Ernst genommen hat man bei Canon auch Probleme der Anwender mit Staub auf dem Bildsensor. Wer mit dem Luftpinsel ins Kameragehäuse bläst, verteilt die Staubpartikel nur und bringt eventuell neue in Umlauf. Und nicht jeder wagt sich an die Feuchtreinigung a la "Sensor Swab". Für den Kampf gegen den Staub hat der Hersteller einen 3-Stufen-Plan entwickelt, der sich mit den Begriffen Minimieren, Abstoßen und Entfernen umschreiben lässt.

Canon EOS 400D Abblendtaste

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Wer suchet, der findet: Die Abblendtaste für die Schärfentiefekontrolle sitzt in Nähe des Typenschildes und ist zum schnellen Auffinden etwas klein geraten.

Zum ersten habe man, so der Hersteller, die Materialien im Kameragehäuse und beim Gehäusedeckel so gewählt, dass der natürliche Abrieb minimiert wird. Zum zweiten: Das Tiefpassfilter vor dem Sensor ist antistatisch beschichtet und zieht deshalb keinen Staub an. Und zum dritten: Wenn sich dennoch Staub auf dem Tiefpassfilter ablagert, wird er mittels hochfrequenter Schwingungen abgeschüttelt. Diese Funktion lässt sich manuell aktivieren oder mit dem Ein-/ Ausschalten der Kamera kombinieren. Die Anti-Staub-Funktion nimmt etwa eine Sekunde in Anspruch, was die gemessene Einschaltverzögerung von 0,4 s mehr als verdoppelt. Wer da um entgangene Schnappschüsse fürchtet, kann beruhigt werden: Die Anti-Staub-Funktion wird sofort deaktiviert, wenn man gleich nach dem Einschalten den Auslöser drückt.

Ergänzend zu den bisher genannten Maßnahmen bietet die EOS 400D ein softwarebasiertes Datensystem zur Entfernung von Staub. Dazu wird ein weißes Blatt Papier fotografiert, was die Kamera in die Lage versetzt, Staubpartikel als solche zu erkennen. Die Staubflecken lassen sich dann mit Hilfe der mitgelieferten Software Digital-Photo-Professional aus dem Bild rechnen (was noch zu testen bleibt). Wer dennoch lieber den eigenen Künsten in Sachen Staubentfernung vertraut, kann auf die altbekannte Methode zurückgreifen: Unter "Sensorreinigung manuell" findet sich die übliche Funktion, mit der sich der Spiegel hochklappen lässt, um Ihnen freien Zugang zum Bildsensor zu gewähren.

Das Gehäuse der EOS 400D vermittelt ein zwiespältiges Gefühl: Zum einen ist die Kamera sehr kompakt und leicht, was vor allem Umsteigern von digitalen Kompaktkameras entgegenkommt. Auf der anderen Seite vermitteln Haptik und Oberflächen-Finish des Gehäuses nicht jenes Gefühl von Wertigkeit, das etwa bei einer Nikon D80 aufkommt. Am Griffstück würde man sich beispielsweise eine ähnliche Gummierung wünschen, wie sie der Daumen an der Rückseite ertastet. Solange die Kamera mit leichten Zoomobjektiven wie dem EF-S 18-55 mm verwendet wird, kommt man dennoch klar; für schwerere Objektive ist die EOS 400D allerdings nicht prädestiniert.

Canon EOS 400D Akku

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Der Lithium-Ionen-Akku wird durch eine orangefarbene unststoffklaue gegen Herausfallen geschützt, wenn man die Akkufachklappe öffnet.

Wohl bedingt durch die Datenanzeige am TFT-Monitor hat sich der Stromverbrauch im Vergleich zur 350D von 13,3 Ws auf 25,3 s fast verdoppelt. Im Konkurrenzvergleich liegt das aber immer noch an der Untergrenze des derzeit Üblichen. Der kleine Lithium-Ionen-Akku NB-2LH mit 720 mAh, wie er auch in den PowerShot-S-Modellen verwendet wird, liefert eine dafür völlig ausreichende Kapazität.

Das Bedienkonzept entspricht dem der 350D: Ein Einstellrad in Nähe des Auslösers wird durch einen 4-Wege-Schalter mit integrierter Bestätigungstaste (Set) an der Gehäuserückseite ergänzt. Mit dem 4-Wege-Schalter navigiert man mühelos durch die insgesamt fünf Menüseiten mit maximal sieben Einträgen. Pro Menüseite lassen sich alle Einträge ohne Scrollen überblicken. Zudem praktisch: Die Tasten des 4-Wege-Schalters dienen im Aufnahmemodus als Funktionstasten für Messmethode, Empfindlichkeit, Aufofokus und Weißabgleich. Das heißt: Wird eine dieser Tasten gedrückt, springt automatisch der Monitor an, um den betreffenden Eintrag bzw. die Auswahlmöglichkeiten anzuzeigen. Dabei erleichtern Hervorhebungen in blauer und gelber Farbe die Übersicht.

Zugelegt hat die EOS 400D beim AF-System: Sieben Messpunkte stehen der 350D für die automatische Fokussierung zur Verfügung, neun Messpunkte der 400D. In diesem Punkt zieht die Kamera deshalb mit den teureren Schwestermodellen EOS 30D und 5D gleich. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist mit 0,25 s vorbildlich kurz. Die für Makrofotografen wichtige Spiegelvorauslösung fehlt nicht, ebenso wenig wie die Möglichkeit, Bilder parallel im JPEG- oder RAW-Format abzuspeichern. Alles in allem ist die Kamera üppig ausgestattet und wird im Funktionsumfang nur von den Nikon-Modellen übertroffen.

