Testbericht

Canon EOS 1Ds Mark III

Mit ihrem 21-Megapixel-CMOS setzt die Canon 1Ds Mark III eine neue Höchstmarke unter den digitalen SLR-Kameras mit Kleinbildgehäuse: 1752/1753 LP/BH bei ISO 100/400 sind schlicht beeindruckend - auch im Vergleich mit der Vollformat-Vorgängerin EOS 1Ds Mark II. Beim Rauschen ist die Neue ebenfalls besser. Zum Vergleich die Werte für ISO 400/1600: VN 0,7/1,6 schafft die Mark III, dagegen VN 1,3/2,9 die Mark II. Nicht anders beim Objektkontrast: Zwischen ISO 100 und 1600 fällt die Mark III von 10,0 auf 8,5 Blenden ab, die Mark II jedoch von 8,5 auf 7,5 Blenden. Mit 73/72,5 Punkten für die Bildqualität bei ISO 100/ 400 erreicht die neue Profi-EOS das bislang höchste Ergebnis unter den digitalen SLR-Kameras, was freilich in erster Linie auf das Konto der hohen Auflösung geht.

  1. Canon EOS 1Ds Mark III
  2. Datenblatt
Canon EOS 1Ds Mark III Vorderseite

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Canon EOS 1Ds Mark III Vorderseite

Höhenflüge bei der Auflösung wecken heute nicht mehr die gleiche Begeisterung, wie man das noch vor Jahren beobachten konnte. Viele digitale Kompakte hätte man gerne mit ein paar Megapixel Auflösung weniger, wäre dafür das Rauschen geringer. Anders gelagert sind die Verhältnisse in der Profiklasse: Bei einem Vollformat-Sensor (36 x 24 mm) sind 21 Megapixel noch kein Abenteuer. Mit dieser Auflösung setzt die Canon EOS 1Ds Mark III (8200 Euro) unter den SLR-Kameras mit Kleinbildgehäuse eine neue Höchstmarke und gleichzeitig andere Akzente als Nikon bei der D3. Denn die begnügt sich als Vollformat-SLR mit 12 Megapixel, ist dafür aber auf hohe und höchste ISO-Einstellungen bis 25600 ISO getrimmt. Die EOS erlaubt dagegen "nur" Empfindlichkeiten von ISO 100 bis 1600, erweiterbar bis ISO 50 und 3200. Die kleinere Pixelfläche (Pixelpitch 6,4 µm) ist der Tribut, den die EOS 1Ds Mark III der hohen Packungsdichte an Bildpunkten auf dem Sensor zollen muss. Zum Vergleich: 8,5 µm beträgt der Pixelpitch bei der Nikon D3 und 7,2 µm beim EOS-Schwestermodell 1D Mark III. Mikrolinsen, die näher als bisher an der Sensorfläche platziert sind, sollen bei der 1Ds Mark III Vignettierungseffekte durch schräg auffallende Randstrahlen verringern.

Canon EOS 1Ds Mark III Bedientasten

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Die Bedientasten links am Prisma mit teilweiser Doppelbelegung kennt man von den Vorgängermodellen.

Zwei Digic-III-Prozessoren verarbeiten die Bilder intern mit 14 Bit pro Farbkanal, in Photoshop öffnet sich ein Bild von beeindruckenden 47,55 x 31,7 cm bei 300 dpi. Zum Speichern der Bilder stehen zwei Kartenslots, einer für CompactFlash-, der zweite für SD-Karten bereit. Dabei sind verschiedene Speichermodi möglich, etwa getrennt nach Dateityp (z.B. RAW auf CF und JPEG auf SD). Oder Sie benutzen die zweite Karte als Überlaufspeicher, der dann aktiv wird, wenn die erste Karte voll beschrieben ist. Dritte Möglichkeit: Jedes Bild wird parallel auf beide Karten gespeichert, um bei unwiederbringlichen Motiven vom Start weg ein Backup zu haben.Trotz der großen Datenmengen ermöglicht die EOS 1Ds Mark III eine respektable Bildfrequenz von 4,8 Bildern pro Sekunde. Damit eröffnet sich der Kamera ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten zwischen Studio und Outdoor, von der Sachfotografie über Mode bis zu Action. Und immer bietet die Kamera dabei beruhigende Auflösungsreserven.Neben der maximalen Bildgröße mit 5616 x 3744 Bildpunkten lassen sich auch drei kleinere, platzsparende Formate (M1, M2, S) einstellen. Und neben RAW mit voller Auflösung erlaubt die Kamera auch eine sRAW-Variante mit etwa 5 Megapixel Auflösung, wenn man zwar kleinere Bilder benötigt, auf die Qualitätsreserven des RAW-Formats aber nicht verzichten will.

