Testbericht

Canon EOS 1D Mark IV - Gelungene Synthese

Die EOS 1D Mark IV löst die Mark III als Canons Reportagekamera ab. Wie schlägt sich die neue gegen ihre Vorgängerin und die Konkurrentin Nikon D3s?

  1. Canon EOS 1D Mark IV - Gelungene Synthese
  2. Datenblatt
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Canon befragte nach eigenen Angaben 1500 Fotografen in Europa und über 5000 in der ganzen Welt zu ihren Wünschen und Ansprüchen an eine professionelle Reportagekamera. Herausgekommen ist die EOS 1D Mark IV für 4700 Euro. Wie ihre Vorgängerin EOS 1D Mark III für aktuell noch 3000 Euro setzt auch die neue auf einen Sensor im APS-H-Format von 28,1 x 18,7 mm und eine lichtempfindliche Fläche zwischen APS-C und Vollformat, nun jedoch mit 16 Megapixeln und Empfindlichkeiten bis ISO 102 400 - exakt wie die wichtigste Konkurrentin Nikon D3s für ebenfalls 4800 Euro, die sich allerdings mit 12 Megapixeln auf einem Vollformatsensor begnügt.

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Canon hat den Aufbau des Sensors grundlegend überarbeitet. Nahtlos angeordnete Mikrolinsen, eine geringere Sensordicke und eine nochmals reduzierte Schaltkreisarchitektur sollen die Nachteile kleinerer Pixel ausgleichen. Die Aufgabe der neuen Dual-Digic IV-Bildprozessorgeneration besteht nun vor allem darin, ohne an Geschwindigkeit einzubüßen bei rund 50 Prozent mehr Pixeln, aber von 7,2 µm auf 5,7 µm verkleinerten Pixelabständen das Potential der höheren Auflösung auch in Bildqualität umzusetzen. Ausstattungsseitig bietet die neue eine Filmfunktion sowie einen verbesserten Autofokus mit 39 Kreuzsensoren, dagegen blieben Gehäuse- und Bedienungskonzept weitgehend unverändert, und so steht natürlich die Bildqualität und Performance im Vordergrund des Interesses.

Was bringen die 16 Megapixel?Bei der Auflösungsmessung profitiert die 1D Mark IV von der höheren Pixelzahl und punktet mit 1387 Lp/Bh, die bis 1306 Lp/Bh bei ISO 1600 praktisch unmerklich abfallen. Die EOS 1D Mark III bringt es hier "nur" auf 1171 bzw. 1097 Lp/Bh. Die neue Vollformat-Nikon D3s (Test Heft 2/2010 und www.colorfoto.de/Nikon-SLR-Kameras_747605.html) kommt mit ihrem 12-Megapixel-Sensor auf 1215 bzw. 1200 Lp/Bh.

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In puncto Rauschen zeigt sich der Fortschritt der Technik bei den höheren ISO-Werten 800 und 1600. Hier ist die Mark IV mit 0,8 bzw 1,1 VN trotz kleinerer Pixelabstände sehr gut und deutlich besser als die Mark III mit 1,3/1,9 VN. Und auch die Nikon D3s kann das mit nur 0,1 VN niedrigeren Rauschwerten trotz größerer Pixel nicht wirklich besser. Da aber die Canon-Rauschunterdrückung mit zunehmenden ISO-Werten immer aggressiver zu Werke gehen muss, ist der Texturverlust bei Canon höher als bei  Nikon.

Das bedeutet: Die Rauschunterdrückung löscht mehr feine niedrigkontrastige Details. Bei höheren Empfindlichkeiten muss die Canon dann die Nikon auch beim Rauschen ziehen lassen: Ein VN-Wert von 2,9  bei ISO 6400  steht bereits für ein sichtbares Rauschen. Die Nikon kommt erst bei ISO  50 000 auf eine VN-Wert von 3,0. Im Fall der Canon ist also eher bei ISO  3200 Schluss, wenn rauscharme Bilder für den Druck benötigt werden. Geht es dagegen um den klassischen Zweispalter in der Tageszeitungen sind auch höhere Empfindlichkeiten problemlos nutzbar. Dabei steigen die VN-Werte von 4,4 bei ISO 12_800 über 7,2, 13,4 bis auf 36,2 beim neuen Rekordwert ISO 102_400.