Canon EOS 400D Dioptrienausgleich

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Das Rädchen für den Dioptrienausgleich sitzt rechts oberhalb der Gummimuschel, die den Suchereinblick umgibt und ein Verkratzen von Brillengläsern verhindert.

Flexibilität bei der Verarbeitung von Bilddaten zu JPEGs erlaubt die im Aufnahmemenü zu findende Funktion "Bildstil". Dort lassen sich Farbabstimmung und Kontrast nach Vorgaben wie "Porträt", "Landschaft", "Neutral" oder "Natürlich" beeinflussen, was der Filmwahl bei analogen Kameras entspricht. Bei Einstellung auf "Standard" darf man eine Farbwiedergabe erwarten, wie man sie auch bei den semiprofessionellen Modellen 30D und 5D kennt. Dies erleichtert Anwendern die Arbeit, die verschiedene Gehäuse in Betrieb haben. Jede Voreinstellung lässt sich wiederum in den Parametern Schärfe, Kontrast, Farbsättigung und Farbton modifizieren. Zudem sind drei Speicher für anwenderdefinierte Einstellungen vorhanden. Canon-typisch ist die Möglichkeit, den Weißabgleich bei Bedarf in einem grafischen Menü einzustellen, das auch WB-Bracketing erlaubt. Eine weitere Eigenheit: der Schwarzweißmodus mit simulierten Filtern (Monochrom-Modus).

Was die Auswahl an Belichtungs- bzw. Motivprogrammen anbelangt, sind die Modelle EOS 350D und 400D ebenbürtig. Voll-, Programm-, Zeit- und Blendenautomatik stehen sechs Motivprogramme und der manuelle Modus zur Seite.

Ergänzend gibt es ein A-DEP genanntes Programm für maximale Schärfentiefe, das einer manuellen Einstellung auf die hyperfokale Distanz entspricht - ideal beispielsweise für Landschaftsaufnahmen, bei denen der Vordergrund eine wichtige Rolle spielt. 35 Messfelder stehen für die Belichtungsmessung im Mehrfeldmodus zur Verfügung; daneben gibt es eine mittenbetonte Messung und eine Selektivmessung, bei der neun Prozent des Bildfelds berücksichtigt werden. Die kürzeste Belichtungszeit ist mit 1/4000 s gleich geblieben, und auch an der kürzesten Synchronzeit beim Blitzen (1/200 s) hat sich nichts geändert. Leider gilt das auch für die Tatsache, dass man beim Blitzen in Programm- oder Zeitautomatik weiterhin nur die Wahl zwischen "Automatisch" (= Langzeitsynchronisation) oder Festzeit (1/200 s) hat. Wünschenswert wäre dagegen die Möglichkeit, das untere Zeitlimit frei (also beispielsweise auf 1/30 s) setzen zu können. Für diesen Fall muss man bei Canon auf das Blitzen mit manueller Einstellung von Zeit und Blende ausweichen.

Der 10-Megapixel-CMOS der EOS 400D erzeugt Bilder der Größe 32,92 x 21,95 cm bei 300 dpi. Das ermöglicht hochwertige Ausdrucke über DIN A3 hinaus und schafft Spielraum für Bildausschnitte. Die Auflösung liegt mit 1146 LP/BH bei ISO 100 auf dem gleichen Niveau wie bei der Sony Alpha 100 (1143 LP/BH) und den beiden anderen 10-Megapixel-Modellen unter 1000 Euro (1127 LP/BH). Bei ISO 400 bleibt die Canon auf dem gleichen Niveau, während die Werte bei Nikon und Sony etwas zurückgehen. Beim Rauschen erreichen alle drei Kameras bei ISO 100 die Höchstpunktzahl von 15, bei ISO 400 wird nur die Sony Alpha 100 deutlich schlechter (10 Punkte).

Beim Objektkontrast, bezogen auf ISO 100, kommt die EOS 400D auf 8,5 Blenden, übertroffen von Sony mit 9,0 und Nikon mit 9,5 Blenden. Bei ISO 400 hält die EOS den Wert von 8,5 Blenden und liegt gleichauf mit Nikon (Sony: 7,5 Blenden). Weißabgleich und Farbgenauigkeit geben keinerlei Anlass zu Tadel. Unterm Strich erreicht die Canon EOS 400D bei der Bildqualität 57/56 Punkte bei ISO 100/400. Die Nikon D80 kommt auf 57/55, die Sony Alpha 100 auf 56,5/47,5 Punkte.

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Test

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$umbruch$ Beurteilung nach neuen Testkriterien

Canon EOS 400D

Guten Werten beim Bildrauschen bei ISO 100 stehen bei der Canon EOS 400D leicht schlechterer Werte in Texturverlust und Objektkontrast gegenüber. Aber auch die EOS 400D gehört zu den älteren Modellen. Bei höheren Empfindlichkeiten macht das Gerät wieder Boden gut und belegt letztendlich in seiner Kategorie in punkto Bildqualität einen guten zweiten Platz.

Canon EOS 400D Blitzkorrektur

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Farbige Hinterlegungen erleichtern das Ablesen von Einstellwerten, wie hier bei der Blitzkorrektur.
Canon EOS 400D Sensorreinigung

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Die integrierte Sensorreinigung kann mit dem Ein-/Ausschalten der Kamera verknüpft werden.
Canon EOS 400D Weißabgleich

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Ein Extra von hohem Praxiswert: Weißabgleich im grafischen Menü mit Bracketing-Option.
Canon EOS 400D Histogramm

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Bei Bedarf lässt sich das Histogramm auch für die drei Farbkanäle einzeln anzeigen.

Canon EOS 400D

HerstellerCanon
Preis580.00 €
Wertung55.5 Punkte
Testverfahren1.5

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