Über das Gehäuse der EOS 1Ds Mark III muss man nicht mehr viele Worte verlieren: Es besteht aus einer Magnesiumlegierung, ist spritzwassergeschützt und mit seinen fließenden Formen ein Klassiker des Kameradesigns. Die Klarheit der Linienführung findet ihre Entsprechung im Bedienkonzept: Vergleichsweise wenige Bedientasten gruppieren sich an der Rückseite um das zentrale Einstellrad inklusive Set-Taste. Das mit dem Daumen zu bedienende Rad ist Dreh- und Angelpunkt der Bedienung: Im Wiedergabemodus wechseln Sie damit von Bild zu Bild, in den Menüs von Eintrag zu Eintrag. Zudem lassen sich damit diverse Einstellwerte verändern; ein zweites Rad für den Zeigefinger findet sich wie üblich in Nachbarschaft des Auslösers. Zudem existiert ein kleiner Joystick oberhalb des Daumenrads, über den man beispielsweise Fokusmesspunkte anwählen oder in einem grafischen Weißabgleichsmenü navigieren kann. Über Aufnahmeeinstellungen und Messdaten informiert ein LC-Display rechts oben am Gehäuse, ergänzt durch ein schmales LCD unterhalb des TFT-Monitors.

Canon EOS 1Ds Mark III Display

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Die FEL-Taste zwischen Auslöser und Einstellrad dient zum manuellen Auslösen von Messblitzen.

Die Menüführung der aktuellen EOS-Profimodelle ist ein Muster an Übersichtlichkeit: Durch Aufteilen der Menü-Inhalte in neun Register wird Scrollen unnötig, weil jedes Register maximal sieben Einträge umfasst, die man auf dem Monitor komplett überblicken kann. Zwischen den Register-Reitern navigiert man mit dem Joystick, während man die Einträge mit dem Daumenrad anwählt. Durch Druck auf die Set-Taste gelangt man in das jeweilige Untermenü, um Einstellungen zu wählen und Werte zu verändern. Im Vergleich zu früheren Profimodellen wurden die Individualeinstellungen in vier Kategorien unterteilt, so dass man dem Angebot von 57 Einträgen besser Herr wird. Mit der Option "My Menu" können häufig verwendete Einstellungen als separates Menü gespeichert und von hier schnell wieder aufgerufen werden.

Der auf drei Zoll (7,5 cm) Bilddiagonale vergrößerte Monitor mit 76 700 RGB-Bildpunkten Auflösung und 170 Grad Betrachtungswinkel (vertikal/horizontal) kann im Live-View-Modus auch als Motivsucher verwendet werden. Ist Live-View vorgewählt, lässt ein Druck auf die Set-Taste den Spiegel aus dem Strahlengang schwenken, um den Bildsensor zum Erzeugen des Live-Bilds freizulegen. Im Live-Modus muss man auf den Autofokus verzichten, was insofern kein herber Verlust ist, weil die bei Konkurrenzmodellen zu beobachtende Trägheit der AF-Messung im Live-View-Modus diesen überwiegend auf statische Motive beschränkt. Und auf diese kann man dann auch gleich manuell scharfstellen, was durch eine Bildschirmlupe mit 5- oder 10-facher Vergrößerung erleichtert wird. Schärfentiefe, Belichtung und Weißabgleich werden simuliert; ein Live-Histogramm lässt sich ebenso einblenden wie ein Liniengitter zum exakten Ausrichten der Kamera.

Canon EOS 1Ds Mark III Speicherkarten

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Arbeitsteilung: Bei den Speicherkarten setzt Canon auf eine Kombination aus CompactFlash- und SD-Karte.

Die Live-View-Funktion wird von der im Lieferumfang enthaltenen Remote Capture Software unterstützt, was unter anderem das Fokussieren per Maus am Laptop ermöglicht. Für den Studiobetrieb interessant ist die Möglichkeit, das Live-View über einen per Video-out angeschlossenen Monitor zu nutzen. Ebenfalls profigerecht ist der neu konstruierte optische Sucher der EOS 1Ds Mark III: Mit einer Suchervergrößerung von 0,76 erscheint er dem Auge noch etwas größer als der nicht eben kleine Sucher der Nikon D3 (0,7). Die Höhe der Austrittspupille beträgt 20 mm, worüber sich Brillenträger freuen dürfen. Der teilverspiegelte Schnellrücklaufspiegel (mit einer Durchlässigkeit von 37 Prozent gegenüber 63 Prozent Reflexion) soll laut Hersteller selbst mit einem 600-mm-Tele der Lichtstärke 1:4 keine Vignettierung produzieren.