Trotzdem hat hier die Nikon die Nase klar vorn  mit VN-Werten von 2,0, 3,0 und 14,1 für ISO  25 000, 50 000 und 100 000.  Beim Dynamikumfang zeigt die EOS 1D Mark IV bis ISO 16000 trotz absolut guter Werte von 9,5 bis 9 keine Verbesserung gegenüber der 1D Mark III. Die Nikon vermag zumeist noch eine halbe Blende mehr Objektkontrast wiederzugeben. Bei ISO 6400 beträgt der wiedergegebene Objektkontrast der EOS 1D Mark IV maximal noch gut 8 Blenden. Darüber geht es mit jeder ISO-Stufe um einen EV-Wert bergab.

Bei der Farbgenauigkeit liegt die EOS 1D Mark IV mit 7,6 DeltaE und beim Weißabgleich mit 1 DeltaRGB im Bereich des Üblichen, und auch die 21 Pixelfehler halten sich noch im Rahmen.Unterm Strich: Von der Mark III kann sich die Mark IV neben der höheren Auflösung auch mit einem besseren Rauschverhalten bei höheren ISO-Werten absetzen. Gegen die Rivalin Nikon D3s hat die EOS 1D Mark IV bei höheren Empfindlichkeiten aber das Nachsehen, weil die Nikon ihre geringere  Auflösung mit einer besseren Textur, geringerem Rauschen und höherem Objektkontrast mehr als ausgleicht.

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Praktische TugendenMit 8,7 B/s bei voller 16-Megapixel-Auflösung und 14 Bit Datentiefe ist sie die Schnellste dieser Auflösungsklasse. Zwar fordert die hohe Pixelzahl ihren Tribut und die 9,9 B/s der 10-Megapixel-03k III werden nicht ganz erreicht, doch kommt auch die Nikon D3s "nur" auf 8,8 Bilder/Sekunde bei 12 Megapixeln. Zudem sind 85 JPEGs in bester Qualität mit Höchstgeschwindigkeit auf konventionellen SDHC- und CF-Karten möglich. Mit einer Einschaltverzögerung von 0,4 s ist die EOS 1D Mark IV so schnell wie die anderen aktuellen EOS-SLRs. Eine Spot-AF-Zeit plus Auslösever-zögerung von 0,3 s bei 3000 und 0,39 s bei 30 Lux ist allerdings keine Glanzleistung. Es ist zwar nur einen Tick langsamer als die Nikon, doch kam die Mark III bei 3000 Lux noch auf 0,13 s. Zu den von der Mark III übernommenen Tugenden wie dem stabilen, spritzwassergeschützten Magnesiumgehäuse mit integrierten Akkugriff für den großen ausdauernden Lithium-Akku und den großen 100-%-Sucher mit einer Vergrößerung von 0,58x sind inner- wie äußerlich neue hinzugekommen.

Mit dem AI-Servo-II-Autofokus-System stehen 39 Kreuzsensoren über das gesamte Bildfeld verteilt zur Verfügung. Eine Reduzierung auf 19, 11 oder 9 Punkte kann die Fokussierung u. U. beschleunigen. Ein Fokuspunkt kann in Abhängigkeit von der Kameraausrichtung festgelegt werden, so dass er bei Wechsel von Hoch- zu Querformat an seiner Stelle etwa im unteren Bilddrittel bleibt.