Die Kamera bietet alle gängigen Belichtungsprogramme und Messverfahren, darunter die mit der EOS 1D Mark III eingeführte Matrixmessung mit 63 Feldern (Mark II: 21 Felder), ergänzt durch mittenbetonte Integralmessung, Selektivmessung (ca. 8,5 Prozent des Gesichtsfelds) und Spotmessung (ca. 2,4 Prozent). Zudem ist eine Multi-Spotmessung möglich, bei der bis zu acht Messwerte zu einem Mittelwert verrechnet werden können. Auch beim Autofokussystem sind sich die beiden Canon-Profis 1D/1Ds Mark III einig: 19 Kreuzsensoren liefern die Daten für die automatische Fokussierung, ergänzt durch 26 Hilfssensoren, die bei der automatischen Schärfenachführung aktiv werden. Unter der Custom-Funktion III/7 bietet die Kamera die Möglichkeit, eventuell vorhandene Fokusdifferenzen durch manuelles Justieren des AF-Systems in 20 Schritten vor und hinter dem anfänglichen Fokuspunkt auszugleichen. Diese Einstellung solle der Anwender jedoch nur im Notfall selbst vornehmen, so Canon. Für den Normalfall empfehle man, den Autofokus in der Service-Werkstatt nachjustieren zu lassen.

Canon EOS 1Ds Mark III Akkuladegerät

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Das mitgelieferte Akkuladegerät nimmt bis zu zwei Lithium-Ionen-Akkus gleichzeitig auf.

Als Stromquelle dient bei den Mark-III-Modellen nicht mehr der sperrige NiMH-Block früherer EOS-Profimodelle, sondern der leichtere und kleinere Lithium-Ionen-Akku LP-E4. Der Ladezustand wird in sechs Stufen angezeigt. Das neue Ladegerät für zwei Akkus kann durch ein optional erhältliches 12-Volt-Anschlusskabel für den mobilen Einsatz im Auto ergänzt werden.

An lieferbarem Zubehör ist bei Canon kein Mangel: Die Bandbreite reicht vom Wireless File Transmitter WFT-E2 über ins-gesamt 10 Wechselmattscheiben bis zu mehreren Speedlite-Blitz-geräten, darunter das aktuelle Topmodell 580EX II, die Ringblitzleuchte MR-14EX, das Makro-Doppelblitzgerät MT-24EX und der Speedlite Transmitter ST-E2. Auf Basis einer hochentwickelten Vorblitzsteuerung (E-TTL bzw. E-TTL II) lässt sich auch ein kabelloser Blitzgeräteverbund komfortabel beherrschen. Unerfüllt bleibt nur der Wunsch nach mehr Flexibilität beim Blitzen in Zeitautomatik mit Blendenvorwahl (Av). Dabei lässt die Kamera dem Anwender nur die Wahl zwischen "Automatisch" (= Langzeitsynchronisation mit Blitz) und der kürzesten Blitzsynchronzeit von 1/250 s. Praktischer wäre es, könnte man die untere Verschlusszeitengrenze beim Blitzen in Zeitautomatik selbst definieren (beispielsweise mit 1/60 oder 1/30 s), wie das bei Nikon seit Jahren möglich ist. So könnte der Anwender selbst den opti-malen Kompromiss zwischen "Restlichtverwertung" und freihandtauglicher Verschlusszeit definieren.

Test

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Beurteilung nach neuen Testkriterien

Canon EOS 1Ds Mark III

Mit einer Top-Bildqualität bei ISO 100 holt sich das Profimodell von Canon den Best-Wert im gesamten Testfeld. Mit ihren 21 Megapixeln bekommt sie natürlich auch die Bestnote in der Grenzauflösung. Bei ISO 800 und ISO 1600 kommt das Gerät auf eine gute Bildqualität, verschenkt hier aber durch Kurtosiswerte um 1 den unangefochtenen Spitzenplatz. Auch das Bildrauschen nimmt bei höherer Auflösung merklich zu. Zwar sind diese Werte immer noch gut bis sehr gut, aber bei hohen Empfindlichkeiten bieten die wenigeren aber größeren Pixel der Konkurrenz Vorteile beim Rauschen.

Bildsprung Canon EOS 1Ds Mark III

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Alle Einträge eines Registers (insgesamt neun) lassen sich auf einer Bildschirmseite komplett ablesen.
Custom-Funktion Canon EOS 1Ds Mark III

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Unter den Custom-Funktionen finden sich Voreinstellungen für verschiedene Wechselmattscheiben.
Weißabgleich Canon EOS 1Ds Mark III

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Unter "My Menü" kann sich der Anwender sein eigenes Menü mit häufig gebrauchten Einstellungen konfigurieren.
Bildgröße Canon EOS 1Ds Mark III

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Neben JPEGs in vier Größen können RAW-Bilder und ein in der Auflösung reduziertes sRAW gespeichert werden.

Canon EOS 1Ds Mark III

HerstellerCanon
Preis6500.00 €
Wertung46.5 Punkte
Testverfahren1.6

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