Neu in einer Profi-EOS ist der Auto-Lighting-Optimizer. Der schon von der EOS 50D bekannte ALO sorgt in einer verbesserten Version in der EOS 1D Mark IV bereits während der Aufnahme auf Basis einer Histogrammauswertung für eine automatische Anpassung von Kontrast und Helligkeit bei besonders kontrastarmen oder -reichen Motiven. Die Vignettierung von über 40 Objektiven kann automatisch korrigiert werden. Auch die automatische Vignettierungskorrektur erstmals in einem Gerät der EOS-Profi-Serie dient der Arbeitserleichterung.

Die neue Auto-ISO-Funktion erlaubt das Fotografieren mit fest vorgewählter Blende und Belichtungszeit unter wechselnden Lichtbedingungen durch die Anpassung der ISO-Empfindlichkeit, wenn nötig über den gesamten Standardbereich von 100-12 800 ISO. Wenn nicht die volle Auflösung gefordert ist, kann die EOS 1D Mark IV in den verkleinerten RAW-Formaten mRAW (9 Megapixel, 3672_x_2448 Pixel) oder sRAW (4 Megapixel, 2448 x 1632 Pixel) aufzeichnen. Das verringert die Dateigröße von ca. 22 MB für 16 Megapixel auf 15 MB mit 9 Megapixel oder 10 MB mit 4 Megapixel unter Erhalt aller Optionen der digitalen RAW-Entwicklung.

Ein "Flüstermodus" verringert bei Bedarf das Auslösegeräusch von Einzelaufnamen. Das Speichern der Bilder erfolgt auf Compact-Flash- und SD-Karten. 

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Live-View mit Autofokus Wesentliche Fortschritte bietet die EOS 1D Mark IV im Live-View-Modus. Eine Sekunde nach Drücken der großen "Set"-Taste in der Mitte des rückwärtigen Rändelrads erscheint das Live-View-Bild auf dem Monitor. Für das Fokussieren stehen jetzt je nach Vorwahl im Einstellungsmenü unter Quick-Fokus das Phasendetektionssystem mit seinen 45 Sensoren oder der Live-Modus mit Kontrast-AF auf dem Bildsensor mit einem frei beweglichen Feld wahlweise mit oder ohne Gesichtserkennung zur Wahl. Die Live-View-Autofokussierung erfolgt wie gewohnt durch Antippen des Auslösers. Bei kontrastreichen Motiven funktioniert auch der Kontrast-AF sehr zügig, bei weniger strukturierten Motiven sucht er auch mal etwas länger. Das durch einen weißen Rahmen markierte Live-View-AF-Messfeld kann bei Bedarf mittels des Multi-Controllers an eine beliebige Stelle im gesamten Bildfeld platziert werden. Bei manueller Fokussierung erleichtert eine Lupenfunktion mit 5- oder 10facher Vergrößerung zusammen mit dem scharfen Monitorbild die präzise Entfernungseinstellung. Zwei unterschiedlich dichte Gittereinblendungen auf dem Monitor helfen, falls gewünscht, bei der Kameraausrichtung.Schon von der EOS 1D Mark III bekannt ist die Möglichkeit, per Custom-Funktion III/7 mit dem AF-System Fokusdifferenzen verschiedener Objektive in 20 Schritten vor und hinter dem anfänglichen Fokuspunkt auszugleichen. Bis zu 20 registrierte Objektive werden beim Ansetzen an das Gehäuse automatisch erkannt.

Full-HD-Movie-FunktionEinen weiteren echten Mehrwert bringt die Full-HD-Moviefunktion der EOS 1D Mark IV. Mit ihrer 1920 x 1080-Pixel-Auflösung nehmen die EOS-Modelle (und die Lumix GH1) eine Sonderstellung ein. Die Aufzeichnung erfolgt im weit verbreiteten MOV-Format mit MPEG-4-Kompression (AVC/ H.264). Die Nikon-Beschränkung der HD-Movies auf 1280 x 720 Pixel setzt sich dagegen wie schon in der D90 und der 5000D auch in der D3s fort. Gefilmt wird mit der EOS 1D Mark IV ähnlich, wie im Live-View-Modus fotografiert wird.

Die Auto-Fokussierung erfolgt per Kontrastmessung auf dem Sensor, als Belichtungsmess-Modi stehen Mehrfeldmessung und mittenbetonte Integralmessung ebenfalls auf dem Sensor zur Wahl. Die Belichtungssteuerung erfolgt per Programmautomatik mit Korrekturmöglichkeit oder manueller Zeit- und Blendenwahl. Das integrierte Mikrofon nimmt nur in Mono auf. Stereo-Ton erfordert ein extra Mikro.

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Individuelle Einstellungen, professionelle VerbindungenDie 62 Punkte in den Custom-Functions der EOS 1D Mark IV, jeweils mit mehreren Unter-Optionen, deren Aufzählung den Rahmen des Tests sprengen würde, erlauben eine individuelle Anpassung nach Maß. Zahlreiche Anschlüsse machen die EOS 1D Mark IV schließlich professionell kommunikativ. Dank HDMI-Anschluss können Videos direkt aus der Kamera über HDTV-Geräte abgespielt werden. Zusätzlich gibt es einen normalen Videoausgang (PAL/NTSC). Ein Mikrofon kann über Klinkenstecker angeschlossen werden.

Ein USB-Highspeed Anschluss verbindet mit Mac oder PC, und die mitgelieferte Software erlaubt auch die Steuerung der EOS 1D Mark IV vom Computer aus. Schließlich ist dank des Anschlusses für den neuen W-LAN-Übertrager WFT-E2II nicht nur kabellose Bildübertragung möglich, sondern auch Bluetooth-Anbindung von GPS-Empfängern oder Kameraauslösung per Java-fähigem Internetbrowser.

Mit dieser reichhaltigen Ausstattung schafft es die EOS 1D Mark IV am Ende auf eine Gesamtpunktzahl von 73,5 Punkten und liegt damit 19,5 Prozent über dem Durchschnitt.  

Fazit: Die EOS 1D Mark IV hinterlässt einen gemischten Eindruck. Im Vergleich zur EOS 1D Mark III bringt die Mark IV eine höhere Auflösung bei geringerem Rauschen. Die Dimension der vergleichbar teuren Nikon D3s mit ihren hervorragenden Kurtosiswerten und ihrer Detailtreue sowie dem geringen Rauschen auch bei hohen ISO-Werten erreicht die Mark IV jedoch nicht. Als Gesamtkonzept bietet die Mark IV dennoch eine gelungene Synthese. Sie verbindet die schon bei der 1D Mark III bewährte Technik - robustes, spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse, Verschluss gut für 300 000 Auslösungen, ausdauernder Akku für bis zu 1500 Fotos, praktische Bedienungselemente und übersichtliche Menüführung - mit neuen Funktionen auf dem Stand der Technik, etwa mehr und empfindlichere Kreuzsensoren. Ein echter Gewinn ist die Live-View-Funktion mit Autofokus, speziell in Verbindung mit dem neuen LCD-Monitor. Und Canons HD-Movie-Funktion mit 1920 x 1280 Pixeln setzt derzeit Maßstäbe.

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Spiegel-Mechanik
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Prisma
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Monitor Informationen
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Aufbau der Microlinsen
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LCD-Display - Informationen
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Bildausschnitt ISO1600 ohne NR
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Bildausschnitt ISO1600 mit NR
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Bildausschnitt ISO6400 ohne NR
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Bildausschnitt ISO6400 mit NR
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Bildausschnitt ISO12800 ohne NR
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Bildausschnitt ISO12800 mit NR
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Bildausschnitt ISO25600 ohne NR
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Bildausschnitt ISO25600 mit NR
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Bildausschnitt ISO102400 ohne NR
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Bildausschnitt ISO102400 mit NR

Canon EOS 1D Mark IV

HerstellerCanon
Preis4200.00 €
Wertung51.5 Punkte
Testverfahren1.6

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